Pop

Heavy-Metal-Musiker geben sich als wilde Männer in Schwarz, mit engen Jeans und schicken Langhaarfrisuren. Mit etwas leichtfertiger Psychologie könnte man unterstellen, dass es sich bei ihrem todernsten Gestus um eine lustvolle Travestie handele und Heavy Metal in Wahrheit die weiblichste Spielart der Popmusik sei: Schließlich klettern die Sänger bisweilen in Tonlagen hinauf, wo zwischen Männer- und Frauenstimme nicht mehr unterschieden wird.

Eine Überprüfung dieser Theorie legt die schwedische Band Hellsongs mit ihrem Debütalbum Hymns in the Key of 666 vor: Sie covern Metal-Songs mit akustischen Instrumenten und der glockenhellen Stimme von Sängerin Harriet Ohlsson. Das ist prinzipiell nicht neu, aber in der programmatischen Konsequenz erhellend und wunderschön. Hellsongs entfernen sich mitunter weit von der Melodie des Originals, um im Refrain stets zu ihr zurückzufinden. Der Einsatz von Streichern gerät nie zur peinlichen Rock-meets-Klassik-Fusion, weil das Arrangement nicht das Pathos, sondern die Melancholie verstärkt. Höhepunkt des Albums ist Seasons In The Abyss, ursprünglich von den besonders harten Kriegern Slayer, deren Werk zwischen brutalen und melodischen Songs gespalten ist. Die Hellsongs-Version schält den melodiösen Kern überdeutlich heraus, verwandelt Nihilismus in Zuversicht, sodass man das Original von nun an anders hört. Das ist die Pointe dieser zarten Musik: dass es einer Folkpop-Band mit ihrer klugen Interpretation gelingt, das große und starke und deshalb immer auch ein wenig tumbe Metal-Milieu zu adeln. CHRISTIAN KORTMANN

Hellsongs: Hymns in the Key of 666

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Foto: © Bodog/Soulfood