Großbritannien Vorbild in der Krise

Britische Universitäten gelten in Deutschland als Maßstab aller Reformen. Das ist unsinnig, denn sie haben sich zu Ausbildungsfabriken und Akademiker-Maschinen entwickelt.

Wenn die englische Philosophiestudentin Kate, 23, Deutschen ihr akademisches Traumziel erklärt, erntet sie verständnislose Blicke: »Wie, Deutschland?« – »Ja, Deutschland.« Kates Wunsch klingt paradox. Wollen doch übereifrige Bildungsreformer in Deutschland einführen, was sie für das vorbildliche und effiziente Universitätssystem halten: das angloamerikanische. Doch seit ihrem Auslandsjahr sehnt sich Kate nach diesem eigenartigen Land, in dem man sich selbst im Denken orientieren muss. Sie will dort promovieren, sich gründlich und in aller Ruhe mit komplizierten Gedanken über den Untergang der Zivilisation befassen, mit Karl Poppers Attacken gegen totalitaristische Philosophien ebenso wie mit aktuellen Positionen zum viel beschworenen »Kampf der Kulturen«.

Tatsächlich ist das Vereinigte Königreich das falsche Vorbild für Deutschlands Reformen. Seinen Universitäten geht es nicht besser als unseren: Großbritanniens Unis haben sich zu Ausbildungsfabriken entwickelt. Mit der Campus-Idylle hinter den efeuumrankten Mauern von Oxbridge teilen sie nicht mehr als die Kulisse.

Den Takt der akademischen Maschine geben seit der Thatcher-Ära und verstärkt durch die Labour-Regierung drei Trends vor: erstens die wachsende Unterfinanzierung der Universitäten, zweitens das Pampering (»Windeln«) der »Kunden«, also der Gebühren zahlenden Studenten, die den Unis aus der finanziellen Misere helfen sollen, und drittens die bürokratische Qualitätskontrolle ihres Personals, micromanagement genannt.

Großbritannien verscherbelt sein akademisches Tafelsilber, um sich auf den ersten Plätzen des akademischen Weltmarktes zu positionieren. Wir gehören zu den gutgläubigen Abnehmern auf dem Ramschmarkt für akademisches Prestige.

Doch werden die britischen Universitäten wie die deutschen vor allem durch staatliche Zuwendungen finanziert, und sie ächzen unter Schuldenbergen. Obwohl die britischen Unis ihre Ausgaben erheblich abgespeckt haben, hält das in der Thatcher-Ära der achtziger Jahre begonnene Gesundsparen an. Wie ihre deutschen Kollegen schneiden britische Uni-Manager ihre ehrgeizigen akademischen Pläne deshalb auf die Interessen verschiedener Geldgeber zu: Sie werben mit eigenen Veranstaltungen für Spenden der Alumni, vermieten Hörsäle und Seminarräume, jagen nach Drittmitteln und Studiengebühren.

Das hochfliegende Ziel der britischen Regierung, 50 Prozent eines Jahrgangs mit einem Hochschulstudium zu beglücken, vergrößert das Jagdrevier erheblich: Studentenzahlen und Studiengebühren steigen schneller als in Deutschland. Zahlten europäische Studierende vor wenigen Jahren noch 1000 Euro für einen Bachelor, sind es jetzt schon über 4000. Overseas students, Asiaten und Amerikaner, müssen sogar mehr als den dreifachen Betrag hinblättern – und werden deshalb, die Eignung für das Studium vorausgesetzt, bevorzugt aufgenommen.

Außerdem dehnen britische Unis wie die deutschen ihr akademisches Jagdrevier durch neue Master- und Promotionsprogramme aus. Anders als in Deutschland zählt dabei aber vor allem ein Kriterium: die Vermarktbarkeit. Praxisorientierte Programme wie Asian oder European studies gehören zu den Rennern auf dem Markt der akademischen Angebote. Sie prägen eine schnelllebige Wissenschaftslandschaft, in der Wissen schnell veraltet.

Aus der hart arbeitenden Studierendenelite sind Kunden geworden, die neue Produkte und umfassenden Service einkaufen wollen. In bester Pampering-Manier werden die Kunden dabei vom Schnupperkurs bis zum Examen umsorgt. Verschulung heißt die Devise – wie in Deutschland seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge.

