Frauen Und was ist mit uns?
Die Debatte um den neuen Feminismus ist eine realitätsferne Veranstaltung weißer, christlicher Mittelschichtsfrauen. Dass muss sich ändern.
Wie, das war’s? Wo ist denn der neue deutsche Feminismus hin? Wer hat nun gewonnen? Waschen oder nicht waschen, das war doch die Frage?
Nun scheint alles durchdiskutiert zu sein: Alice Schwarzer kann vom Emma- Chefsessel doch nicht lassen, Charlotte Roche erscheint gepflegt in Talkshows, Eva Herman kämpft verzweifelt um Nebenjobs, und die S-Klasse-Frauen haben die Kommentierungsmaschinerien fertig kommentiert. Doch aufgemerkt! Das Ergebnis all der Debatten ist dort verdampft, wo sie produziert wurden: in der schönen, heilen Welt der weißen, christlichen Mittelschichtsfrauen.
Zustande gekommen ist die neuerliche Debatte, weil Frauen plötzlich wieder im Plural sprechen wollen. Nach jahrelanger Ich-Suche, übersetzt in Kunst, Literatur und Performance mit dem trotzigen Hinweis, man spreche hier nur über sich und die eigenen Befindlichkeiten, hat sich etwas im Gesellschaftsclub geändert. Es wird wieder geheiratet, Familien werden gegründet oder nur Kinder bekommen. Der Ernst des Lebens steht plötzlich auf der Matte und die Einsicht, dass das eigene Dasein abhängig ist von Faktoren, die man zusammengefasst Gesellschaft nennt.
Deutsche Frauen haben es schwer. Aber Emine, Hatice, Nilüfer haben es schwerer
Nun sind die Alphamädchen aufgewacht und haben festgestellt, dass das vermeintlich Singuläre auch im Plural existiert. Was alle miteinander verbindet, ist die Frage: Wie sollen wir leben? Bin ich glücklich, mache ich die Arbeit, die mir Spaß macht, wer passt auf die Kinder auf, und braucht man rasierte Achselhöhlen? Bin ich neue, alte, keine Feministin? Und was ist mit der Politik, könnte man ihr noch ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben, mehr Kitas, Frauenquote in den Aufsichtsräten, Väter per Gesetz in den Krabbelstall? Und am Ende? Ist nicht doch alles gut so, wie es ist? Ganz gleich, wie die Antwort ausfällt – sie wird gepredigt, gedruckt, analysiert. Die Frage, ob wir einen neuen Feminismus brauchen oder schon haben, scheint bereits beantwortet: Die Mitte der Gesellschaft redet doch schon lebhaft darüber!
Doch wo ist die Mitte der Gesellschaft? Nicht ein einziges Mal tauchte in der Debatte das Wort Migrantinnen auf. Immerhin hat inzwischen ein Fünftel der deutschen Gesellschaft eine nichtdeutsche Herkunft. Nicht ein einziges Mal tauchte der Hinweis auf, dass es Frauen in anderen sozialen Schichten gibt, die über die diskutierten Alternativen – zu Hause bleiben oder arbeiten, Kinder kriegen mit oder ohne Ehemann, allein erziehen oder doch noch einen Masterstudiengang dranhängen – gar nicht verfügen. Kein Wort davon, dass in unserer Gesellschaft Frauen leben, die über keine sexuelle Selbstbestimmung verfügen, die aufgrund ihrer Herkunft bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche systematisch diskriminiert werden. Nichts über Frauen, die doppelt so häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie diejenigen, über die die ganze Zeit gesprochen wird. Ganz zu schweigen von all jenen, die verheiratet sind und deren Ehemänner in befristeten Arbeitsverhältnissen stehen. Da können die Ehefrauen gar nicht auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben, weil sie finanziell gar keine andere Wahl haben.
Davon kein Wort in den Feuilletondebatten. Der weiße christliche Mittelschichtseintopf kocht und löffelt sich selbst. Das andere wird unter der Überschrift »Integrationsdebatte« gedruckt, wenn es sich um Musliminnen handelt. Oder unter der Überschrift »Unterschicht«, wenn es auch Herkunftsdeutsche betrifft.
