Nach fast zehn Jahren Regiepause hat Francis Ford Coppola einen neuen Film gedreht: Jugend ohne Jugend, nach einer Novelle des rumänischen Religionsphilosophen Mircea Eliade. Erzählt wird die Geschichte des 70-jährigen Linguisten Dominic Matei (Tim Roth), der im Jahr 1938 einen Blitzeinschlag überlebt. Wundersamerweise wird dabei seine Physis um 30 Jahre verjüngt. So bekommt er die Chance, weiter seinem Lebensprojekt nachzugehen, der Suche nach dem Ursprung der Sprache, und seine verlorene Liebe wiederzuentdecken. Gleichzeitig wird er in die Wirren des Zweiten Weltkrieges und den Bau von Atomwaffen verwickelt sowie von einem faustischen Doppelgänger heimgesucht. Diesen uferlosen Plot, der zwischen verschiedenen Zeiten, Bewusstseinsebenen und Schauplätzen hin und her springt, lässt Coppola in einen ruhigen Filmrhythmus fließen. Doch die Bilder bleiben vom Wahnsinn der Story unberührt. Das sepiafarbene Kriegs- und Vorkriegseuropa ist eine muffige Kulisse voller allzu eindeutiger Zeichen: Auf dem Strumpfband der Femme fatale prangt ein Hakenkreuzchen, auf Mateis Schreibtisch steht ein Totenschädel, und seine große Liebe wird durch eine rote Rose symbolisiert, die im Zeitraffer verwelkt. Ohnehin ist die Romanze das Problem des Films; das Objekt der Begierde wird auch zum Objekt der Forschung. Ebenfalls vom Blitz getroffen, nimmt Veronica (Alexandra Maria Lara) längst vergangene Identitäten an, glaubt eine Inderin aus dem 7. Jahrhundert zu sein und spricht eine vergessene Sprache. Matei mag sie verstehen. Für alle anderen bleibt Jugend ohne Jugend ein babylonisches Sprachgewirr ohne Babylon. Anke Leweke