Dem Zufall überlässt man nichts: Die meisten Kurse stehen schon seit Jahrzehnten »in den Büchern«, sind an zahlreichen Studentengenerationen erprobt. Essaythemen werden vorgegeben, Examina geübt. Ein verschultes System wie dieses gewährleistet, dass keiner durchfällt – und fördert den akademischen Durchschnitt.

Das Ergebnis ist ein stromlinienförmiger Pragmatismus: Der Bachelor dient der Karriere im nichtakademischen Bereich. Ein historischer Grund für diesen Pragmatismus liegt darin, dass »Bildung« in England ein Fremdwort ist. Zudem zählen vor allem die Institution und ihre Tradition; das Individuum hat in diesem Rahmen zu funktionieren. Eigeninitiative und forschungsnahes Lernen gehören zwar dazu, werden aber nur selten gefördert: etwa durch die wöchentliche einstündige Einzelbetreuung (tutorial), wie sie in Oxbridge noch üblich, aber mittlerweile umstritten ist.

Pampering und Konsummentalität gefährden die Zukunftspläne nicht nur der britischen Unis. Denn diese stehen bereits jetzt vor den Problemen, die auf uns noch zukommen: Wie lassen sich Studierende dazu motivieren, sich über den Bachelor hinaus für einen Master oder gar einen Ph.D. (Doktorgrad) anzustrengen? Und wie sollen sie das bezahlen? Wer viel Geld für einen Bachelortitel ausgegeben hat, überlegt sich, ob er noch einmal und noch mehr in einen akademischen Grad investieren soll, der ihm – ein Master in Wirtschaft oder Recht ausgenommen – nur in der akademischen Welt weiterhilft.

Fragen wie diese beschäftigen das britische Lehrpersonal, sofern es dazu noch Zeit findet: Das Bild vom britischen scholar, der halb Gentleman, halb Gelehrter ist, gehört der Vergangenheit an. Wie deutsche Wissenschaftler sind die britischen Lehrer Administratoren, Gutachter, Projektmanager und Publizisten in einer Person. Ihre Leistungen werden sorgsam und jährlich inneruniversitär kontrolliert. Gehalt und Position richten sich nach dem Ergebnis der Evaluation von Forschungs-, Lehr- und Verwaltungsleistungen.

Alle acht Jahre kommen die staatlich geleiteten Evaluationen von Forschung und Lehre (research beziehungsweise teaching assessment exercises) hinzu. Sie sind anders angelegt als die Begutachtungen im Rahmen der deutschen Exzellenzinitiative: Die exercises erstrecken sich auf alle britischen Institute, werden mit einem riesigen Aufwand an Zeit und Geld betrieben und verteilen nach einem Notenschlüssel erhebliche Summen öffentlicher Gelder.

Zwar gewährleisten diese Übungen die Sichtbarkeit des leistungsstarken akademischen Nachwuchses und sorgen für Dynamik in der Weiterentwicklung von Forschung und Lehre, aber zugleich wächst die Kritik: Die exercises steuern Wissenschaft von oben, binden personelle Ressourcen und führen zu wissenschaftsfremden Sonderkonjunkturen, was Tagungen, Publikationen und Studienprogramme betrifft.

In internationalen Rankings hat das marktförmige englische System zwar aktuell die Nase vorn, aber eine kräftige Dosis Humboldt täte ihm gut. Umgekehrt kann das deutsche Uni-Wesen nur genesen, wenn es den Marktwert Humboldts neu bestimmt: Die Studierenden der Gegenwart sind vernetztes Denken im digitalen Nirwana gewöhnt – beste Voraussetzungen für eigenständige Experimente im Bereich von Natur, Technik und Geist!

Wir müssen voneinander lernen! Das beste aller Hochschulsysteme liegt irgendwo zwischen den Britischen Inseln und dem Kontinent, in einer gemeinsamen europäischen Zukunft: Anders als Deutschlands Massenuniversitäten zeichnen sich die britischen noch durch kleine Kurse, flache Hierarchien und Schwundformen einer debattenfreudigen Kultur aus. Die Stärken deutscher Unis liegen im Zusammenspiel von Forschung und Lehre; sie heißen Bildung und Eigeninitiative – Werte, die aktuell leider nicht hoch im Kurs stehen, weil sie sich nicht herbeiregulieren lassen.

