Es entsteht der Eindruck, das ZDF hätte Susanne Osthoff geradezu überfallartig vor eine laufende Fernsehkamera gezerrt und sie damit fahrlässig dem deutschen Medienbetrieb ausgeliefert. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Das Interview mit Frau Osthoff war Tage vorher verabredet worden. Sie selbst hatte den Wunsch geäußert, im ZDF aufzutreten. Unser Korrespondent, den sie persönlich kannte, hatte das Gespräch mit ihr vorbereitet. Auch hätte es für ihre Entscheidung, während des Interviews verschleiert zu bleiben, keine "kosmetischen" Gründe gegeben. Denn selbstverständlich steht in einem Fernsehstudio eine Maske zur Verfügung.

Generell entspricht es ganz sicher nicht der Arbeitsweise der heute-journal- Redaktion, ein Entführungsopfer zu überrumpeln und – womöglich auch noch mit Farbflecken im Gesicht – vor eine Kamera zu jagen.

Von einer Medienjournalistin wie der ZEIT- Autorin Barbara Nolte hätte ich erwartet, dass ihr entweder selbst klar ist, dass sich das so wohl nicht abgespielt haben kann, oder aber dass sie sich die Mühe macht, entsprechend zu recherchieren. Etwa durch eine schlichte Rückfrage beim ZDF. Aber vielleicht hätte das ja die Geschichte gestört: Alle Medien böse und Fernsehen immer ganz besonders böse?

Marietta Slomka, ZDF, Redaktion Heute Journal, Mainz