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Kein Unternehmen von Welt kommt heute noch ohne seine eigenen Werte aus. Manche der Bekenntnisse in Geschäftsberichten und Broschüren sind liebenswürdige Lügen. "Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch schön ist, jeder auf seine Weise", steht auf der Homepage von Body Shop. Weniger sympathisch, aber auch gelogen ist es, wenn die Skandalbank IKB die "Kompetenz und Verantwortung der Mitarbeiter" als "wesentliche Voraussetzung für unsere Geschäftsaktivitäten" rühmt. Jeder weiß doch, dass der Laden vom Steuerzahler am Leben gehalten wird. Dessen Geld verbriet die Staatsbank KfW, deren Dichter formuliert hatten: "Um Werte zu schaffen, fangen wir bei uns selbst damit an." Gequirlter Stuss kommt gar von einem Schweizer Kioskkonzern: "Die Werte, auf die sich Valora verpflichtet, beinhalten in ihrer Gesamtheit das Markenversprechen von Valora."

Bisweilen stoßen sich die Werte der Firmen hart an der Wirklichkeit. "Der Kunde steht im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten", behauptet die Deutsche Bank von sich. "Wir orientieren uns kompromisslos an seinen Zielen und Wünschen." Was das bedeutet, haben die deutschen Stadtkämmerer erfahren, die sich auf Zinswetten mit der Bank eingelassen und dabei viele Millionen verloren haben. Auch der Kunde Leo Kirch hat wohl keineswegs den Wunsch gehabt, dass ihm Deutschbanker Rolf Breuer öffentlich die Kreditwürdigkeit absprechen möge. Oder die Allianz-Versicherung: Seit sie ihre Bankentochter wie Sauerbier anbietet, hat deren Selbstbeschreibung ("Die Dresdner Bank baut auf eine dynamische Unternehmenskultur mit erstklassigen Perspektiven") an Realitätsbezug verloren, sind die Aussichten doch eher: Verkauf, Zerschlagung, Personalabbau. Und nach dem Fall Zumwinkel liest man das Bekenntnis der Postler ("Wir sind dem Wohle der Gesellschaften verpflichtet, in denen wir agieren") nur noch mit einem vor Lachen weinenden Auge. rüdiger Jungbluth