Um sie nicht endgültig wegzureformieren, sollten wir von allzu perfektionistischen Evaluierungen Abstand nehmen, unsere Universitäten entschulen und die Eigenständigkeit der Fachhochschulen ebenso wie der Ausbildungsberufe fördern. Erst wenn wir die Stärken unseres viel gescholtenen Systems im Sinne einer europäischen Hochschulvision weiterentwickeln, hätten wir eine Chance, unser akademisches Tafelsilber für den globalen Wettbewerb um Wissen aufzupolieren.

Sandra Richter, 34, Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Stuttgart, war bis 2007 Professor of German am Kings College in London

 
Leser-Kommentare
  1. Schade, daß sich solche qualifizierten Bedenkenträger wie Frau Richter erst zu Wort melden, nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Das deutsche System ist durch die Umstellung auf den BA schon fast vollständig verschult worden: in Zukunft wird nur noch in Modulen gelernt, die Noten werden im continuous assessment vergeben, echte, große Abschlußprüfungen, die einen wirklichen Überblick über das Fach, seine Fragestellungen und seine Arbeitsmittel erfordern, gehören bald völlig der Vergangenheit an, ebenso wie das wissenschaftliche Arbeiten, das man dann irgendwann zwischen MA und Dr erwerben muss.Ich promoviere z.Z. in Australien zu Ende, mein Partner lehrt an einer Uni hier, und während ich die Möglichkeiten, die das akademische Volk hier hat, nicht ohne Neid betrachte (kein Habilitationszwang, Möglichkeit, sich schon früh kreativ und verantwortungsvoll in die Lehre einzubringen, anstatt dem Herrn Professor die Hand-outs und den Beamer hinterherzutragen), habe ich schon auch gemischte Gefühle, was die studentische Seite betrifft. Da gibt es zu jeder Veranstaltung genau ausgeführte hand-books, mit detaillierten Literaturhinweisen, präzisen Fragestellungen für Lektüre, Essay und Tutorat -- also das, was Sandra Richter in ihrem Artikel als "Pampering" bezeichnet. Eigenregie Fehlanzeige. Die Veranstaltungen werden, zumindest in den Geisteswissenschaften, in Modulform besucht, jeweils im Paket aus Vorlesung und Tutorat. Referate gibt es kaum. Zu Semesterende ein Examen, gern auch als "take-home", das ist angst- und stressfrei, und im neuen Semester wird mit neuen Modulen weitergemacht, ohne daß am Schluss alles zusammengeführt würde.

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    ich hatte Ende der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre (mit Unterbrechung in D) in England studiert - und nach dem deutschen Grundstudium kam mir die englische Universität vor wie ein Windstoß, der ein Fenster öffnet - die deutsche Universität war/ist provinziell, dieses ewige gleiche dumme runterbeten von der größeren "Selbständigkeit" der Studenten in D - wo ist die denn, wenn es um Erkenntnisse, die Ausarbeitung selbständiger Positionen geht??Die von CarlaColumna monierten Hand-outs mit konkreten Fragestellungen (wir haben sogenannte "essays" bis zum umfallen geschrieben) waren ein hervorragendes Instrument zum erlernen von zielgerichtetem Abarbeiten von Problemen - warum wohl können deutsch Studenten bis ans Ende ihrer Studienzeit nicht schreiben? Nicht formulieren? Warum sind ihre Arbeiten überfüllt mit pseudo-wissenschaftlichem Sondermüll?Warum haben sie nie gelernt Fragen zu stellen/bzw. diese zu formulieren, und dann auch wirklich zu BEANTWORTEN?Warum können deutsche Akademiker nur in Ausnahmefällen klar und deutlich schreiben? Warum sind deutsche "wissenschaftliche" Produkte so übermäßig oft einfach nur verquirlter Quark???Und warum, last but not least, lehrt ihr Mann in Australien, und nicht im ach so tollen Humboldt-Deutschland??Weil er hier keinen angemessenen, verantwortungsvollen und gestaltbaren Posten bekommt? Weil er hier nur von deutscher Professorenherrlichkeit ausgequetscht würde wie eine Zitrone, die ihm seine wissenschaftliche Arbeit stehlen, um sich selbst zu profilieren?Warum verlassen deutsche Akademiker in Scharen das Land ins angelsächsische Übersee? (auch wenn dort nicht alles Idylle ist?) - aus meinem Jahrgang sind fast alle (männlichen) Akademiker im Ausland - wer nicht wegquotiert wurde, hat angesichts der hiesigen Arbeits- und (fehlenden) Leistungsverhältnisse das Handtuch geworfen....