Schon den ganzen Winter und Frühling hindurch geht das so. Privilegierte Frauen publizieren und kommen sich dabei mutig vor. Kann man ihnen das zum Vorwurf machen? Nein. Was man ihnen aber vorwerfen kann: Keine Einzige stellt sich hin und sagt, ich habe es als Frau schwer, doch ich möchte der Gerechtigkeit halber sagen, dass es die Nilüfer mit ihrem abgeschlossenen Studium schwerer hat, weil sie in diesem Deutschland seltener auf der Position landet, auf der ich bin. Und ich hatte es auch schon nicht leicht. Aber immer noch besser als die Emine, deren Vater findet, dass Hauptschule reicht, weil hinterher ohnehin geheiratet wird. Oder als Hatice, die ihren Hauptschulabschluss gemacht hat und keinen Ausbildungsplatz findet, weil sie wegen Aussehen, Herkunft oder Namen diskriminiert wird. Alles bekannt, weil in diesem Deutschland leidenschaftlich gern neben dem Debattieren auch noch Statistik betrieben wird. Doch die Zahlen werden nur erhoben. Darüber diskutiert wird nicht.
Wäre in all diesen Themen nicht Platz für eine gehörige Portion Feminismus? Oder ist der Überlebenskampf in der eigenen Klasse schon so anstrengend, dass man sich nicht noch Konkurrenz ins Boot holen will? Wahrscheinlich ist es vielmehr so, dass das den bürgerlichen Damen gar nicht auffällt, weil sie zu selten mit dunkel gelockten Frauen in Berührung kommen, die schon in dritter Generation von Arbeitsmigranten abstammen. Diese Meinungsführerinnen sitzen in der Emma- Redaktion, in den Literaturzirkeln, auf Lesungen, in den Zeitungsverlagen, zwischen zwei Buchdeckeln. Ja, dieses Land hat fleißig gegendert, leider nur in einem sozialen Milieu – dem eigenen.
Die Hälfte des Himmels gehört schon den Frauen, aber den anderen. Denjenigen, die meinen, dass es schon eine große Last sei, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dabei haben zwei Generationen von Frauen in diesem Land seit fünfzig Jahren genau das gemacht, ohne sich zu beklagen: die Migrantinnen. Sie taten es, weil sie kein anderes Lebensmodell kannten. Weil sie genügsam waren, schüchtern und dankbar. Doch die Töchter dieser Mütter sind nicht mehr genügsam, sie wollen sich schminken, frech sein, heiraten und arbeiten. Ja, heiraten und arbeiten!
Natürlich wäre es interessant, zu diskutieren, warum so viele türkischstämmige Frauen das Lebensmodell »Ehe plus Kinder« gar nicht groß infrage stellen. Noch interessanter wäre es allerdings, zu schauen, warum diese verheirateten Frauen mit Migrationshintergrund keine Stellen entsprechend ihrer Qualifikation bekommen (das gilt ganz besonders für Journalistinnen). Derweil haben sich die weißen Mittelschichtsfrauen einbetoniert und führen den Feminismusdiskurs. Innerhalb dieser Mauer zerfetzen sie sich und kämpfen um Meinungshoheit. Und draußen vor der Tür stehen die anderen Schwestern, lächeln milde und seufzen: »Wir wünschten, wir hätten eure Probleme!«
Wenn eine von uns es endlich mal schafft, wird nicht groß drüber geredet
Dieser vermeintliche Nebenschauplatz ist so groß, dass man kaum versteht, warum er übersehen wird. Das gilt nicht nur für den Feminismus. Das gilt für alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Die Mehrheit der Menschen in Politik, Medien und an den anderen Orten gesellschaftlicher Verantwortung bleibt unter sich. Die Kinder der hübschen Reihenhaussiedlungen sitzen auf ihren Positionen und lassen Revue passieren: alle Jubiläen rund um 1968, dazu Abtreibungsdebatte, RAF, Gleichberechtigungsgesetz. Man applaudiert sich, geht hier und da ein bisschen kritisch mit sich ins Gericht, aber im Grunde genommen ist es immer die gleiche Soße. Wie soll es auch anders schmecken, wenn die ewig gleichen Köche die ewig gleichen Zutaten verwenden?! Und wenn nur derjenige Zutritt zur Küche bekommt, der schon als Kind mit in der Siedlung lebte?
