Erziehung soll vor allem das Schlimmste verhindern. Manche meinen, wenn einmal das Kleinkindalter oder die Wirren der Pubertät ohne Drogenprobleme bewältigt sind, wäre diese Aufgabe geschafft. Wer sich aber dann erleichtert zurücklehnt, kann böse überrascht werden. Im postpubertären Stadium lauern nämlich ebenso tückische Fallen. Es könnte beispielsweise ein an sich hoffnungsvoller Sprössling auf den Gedanken verfallen, der Sozialistischen Jugend beizutreten. In diesem Fall muss ein Erziehungsberechtigter sehr viel Fingerspitzengefühl aufbringen. Keinesfalls darf er den Idealismus, der den angehenden Juso beseelt, tadeln. Vielmehr muss er eindringlich die Gefahren ausmalen, die den roten Draufgänger nach diesem Schritt begleiten werden. Vor allem die drohenden Persönlichkeitsveränderungen, die im Laufe eines sozialdemokratischen Lebens einzutreten pflegen, müssen herausgestrichen werden. Diese pädagogische Aufgabe lässt sich anhand der Biografien gegenwärtiger Funktionsträger relativ leicht meistern. Der derzeitige Noch- und Möchtegernkanzler etwa bietet ein besonders abschreckendes Beispiel. Der einfühlsame Erzieher muss seinem Problemkind lediglich vor Augen führen, welch vielversprechende Möglichkeiten dem armen Jungen aus Ybbs offengestanden hätten, hätte er nicht diesen einen verhängnisvollen Fehler begangen. Doch wie viele seiner Altersgenossen erlag er dem schleichenden Gift der Autosuggestion und Selbstverleugnung. Bis es zu spät war und es aus der Sackgasse kein Entrinnen mehr gab. Jedes Kind wird das verstehen.