    Angstfrei????Ich habe in Nottingham ein Semester studiert und ich finde es eine Unverschämtheit, wie die britischen Studenten hier entwürdigt werden. Wenn man für einen Literaturkurs 9 Bücher lesen mus, 2 Essays einreichen soll, eine Prüfung zu absolvieren hat, dann ist das stressig und anstrengender als das, was ich in Deutschland als Magistrantin kennengelernt habe. Allein für Politikwissenschaft musste ich 2 Schmöker von Wallace and Wallace and Ian Bache durchackern.Pampering? Als ob die uns hier die Noten hinterher werfen würden! Ich habe hier enorme Fortschritte gemacht, weil es eben nicht so leicht ist, eine 2.1 zu erreichen.  Die TOPICS werden und in der BRD auch zu Beginn des Semesters auf dem Silbertablett serviert--und wer brav mitgearbeitet hat, der wird auch erahnen können, wie die Fragestellungen ausfallen werden.

    ich hatte Ende der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre (mit Unterbrechung in D) in England studiert - und nach dem deutschen Grundstudium kam mir die englische Universität vor wie ein Windstoß, der ein Fenster öffnet - die deutsche Universität war/ist provinziell, dieses ewige gleiche dumme runterbeten von der größeren "Selbständigkeit" der Studenten in D - wo ist die denn, wenn es um Erkenntnisse, die Ausarbeitung selbständiger Positionen geht??Die von CarlaColumna monierten Hand-outs mit konkreten Fragestellungen (wir haben sogenannte "essays" bis zum umfallen geschrieben) waren ein hervorragendes Instrument zum erlernen von zielgerichtetem Abarbeiten von Problemen - warum wohl können deutsch Studenten bis ans Ende ihrer Studienzeit nicht schreiben? Nicht formulieren? Warum sind ihre Arbeiten überfüllt mit pseudo-wissenschaftlichem Sondermüll?Warum haben sie nie gelernt Fragen zu stellen/bzw. diese zu formulieren, und dann auch wirklich zu BEANTWORTEN?Warum können deutsche Akademiker nur in Ausnahmefällen klar und deutlich schreiben? Warum sind deutsche "wissenschaftliche" Produkte so übermäßig oft einfach nur verquirlter Quark???Und warum, last but not least, lehrt ihr Mann in Australien, und nicht im ach so tollen Humboldt-Deutschland??Weil er hier keinen angemessenen, verantwortungsvollen und gestaltbaren Posten bekommt? Weil er hier nur von deutscher Professorenherrlichkeit ausgequetscht würde wie eine Zitrone, die ihm seine wissenschaftliche Arbeit stehlen, um sich selbst zu profilieren?Warum verlassen deutsche Akademiker in Scharen das Land ins angelsächsische Übersee? (auch wenn dort nicht alles Idylle ist?) - aus meinem Jahrgang sind fast alle (männlichen) Akademiker im Ausland - wer nicht wegquotiert wurde, hat angesichts der hiesigen Arbeits- und (fehlenden) Leistungsverhältnisse das Handtuch geworfen....

    Angstfrei????Ich habe in Nottingham ein Semester studiert und ich finde es eine Unverschämtheit, wie die britischen Studenten hier entwürdigt werden. Wenn man für einen Literaturkurs 9 Bücher lesen mus, 2 Essays einreichen soll, eine Prüfung zu absolvieren hat, dann ist das stressig und anstrengender als das, was ich in Deutschland als Magistrantin kennengelernt habe. Allein für Politikwissenschaft musste ich 2 Schmöker von Wallace and Wallace and Ian Bache durchackern.Pampering? Als ob die uns hier die Noten hinterher werfen würden! Ich habe hier enorme Fortschritte gemacht, weil es eben nicht so leicht ist, eine 2.1 zu erreichen.  Die TOPICS werden und in der BRD auch zu Beginn des Semesters auf dem Silbertablett serviert--und wer brav mitgearbeitet hat, der wird auch erahnen können, wie die Fragestellungen ausfallen werden.

