GeografieWas soll denn das heißen?

Amazonas bedeutet »Bootszerstörer«, Alabama »Wir bleiben hier«. Eine Weltkarte verrät den Ursprung geografischer Namen von 

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Ach, wie oft sind wir mit an Bord in den stolzen Entdeckerschiffen. Eilen an Deck, wenn nach Wochen in namenloser Ferne der Maat schreit: »Land in Sicht!« Lassen die Barkasse zu Wasser, setzen unseren Fuß auf unberührten Boden und sprechen: »Ich taufe dich auf…«

Ja, worauf denn? So gern wir Kartengucker uns in die Welt eines Kolumbus oder Magellan hineinträumen, so fremd ist uns das Recht – die Pflicht – zur Ortsbenennung geworden. Wie weit wir auch in die Welt schauen, immer war schon einer vor uns da und hat seine Namen dagelassen. Das hat die Karten verlässlicher, aber nicht eben schöner gemacht. Früher kaschierten die Zeichner weiße Flecken mit Elefanten, Wind speienden Mäulern und Landschaftszeichnungen. Doch seit alles vermessen ist, bleibt für die Fantasie vor lauter Buchstaben kein Platz mehr. Und wir Fingerreisenden, wie der Schriftsteller Daniel Kehlmann uns nennt, haben ein bisschen weniger zu staunen. Bis jetzt.

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Die Gegenaufklärung kommt aus der Hansestadt Lübeck. Dort gibt der Kartograf und Kleinverleger Stephan Hormes den Atlas der wahren Namen heraus. Darin werden die wichtigsten Ortsnamen auf ihren ursprünglichen Sinn zurückgeführt. Statt Blackpool steht da also »Schwarzenpfuhl«, das ist noch nicht sehr spannend. Aber wer »Dreifaltigkeit und Tabak« liest für Trinidad und Tobago, der taucht schon ein wenig in die Geschichte ein. Wir entdecken unverhofft poetische Namen (Alabama etwa heißt »Wir bleiben hier« in der Sprache der Choctaw-Indianer) und entwaffnend doofe (Manila auf Filipino: »Hier gibt es Wurzelbäume«). Manchmal bewahren Ortsbezeichnungen auch die Erinnerung an frühe Kulturschocks. Yucatán etwa ist eine Verballhornung des Satzes Yuk ak katan – Ich verstehe euch nicht. Das soll ein Maya erwidert haben, als die Spanier von ihm wissen wollten, wie diese Gegend heiße.

Eine Warnung vorneweg: Hormes nimmt es nicht sehr genau. Sein »Atlas« ist nur ein schmächtiges Kärtlein, und viele seiner »wahren Namen« sind strittig. Im Zweifelsfall, und nicht nur dann, bevorzugt er die Variante, die am erstaunlichsten klingt. Aus den Cook Islands zum Beispiel macht der Kartograf »Koch-Inseln«, und sein großer Vorgänger James Cook geht leer aus.

Mögen Fachleute und Rechthaber die Karte zerpflücken. Wir Laien lernen eine Menge auf dieser Fingerreise. Vor allem, dass wir froh sein können, mit keinem jener Schiffe gefahren zu sein. Einige Namen wie »der Bootszerstörer« (Amazonas) erinnern an die Gefahren der Entdeckerei, die meisten aber machen deutlich, dass selbst das Abenteuer Fremde irgendwann langweilig wird. Wir sehen uns deutlicher denn je an Bord der Segler. Aber diesmal trotten wir lustlos an Deck, wenn der Maat ruft: »Land in Sicht!« Sicher wieder so ein bedeutungsloser Felsen im Wasser, und wir haben schon all unsere Lieblingsnamen verpulvert. Was jetzt noch kommt, muss sich mit einer Schnelltaufe begnügen: »Hunde-Inseln« (Kanaren), »Schildkröten-Inseln« (Galapagos), »Acht beieinander liegende Inseln« (Tuvalu), »Viele Inseln« (Polynesien), »Tausend Inseln« (Malediven), »Hunderttausend Inseln« (Lakkadiven). Erst im fernen Alaska fällt uns wieder etwas ein: »Land, das keine Insel ist«.