Wie wäre es mit ein bisschen Solidarität, Kampfgefährtinnen? Ein Wort, das dringend abgestaubt gehört. Nur zur Erinnerung: All die Männer rings um diese Frauen mit Migrationshintergrund haben kein Interesse daran, das bestehende System zu ändern. Das haben die »biodeutschen« Frauen 1970 ganz ähnlich erlebt. Nur waren die Feministinnen damals in aussichtsreicherer Position: Sie kamen frisch von den Universitäten, manche holten sich ihre Impfungen aus Frankreich, sie waren mobil, sie mussten sich »bloß« gegen die Männer durchsetzen. Frauen mit Migrationshintergrund, egal ob studiert oder nicht, müssen sich durchsetzen gegen Männer und Frauen mit anderen Lebensentwürfen, anderer Kultur, Sprache und Religion – und gegen die eigenen männlichen Verwandten. Man kann siegreich aus diesem Kampf hervorgehen; einige glänzende Beispiele beweisen es. Allerdings geschieht dies meist still und leise. Ganz anders die herkunftsdeutschen Frauen der bürgerlichen Mittelschicht, die Teil des medialen Systems geworden sind und deshalb jede scheinbar revolutionäre Ansicht mit viel Medien-Tamtam ausposaunen können.
Darum gilt: Öfter mal um sich schauen und registrieren, wer alles nicht mitklatscht!
Die Schriftstellerin und Publizistin Mely Kiyak, geboren 1976 in Sulingen, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie lebt und arbeitet in Berlin
- Datum 18.08.2008 - 10:30 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2008-07-03T12:00Z Nr. 28
- Kommentare 10
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Zu Mely Kiyak.
Ist Alpha-Weibchen (für wen eigentlich?) mit dem richtigen Bein aufgestanden?
Der Groll von Mely Kiyak mag berechtigt sein. Kann nicht erkennen, wohin der hier genau gezielt ist.
Mal ehrlich: muss sie deshalb so ein Fässchen aufmachen? Weiße, christliche Mittelschichtsfrauen versus … … ja gegen wen denn? Muslimische Migrantinnen?
Und ist herkunfts- oder biodeutsch nett gemeint?
Mir scheint der Braten etwas "streng" zu riechen, um mal bei den Küchenmetaphern zu bleiben.
Eine ihrer Fragen möchte ich an sie zurück geben:
Können die Töchter der Migrantinnen sich nicht schminken, frech sein, heiraten und arbeiten und Kinder kriegen, wie jede andre Tochter auch, weil wir "biodeutschen" Frauen oder "Emma" das verhindern?
Da muss ich irgendwas übersehen haben bei all den vielen Mädchen und Frauen, die ich in dieser Stadt auch aus der Nähe sehe, denn die hier sind geschminkt, auch frech (aber hallo!), auch charmant und oft haben sie sichtbar ihren Spaß.
Ist die Frage in diesem Land wirklich noch waschen oder nicht waschen? Kinder kriegen oder nicht? Undsoweiter? Was passiert, wenn Mely Kiyak entscheidet, wie sie will? Wir leben doch hier alle so, wie wir wollen können.
Einen wichtigen - und für mich zentralen – Teil ihres Problems hat sie doch genannt: die Herkunftsfamilie. Die Patriarchen. Traditionen. Oder?
Da können grad "weiße Mittelschichtsfrauen", inclusive Christinnen, nicht das geringste tun.
Im Gegenteil: Ist es ihr nicht aufgefallen, dass die zunächst gegen die "eigenen" Frauen und Töchter gerichteten "Ge- und Verbote", dass die "zu Hause" geäusserte und gezeigte Verachtung durch Väter UND Mütter für unsere "westliche" (gar "ungläubige"!) Lebensweise, sich im selben Verbot, in derselben Verachtung gegen die freieren Frauen hier in diesem Land richten, in dem sie doch leben wollen?
