Brööööm. Rassel. Tüt tüt tüt. »Staus und Stockungen ab fünf Kilometer.« Schmatz. Egal, wie es passiert, vom Deutschlandfunk oder liebenden Lippen – geweckt zu werden ist immer ein schrecklicher Schock. Nur ausschlafen und von selber wach werden ist schön.

Doch zwischen schön und schrecklich gibt es ein drittes: Sonnenwecken. Erst kitzelt die Sonne, dann wärmt sie, dann erhitzt sie, man träumt sich ins Wachwerden hinein, und ein Stück vom Schlafglück bleibt für den ganzen Tag erhalten. Doch wer schläft schon auf der Wiese?

Das sanfte Sonnenwecken simulieren »Lichtwecker«. Das von mir getestete Exemplar ist von Philips und heißt Wake-up Light. Die Idee: Eine halbe Stunde vor der Weckzeit geht im Zimmer die Sonne auf. Sachte, mit gedimmtem Licht, das aber kontinuierlich zulegt, bis es schließlich mit hundert Watt gleißt. Wer dann nicht wach ist, wird von zwitschernden Vögeln (Wald) oder fiependen Fröschen (See), von Meeresrauschen, Summen oder Radio geweckt. Das Wecken mit Licht senkt den Pegel des Schlafhormons Melatonin langsam ab und regt eine sanft ansteigende Produktion des Stresshormons Cortisol an. So wird die biologische Uhr vorgestellt. Der Körper glaubt dann, 6.30 Uhr sei okay. Man wacht »energiegeladen und frisch« auf, sagt Philips.

Energiegeladen und frisch bin ich in der vierwöchigen Testphase kein einziges Mal aufgewacht. Dieser Zustand ist mir morgens vollkommen fremd und wahrscheinlich genetisch oder vom Lebensstil her ausgeschlossen. Stattdessen erlebte ich Erlebniswecken: Am ersten Morgen wachte ich vor Aufregung um zwei, vier und halb sechs Uhr auf. Um sechs herrschte eine Art Morgenröte neben meinem Bett. Toll. Anderntags wachte ich zwanzig Minuten, dann ein halbe Stunde, aber meist ein Viertelstündchen zu früh auf. Wenn’s abends später geworden war, holten mich die Vögel mit ansteigendem Gesang aus den Federn.

Ich drehte jeden Abend an den 13 Einstellknöpfen, änderte Lux- und Phonzahlen, Weckzeit und Weckton, schlief lichtzu- und lichtabgewandt, fand aber keine Generaleinstellung für meinen unsteten Lebenswandel. Am Wochenende wollte ich ungeweckt bleiben. Weil es keinen Wecker-aus-Schalter gibt, stellte ich Licht und Ton auf null. Zur Weckzeit blitzte die Lampe kurz stroboskopartig, und leise zwitscherte es von ferne.

Drei Testergebnisse: Gut – ich habe nicht einmal verpennt. Besser – das Wecken geschah sanft. Schlecht – der Lichtwecker kostete mich täglich wertvolle Schlafminuten. Darum gab ich ihn am Ende gern zurück. Mein alter Piepwecker geht nicht so verschwenderisch mit meiner Nachtruhe um. Und er ist ehrlicher. »Steh auf, du Sack!«, sagt er. Her mit dem Stresshormon, das Leben ist kein Zuckerschlecken! Der Lichtwecker ist dagegen ein vergoldetes Fließband. Burkhard Straßmann