Sprache Die neue Dialektik
Warum sich die Deutschen heute nicht mehr für ihre Mundarten schämen
Die allermeisten Menschen, die heute erwachsen sind und statt Hochdeutsch zuerst einmal einen Dialekt gelernt haben, dürften eine solche oder ähnliche Geschichte erlebt haben: Sie hatten sich verliebt, fragil noch war die Partnerschaft, und dann klingelte irgendwann das Telefon, und die Mutter war dran. Oder der Vater. Oder ein alter Freund von früher. Und zum allerersten Mal hörte einen der neue Partner Dialekt sprechen. Die Angerufenen fürchteten nach solchen Telefonaten, sofort wieder verlassen zu werden.
Bis vor wenigen Jahren galt, wer Dialekt spricht, als ungebildet, als ein bisschen minderbemittelt. Wer etwas auf sich hielt, legte seinen Dialekt ab, lernte Hochdeutsch und vermied, den Dialekt auch nur anklingen zu lassen. Bis heute sagt man, dass jemand in seinen Dialekt "verfällt", ähnlich einem Therapiepatienten, der einen Rückfall erleidet.
Seit einigen Jahren löst sich dieses Stigma langsam auf. In Niedersachsen bringen Schulen Kindern Platt bei. In Hamburg dürfen fortan Stadtteilschilder in dieser Sprache aufgestellt werden. In Bayern bilden Theaterleute junge Schauspieler im Bairischen aus. In ganz Deutschland sind seit Januar Radio -Tatorte zu hören, in denen die Kommissare einen noch stärkeren Dialekt sprechen als die Kommissare im Fernsehen, und Asterix- Bände sind mittlerweile in 22 deutschen Dialekten erschienen, Däm Asterix singe Jung heißt Der Sohn des Asterix auf Kölsch. Dabei passt es besonders gut, dass die Geschichten des Galliers Asterix als Vorlage dienen. Mit ein bisschen Fantasie ist die Übermacht der Römer mit der der Hochsprache gleichzusetzen. Wer die Hefte liest, denkt sich: "Ganz Deutschland ist vom Hochdeutsch beherrscht… Ganz Deutschland? Nein!"
Jahrelang überlebte der Dialekt in Deutschland fast ausschließlich in zwei Formen: im Komödiantischen und in der Politik. Kabarettisten benutzten den Dialekt, um komischer zu wirken. Ein Satz auf Sächsisch, und das Publikum lachte. Und Politiker sprachen Dialekt, weil sie glaubten, damit den Menschen in ihrem Wahlkreis imponieren zu können. Jetzt vermehrt sich der Dialekt auch anderswo: im ernsthaften Theater, im Film, in der Musik, in der Werbung. Es gibt eine Renaissance der Dialekte.
Im Fernsehen werben gerade die Firmen Škoda, SAP, KarstadtQuelle und die Postbank mit Dialekt sprechenden Menschen. Der Spot von Škoda ist recht simpel: Ein Schwabe behauptet, das Auto sei so gut wie seine Frau. Dann melden sich ein Bayer, ein Rheinländer, ein Hamburger, ein Sachse ähnlich lobend zu Wort. In den neunziger Jahren hätte der Spot wahrscheinlich so ausgesehen, dass Menschen verschiedener Nationen das Auto fahren, rund um den Erdball, und sie hätten das Auto auf Englisch gelobt.
Der Mann, der sich den Spot ausgedacht hat, ist ein Schwabe, der in Hamburg wohnt. Stefan Zschaler von der Agentur Leagas Delaney sagt, sie hätten einen Spot drehen wollen, der "nahbar und nicht arrogant" wirke, so seien sie auf die Dialekte gekommen.
Alfred Lameli schaut sich den Spot auf seinem Notebook an, im Dachzimmer des Forschungsinstituts für deutsche Sprache in Marburg, dort, wo vor rund 120 Jahren Georg Wenker als erster Wissenschaftler die Dialekte erforscht hat. Alfred Lameli ist ein eher ruhiger Mensch. Als er den Spot sieht, legt sich ein vorsichtiges Schmunzeln um seinen Mund.