Ein anderer ist die wirtschaftliche und die soziale Situation. Die viele mitbringen. Die sie aber auch mit wirklich vielen im Lande teilen. Und die können sich nicht auf ihre "ausländische" Herkunft berufen und sagen: weil wir von X Y Z kommen, weil wir mit "dunklen Locken" als solche zu erkennen sind, weil wir nicht "weiß" sind etc. sind wir schlechter dran. Deswegen behandelt Ihr uns mies.
Ist es so für Mely Kiyak? Ja? Weil man das von den Deutschen kennt?
Unter den 3 Millionen und ständig wachsender Zahl von Menschen ohne Arbeit (und wahrscheinlich weit mehr ohne eigene Einkünfte) sind genug "Biodeutsche", wenn ich das richtig sehe.
Und ist es nicht so, dass "unsere" Gesetze für alle gelten, die eingebürgert sind? Immerhin. Ich bin übrigens absolut keine Freundin von dieser grauenhaften Abschiebepraxis im Land (schon dieses Wort ist Diffamierung!). Ich bin auch keine Freundin von Polizeigewalt, die "kleine Leute" oder auch "kleine Halunken" gleich welcher Herkunft die Gesundheit oder gleich mal eben das Leben kostet.
Emanzipation beginnt für mich beim Denken. Dazu braucht's Selbsterkenntnis und Eigenarbeit! Solidarität können Mitmenschen füreinander aufbringen, die sich in der Hauptsache verstehen. Nicht Feinde.
Und zuletzt: ist Mely Kiyak sicher, die Mädchen der 3. Generation wollen drauf gestoßen werden, dass sie es als Migrantinnen schwerer haben? Und dass Sie als solche doch bedauernswert sind? Wollen Sie das von "Emmas" Frauen hören? Von anderen? Will das eine hören, die in das Land gehören und ihrer Wege selbstbewußt gehen will, in dem sie doch zu Hause ist ?
dass die redaktion nicht mal das stichwort 'feminismus' im angebot hat. auch nach 'patriarchat' suchen wir vergebens... noch fragen? - ich habe keine lust, mich mal wieder subsumieren zu lassen und danach nur noch in patriarchal verträglich abgeleiteter form vorzukommen.
Nachdem Feminismus in Deutschland bisher vor allem hieß, dem Kasperle "liebe Kinder- und Kinderinnen" beizubringen und sich ansonsten um die Penetrationsängste von Alice Schwarzer drehte, tut es gut, mal zu hören, das es auch Frauen gibt, die sich für echte Probleme interessieren. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, bessere Kinderbetreuung, Frauenhäuser... damit kann ich als Mann etwas anfangen. Das sind die Feuchtgebiete, um die es sich zu kümmern lohnt.
Mely Kiyaks Einwand ist einerseits laengst ueberfaellig - andererseits seltsam schraeg, was vielleicht daran liegt, dass er mit ca 15 Jahren Verspaetung das wiederholt, was die afroamerikanischen Frauen oder auch die indischen Frauen schon laengst getan haben, naemlich die gender studies um die race studies oder die postcolonial studies zu erweitern. Natuerlich ist gender nicht die einzige Kategorie, die unsere Gesellschaft spaltet, natuerlich ist die Welt einer Professorentochter der eines Professorinnensohns vermutlich aehnlicher als die Welt einer tuerkischstaemmigen Hauptschuelerin, die in den naechsten Sommerferien zwangsverheiratet werden soll. Dass "der Feminismus" sich hierzulande dazu nicht aeussert ist aber erstens nicht richtig (die "Emma" hatte das z.B. schon sehr haeufig zum Thema), dass der deutsche Staat nichts tue, um diesen Frauen zu helfen stimmt auch nicht so ganz. Richtig, es gibt strukturelle Diskreminierung, vor allem durch unser selektives Schulsystem und das Fehlen von Sprachkursangeboten im Vorschulbereich. Es gibt eine Benachteiligung von Maennern und Frauen mit muslimischem Hintergrund, wenn sie sich mit oder ohne Hauptschulabschluss um eine Lehrstelle bewerben. Sobald diese Huerden aber einmal ueberwunden sind, sobald mindestens ein guter Realschulabschluss vorliegt gibt es diese Benachteiligung nicht mehr. Mag sein, dass der "akademische Feminismus" die Probleme von Migrantinnen aus dem Blickfeld verloren hat - vielleicht liegt das aber auch daran, dass in akademischen Milieus Migrantinnen und Migranten nie im selben Ausmass benachteiligt sind und waren, wie es die Schwarzen in den USA erfahren mussten. Es gibt hier keine Ivy-Leage Hochschulen, zu denen ihnen je der Zutritt verwehrt worden waere und sie alle duerften nicht das geringste Problem gehabt haben, Bafoeg zu erhalten. Und jede "biodeutsche" Studentin, jeder "biodeutsche" Student (auch das "christlich" ist eine merkwuerdige Entlehnung aus dem amerikanischen Diskurs, anders als in den USA interessiert sich doch in Deutschland fast niemand fuer Religionszugehoerigkeiten) kennt eben auch ein paar tuerkischstaemmige Kommilitoninnen und Kommilitonen, die gut zurechtkommen - und die zudem auf die Frage, wie sie es denn "mit diesem Familienhintergrund" auf die Uni geschafft haetten zu Recht hoechst irritiert reagieren wuerden.
