Eine brauchbare Faustregel lautet: Wenn dir dein Bankberater ein neues und ganz tolles Wertpapier anbietet – kauf lieber ein anderes. Meist zahlt man nämlich hohe Gebühren dafür. Oder es bringt nicht die erhofften Erträge, weil der Berater typischerweise bloß als Vertriebsmaschine seiner Kollegen auftritt, die sich den ganzen Tag neue Finanzprodukte ausdenken. Mal, um üble Papiere unauffällig aus den eigenen Bilanzen zu tilgen und nett verpackt in den Depots der Kleinanleger zu entsorgen. Mal, weil die Zeit gerade reif für ein bestimmtes Thema ist.

Bei Wasser ist das so. Seit über den Klimawandel diskutiert wird, werden allerlei Fonds und Zertifikate angepriesen, die irgendwie mit Wasser zu tun haben. Intuitiv versteht ja auch jeder, worum es geht: Wasser ist der Baustein des Lebens. Es gibt nur wenig Trinkwasser. Wer Wasser für die Landwirtschaft, seine Tiere oder sich selbst braucht, wird jeden Preis zahlen. Also können Unternehmen, die Wasser liefern oder beim Wassersparen helfen, viel Geld verdienen.

Sollte man deswegen bedenkenlos Wasserfonds oder -zertifikate kaufen? Nein. Es sei denn, man überwacht seine Investition permanent und verpasst keinesfalls den Zeitpunkt zum Ausstieg. Denn je spezieller ein Finanzprodukt ist, desto höher sind neben den Chancen die Risiken. Eine Zeit lang waren ja auch Branchenfonds für Logistik in Mode. Und nichts sprach gegen die Überlegung, vom wachsenden Welthandel würden vor allem Containerreedereien, Frachtflieger und Spediteure profitieren. Stimmte ja auch – bis der steigende Ölpreis die Gewinne wieder auffraß. Schade um die schöne Theorie.

Beim Wasser drohen ähnliche Überraschungen. Da rund 90 Prozent des Trinkwassers für die Landwirtschaft draufgehen, könnte der Erfinder einer revolutionär sparsamen Bewässerungstechnik seine Investoren zwar eines Tages sehr glücklich machen. Wer aber sagt, dass Bauern in trockenen Regionen nicht massenhaft auf gentechnisch veränderte Pflanzen umsteigen, die einfach weniger Wasser verbrauchen? In diesem Fall wären Anleger mit einem Biotech- oder Agrarfonds vermutlich besser beraten.

Wer seine Risiken streut, kann besser schlafen – auch wenn Wasser und Geld sprachlich untrennbar verbunden sind. Wo sonst werden Märkte geflutet, strömt Kapital und staut sich Liquidität? Es stimmt ja, dass schon etliche mit innovativen Finanzprodukten zu neuen Ufern aufbrachen. Aber die meisten sind baden gegangen. Marcus Rohwetter