Energiepolitik

Atomkraft, ja bitte!

Kernenergie, weil’s vernünftig ist! Deutschland muss wieder in Forschung und Technik investieren

Das AKW Grohnde bei Hameln

Das AKW Grohnde bei Hameln

Es gibt wohl kein zweites Forschungsfeld, auf dem sich Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte erst erfolgreich an die Spitze gearbeitet hat, um dann als Weltmarkt- und Technologieführer den Fortschritt per Gesetz zu verbieten. In den kommenden Jahren sollen Kernkraftwerke abgeschaltet werden, die zu den sichersten und zuverlässigsten der Welt zählen. Wie können wir dann unseren Energiehunger stillen und gleichzeitig den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen?

Genau dies aber ist möglich, und deshalb steht in vielen Ländern die Kernkraft vor einer Renaissance. Beim G-8-Gipfel in Japan setzten bis auf Deutschland alle Staaten auf die Förderung der Kernspaltung als Ökoenergie. Der Grund für den Stimmungswandel sind handfeste ökologische, ökonomische und technische Entwicklungen. Sie machen nicht nur den weiteren Einsatz bestehender Kernkraftwerke notwendig und möglich, sondern verlangen auf Dauer den Ausbau der Kernenergie.

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Alternativen sind nicht weit genug entwickelt, nicht hinreichend verfügbar oder zu unzuverlässig. Auch die saubere Wiedergeburt, die der Kohle vorhergesagt wird, ist ungewiss: Konzerne versprechen zwar Kraftwerke, die kaum noch klimaschädliches CO₂ ausstoßen. Bis die dazu notwendige Technik einsatzreif ist, werden jedoch viele Jahre vergehen.

Nach den Unfällen von Harrisburg und Tschernobyl war es sinnvoll, Alternativen zur Kernenergie zu prüfen und zu entwickeln. Aber auch die Forschung an Reaktoren hat Fortschritte gemacht – zuletzt allerdings nicht mehr in Deutschland. Und so wird in weiten Teilen der Welt nicht nur aus Energienot, sondern im Vertrauen auf die Technik das Urteil über die Kernenergie revidiert.

Der Ausstieg aus dem Ausstieg wäre das Waterloo vieler Politiker

In Europa, Amerika und Asien werden Neubauprojekte angekündigt. In Finnland errichten deutsche und französische Kerntechniker einen modernen Druckwasserreaktor. Premierminister Gordon Brown will die Stromversorgung Großbritanniens mit dem Bau von mindestens zwanzig neuen Reaktoren sichern. US-Energieminister Samuel Bodman sieht für sein Land einen Bedarf von mehr als hundert Reaktoren. China will die Zahl seiner Meiler auf etwa vierzig nahezu vervierfachen, auch Indien plant gewaltige Investitionen.

Dass Deutschland derweil an seinen Abschaltplänen festhält, ist sachlich längst nicht mehr zu begründen. Für viele Politiker bei den Grünen, aber auch in der SPD war der Ausstiegsbeschluss die Vollendung ihres Lebenswerks. Der Ausstieg aus dem Ausstieg wäre ihr Waterloo.

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Leser-Kommentare

  1. Ich glaube dass der Strombedarf in Zukunft massiv steigen wird, wenn erstmal ueberall Elektoautos unterwegs sind. Aber was nuetzt alle Umweltfreundlichkeit auf der einen Seite, wenn der Strom dann mit radioaktivem Uran erzeugt wird? OK, sollte es in Zukunft wirklich sichere Meiler geben und das Problem der Endlager geloest sein (ich glaub es nicht), dann koennen wir ja immer noch Atomkraftwerke zu bauen. Die Atomkraftwerke, die heute gebaut werden, laufen aber 30-40 Jahre - mit der Technologie von heute. Und dann ist das Uran verbraucht.Uebrigens, wer garantiert dass die Preise fuer Uran nicht ebenso anziehen wie die Oelpreise heute, wenn China und USA so viele Kraftwerke bauen und der Rest der Welt auf diesen Zug aufspringt? Warum nicht also gleich den richtigen Weg gehen und Strom im Einklang mit der Umwelt erzeugen, und den Druck beibehalten, nach Alternativen zum Uran zu suchen. Der groesste Atomreaktor steht doch am Himmel, ueber unseren Koepfen, die Sonne, und die ist voellig ungefaehrlich. Meine Hoffung ist dass die Energie der Sonne die Zukunft fuer unsere Energieprobleme ist.

