Das AKW Grohnde bei Hameln © Thomas Starke/Getty Images

Es gibt wohl kein zweites Forschungsfeld, auf dem sich Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte erst erfolgreich an die Spitze gearbeitet hat, um dann als Weltmarkt- und Technologieführer den Fortschritt per Gesetz zu verbieten. In den kommenden Jahren sollen Kernkraftwerke abgeschaltet werden, die zu den sichersten und zuverlässigsten der Welt zählen. Wie können wir dann unseren Energiehunger stillen und gleichzeitig den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen?

Genau dies aber ist möglich, und deshalb steht in vielen Ländern die Kernkraft vor einer Renaissance. Beim G-8-Gipfel in Japan setzten bis auf Deutschland alle Staaten auf die Förderung der Kernspaltung als Ökoenergie. Der Grund für den Stimmungswandel sind handfeste ökologische, ökonomische und technische Entwicklungen. Sie machen nicht nur den weiteren Einsatz bestehender Kernkraftwerke notwendig und möglich, sondern verlangen auf Dauer den Ausbau der Kernenergie.

Alternativen sind nicht weit genug entwickelt, nicht hinreichend verfügbar oder zu unzuverlässig. Auch die saubere Wiedergeburt, die der Kohle vorhergesagt wird, ist ungewiss: Konzerne versprechen zwar Kraftwerke, die kaum noch klimaschädliches CO₂ ausstoßen. Bis die dazu notwendige Technik einsatzreif ist, werden jedoch viele Jahre vergehen.

Nach den Unfällen von Harrisburg und Tschernobyl war es sinnvoll, Alternativen zur Kernenergie zu prüfen und zu entwickeln. Aber auch die Forschung an Reaktoren hat Fortschritte gemacht – zuletzt allerdings nicht mehr in Deutschland. Und so wird in weiten Teilen der Welt nicht nur aus Energienot, sondern im Vertrauen auf die Technik das Urteil über die Kernenergie revidiert.

Der Ausstieg aus dem Ausstieg wäre das Waterloo vieler Politiker

In Europa, Amerika und Asien werden Neubauprojekte angekündigt. In Finnland errichten deutsche und französische Kerntechniker einen modernen Druckwasserreaktor. Premierminister Gordon Brown will die Stromversorgung Großbritanniens mit dem Bau von mindestens zwanzig neuen Reaktoren sichern. US-Energieminister Samuel Bodman sieht für sein Land einen Bedarf von mehr als hundert Reaktoren. China will die Zahl seiner Meiler auf etwa vierzig nahezu vervierfachen, auch Indien plant gewaltige Investitionen.

Dass Deutschland derweil an seinen Abschaltplänen festhält, ist sachlich längst nicht mehr zu begründen. Für viele Politiker bei den Grünen, aber auch in der SPD war der Ausstiegsbeschluss die Vollendung ihres Lebenswerks. Der Ausstieg aus dem Ausstieg wäre ihr Waterloo.