  2. Ein sehr guter Artikel, der mal endlich aus etwas kritischer Perspektive den Verfall der universitären Bildung zur Ausbildung beschreibt. "Main-streamism" und "Short-termism" sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang noch genannt werden müssen. Aber die Fähigkeit zum kritischen Denken ist ja nicht mehr so gern gesehen wie Früher, hält nur vom ordentlichen Funktionieren ab. Naja, ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich ihre deutsche Bildungslandschaft mal so vorgestellt hat. Aber es hat sich am Anfang auch niemand so richtig getraut, fuer die Akademiker, und vor allem die angehenden Akademiker, die Studenten, eine Lanze zu brechen. Student sein galt seit '68 immer auch als etwas irgendwie leicht Anrüchiges. Das muss wohl etwas mit der Tradition des deutschen Bürgertums zu tun haben und interessiert mich nur am Rande. Die Folgen des schlechten Rufs, den die da oben in ihrem Elfenbeinturm so lange genossen, lassen sich aber sehr gut beobachten. Und lustigerweise haben die Verfechter der universitären Gleichschaltung immer behauptet, sie würden die administrativen Abläufe rationalisieren; das genaue Gegenteil ist eingetreten, wenn auch auf einem anderen Niveau: Der Evaluierungswahnsinn führt zum galoppierenden Einzug des Champignonprinzips - wer zuerst seinen Kopf aus der Masse erhebt, wird abrasiert. Gnadenlos. Willkommen im funktionalen Totalitarismus. Wie lange das noch gut gehen wird, wage ich nicht voherzusagen, aber diese Art der neoliberal angehauchten Universitäts- uind Gesellschaftsführung ist allen Auguren nach eine peinliche Sackgasse.

    • fkstep
    • 24.06.2008 um 9:56 Uhr

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Er entspricht auch meiner Erfahrung (USA) und ist in vielen Berichten  von Erasmus- und DAAD-Stipendiaten nachzulesen.Gruß

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    • mhmmmm
    • 24.06.2008 um 19:54 Uhr

    Genau! Kann ich nur bestätigen! Ich war an der University of Bristol und habe dort 1 Jahr 'Mechanical Engineering' studiert! Es war einfach unglaublich im Vergleich mit Deutschland, dafür aber wirklich gut organisiert. Alles wurde einem vorgebetet und die Eigenleistung war recht gering, dafür die Klausuren lächerlich einfach, dabei zählt die Uni zu einen der besten Englands (gilt als Uni der 'Oxbridgerejects' und fast nur Studenten da, die vorher auf ner 'Public School' waren)

    • mhmmmm
    • 24.06.2008 um 19:54 Uhr

    Genau! Kann ich nur bestätigen! Ich war an der University of Bristol und habe dort 1 Jahr 'Mechanical Engineering' studiert! Es war einfach unglaublich im Vergleich mit Deutschland, dafür aber wirklich gut organisiert. Alles wurde einem vorgebetet und die Eigenleistung war recht gering, dafür die Klausuren lächerlich einfach, dabei zählt die Uni zu einen der besten Englands (gilt als Uni der 'Oxbridgerejects' und fast nur Studenten da, die vorher auf ner 'Public School' waren)