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    Zum einen stellt sich auch mit Solarenergie noch immer das Problem, dass diese Energie nur sehr unzuverlässig verfügbar ist und zum anderen ist die Herstellung von Solarzellen mitnichten so sauber, wie sie sich das vorstellen.Ein interessanter Ansatz für Kernenergie ist hierbei die Transmutationstechnik, welche mittels eines Teilchenstrahls Isotope mit langer Halbwertszeit in solche mit deutlich kürzerer Halbwertszeit spalten könnte. Der Prozess soll zudem netto Energie erzeugen und zudem auch mit unterkritischen Isotopenkonzentrationen funktionieren.

    die eine Zukunftsprognose unter unzulässigen "ceteris paribus"-Bedingungen als fragwürdig erkannt hat!
    Man kann natürlich nicht von heutigen Uranpreisen ausgehen, wenn diese Technik jetzt boomen sollte und gleichzeitig die Vorkommen zur Neige gehen!
    Nicht nur der Strombedarf steigt.
    Auch der Uranbedarf.
    Dabei sinkt die Ergiebigkeit des noch verfügbaren Erzes beständig.
    Ein zumindest rationaler, egoistischer, ökonomischer "Vorteil" zukünftiger Urangewinnung läge jedoch vielleicht darin, daß es wohl noch einige ergiebige Vorkommen z.B. in Australien und Afrika auf dem Gebiet der indogenen Völker gibt - und diese "Wilden" konnte man doch bisher immer über's Ohr hauen, oder ;-)
    Zumindest werden mit steigendem Uranbedarf und fallender Erzqualität logischerweise auch die Preise gewaltig steigen!
    Sowie der CO2 Ausstoß während der Urangewinnung, der ja auch nie in Betracht gezogen wird, weil Kernenergie ja bekanntlich - per Definition! -überhaupt kein CO2 produziert. ;-)
    Und nicht zuletzt der gewaltige Abraum von tausenden!!! von Tonnen strahlenden Gesteins und Abwassers, die heute schon gern mal bei der Gewinnung einer Tonne Uran (Yellowcake) aus "minderwertigem" Erz abfallen können - und endgelagert werden müssen!
    Diese drei Größen werden sogar exponentiell in die Höhe schießen und dazu führen, daß die Atomkraft, sobald Alle sie benutzen, unökonomisch wird.
    Dann müssten wir in ein paar Jahren also schon wieder einen anderen Ausweg suchen... Hmmm...

    • 11.07.2008 um 1:17 Uhr
    • Khen

    Zum einen stellt sich auch mit Solarenergie noch immer das Problem, dass diese Energie nur sehr unzuverlässig verfügbar ist und zum anderen ist die Herstellung von Solarzellen mitnichten so sauber, wie sie sich das vorstellen.Ein interessanter Ansatz für Kernenergie ist hierbei die Transmutationstechnik, welche mittels eines Teilchenstrahls Isotope mit langer Halbwertszeit in solche mit deutlich kürzerer Halbwertszeit spalten könnte. Der Prozess soll zudem netto Energie erzeugen und zudem auch mit unterkritischen Isotopenkonzentrationen funktionieren.

