Teures Öl, Furcht vor dem Klimawandel und Angst vor wachsender Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten verunsichern die Deutschen. Verängstigte Bürger und Verbraucher sind empfänglich für Argumente, die überzeugend klingen, aber nicht überzeugend sind. So wie die, mit denen neuerdings die Union um Zustimmung wirbt. Nach ihrer Lesart ist Atomstrom Ökoenergie pur. Billig, sauber, obendrein quasideutsch und deshalb sicher. Nun will die Union den Atomausstieg kippen – und die 17 hiesigen Kernkraftwerke länger am Netz lassen: weit über das Jahr 2020 hinaus.

Tatsächlich träumt hier die Kernenergiefraktion einen Traum, der sich für Mensch und Umwelt noch als Albtraum erweisen wird. Mag sein, dass die zukünftigen Reaktoren besser sind als die gegenwärtigen. Davon gibt es allerdings weltweit 439. Und jederzeit kann einer von ihnen havarieren. Es wäre das unwiderrufliche Aus auch für die hiesigen Meiler. Selbst die Atomlobby weiß das genau.

Klimaschonend ist Atomstrom ohnehin nicht. Er befreit nicht vom teuren Öl. Und Elektrizität macht er allenfalls in unmerklicher Dosis billiger. Die von der Union genährte Hoffnung auf günstigeren Strom, die womöglich sogar im Wahlkampf verfängt, grenzt an Verachtung der Wähler.

Obwohl es zunächst einmal stimmt, dass Strom in abgeschriebenen Kernkraftwerken extrem billig erzeugt wird. Für weniger als zwei Cent pro Kilowattstunde. Nur hat der Stromkunde davon nichts. Bei ihm schlagen nicht Kosten zu Buche, sondern der Marktpreis des Stroms. Der aber liegt nicht bei zwei Cent, sondern eher bei sieben oder acht. Die Differenz geht an die Eigentümer der Meiler.

Angenommen, sie ließen sich darauf ein, als Gegenleistung für längere Laufzeiten auf die Hälfte ihrer Extragewinne zu verzichten: Dann könnte die Rechnung der Stromkunden tatsächlich sinken – im Jahr nach der Bundestagswahl laut Berechnung des Öko-Instituts um 12 Cent pro Haushalt, monatlich! Danach wüchse der Vorteil auf knapp 90 Cent an, aber auch das ist fast nichts, verglichen mit den gut 60 Euro, die ein Drei-Personen-Haushalt heute für Strom zahlt.