Es gibt keine wissenschaftlichen Zahlen darüber, wie angesehen Dialekte zu welchen Zeiten waren und es heute sind. Alfred Lameli sagt, dass zwar von Jahr zu Jahr weniger Menschen einen echten Dialekt sprechen, weil die Alten, die ihn noch beherrschen, sterben und weil es für die Jungen immer weniger Gelegenheiten gibt, ihn zu sprechen: Aus den Schulen, den Büros, den Ämtern wurde der Dialekt vertrieben. Allerdings scheint es so, als steige im gleichen Maße, wie die ursprünglichen Dialektsprecher verschwinden, die Liebe der Nachkommen zu diesen Dialekten.
Vor ein paar Jahren ist es Lameli zum ersten Mal aufgefallen: Die Nachrichtensprecher im Privatradio sprechen kein Hochdeutsch, sondern eine Mischform aus Dialekt und Hochdeutsch, Regiolekt nennt er das. Die Menschen sollen Vertrautes zu hören bekommen, das Radio will ihre Gefühle erreichen, nicht nur ihren Verstand. Dann fiel Lameli auf, dass auch die Moderatoren der Fernsehnachrichten kein perfektes Hochdeutsch mehr sprechen, nicht die der privaten Sender und auch nicht die des ZDF. Dem Hamburger Klaus-Peter Siegloch hörte er die Herkunft genauso an wie Petra Gerster, dass sie aus Worms kommt, wie er. Im Grunde genommen, sagt Lameli, gebe es das Hochdeutsch in seiner Reinform nur noch in der Tagesschau und in den Tagesthemen.
Mitte der zwanziger Jahre haben viele Deutsche zum allerersten Mal Hochdeutsch gehört – weil es das Radio gab. Das Radio hat nicht nur Nachrichten verbreitet, sondern auch das Hochdeutsche im Land. Heute hören die meisten Menschen im Radio und im Fernsehen keine reine Hochsprache mehr. Es ist anzunehmen, dass sie diese Sprache so langsam wieder verlernen. Wäre Deutschland ein Mensch, würde er gerade einen weiteren Stimmbruch erleben.
Lameli hat jüngst zwei seiner Studenten einen Versuch machen lassen. Sie spielten zwei Gruppen von Testpersonen verschiedene um die Stadt Kassel herum gesprochene Dialekte vor: Ostfälisch, Westfälisch, Zentralhessisch, Nordhessisch, Osthessisch, Rheinfränkisch. In der ersten Gruppe waren Menschen zwischen 60 und 70 Jahren, Mitglieder eines Wandervereins. Die zweite Gruppe bestand aus Schülern der neunten Klasse. Sie alle sollten die Himmelsrichtung angeben, von der sie glaubten, dass der jeweilige Dialekt, von Kassel aus betrachtet, gesprochen wird. Was Lameli und seine Studenten verblüfft hat: Die Jüngeren schnitten dabei besser ab als die Alten, obwohl doch früher mehr Dialekt gesprochen wurde. Die Jüngeren haben offenbar ein besseres Gehör, ein größeres Interesse für die Unterschiede.
Es kann sein, sagt Lameli, dass das "von den modernen Medien" kommt. Wenn Wissenschaftler sonst vermuten, dass etwas "von den modernen Medien" kommt, dann ist es für gewöhnlich so etwas wie Verdummung, Verrohung, wenn nicht der Untergang überhaupt. Die Dialekte scheinen zu profitieren: Es gibt Chats im Internet im Dialekt, Dialekt-Wörterbücher, und wer will, kann einen Plattkurs in 19 Lektionen herunterladen. Vor allem schreiben wir uns privat so viel wie nie, per E-Mail und per SMS, während vor nicht allzu langer Zeit noch eine Postkarte pro Jahr und Freund genügte. In ihren Mails und SMS schreiben viele Dialekt, um den Unterschied zu den beruflichen Nachrichten zu betonen. "Moin" zu schreiben ist kürzer als "Guten Morgen", und auch ein bisschen liebevoller.
Wenn der Dialekt gerade jetzt zurückkommt, dann hat das sicher mit der Globalisierung zu tun. Die Welt, in der wir leben, ist unüberschaubar groß geworden und arm an Unterschieden: Wir essen überall die gleichen Gerichte, trinken die gleichen Säfte. Viele sehnen sich nach einer kleineren Welt, in der sie sich zurechtfinden, die so etwas wie Heimat gibt. Wir identifizieren uns weniger mit dem Staat als mit den kleineren Einheiten, den Regionen, die wir noch wirklich kennen.