Ich ahne ja, daß ihr Beitrag höchst menschenfreundliche Intentionen hat, aber "race studies"? Das klingt einfach schrecklich und wie etwas, das Dr. Mengele betrieben hat. Ich weiß ja, das in diesem Forum Deutsch und Englisch als Verkehrssprache akzeptiert werden, aber würde es Ihnen viel ausmachen, sich für eine dieser beiden schönen Sprachen zu entscheiden? Thank you very much for your consideration.
Ich ahne ja, daß ihr Beitrag höchst menschenfreundliche Intentionen hat, aber "race studies"? Das klingt einfach schrecklich und wie etwas, das Dr. Mengele betrieben hat. Ich weiß ja, das in diesem Forum Deutsch und Englisch als Verkehrssprache akzeptiert werden, aber würde es Ihnen viel ausmachen, sich für eine dieser beiden schönen Sprachen zu entscheiden? Thank you very much for your consideration.
feminismus in der brd ist nicht alice schwarzer, ist nicht die alpha-mädchen. feminismus in der brd das sind die frauen und männer - ich will sie nicht unterschlagen - die an der veränderung der geschlechterverhältnisse arbeiten. manchmal ganz unspektakulär. aber darum bemüht, hierarchien aufzubrechen.selbstbestimmung im kleinen. feminismus im kleinen ist dann die chorleiterin an der türkischen schule in kreuzberg, die ihren mädchen beibringt, dass sich mit sittsam geschlossenen lippen schlecht singen lässt! ob es dafür in der emma oder in der zeit ein lob gibt - ach du meine güte. hauptsache, die mädels lernen, dass sich mit geschlossenem mund nicht singen läßt! wie sie es mit dem hijab halten, das entscheiden die dann irgendwann ganz alleine... denn schließlich kommt es nicht darauf an, was frauen auf dem kopf haben, sondern was sie in demselben bewegen. ich halte ja auch nicht männer mit haaren auf dem kopf für prinzipiell denkunfähig...
und: gender ist kein synonym für frau!
Rahab, was ist denn dagegen einzuwenden, dass jeder und jede an dem Ort, wo er oder sie gerade ist, an der Veraenderung der Geschlechterverhaeltnisse arbeitet? Es gibt ihn doch, den Feminismus im Kleinen, wie Sie ihn beschreiben. Ich habe "gender" nicht als Synonym fuer "Frau" gebraucht, sondern auf eine theoretische Stroemung verwiesen, die sich damit beschaeftigt, wie Geschlecht in unserer Gesellschaft sozial konstruiert ist, welche Implikationen mit Geschlechtszuschreibungen einhergehen usw. Dass andere Kategorien inzwischen in Deutschland eine viel groessere Rolle spielen, wie z.B. Ethnie, das will ich ja gar nicht abstreiten. Auch will ich nicht abstreiten, dass manche Frauen groessere Probleme haben als das, fuer ihren Lektorinnenjob bei einem renommierten Verlag 10% weniger Gehalt zu bekommen, als der Kollege am Schreibtisch nebenan. Soll sie sich aber deshalb nicht darueber aergern duerfen?
