Eine Kanzlerin, die versucht, ihrem Koalitionspartner "auch noch die letzte Butter vom Brot zu kratzen" (Kurt Beck), maue Umfragewerte und die Linkspartei im Nacken – gibt es für die SPD denn gar keine guten Nachrichten mehr, nirgends? Doch. In Bielefeld, wo der SPD-Vorsitzende am Montag einen der letzten Termine vor seinem wohlverdienten Urlaub absolvierte, ist die sozialdemokratische Welt noch in Ordnung, wie der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Rainer Wend zufrieden feststellte. Bei der letzten Bundestagswahl kam seine Partei hier auf über 40 Prozent, die Gewerkschaften stehen treu zur SPD und neigen nicht zu übermäßiger Linksdrift. Und wenn von den "Falken" die Rede ist, sind damit tatsächlich keine Vögel, sondern die sozialistische Jungorganisation gemeint, die hier erfolgreich Jugendprojekte betreibt. Zu schön, um wahr zu sein? Leider ja. Denn Bielefeld, und das haben wir in Berlin uns ausnahmsweise nicht selbst ausgedacht, gibt es gar nicht. Das behauptet die "Bielefeldverschwörung", die seit Jahren als eine der erfolgreichsten Web-Legenden durchs Internet geistert (bielefeldverschwoerung.de, siehe auch wikipedia.de). Wahlweise stecken hinter dem groß angelegten Täuschungsmanöver Außerirdische, die mit Elvis und Kurt Cobain gemeinsame Sache machen, die CIA, die hier John F. Kennedy versteckt hält, damit der nicht die getürkte Mondlandung ausplaudert, oder der Vatikan, der regelmäßig mit tachyonengetriebenen Schiffen zum Mars fliegt. Oder die SPD. Aber das muss jetzt wirklich unter uns bleiben. Tina hildebrandt