Aus demselben Grund fangen Akademiker, die in den aufgehübschten Altbauvierteln in Berlin, Hamburg oder München wohnen, an, das Bier ihrer Heimat zu trinken und das Brot ihrer Heimat zu essen. In diesen Vierteln trifft sich das akademische Publikum aus dem ganzen Land, nie zuvor gab es eine solche Konzentration an gebildeten, des Hochdeutschen mächtigen Menschen, und sie alle sind einander sehr ähnlich. Der Mensch will sich aber unterscheiden, er will durch seine Sprache Wirkung erzielen, wie es Alfred Lameli sagt, der Dialektforscher, der keinen Dialekt beherrscht. Auch er gibt seine Herkunft preis, mit einer Kaffeetasse aus Worms, die neben seinem Notebook steht.
All die Akademiker können übrigens auch ziemlich gut Englisch, die Sprache der Welt. Aber Englisch ist eben die Sprache des Geschäfts, des Business. Es taugt im Beruf, aber abends, wenn der globale Angestellte nach Hause kommt, den Kopf voller Brainstormings, Meetings und Screenings, sehnt er sich nach etwas Gefühl.
Meine alten Freunde aus dem Saarland haben fast alle von ihren Eltern Hochdeutsch gelernt. Der Freundeskreis lebt inzwischen weit versprengt. Wenn er sich heute trifft, ist die Konversationssprache: ein ziemlich deutliches Saarländisch. Es ist, als wollten wir etwas Heimat nachholen. Einer meiner Freunde erzählte neulich, dass er öfter auch ein wenig Dialekt redet, wenn er abends in Berlin unterwegs ist. Dass er allerdings immer sofort aufhört, wenn Menschen das lustig finden. Und wenn er gebeten wird, Dialekt zu reden, nur mal so, dann verweigert er das immer. Die Sache ist ihm zu heilig.
Auf dem Flughafen Köln-Bonn ist ein besonders schönes Beispiel zeitgenössischer Dialektpflege zu bestaunen. Der Flughafen ist recht neu, der Boden und die Wände glänzen, man könnte auch gerade in Lyon oder Münster-Osnabrück gelandet sein. Damit der Angekommene weiß, wo er ist, haben sie mit großen Buchstaben kölsche Weisheiten auf die gläsernen Wände des Terminals geschrieben: "Et kütt, wie et kütt", "Et hätt noch immer joot jejange". Es ist, als wollte da jemand den hektischen Vielfliegern eine Lektion in bodenständiger Gelassenheit erteilen.
Niemand kann genau sagen, wann es anfing, dass die Dialekte wieder gemocht wurden. Vielleicht, als die Baden-Württemberger in einem Slogan vor acht Jahren von sich behaupteten, alles zu können außer Hochdeutsch. Dabei war der Spruch gar nicht schwäbisch oder badisch, sondern hochdeutsch. Es fehlte noch an Selbstbewusstsein. Und bei den Sachsen war der Dialektkomplex damals noch größer: Die hatten den Slogan von der Werbeagentur nämlich zuerst angeboten bekommen – und abgelehnt.
Möglicherweise hat sich inzwischen sogar der Ruf des Sächsischen verändert. Stefan Zschaler, der sich den Spot für Škoda ausgedacht hat, wunderte sich, als er ihn im Rohschnitt sah, wie wenig komisch das Sächsische wirkte. Und Angela Merkel hat gerade zum EM-Start Michael Ballack für seinen sächsischen Akzent gelobt. An dem haben seine mannigfachen Auswärtsaufenthalte nichts geändert: Für ihn bleibt der Trainer "der Tröner".
Auch die Bayern, die sich darüber freuen dürfen, den beliebtesten Dialekt des Landes zu sprechen – jedenfalls ergeben das die Umfragen jedes Jahr –, strengen sich an, dass er weiterlebt. Von Mitte Juli bis Mitte August lernen 14 Schauspieler, des Bairischen mächtig, aber zumeist in der sprachlichen Diaspora lebend, in der "Sommerakademie für bairisches Volksschauspiel", diese Sprache auch auf der Bühne einzusetzen. In der Broschüre wird Johann Wolfgang von Goethe zitiert: "Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch das eigentliche Element, in welchem die Seele Atem schöpft." Um die 14 Plätze haben sich mehr als 80 Kandidaten beworben. Die Projektleiterin der Akademie, Dorothe Fleege, stammt aus Westfalen. Die Freunde des Dialektes sind nicht zwangsläufig solche, die seit zig Generationen nicht vom Fleck kamen.
