Bill Gates tritt ab. Der Mitgründer und Lenker von Microsoft, der langjährige Herrscher über die digitale Welt und zugleich ihr liebstes Hassobjekt, wird kommende Woche seinen Job im Unternehmen aufgeben. Zwar will er den Software-Konzern noch beraten und den Aufsichtsrat führen, aber die tägliche Arbeit als Chefstratege beendet er.

Bill Gates tritt indes auch an. Nach einer Auszeit von zwei Monaten will er sich vor allem der Stiftung widmen, die seinen Namen und den seiner Frau Melinda trägt. Die Stiftung ist das Microsoft der Wohltäterwelt. Demnächst dürfte sie rund vier Milliarden Dollar im Jahr ausgeben. Der erfolgreichste Unternehmer des ausgehenden 20. Jahrhunderts verwandelt sich in den größten Stifter des frühen 21. Jahrhunderts. Angesichts dieser Dimensionen stellt sich die Frage: Kann Bill Gates wirklich die Probleme dieser Welt lösen?

Die wenigsten Spitzenunternehmer ihrer Zeit waren angenehme Zeitgenossen. Der Ölmagnat John D. Rockefeller galt als geiziger Prinzipienreiter, der Banker J. P. Morgan als depressiv und eitel. Und William Henry Gates, genannt Bill der Dritte, Anwaltssohn aus Seattle, wurde vor allem als nerd bekannt, als hochintelligente Nervensäge. Noch als frischgebackener Millionär im Alter von 31 Jahren sah er aus wie ein ungekämmter Schuljunge, wippte im Gespräch ununterbrochen mit dem Oberkörper und fuhr mit seiner hohen Stimme jeden an, der ihn langweilte oder ärgerte.

Gates steigt zur rechten Zeit aus, denn Microsoft verliert an Terrain

Gates war nervös, neugierig – und ein Überflieger. Dem Uni-Eignungstest zufolge gehörte er zu den begabtesten Amerikanern seines Jahrgangs; er konnte sich unter den Elite-Unis eine aussuchen. Bill Gates ging nach Harvard, wo er viel las und die meisten Vorlesungen und sozialen Ereignisse mied. Doch wie so vieles langweilte ihn auch Harvard bald, er wollte vor allem eines: programmieren, wie er es schon in der Schule getan hatte. Schließlich erhielt er die Gelegenheit.

Gemeinsam mit seinem Freund Paul Allen schrieb er das Grundprogramm für einen neuen und noch ganz primitiven »Microcomputer« und verkaufte es an eine Firma in New Mexico. Das war der Moment der Entscheidung. Denn Gates hatte nicht bloß ein hübsches Programm geschrieben, sondern vor allem erkannt, welch monumentales Geschäft sich hier zu entwickeln begann. Die Dinger würden bald auf jedem Schreibtisch und in jeder Wohnung stehen, dachte er – und handelte danach.

Als Programmierer sei er kein Genie, hielten ihm seine Gegner später unablässig vor. Das stimmt wahrscheinlich. Sein Genie liegt im Wirtschaftlichen. Früher als die anderen sah er den Markt, der sich auftat – und seine Regeln. Wer da in Führung ging, wer den Standard bestimmen konnte, dem winkten die schönsten aller Profite, die Monopolgewinne. Er brach nach zwei Jahren endgültig sein Studium ab und gründete gemeinsam mit Allen Microsoft. Richtig aufwärts ging es, als die Firma das Betriebssystem für die Computer der großen IBM entwickeln durfte – und noch mehr, als IBM ihm dummerweise erlaubte, das System an Dritte zu verkaufen.