Die allermeisten Menschen, die heute erwachsen sind und statt Hochdeutsch zuerst einmal einen Dialekt gelernt haben, dürften eine solche oder ähnliche Geschichte erlebt haben: Sie hatten sich verliebt, fragil noch war die Partnerschaft, und dann klingelte irgendwann das Telefon, und die Mutter war dran. Oder der Vater. Oder ein alter Freund von früher. Und zum allerersten Mal hörte einen der neue Partner Dialekt sprechen. Die Angerufenen fürchteten nach solchen Telefonaten, sofort wieder verlassen zu werden.

Bis vor wenigen Jahren galt, wer Dialekt spricht, als ungebildet, als ein bisschen minderbemittelt. Wer etwas auf sich hielt, legte seinen Dialekt ab, lernte Hochdeutsch und vermied, den Dialekt auch nur anklingen zu lassen. Bis heute sagt man, dass jemand in seinen Dialekt "verfällt", ähnlich einem Therapiepatienten, der einen Rückfall erleidet.

Seit einigen Jahren löst sich dieses Stigma langsam auf. In Niedersachsen bringen Schulen Kindern Platt bei. In Hamburg dürfen fortan Stadtteilschilder in dieser Sprache aufgestellt werden. In Bayern bilden Theaterleute junge Schauspieler im Bairischen aus. In ganz Deutschland sind seit Januar Radio -Tatorte zu hören, in denen die Kommissare einen noch stärkeren Dialekt sprechen als die Kommissare im Fernsehen, und Asterix- Bände sind mittlerweile in 22 deutschen Dialekten erschienen, Däm Asterix singe Jung heißt Der Sohn des Asterix auf Kölsch. Dabei passt es besonders gut, dass die Geschichten des Galliers Asterix als Vorlage dienen. Mit ein bisschen Fantasie ist die Übermacht der Römer mit der der Hochsprache gleichzusetzen. Wer die Hefte liest, denkt sich: "Ganz Deutschland ist vom Hochdeutsch beherrscht… Ganz Deutschland? Nein!"

Jahrelang überlebte der Dialekt in Deutschland fast ausschließlich in zwei Formen: im Komödiantischen und in der Politik. Kabarettisten benutzten den Dialekt, um komischer zu wirken. Ein Satz auf Sächsisch, und das Publikum lachte. Und Politiker sprachen Dialekt, weil sie glaubten, damit den Menschen in ihrem Wahlkreis imponieren zu können. Jetzt vermehrt sich der Dialekt auch anderswo: im ernsthaften Theater, im Film, in der Musik, in der Werbung. Es gibt eine Renaissance der Dialekte.

Im Fernsehen werben gerade die Firmen Škoda, SAP, KarstadtQuelle und die Postbank mit Dialekt sprechenden Menschen. Der Spot von Škoda ist recht simpel: Ein Schwabe behauptet, das Auto sei so gut wie seine Frau. Dann melden sich ein Bayer, ein Rheinländer, ein Hamburger, ein Sachse ähnlich lobend zu Wort. In den neunziger Jahren hätte der Spot wahrscheinlich so ausgesehen, dass Menschen verschiedener Nationen das Auto fahren, rund um den Erdball, und sie hätten das Auto auf Englisch gelobt.

Der Mann, der sich den Spot ausgedacht hat, ist ein Schwabe, der in Hamburg wohnt. Stefan Zschaler von der Agentur Leagas Delaney sagt, sie hätten einen Spot drehen wollen, der "nahbar und nicht arrogant" wirke, so seien sie auf die Dialekte gekommen.