Einer der Ehemaligen der Sommerakademie ist der Regisseur Marcus Rosenmüller. Auf dem Filmfest in München läuft gerade sein neuer Film, Räuber Kneißl. Im Film wird, so nennt es die Produzentin, "Volldialekt" gesprochen. Sicher werden viele Zuschauer nicht jedes Wort verstehen, Untertitel soll es dennoch nicht geben. Die Produzentin Susanne Hildebrand erklärt das so: "Der Dialekt ist das Blut dieses Films." Vielleicht hat ihr ja ein Blick nach Frankreich Mut gemacht. Dort hat gerade ein Film im nordfranzösischen Dialekt, Bienvenue chez les Ch’tis, so viel Geld eingespielt wie kein anderer französischer Film zuvor.
Ina Müller ist 42, und sie trägt ihr Haar grau. Es ist ein selbstbewusstes Grau, eines, das sagen will: Auch Frauen, die älter werden, können noch sehr schön aussehen. Manchmal, wenn sie nachdenkt, spielt sie mit den Fingern in den Locken. Sie spricht schnell, laut, und sie lacht gerne. Alles an ihr sagt: Ich bin selbstbewusst. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie zur Vorkämpferin für das Plattdeutsch wurde. Eine, der auch sonst wenig peinlich ist.
Ina Müller singt und liest auf Platt, seit ein paar Jahren, und ist damit sehr erfolgreich, Schöönheit vergeiht, Hektar besteiht heißt eines ihrer Programme. Als sie einmal im Rheinland englische Welthits auf Platt sang, sagte ihr eine Zuhörerin nach dem Konzert: "Es ist so schön, dass ihr da oben so einen seltsamen Dialekt habt." Ina Müller ist Vermittlerin zwischen dem dialektalen Süden und dem zumeist hochdeutschen Norden. Dabei will sie das nicht unbedingt sein. "Ich bin nicht missionarisch. Es ist reine Liebe."
Sie wuchs auf einem Bauernhof auf, und sie lernte Platt als Kind – und hat sich für beides geschämt. "Du Bauer" war in ihrer Kindheit und Jugend ein Schimpfwort. Wer Platt sprach, sagt sie, roch nach Kuhmist, und bei ihr stimmte es.
Ihre Assistentin, die sie ins Café begleitet, schweigt die meiste Zeit während des Gesprächs, wer kann schon mithalten mit so einer Stimme. Gegen Ende schaltet sie sich doch ein, zaghaft erst, erzählt von ihrem Berlinerisch. Sie reden weiter, als man geht. Es scheint, als lernten sich da gerade zwei Menschen besser kennen.
Die Grundschule von Simonswolde in Ostfriesland, dritte Stunde, Religionsunterricht bei Frau Saathoff. Durch die Fenster sieht man Weiden, Kühe, Windräder. Viele Kinder stammen noch vom Bauernhof, aber die meisten sprechen zu Hause kein Platt, die Großeltern haben es ihren Eltern nicht mehr beigebracht. Jetzt schicken die Eltern die Kleinen in eine zweisprachige Grundschule: die einzige in Friesland, in der von der ersten Klasse an in Dialekt und Hochdeutsch unterrichtet wird. Die Lehrerin hat aus einer plattdeutschen Übersetzung der Bibel vorgelesen, jetzt wird über "Josef in’t Pütt" geredet, Josef im Brunnen: Die Lehrerin fragt auf Platt, die Kinder antworten meistens auf Hochdeutsch, und wenn sie doch Platt reden, stocken sie, und die anderen kichern. Platt ist für sie eine Fremdsprache, die nicht aus einem anderen Land kommt, sondern aus einer anderen Zeit.
Greete Saathoff ist 57 Jahre alt und sieht genauso aus, wie Kinder eine Grundschullehrerin malen würden: Topffrisur, Brille, fast auf Augenhöhe mit den Zweitklässlern. Die Idee mit dem zweisprachigen Unterricht an ihrer Schule stammt von ihr. Vor sieben Jahren hat ihr damaliger Chef ihr einen Zettel ins Postfach gelegt: Möglicherweise gebe es Fördergelder für einen Unterricht auf Platt. Sie wusste gleich: Ich will da mitmachen. Sie spricht Platt, seit sie ein Kind ist. "Das war ein schlafender Schatz."