    Antwort auf "Uranpreise in Zukunft?"
  2. mit radioaktivem Atommüll, die inzwischen -- im angeblich trockenen Salzstock -- im Salzwasser vor sich hinschwimmen und langsam durchrosten:http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Notstand_beim_Atommuell/460/536962So sieht das Ergebnis kurzfristiger Politik der sogenannten "Volksvertreter" für die Energiekonzerne aus. Ist der Profit nur groß genug, fallen auch die letzten moralischen Hemmungen.______________________________________________________
    Die Interessen der ZEIT:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Was derzeit wirklich passiert:
    http://www.pelastop.de/20...

  3. 4. --

    (entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)

  4. 5. --

    ich geb auf und befürworte jede form der energiegewinnung, die uns debile diskussionen bei illner, will, plasberg und sonstigen einfaltspinseln erspart. atomkraft - windkraft - biogas - egal! hauptsache: nie wieder maybrittillner!

  5. die eine Zukunftsprognose unter unzulässigen "ceteris paribus"-Bedingungen als fragwürdig erkannt hat!
    Man kann natürlich nicht von heutigen Uranpreisen ausgehen, wenn diese Technik jetzt boomen sollte und gleichzeitig die Vorkommen zur Neige gehen!
    Nicht nur der Strombedarf steigt.
    Auch der Uranbedarf.
    Dabei sinkt die Ergiebigkeit des noch verfügbaren Erzes beständig.
    Ein zumindest rationaler, egoistischer, ökonomischer "Vorteil" zukünftiger Urangewinnung läge jedoch vielleicht darin, daß es wohl noch einige ergiebige Vorkommen z.B. in Australien und Afrika auf dem Gebiet der indogenen Völker gibt - und diese "Wilden" konnte man doch bisher immer über's Ohr hauen, oder ;-)
    Zumindest werden mit steigendem Uranbedarf und fallender Erzqualität logischerweise auch die Preise gewaltig steigen!
    Sowie der CO2 Ausstoß während der Urangewinnung, der ja auch nie in Betracht gezogen wird, weil Kernenergie ja bekanntlich - per Definition! -überhaupt kein CO2 produziert. ;-)
    Und nicht zuletzt der gewaltige Abraum von tausenden!!! von Tonnen strahlenden Gesteins und Abwassers, die heute schon gern mal bei der Gewinnung einer Tonne Uran (Yellowcake) aus "minderwertigem" Erz abfallen können - und endgelagert werden müssen!
    Diese drei Größen werden sogar exponentiell in die Höhe schießen und dazu führen, daß die Atomkraft, sobald Alle sie benutzen, unökonomisch wird.
    Dann müssten wir in ein paar Jahren also schon wieder einen anderen Ausweg suchen... Hmmm...

    Antwort auf "Uranpreise in Zukunft?"
  6. Um einen Bekannten aus der Kernenergiebranche zu zitieren: "Die Technologie ist sicher, doch nicht der Mensch!"   
    Der Mensch ist und bleibt nunmal das größte Risiko, da helfen auch keine technischen Lösungen. Jeder bisherige Kernreaktorunfall war auf menschliches Versagen zurückzuführen. Können wir uns das leisten Herr Sentker? Die Auswirkungen von Tschernobyl sind noch heute zu spüren.  

    Oder was ist mit der Studie über die Häufung von Krebserkrankungen bei Kleinkindern in der Nähe von Kernkraftwerken? Schon wieder vergessen, oder geflissentlich ignoriert?

  7. 8. Bizarr

    Die Aussicht, die ohnehin notwendige Suche nach der endgültigen Lösung der Energiefrage wenige weitere Jahre aufschieben zu können, scheint der Nach-uns-die-Sintflut-Fraktion Grunds genug, Zigmilliarden Euro in eine Dead-End-Technologie zu pumpen und eine nicht absehbare Menge radioaktiven Mülls zu produzieren.Mich wundert schon lange nichts mehr.

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  • Von Andreas Sentker
  • Datum 2.9.2009 - 10:05 Uhr
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  • Serie Energie
  • Quelle DIE ZEIT, 10.07.2008 Nr. 29
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