Das ist das Schöne am Atlas der wahren Namen: Er führt uns nicht nur in die Welt hinaus, sondern auch wieder zurück – in die Köpfe der großen Welterforscher, die, sieht man von der Größe ab, so anders als wir gar nicht waren. Die Kartografie hat ein neues Feld. Wenn es nichts mehr zu entdecken gibt, entdecken wir eben uns selbst.

Der »Atlas der wahren Namen«, wahlweise als Welt- oder Europakarte, ist zum Preis von 6 Euro unter www.kalimedia.de zu bestellen oder unter Nennung der ISBN 978-3-9810301-5-0 (Welt) beziehungsweise 978-3-9810301-4-3 (Europa) im Buchhandel

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Leserkommentare
  1. als Sankt Felsenburg übersetzt wird, zeigt, dass offenbar gnadenlos und bezugslos alles übersetzt wird, was nicht ganz deutsch ist. Sicher kommt der Name Peter vom griechischen "petra" = "Fels", aber was soll das hier? Keiner dachte daran, als Petersburg seinen Namen bekam. Schade, dass der Bezug zur Geschichte offenbar keine Rolle spielt.

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    • Yeahgo
    • 07. Juli 2008 18:12 Uhr

    Das mag zwar richtig sein, aber wird im Text ja (in Bezug auf die Cook-Inseln) bereits gesagt. Man sollte die Karte also noch geschichtlich betrachten, sondern eher als Jux.

  2. peinlich, peinlich, da wo die slowakei ist steht slowenien . . .(Anmerkung: Die Pein ist ganz auf unserer Seite. Wir haben den Fehler inzwischen korrigiert und bedanken uns für den Hinweis. Die Redaktion/jk) 

    • Yeahgo
    • 07. Juli 2008 18:12 Uhr

    Das mag zwar richtig sein, aber wird im Text ja (in Bezug auf die Cook-Inseln) bereits gesagt. Man sollte die Karte also noch geschichtlich betrachten, sondern eher als Jux.

  3. ...man kann sich beschweren und den Text schlecht machen!? Vielleicht sollte ich auch etwas Negatives suchen... positive Kritik würde ja keinen interessieren.Aber obwohl: Ich machs trotzdem... gefiel mir sehr gut die Karte nach allerhand witzigen Namensgebungen zu durchsuchen. Weiter so!

    • josi08
    • 07. Juli 2008 21:20 Uhr

    ... mir gefällt die Karte auch sehr gut aber 'Schwarzenpfuhl' ist in England und nicht in Irland!!! Wo der Punkt ist soll die Name für Dublin stehen....

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    • aillil
    • 22. Juli 2008 23:02 Uhr

    Wie der Kommentator in 5 schon richtig bemerkte, liegt Blackpool in England. Zugrunde liegt hier wohl letztlich Sprachunkenntnis und weniger echter Geographiemangel, obwohl der wohl der Grund für die fehlerhafte Verortung war. Dass nämlich "Schwarzpfuhl" oder Ähnliches auch die Übersetzung für Dublin ist, ist wohl dem Autor nicht aufgegangen: Irisch dúbh 'schwarz' + linn 'Teich'.

  4. Dann kann ich mir das Geld für den Atlas auch sparen. Man kann ohnehin bei Wikipedia alle größeren Orte der Welt nachschlagen und meist auch auch die Herkunft des Namens erfahren. Wäre halt schön gewesen, das auf einer einzigen Karte zu haben...

  5. Die Länder sind oft genug nach den Völkern benannt, die dort wohnen; weil es aber VölkerWanderungen gegeben hat, ist der Ansatz im grossen und ganzen falsch, auch wenn es natürlich einige funktionierende Beispiele gibt.Ausserdem sieht die Übersetzung so aus, als ob sich da eine Menge "false friends" eingeschlichen hätten.

  6. Land der Starken. Das passt ja wie die Faust aufs Auge.

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  • Schlagworte Daniel Kehlmann | James Cook | Malediven | Trinidad und Tobago | Alabama | Alaska
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