Es stellte sich heraus: Es gibt doch keine Gelder. Saathoff unterrichtet deshalb freiwillig ohne zusätzliches Geld. Weil sie die einzige Lehrerin ist, die so gut Platt spricht, gibt es an der Schule nur alle vier Jahre einen Jahrgang, der zweisprachig unterrichtet wird. Als sie mit ihrem Platt-Unterricht anfing, sagten einige Eltern: Sollten die nicht besser Englisch lernen? Heute sind manche traurig, wenn ihr Kind nicht in einen Saathoff-Jahrgang rutscht.
In der großen Pause trifft Greete Saathoff an der Kaffeemaschine einen jungen Kollegen. Sie tippt mit dem Finger auf seinen Oberarm und sagt: "Der macht das bald auch mal. Der kann nämlich auch Platt!" Der junge Kollege rollt ein bisschen mit den Augen, als hätte er das nicht zum ersten Mal gehört. Greete Saathoff weiß, dass alles an ihr hängt, sie muss einen Neuen finden, wenn sie mal in Ruhestand geht. Als der Kollege weg ist, sagt sie: "Ich will halt nicht, dass wir im großen Pott untergehen."
Die Angst vor dem Verschwinden. Das Asterix-Gefühl. Es ist wohl die stärkste Kraft, die den Dialekt am Leben erhält. Im Saarland würde ich sagen: Graad selääz schwätze mir so. Übersetzt heißt "graad selääz" so viel wie: gerade drum.
Es klingt nur nicht so schön.
- Datum 19.06.2008 - 13:13 Uhr
- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 19.06.2008 Nr. 26
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Glücklicherweise ist NDR1 90.3 ein bisschen weiter als das. Die bringen nämlich Nachrichten op platt, dann auch das witzige Hör ma n beten to, und das grandiose Du Geerd, nu weeste Besscheed. Nur wenn man zeigt, dass man mit dem Dialekt (was von Region zu Region etwas genauer gesagt zwischen Akzent oder sogar eigenständiger Sprache oszilliert) auch mehr ausdrücken kann als mythische Kindergeschichten wird es sich weiter verbreiten. Toll zum Beispiel, dass RTL Aktuell die Wettervorhersage von jemandem im bayrischen Akzent machen lässt. Aber der Verfasser dieses Artikels steht ja offenbar auf Omadeutsch oder Omadialekt.... "der Flughafen ist recht neu". Was ist denn "recht"???
Die Bibel wurde vom guten alten Luther zeitgleich ins Hochdeutsche ('Hoch-' steht für Berge, gemeint ist also das 'Süddeutsche') und Niederdeutsche übersetzt. Es war für ihn klar, dass es für den deutschen Raum mindestens zwei regionale Varianten geben müsse. Bekanntermaßen hat sich das Niederdeutsche nur in seiner westlichen, holländisch/flämisch/brabantischen Variante - heute Niederländisch genannt - als Kultursprache erhalten. Wie auch immer, der Trend zur Aufwertung des Dialekts ist zu begrüßen. Nicht nur wegen des regionalen Kolorits, sondern auch und nicht zuletzt weil er das Denken schärft, indem er vor Augen führt, dass Reden und Schreiben zwei unterschiedliche Vorgänge sind. Vermutlich deshalb ist das Schriftdeutsch der Menschen in Ländern wie Österreich, Bayern und der Deutschschweiz im Durchschnitt besser als in Brandenburg oder Niedersachsen.
Die Bibel wurde vom guten alten Luther zeitgleich ins Hochdeutsche ('Hoch-' steht für Berge, gemeint ist also das 'Süddeutsche') und Niederdeutsche übersetzt. Es war für ihn klar, dass es für den deutschen Raum mindestens zwei regionale Varianten geben müsse. Bekanntermaßen hat sich das Niederdeutsche nur in seiner westlichen, holländisch/flämisch/brabantischen Variante - heute Niederländisch genannt - als Kultursprache erhalten. Wie auch immer, der Trend zur Aufwertung des Dialekts ist zu begrüßen. Nicht nur wegen des regionalen Kolorits, sondern auch und nicht zuletzt weil er das Denken schärft, indem er vor Augen führt, dass Reden und Schreiben zwei unterschiedliche Vorgänge sind. Vermutlich deshalb ist das Schriftdeutsch der Menschen in Ländern wie Österreich, Bayern und der Deutschschweiz im Durchschnitt besser als in Brandenburg oder Niedersachsen.