Natuerlich wuerde es auch dem akademischen Feminismus gut tun, mit anderen Perspektiven zum Thema "Familie" oder "Geschlecht" konfrontiert zu werden, nur muessen diese Beitraege eben von den Frauen und Maennern kommen, deren Diskriminierung hier beklagt wird. Ich bin mir absolut (!) sicher, dass z.B. eine gute soziologische Arbeit eines Nachwuchswissenschaftlers mit tuerkischem Hintergrund, der untersucht, wie deutsch-tuerkische Familienverbaende funktionieren, oder wie man in diesem System "zum Mann gemacht" etc. ein Bombenerfolg waere. Niemand wuerde die Entstehung eines solchen Textes unterdruecken, es waere leicht, dafuer einen Druckkostenzuschuss zu bekommen etc.
Meines Erachtens ist es wirklich der Schritt von der Grundschule in die Realschulen und Gymnasien, den man Kindern aus Migrantenfamilien mit groesserem institutionellem Aufwand ermoeglichen muss (mit fruehen Sprachkursen, aber auch mit mehr Beratungsangeboten fuer die Eltern), mit Hausaufgabenbetreung an den Schulen - und vielleicht auch hin und wieder mit mehr Zwang.
Rahab, was ist denn dagegen einzuwenden, dass jeder und jede an dem Ort, wo er oder sie gerade ist, an der Veraenderung der Geschlechterverhaeltnisse arbeitet? Es gibt ihn doch, den Feminismus im Kleinen, wie Sie ihn beschreiben. Ich habe "gender" nicht als Synonym fuer "Frau" gebraucht, sondern auf eine theoretische Stroemung verwiesen, die sich damit beschaeftigt, wie Geschlecht in unserer Gesellschaft sozial konstruiert ist, welche Implikationen mit Geschlechtszuschreibungen einhergehen usw. Dass andere Kategorien inzwischen in Deutschland eine viel groessere Rolle spielen, wie z.B. Ethnie, das will ich ja gar nicht abstreiten. Auch will ich nicht abstreiten, dass manche Frauen groessere Probleme haben als das, fuer ihren Lektorinnenjob bei einem renommierten Verlag 10% weniger Gehalt zu bekommen, als der Kollege am Schreibtisch nebenan. Soll sie sich aber deshalb nicht darueber aergern duerfen?
Natuerlich wuerde es auch dem akademischen Feminismus gut tun, mit anderen Perspektiven zum Thema "Familie" oder "Geschlecht" konfrontiert zu werden, nur muessen diese Beitraege eben von den Frauen und Maennern kommen, deren Diskriminierung hier beklagt wird. Ich bin mir absolut (!) sicher, dass z.B. eine gute soziologische Arbeit eines Nachwuchswissenschaftlers mit tuerkischem Hintergrund, der untersucht, wie deutsch-tuerkische Familienverbaende funktionieren, oder wie man in diesem System "zum Mann gemacht" etc. ein Bombenerfolg waere. Niemand wuerde die Entstehung eines solchen Textes unterdruecken, es waere leicht, dafuer einen Druckkostenzuschuss zu bekommen etc.
Meines Erachtens ist es wirklich der Schritt von der Grundschule in die Realschulen und Gymnasien, den man Kindern aus Migrantenfamilien mit groesserem institutionellem Aufwand ermoeglichen muss (mit fruehen Sprachkursen, aber auch mit mehr Beratungsangeboten fuer die Eltern), mit Hausaufgabenbetreung an den Schulen - und vielleicht auch hin und wieder mit mehr Zwang.
Rahab, was ist denn dagegen einzuwenden, dass jeder und jede an dem Ort, wo er oder sie gerade ist, an der Veraenderung der Geschlechterverhaeltnisse arbeitet? Es gibt ihn doch, den Feminismus im Kleinen, wie Sie ihn beschreiben. Ich habe "gender" nicht als Synonym fuer "Frau" gebraucht, sondern auf eine theoretische Stroemung verwiesen, die sich damit beschaeftigt, wie Geschlecht in unserer Gesellschaft sozial konstruiert ist, welche Implikationen mit Geschlechtszuschreibungen einhergehen usw. Dass andere Kategorien inzwischen in Deutschland eine viel groessere Rolle spielen, wie z.B. Ethnie, das will ich ja gar nicht abstreiten. Auch will ich nicht abstreiten, dass manche Frauen groessere Probleme haben als das, fuer ihren Lektorinnenjob bei einem renommierten Verlag 10% weniger Gehalt zu bekommen, als der Kollege am Schreibtisch nebenan. Soll sie sich aber deshalb nicht darueber aergern duerfen?