  3. Dieser Artikel steht in einer langen Tradition deutscher Selbstueberschaetzung und Vergangenheitsfixierung. Diese immer gleiche, immer bloede Humboldtanbetung ist ein Zeichen fuer ein verkrustetes, veraltetes Bildungsverstaendnis. Sicher ist das Humboldtsche Ideal heute noch von Wert, aber 200 Jahre nach Humboldt ist die deutsche Gesellschaft eine andere, die deutschen Studenten andere als damals. Dieses Meckern ist flach, Ihr Artikel einseitig. Es gibt gute Gruende, weshalb sich in Deutschland die Universitaeten aendern muessen. Unter anderem, Frau Richter, ist die von ihnen zitierte Studentin ein Sonderfall, die besten Chinesen, Inder und Amerikaner gehen _nicht_ nach Deutschland - auch nicht, wenn der DAAD ihre Hoersaele und Universitaetsflure vollklebt mit "Deutschland is cool" Postern. Frau Richter, hoeren Sie auf zu schreiben! Ihre Meinungen sind gaengig und verbreitet, Sie verbreiten nur akademische Stammtischmeinungen.An die Zeit: Wieso wird denn ein so einseitiger Artikel ueberhaupt gedruckt? Gehen Sie in eine deutsche Universitaet, sprechen Sie in irgendeinem beliebigen Fachbereich mit irgendeinem beliebigen Professor, er wird ihnen mit grosser Wahrscheinlichkeit genau die selben Vorurteile geben. Jeder bittere, in seinem akademischen Stolz gekraenkte Professor wird genau das Selbe sagen. Aber wenn alle Professoren hier Recht haben, wieso muss sich der DAAD so bemuehen, die besten hierher zu holen? Sie helfen Lebensluegen zu verbreiten: Alles war in Ordnung, bevor die Politik voellig ohne Grund angefangen hat, die Dinge zu veraendern.

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    Von "alles in Ordnung" hat doch nun wirklich niemand gesprochen. Es ist aber schon sinnvoll, sich vor Augen zu halten, wo die derzeitigen Veränderungen hinführen können, anstatt ständig ausländische Traumzustände heraufzubeschwören, an denen sich deutsche Hochschulen zu messen und zu orientieren haben, die aber letztlich so auch nicht mehr existieren. Und eine Durchmodularisierung eines Studienganges bringt eben auch entscheidende Nachteile.

    Wir kriegen wieder klassenverbandsähnliche Strukturen, es wird wie an der Schule um Noten und zu erbringende Leistungen gefälscht, Fächer werden zerstückelt, damit sich alles auf in adretten, multimedial aufbereiteten Häppchen auf dem Silbertablett präsentieren lässt, denn aus Studierenden sind Kunden geworden. 

    Daß ausländische Profs nicht immer leicht nach Deutschland zu bekommen sind, hat doch eine Vielzahl von Gründen: sprachliche, zum Beispiel, aber auch die Tatsache, daß das deutsche System bisher sehr um sich selbst kreiste und von außen schier undurchdringbar war (Stichwort: Habilitation etc.). Als am schwerwiegendsten dürfte man sicher die kategorische Unterfinanzierung einstufen, dazu zählt auch, daß deutsche Akademiker im Schnitt weniger verdienen, als z.B. ihre amerikanischen Kollegen. Das alles kann man wohl kaum Frau Richter ankreiden, die in ihrem Artikel lediglich darauf aufmerksam macht, daß in GB auch nicht alles elitig glänzt.

    • Anonym
    • 24.06.2008 um 15:43 Uhr

    Das Humboldtsche System ist im Grunde immer noch moderner und leistungsfähiger. Wer allerdings Universitäten zur Berufsausbildung mißbraucht, muss sich dem angelsächsischen System annähern.
    Dumm gelaufen ist es, dass deutsche Bildungspoltiker aus Populismus sich die Universitäten ausgesucht haben, um den kleinen Mann die Chance auf gesellschaftliche Gleichheit zu verkaufen.
    Hätte man das mit Fachhochschulen und Berufsakademien getan ständen wir heute sehr viel besser da.
    Nur das hätte direkt Geld gekostet, und nicht versteckt über Studienabrecher und Dauerstudenten den Steuerzahler die Produktivität der Gesellschaft belastet.
     
    Berthold Grabe 

    Von "alles in Ordnung" hat doch nun wirklich niemand gesprochen. Es ist aber schon sinnvoll, sich vor Augen zu halten, wo die derzeitigen Veränderungen hinführen können, anstatt ständig ausländische Traumzustände heraufzubeschwören, an denen sich deutsche Hochschulen zu messen und zu orientieren haben, die aber letztlich so auch nicht mehr existieren. Und eine Durchmodularisierung eines Studienganges bringt eben auch entscheidende Nachteile.

    Wir kriegen wieder klassenverbandsähnliche Strukturen, es wird wie an der Schule um Noten und zu erbringende Leistungen gefälscht, Fächer werden zerstückelt, damit sich alles auf in adretten, multimedial aufbereiteten Häppchen auf dem Silbertablett präsentieren lässt, denn aus Studierenden sind Kunden geworden. 