A wans as net glaubn woin, oba die helige schrift is die grundlagn unsrer sproch, unsra litaratur, moralvorstelungn und philosphie. von kindergschichtn ka spua! A bissl mehr respekt bittsche!
Die Bibel wurde vom guten alten Luther zeitgleich ins Hochdeutsche ('Hoch-' steht für Berge, gemeint ist also das 'Süddeutsche') und Niederdeutsche übersetzt. Es war für ihn klar, dass es für den deutschen Raum mindestens zwei regionale Varianten geben müsse. Bekanntermaßen hat sich das Niederdeutsche nur in seiner westlichen, holländisch/flämisch/brabantischen Variante - heute Niederländisch genannt - als Kultursprache erhalten. Wie auch immer, der Trend zur Aufwertung des Dialekts ist zu begrüßen. Nicht nur wegen des regionalen Kolorits, sondern auch und nicht zuletzt weil er das Denken schärft, indem er vor Augen führt, dass Reden und Schreiben zwei unterschiedliche Vorgänge sind. Vermutlich deshalb ist das Schriftdeutsch der Menschen in Ländern wie Österreich, Bayern und der Deutschschweiz im Durchschnitt besser als in Brandenburg oder Niedersachsen.
Ich mag mich irren, aber gehört das Niederländische nicht zur Niederfränkischen Sprachgruppe, ist also mitnichten eine Variante des Niederdeutschen? Die Ähnlichkeit entstand durch konvergente Entwicklung (beide Sprachen haben die 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht) und gegenseitige Beeinflussung.Unabhängig davon freut mich die Rückkehr der Dialekte, auch wenn es für einige definitiv zu spät ist. Z.B. mein Heimatdialekt, das von vielen so geschmähte (Ober-)sächsisch. Von dieser Dialektgruppe (bestehend aus Meißnisch, Osterländisch usw.) ist nur noch der Akzent übrig geblieben - und die Grammatik, welche aber aufgrund der historisch bedingten starken Beeinflussung des Hochdeutschen durch das Obersächsische, ohnehin fast identisch mit der hochdeutschen Grammatik ist. Das was einen Dialekt ausmacht, die Vokabeln, sind bis auf wenige Ausnahmen vergessen.Bestes Beispiel ist gerade der im Artikel erwähnte "sächsische" Ballack - dieser meinte gestern nach dem Portugal-Spiel: "...wir waren gut gestanden..." - Eine Formulierung bei der jeder Sachse sich mit Grausen abwendet. Wahrscheinlich war er zu lange in München ;-).
Jonathan Swift bemerkt zu seinem Helden Dr. Gulliver, dieser beherrsche sowohl High Dutch als auch Low Dutch, also Hochdeutsch und Niederländisch.
Ich mag mich irren, aber gehört das Niederländische nicht zur Niederfränkischen Sprachgruppe, ist also mitnichten eine Variante des Niederdeutschen? Die Ähnlichkeit entstand durch konvergente Entwicklung (beide Sprachen haben die 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht) und gegenseitige Beeinflussung.Unabhängig davon freut mich die Rückkehr der Dialekte, auch wenn es für einige definitiv zu spät ist. Z.B. mein Heimatdialekt, das von vielen so geschmähte (Ober-)sächsisch. Von dieser Dialektgruppe (bestehend aus Meißnisch, Osterländisch usw.) ist nur noch der Akzent übrig geblieben - und die Grammatik, welche aber aufgrund der historisch bedingten starken Beeinflussung des Hochdeutschen durch das Obersächsische, ohnehin fast identisch mit der hochdeutschen Grammatik ist. Das was einen Dialekt ausmacht, die Vokabeln, sind bis auf wenige Ausnahmen vergessen.Bestes Beispiel ist gerade der im Artikel erwähnte "sächsische" Ballack - dieser meinte gestern nach dem Portugal-Spiel: "...wir waren gut gestanden..." - Eine Formulierung bei der jeder Sachse sich mit Grausen abwendet. Wahrscheinlich war er zu lange in München ;-).
Jonathan Swift bemerkt zu seinem Helden Dr. Gulliver, dieser beherrsche sowohl High Dutch als auch Low Dutch, also Hochdeutsch und Niederländisch.
