Physik Loch in Sicht
Was die Hochenergiephysik vom Golfspiel lernen kann. Eine Glosse von Ulrich Schnabel
In den vergangenen Tagen erreichten die Redaktion verzweifelte Anrufe von Lesern, die angesichts des bevorstehenden Starts des Teilchenbeschleunigers LHC in Genf in großer Sorge sind. Haben nicht theoretische Berechnungen gezeigt, dass bei den hochenergetischen Teilchenkollisionen am Kernforschungszentrum Cern Schwarze Löcher entstehen können? Kosmische Staubsauger, die alle umgebende Materie in ihren Schwerkraftstrudel reißen und am Ende die Erde und das Leben auf ihr auslöschen? Man kann solchen Ängsten die Cern-eigenen Berechnungen entgegenhalten, die zeigen, dass in Genf allenfalls mi ni black holes entstehen, die in Sekundenbruchteilen wieder zerfallen und absolut ungefährlich sind. Man kann allerdings auch über Golf reden.
Diese Sportart zeigt wie keine andere, dass nicht nur Wahrheit und Schönheit im Auge des Betrachters liegen, sondern auch die Größe eines Lochs. Das belegt jedenfalls eine Studie der amerikanischen Purdue University, die soeben im Psychonomic Bulletin and Review erschienen ist. Dafür hat die Psychologin Jessica Witt 46 Golfspieler einer Reihe ausgeklügelter Tests unterzogen und festgestellt: Erfolgreiche Champions nehmen die 18 Löcher auf dem Green deutlich größer wahr als ihre unterlegenen Konkurrenten.
»Wenn sie gut spielen, erscheint den Golfern das Loch so groß wie ein Eimer oder ein Basketballkorb«, erklärt Witt, schlechten Spielern dagegen erscheine ihr Ziel so unerreichbar klein wie eine Zehn-Cent-Münze. Wer sich ein großes Loch vorstellt, trifft besser, und wer besser trifft, dem kommt das Loch größer vor. So simpel kann Sport sein.
Ähnliches gilt übrigens, wie andere Studien belegen, auch für Baseball- und Tennisspieler. »Wenn man einen Ball gut trifft, sieht er aus wie eine Grapefruit, wenn nicht, gleicht er einer weißen Bohne«, bekannte einst der Baseballspieler George Scott von den Boston Red Sox. Für Roger Federer war am vergangenen Sonntag der Tennisball wohl ein wenig kleiner als für Rafael Nadal.
Im Falle des LHC-Experiments allerdings wirkt sich die subjektive Lochverzerrung weniger sportlich als fatal aus. Während die Cern-Betreiber nur schmunzeln können angesichts der Aufregung um ihre »Minilöcher« (die noch wesentlich kleiner als Zehn-Cent-Münzen sind), haben ihre Kritiker eher eimergroße Löcher im Auge, die sich zu galaxienfressenden Monstern auswachsen – und denen müsse mit allen Mitteln Einhalt geboten werden. Dass kürzlich eine besorgte Dame in Zürich die erste Klage gegen das LHC-Experiment einreichte (»betreffend Gefährdung meines Lebens«), ist ebenso folgerichtig wie die Entscheidung des Gerichts, die Klage umgehend abzuweisen.
Wie könnte man der Besorgten und ihren Angstgefährten zur richtigen Lochwahrnehmung verhelfen? In dieser Frage lässt uns die Psychophysik leider im Stich. Zwar weiß Jessica Witt, dass Löcher größer erscheinen, wenn man sie konzentriert im Blick behält und sie das ganze Wahrnehmungsfeld ausfüllen. Gegen den Schrecken überdimensional aufgeblasener Lochgespenster hat sie allerdings keinen Rat parat. Vielleicht hilft es, mal eine gemütliche Runde Golf zu spielen. Ulrich Schnabel
- Datum 22.12.2008 - 11:02 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.07.2008 Nr. 29
- Kommentare 12
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Das letzte, was man vor dem Weltuntergang hören wird, ist die Stimme eines Wissenschaftlers der da ruft: "Das ist mathematisch unmöglich !".
Da die Frage nicht lauten sollte ob schwarze Minilöcher bei den LHC-Experimenten entstehen könnten, sondern wie diese sich verhalten, d.h. entweder nach der gängigen Vorstellung der Hawking-Strahlung sofort zerfallen -oder eben nicht. Das ist aber unbewiesene Theorie, noch nie wurde ein Gammastrahlenausbruch beobachtet der typisch für das Verdunsten eines schwarzen Lochs wäre. Wahrscheinlich liegt das aber daran, das noch keines alt genug ist.
Da die Frage nicht lauten sollte ob schwarze Minilöcher bei den LHC-Experimenten entstehen könnten, sondern wie diese sich verhalten, d.h. entweder nach der gängigen Vorstellung der Hawking-Strahlung sofort zerfallen -oder eben nicht. Das ist aber unbewiesene Theorie, noch nie wurde ein Gammastrahlenausbruch beobachtet der typisch für das Verdunsten eines schwarzen Lochs wäre. Wahrscheinlich liegt das aber daran, das noch keines alt genug ist.
Mich würde es mehr wundern von einem schwarzen Loch in meine Atome zerlegt zu werden, als von einem Atompilz am Morgen überrascht zu werden. Wo gerade wieder ein neues Atomzeitalter anbricht und die Aufrüstung in der Welt (siehe Iran, USA usw.) wieder katastrophale Ausmaße annimmt. Die Weltuntergangsuhr wurde ja neulich auch wieder auf 5 vor Zwölf gestellt, oder sind wir sogar schon weiter?
...das mit den Golflöchern.