    Daß ausländische Profs nicht immer leicht nach Deutschland zu bekommen sind, hat doch eine Vielzahl von Gründen: sprachliche, zum Beispiel, aber auch die Tatsache, daß das deutsche System bisher sehr um sich selbst kreiste und von außen schier undurchdringbar war (Stichwort: Habilitation etc.). Als am schwerwiegendsten dürfte man sicher die kategorische Unterfinanzierung einstufen, dazu zählt auch, daß deutsche Akademiker im Schnitt weniger verdienen, als z.B. ihre amerikanischen Kollegen. Das alles kann man wohl kaum Frau Richter ankreiden, die in ihrem Artikel lediglich darauf aufmerksam macht, daß in GB auch nicht alles elitig glänzt.

    • Anonym
    • 24.06.2008 um 15:43 Uhr

    Das Humboldtsche System ist im Grunde immer noch moderner und leistungsfähiger. Wer allerdings Universitäten zur Berufsausbildung mißbraucht, muss sich dem angelsächsischen System annähern.
    Dumm gelaufen ist es, dass deutsche Bildungspoltiker aus Populismus sich die Universitäten ausgesucht haben, um den kleinen Mann die Chance auf gesellschaftliche Gleichheit zu verkaufen.
    Hätte man das mit Fachhochschulen und Berufsakademien getan ständen wir heute sehr viel besser da.
    Nur das hätte direkt Geld gekostet, und nicht versteckt über Studienabrecher und Dauerstudenten den Steuerzahler die Produktivität der Gesellschaft belastet.
     
    Berthold Grabe 

    • ali-ch
    • 24.06.2008 um 11:08 Uhr

    Was gelernt: pampering kannte ich bisher noch nicht.

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    to pamper ist ein englischer Begriff  für verwöhnen, verhätscheln. Mit Windeln hat das ganze nur insofern zu tun, als die Firma Procter & Gamble zufällig ihre Windelmarke so benannt hat. Mit dem "pampering" von Studenten ist das Verhätscheln gemeint und nicht das Windelwechseln. *grummel* - ich kann falsche Übersetzungen einfach nicht ausstehen. 

    She is a Professor of German, please forgive her ;)

    to pamper ist ein englischer Begriff  für verwöhnen, verhätscheln. Mit Windeln hat das ganze nur insofern zu tun, als die Firma Procter & Gamble zufällig ihre Windelmarke so benannt hat. Mit dem "pampering" von Studenten ist das Verhätscheln gemeint und nicht das Windelwechseln. *grummel* - ich kann falsche Übersetzungen einfach nicht ausstehen. 

    She is a Professor of German, please forgive her ;)

  4. Es gibt Tage, da wuerde ich Frau Richters Polemik unterstreichen, und drei Ausrufungszeichen hinzufuegen.Das sind Tage, an denen ich mich darueber aergere, dass hier jede ausseruniversitaere Aktivitaet (abgesehen von den Student Unions) erstickt wird, weil die Uni ihre abends freien Raeume nur fuer teures Geld an ihre Mitarbeiter vermieten will. Wenn ich sehe, wie die Selbstverwaltung mehr und mehr zentralisiert wird und Postdocs ueberhaupt kein Mitspracherecht haben. Wenn ich mich nach einer Vorlesung zum Thema "The Science of Climate Change" im Rahmen eines Master-Studiengangs frage, warum denn nun selbsternannte Poeten mir zugehoert haben, die natuerlich keine Ahnung von Statistik oder Physik haben, meine Erklaerungen gar nicht verstehen koennen und sicher auch nie als Wissenschaftler arbeiten werden. Wenn ich gerne eine eigene Vorlesung zu statistischen Mehtoden anbieten wuerde, das aber nicht geht, weil es nicht in das enge Korsett der Master- und Bachelorstudenten passen wuerde. Wenn ich mal wieder von unsinnigen und nervenraubenden Health and Safety Regulations gegaengelt wurde. Oder wenn ich gerade etwas spannendes herausgefunden habe, es sehr gerne genauer untersuchen wuerde, aber weiss, dass ich dann all die anderen Themen nicht abarbeiten kann, die im letzten Antrag versprochen waren.Aber es gibt auch Tage, da denke ich, das ist zu einfach und nicht fair. Wenn ich mal wieder an einem der Kurse teilgenommen habe, in denen mir bewusst gemacht wird in welcher Rolle ich mich als Betreuer einer Doktorarbeit befinde, was von mir erwartet wird, was ich erwarten kann. Oder in denen ich lerne, wie ich eine Vorlesung halte. Wenn ich sehe, wie viel ernsthafter hier Lehrveranstaltungen evaluiert werden, oder die Betreung von Arbeiten regelmaessig kontrolliert wird. Wenn ich merke, wie viel einfacher manches wird, wenn es nur ein bisschen professioneller organisiert wird. Humboldt ist nicht tot, und sollte dringend wiederbelebt werden. Deutsche Wissenschaft und Politik sollten nicht blind den Briten und Amerikanern nacheinfern. Aber es gibt durchaus viele Dinge, die wir uns abgucken koennen. Das wuerde Humboldt nur gut tun. Dazu gehoert nur leider, dass man ein bisschen tiefer schuerfen muss, um die Vor- und Nachteile beider Systeme zu erkennen. Aber vielleicht schafft es die Deutsche Universitaet ja: Sich ohne Provinzialismus auf ihre Staerken zu besinnen, und gleichzeitig offen zu sein fuer erfrischende Neuerungen.Douglas Maraun,Norwich, UK.