Ich mag mich irren, aber gehört das Niederländische nicht zur Niederfränkischen Sprachgruppe, ist also mitnichten eine Variante des Niederdeutschen? Die Ähnlichkeit entstand durch konvergente Entwicklung (beide Sprachen haben die 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht) und gegenseitige Beeinflussung.Unabhängig davon freut mich die Rückkehr der Dialekte, auch wenn es für einige definitiv zu spät ist. Z.B. mein Heimatdialekt, das von vielen so geschmähte (Ober-)sächsisch. Von dieser Dialektgruppe (bestehend aus Meißnisch, Osterländisch usw.) ist nur noch der Akzent übrig geblieben - und die Grammatik, welche aber aufgrund der historisch bedingten starken Beeinflussung des Hochdeutschen durch das Obersächsische, ohnehin fast identisch mit der hochdeutschen Grammatik ist. Das was einen Dialekt ausmacht, die Vokabeln, sind bis auf wenige Ausnahmen vergessen.Bestes Beispiel ist gerade der im Artikel erwähnte "sächsische" Ballack - dieser meinte gestern nach dem Portugal-Spiel: "...wir waren gut gestanden..." - Eine Formulierung bei der jeder Sachse sich mit Grausen abwendet. Wahrscheinlich war er zu lange in München ;-).
denn das Niederländische entstand, genauso wie das Englische, aus dem Niederdeutschen.
denn das Niederländische entstand, genauso wie das Englische, aus dem Niederdeutschen.
Komischerweise mag ich die norddeutschen Dialekte gar nicht, mag erst recht kein Platt, liebe aber nahezu alle anderen Dialekte im deutschen Sprachraum, incl. der österreicherischen und schweizerischen Dialekte.
Aber so ist das halt. Das Schulbrote meiner Klassenkameraden schmeckte mir auch immer besser als mein eigenen.
Jonathan Swift bemerkt zu seinem Helden Dr. Gulliver, dieser beherrsche sowohl High Dutch als auch Low Dutch, also Hochdeutsch und Niederländisch.
So einfach kann man das, denke ich, nicht übersetzen. Vielmehr ist hier das Land in dem "Dutch" gesprochen wird in zwei Hauptdialektgruppen unterteilt. Also läuft es doch eher mit Nieder- und Oberdeutsch paralell. Tatsächlich waren Mittelniederdeutsch und Mittelniederländisch noch identisch. Es gab also eine sprachliche Einheit im Norden des Hl. Röm. Reich dt. Nat..Politisch und konfessionistisch (weil kalvinistisch) war damals aber der westliche Teil des niederdeutschen Dialektgebietes schon innerlich von Deutschland abgwandt. Folglich entwickelten sich beide Räume fortan unterschiedlich. Dies brach dem seit dem 14. Jh. stark emanzipierten niederdeutschen Dialekt gegenüber dem oberdeutschen das Genick. Wohlgemerkt erste gehobene Literatur wurde auf niederdeutsch und nicht oberdeutsch geschrieben (zB. Reinike Fuchs). Im Süden verwandt man dafür noch lange Zeit das Latein.Es stand wirtschaftlich, politisch und sprachlich gegenüber der nun größeren Ober-(+mitteldeutschen Dialektgruppe) alleine da.Als sich nun das Hocheutsche entwickelte und durchzusetzen begann, wurde nur auf diese und kaum mehr auf das niederdeutsche zurückgegriffen. So inkompatibel wie es dann dazu darstand, verlor es fortan immer mehr an Boden und wurde vom Hochdeutschen verdrängt.
So einfach kann man das, denke ich, nicht übersetzen. Vielmehr ist hier das Land in dem "Dutch" gesprochen wird in zwei Hauptdialektgruppen unterteilt. Also läuft es doch eher mit Nieder- und Oberdeutsch paralell. Tatsächlich waren Mittelniederdeutsch und Mittelniederländisch noch identisch. Es gab also eine sprachliche Einheit im Norden des Hl. Röm. Reich dt. Nat..Politisch und konfessionistisch (weil kalvinistisch) war damals aber der westliche Teil des niederdeutschen Dialektgebietes schon innerlich von Deutschland abgwandt. Folglich entwickelten sich beide Räume fortan unterschiedlich. Dies brach dem seit dem 14. Jh. stark emanzipierten niederdeutschen Dialekt gegenüber dem oberdeutschen das Genick. Wohlgemerkt erste gehobene Literatur wurde auf niederdeutsch und nicht oberdeutsch geschrieben (zB. Reinike Fuchs). Im Süden verwandt man dafür noch lange Zeit das Latein.Es stand wirtschaftlich, politisch und sprachlich gegenüber der nun größeren Ober-(+mitteldeutschen Dialektgruppe) alleine da.Als sich nun das Hocheutsche entwickelte und durchzusetzen begann, wurde nur auf diese und kaum mehr auf das niederdeutsche zurückgegriffen. So inkompatibel wie es dann dazu darstand, verlor es fortan immer mehr an Boden und wurde vom Hochdeutschen verdrängt.