Aber es gibt sicher auch den häufigen Fall, dass einem das Loch mächtig groß vorkommt und man es trotzdem nicht trifft. Oder was ist Selbstüberschätzung sonst ?
Oder beim Bowling: man fühlt, dass der nächste Wurf ein Strike wird - und dann geht er in die Rinne.
Letztendlich ist doch die Wahrnehmung der Größe des Ziels gar nicht entscheidend, sondern die Koordination zwischen Wahrnehmung und Bewegungsapparat. Draufhauen kann jeder...
In Amerika hat sogar ein Mensch gegen den Teilchenbeschleuniger in CERN geklagt, weil man befürchte, dass dadurch für uns gefährliche schwarze Löcher entstehen würden. Aber genau das wird nicht passieren. Die dabei entstehenden schwarzen Löcher haben eine so geringe Masse, dass sie die umstehenden Elektronen nicht anziehen können. Dadurch kommt es zu keinem Wachstum des schwarzen Lochs und es stellt für seine Umwelt auch keinerlei Gefahr dar. Diese winzigsten Größen auf unser Weltbild übertragen kann man ungefähr so erklären: Der Kern ist von den herum schwirrenden Elektronen so weit entfernt, vergleichbar einem Menschen, der sich vor ein sehr großes Gebäude stellt und die Spitze davon das Elektron ist. Durch die winzige Größe des schwarzen Lochs und seiner daraus resultierenden Masse, sind die physikalischen Anziehungskräfte derart klein, dass es keine Auswirkung auf die Elektronen haben wird. Das Loch wird sich auch von selbst auflösen. Bei Vakuumfluktuationen entstehen Teilchen und Antiteilchen, die bei einem Zusammenstoß sich gegenseitig auflösen. Im Ereignishorizont des schwarzen Lochs kommt es vor, dass eines der paarweise vorhandenen Teilchen eben jenen überschreitet und ein reales Teilchen in den freien Raum entkommt. So "verdampft" insgesamt Masse oder Energie aus dem schwarzen Loch in den freien Raum und es kommt zu der Selbstauflösung des Lochs. Dieses Phänoment ist als "Hawkins-Strahlung" bekannt, dass der Namensgeber 1974 entdeckte.Von größeren schwarzen Löchern muss man aber definitiv absehen!
Zudem werden wir tagtäglich mit deutlich energiereicheren Teilchen bombardiert, die von der Sonne stammen. Sollte also das Phänomen, dass sich bei der Kollision hochenergetischer Teilchen ein stabiles(!) schwarzes Loch bildet, tatsächlich existieren - so wäre das längst eingetreten...
Das was Sie die schreiben trifft den Sachverhalt absolut nicht, weil in einem Teilchenbeschleuniger die Geschwindigkeiten der beschleunigten Teilchen drastisch höher sind, als in die Erde auf natürliche Weise eintretenden. Das durch die Strahlung, die ohnehin fast vollständig durch die Atmosphäre und das Magnetfeld der Erde am Eintritt gehindert wird, ein schwarzes Loch hier und jetzt entstehen könnte, ist mir wirklich neu.
Das was Sie die schreiben trifft den Sachverhalt absolut nicht, weil in einem Teilchenbeschleuniger die Geschwindigkeiten der beschleunigten Teilchen drastisch höher sind, als in die Erde auf natürliche Weise eintretenden. Das durch die Strahlung, die ohnehin fast vollständig durch die Atmosphäre und das Magnetfeld der Erde am Eintritt gehindert wird, ein schwarzes Loch hier und jetzt entstehen könnte, ist mir wirklich neu.
...aber es gibt ja wohl nur 2 Möglichkeiten:
1. Es entsteht kein gefährliches Schwarzes Loch. Dann muss ich mir keine Sorgen machen
2. Es entsteht ein gefährliches Schwarzes Loch. Aber dann muss ich mir ja wohl auch kein Sorgen mehr machen.
Also was solls :-)
----------------------- Lupo
Nun ja, es wird definitiv kein schwarzes Loch entstehen. Aber Ihre dargestellte Situation entpsricht der klassischen "Win-Win-Situation". Wir sollten uns vor den Möglichkeiten dieser Technik nicht verschließen. Man erhofft sich durch die Teilchenbeschleuniger grundsätzliche Erkenntnisse über den Aufbau und Entstehung des Universums. Es ist vielleicht eine "Sein-Frage", der die CERN-Forscher nachgehen.Das offizielle Dokument des CERN über den LHC finden Sie hier.
Nun ja, es wird definitiv kein schwarzes Loch entstehen. Aber Ihre dargestellte Situation entpsricht der klassischen "Win-Win-Situation". Wir sollten uns vor den Möglichkeiten dieser Technik nicht verschließen. Man erhofft sich durch die Teilchenbeschleuniger grundsätzliche Erkenntnisse über den Aufbau und Entstehung des Universums. Es ist vielleicht eine "Sein-Frage", der die CERN-Forscher nachgehen.Das offizielle Dokument des CERN über den LHC finden Sie hier.
Das was Sie die schreiben trifft den Sachverhalt absolut nicht, weil in einem Teilchenbeschleuniger die Geschwindigkeiten der beschleunigten Teilchen drastisch höher sind, als in die Erde auf natürliche Weise eintretenden. Das durch die Strahlung, die ohnehin fast vollständig durch die Atmosphäre und das Magnetfeld der Erde am Eintritt gehindert wird, ein schwarzes Loch hier und jetzt entstehen könnte, ist mir wirklich neu.
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Entweder ich sterbe und kann mich eh nicht mehr darüber aufregen oder ich sterbe nicht.
Eine klassische Win-Win Situation...
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The Sun always shines on TV.
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