  5. Es deckt sich alles mit dem, was auch ich schon seit einiger Zeit beobachte: mit der Einführung der neuen Studienabschlüsse, mit der konsequenten Verschulung des Hochschulwesens hat die Qualität der Studienabschlüsse in einer dramatischen Form nachgelassen. Kaum ein Absolvent mit einem sogenannten Bachelor ist in der Lage, sich neues Wissen anzueignen, eine wissenschaftliche Recherche durchzuführen, die Architektur einer Datenerhebung zu entwerfen, die Daten zu erheben und anschließend auswerten, die eigenen Ergebnisse und die Ergebnisse der Arbeiten anderer zu analysieren und kritisch zu hinterfragen etc.. Es wird in den Studiengängen nur noch nachgebetet, was irgendwer vorgekaut hat. Wenn ich sehe, dass in Geisteswissenschaften Multiuple-Choice-Tests bei der Wissensabfrage durchgeführt werden müssen, nur damit irgendein fachfremder Verwaltungsheini hinterher mittels einer Tabellenkalkulation Leistungsvergleiche durchführen kann, wird mir schlecht.Und nein - Pampering ist nun wirklich inzwischen nichts neues. Denn Dinge, wie eigenverantwortliches Lernen sind nun einmal vielen Leuten - insbesondere in gehobenen Positionen - unheimlich, ja sie halten dies für gefährlich, sitzt ihnen doch zumindest in D noch der Schock von 1968 in den Knochen.

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    "Kaum ein Absolvent mit einem sogenannten Bachelor ist in der Lage, sich neues Wissen anzueignen"anmaßende geht es woh nicht mehr!Als ob die Bachelors debile Rentner seien!

    "Kaum ein Absolvent mit einem sogenannten Bachelor ist in der Lage, sich neues Wissen anzueignen"anmaßende geht es woh nicht mehr!Als ob die Bachelors debile Rentner seien!

  6. "Aus der hart arbeitenden Studierendenelite sind Kunden geworden, die neue Produkte und umfassenden Service einkaufen wollen."Verstændlich, dass hier Interessen aufeinanderprallen. Aus der Sicht der "hartarbeitenden Studierendenelite" schrænkt sich die Freiheit, sich ein Studium selbst zusammenzustellen ein, aber die meisten Studenten sind nicht "Studierendeneilite". Hochschulbildung ist 200 Jahre nach Humboldt eine Qualifikation fuer die Massen geworden und dieser Prozess wird sich (hoffentlich) noch fortsetzen. Mit dem freien, selbstorganisatorischen System einher gingen, gerade in den Geisteswissenschaften, ueberforderte (oder falsch geforderte, schliesslich will ja gar nicht jeder frei vor sich hin studieren), unzufriedene Studierende und Abbrecherquoten weit ueber 50%.

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