noch heute reflexartig mit Lachsalven quittiert wird, ist ein Beweis für die Zählebigkeit diskreditierender Propaganda in Deutschland - in diesem Fall der preussischen Anti-Sachsen-Propaganda des 19.Jahrhunderts, als Sachsen der wichtigste Verbündete Österreichs im innerdeutschen Machtkampf war. (Einer der seltenen Fälle, wo ein Staat von seiner eigenen Propaganda um Jahrzehnte überlebt wurde.) Das staatstragende Auslachen der Schwaben dürfte sogar bis auf die Anti-Staufer-Propaganda des Spätmittelalters zurückgehen - Theodor Heuss war das erste Staatsoberhaupt seit Friedrich II., das bewußt im öffentlichen Raum Schwäbisch sprach.
liegt ganz alleine an ihrem Klang, und sonst nichts. Er sorgt dafür, dass der Sprecher des Sächsischen als nicht sonderlich intelligent eingeschätzt wird, da er (der Klang), an die Aussprache von Menschen erinnert, die tatsächlich unter einer kognitiven Störung leiden, die ihre Aussprache beeinträchtigt.
PS: Das ist eine Erklärung des Sachverhaltes und keine generelle Beleidigung der Sachsen, falls das jemand unterstellen will. Irgendwelche geschichtlichen Ereignisse in den ostdeutschen Regionen, die zur Geringschätzung des Sächsischen geführt haben sollen, kennt in Westdeutschland eh kein Mensch mehr, der geboren wurde, als die DDR bereits existierte. Lediglich einzelne Personen, Luther und die Reformation sowie die die Nachkriegszeit sind allgemein bekannt.
liegt ganz alleine an ihrem Klang, und sonst nichts. Er sorgt dafür, dass der Sprecher des Sächsischen als nicht sonderlich intelligent eingeschätzt wird, da er (der Klang), an die Aussprache von Menschen erinnert, die tatsächlich unter einer kognitiven Störung leiden, die ihre Aussprache beeinträchtigt.
PS: Das ist eine Erklärung des Sachverhaltes und keine generelle Beleidigung der Sachsen, falls das jemand unterstellen will. Irgendwelche geschichtlichen Ereignisse in den ostdeutschen Regionen, die zur Geringschätzung des Sächsischen geführt haben sollen, kennt in Westdeutschland eh kein Mensch mehr, der geboren wurde, als die DDR bereits existierte. Lediglich einzelne Personen, Luther und die Reformation sowie die die Nachkriegszeit sind allgemein bekannt.
So einfach kann man das, denke ich, nicht übersetzen. Vielmehr ist hier das Land in dem "Dutch" gesprochen wird in zwei Hauptdialektgruppen unterteilt. Also läuft es doch eher mit Nieder- und Oberdeutsch paralell. Tatsächlich waren Mittelniederdeutsch und Mittelniederländisch noch identisch. Es gab also eine sprachliche Einheit im Norden des Hl. Röm. Reich dt. Nat..Politisch und konfessionistisch (weil kalvinistisch) war damals aber der westliche Teil des niederdeutschen Dialektgebietes schon innerlich von Deutschland abgwandt. Folglich entwickelten sich beide Räume fortan unterschiedlich. Dies brach dem seit dem 14. Jh. stark emanzipierten niederdeutschen Dialekt gegenüber dem oberdeutschen das Genick. Wohlgemerkt erste gehobene Literatur wurde auf niederdeutsch und nicht oberdeutsch geschrieben (zB. Reinike Fuchs). Im Süden verwandt man dafür noch lange Zeit das Latein.Es stand wirtschaftlich, politisch und sprachlich gegenüber der nun größeren Ober-(+mitteldeutschen Dialektgruppe) alleine da.Als sich nun das Hocheutsche entwickelte und durchzusetzen begann, wurde nur auf diese und kaum mehr auf das niederdeutsche zurückgegriffen. So inkompatibel wie es dann dazu darstand, verlor es fortan immer mehr an Boden und wurde vom Hochdeutschen verdrängt.
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