Natuerlich wuerde es auch dem akademischen Feminismus gut tun, mit anderen Perspektiven zum Thema "Familie" oder "Geschlecht" konfrontiert zu werden, nur muessen diese Beitraege eben von den Frauen und Maennern kommen, deren Diskriminierung hier beklagt wird. Ich bin mir absolut (!) sicher, dass z.B. eine gute soziologische Arbeit eines Nachwuchswissenschaftlers mit tuerkischem Hintergrund, der untersucht, wie deutsch-tuerkische Familienverbaende funktionieren, oder wie man in diesem System "zum Mann gemacht" etc. ein Bombenerfolg waere. Niemand wuerde die Entstehung eines solchen Textes unterdruecken, es waere leicht, dafuer einen Druckkostenzuschuss zu bekommen etc.
Meines Erachtens ist es wirklich der Schritt von der Grundschule in die Realschulen und Gymnasien, den man Kindern aus Migrantenfamilien mit groesserem institutionellem Aufwand ermoeglichen muss (mit fruehen Sprachkursen, aber auch mit mehr Beratungsangeboten fuer die Eltern), mit Hausaufgabenbetreung an den Schulen - und vielleicht auch hin und wieder mit mehr Zwang.
aber: gegen Sie ging's nicht. sondern gegen die 'einteilungen'. dass grenzen und grenzziehungen schon lange in den frauenbewegungen thematisiert werden, dass 'gender' bereits wieder geschichte ist und von geschlechterverhältnissen abgelöst und in bezug auf ethnie, nation, religion, wissenschaft und politik diskutiert und bearbeitet wird (usw usf), wissen Sie, weiß ich. der akademische feminismus tut's. die sozialarbeiterin tut's, die lehrerin tut's, viele männer tun's. steht nur nicht in jeder zeitung. auch nicht in der zeit. ist hier in der redaktion noch nicht angekommen. das war die quelle meines ärgers!
aber: gegen Sie ging's nicht. sondern gegen die 'einteilungen'. dass grenzen und grenzziehungen schon lange in den frauenbewegungen thematisiert werden, dass 'gender' bereits wieder geschichte ist und von geschlechterverhältnissen abgelöst und in bezug auf ethnie, nation, religion, wissenschaft und politik diskutiert und bearbeitet wird (usw usf), wissen Sie, weiß ich. der akademische feminismus tut's. die sozialarbeiterin tut's, die lehrerin tut's, viele männer tun's. steht nur nicht in jeder zeitung. auch nicht in der zeit. ist hier in der redaktion noch nicht angekommen. das war die quelle meines ärgers!
aber: gegen Sie ging's nicht. sondern gegen die 'einteilungen'. dass grenzen und grenzziehungen schon lange in den frauenbewegungen thematisiert werden, dass 'gender' bereits wieder geschichte ist und von geschlechterverhältnissen abgelöst und in bezug auf ethnie, nation, religion, wissenschaft und politik diskutiert und bearbeitet wird (usw usf), wissen Sie, weiß ich. der akademische feminismus tut's. die sozialarbeiterin tut's, die lehrerin tut's, viele männer tun's. steht nur nicht in jeder zeitung. auch nicht in der zeit. ist hier in der redaktion noch nicht angekommen. das war die quelle meines ärgers!
Entschuldigung, dann haben wir uns wohl missverstanden. Ich dachte Ihr Beitrag sei eine Reaktion auf meine Verwendung des gender-Begriffs.
Entschuldigung, dann haben wir uns wohl missverstanden. Ich dachte Ihr Beitrag sei eine Reaktion auf meine Verwendung des gender-Begriffs.
Entschuldigung, dann haben wir uns wohl missverstanden. Ich dachte Ihr Beitrag sei eine Reaktion auf meine Verwendung des gender-Begriffs.
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