Manchmal ist das Glück nur einen Klick entfernt. Man bekommt einen Link zugeschickt (" youtube.com/watch?v=BubXYCoL_E0 … Musst Du hören!!!!"), klick, und da ist das Video schon zu sehen. Schwarz-weiß, eine junge Frau schaut in die Kamera, kurze Unschärfe, dann der Zoom auf die Lippen. Sie flüstert " Come on, bring it on". Ein Disco-Beat setzt ein, ein hüpfender Basslauf, ein Piano: nichts weniger, um nur unwesentlich zu übertreiben, als der wahre Sommerhit 2008. Er heißt Live Fast Die Old und ist von der Band Munk. Die Sängerin ist die italienische Schauspielerin Asia Argento, und die Musiker, die sich hinter dem Bandnamen verstecken, heißen Mathias Modica und Jonas Imbery, die Chefs des kleinen Münchner Plattenlabels Gomma .

Vielleicht sollte man erklären, was sich hinter der Bezeichnung "Plattenlabel" heute alles verbergen kann. Denn im Grunde ist Gomma ein kleines Stil-Imperium, von dem es Musik und Kunst, Spiele und T-Shirts gibt und das aus einem losen Verbund von Künstlern besteht, die sich zwischen Musik und Kunst, Mode und Design bewegen und keinen Grund sehen, sich für einen Bereich zu entscheiden. (Modica arbeitet auch eng mit dem Designer und ZEITmagazin- Mann Mirko Borsche zusammen).

So kann es passieren, dass man während eines Interviews mit Mathias Modica kaum mit dem Notieren nachkommt, wenn er erzählt, was er gerade gemacht hat und machen wird. Das neue Album seiner eigenen Band Munk, Cloudbuster, ist soeben erschienen, mit einer Liveband finden Proben für eine Tournee im Herbst statt. Die neue Ausgabe seines alljährlich erscheinenden Foto-Magazins Amore ist ebenfalls jetzt erhältlich. In Berlin ist bis Ende dieser Woche in der Poolgallery seine Ausstellung MondoGomma Pictureshow No. 5 zu sehen, die im Herbst nach Los Angeles zieht. Nächstes Jahr wird es zwei T-Shirt-Kollektionen geben. Außerdem bereitet Modica Soundinstallationen für zwei weitere Ausstellungen vor, an denen unter anderem der Musiker Brian Eno beteiligt ist.

Wie geht das alles? Es gehe, sagt Modica, weil sie sich ausschließlich um Dinge kümmern und mit Menschen zusammenarbeiten, mit denen sie Spaß haben und die für sie inspirierend sind. Sie lehnen vieles ab, was Geld von großen Konzernen bringen würde: lieber weniger Sicherheit und mehr Freiheit.

Vielleicht liebt auch die Welt der Mode genau wegen dieser Unabhängigkeit den Stil von Gomma. Deren Musik läuft während der Fashion Shows in Paris bei Givenchy und Gucci, Modica spielt als DJ auf den Partys des französischen Modekaufhauses Colette. Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop sind Fans.

Der amerikanische Modemacher Marc Jacobs, derzeit begehrtester Kopf der Branche, geht mit seiner Schwärmerei für Gomma offensichtlich noch einen Schritt weiter. Vor anderthalb Jahren saßen Modica und ein paar Freunde eines Nachts in ihrem Atelier in Schwabing zusammen und regten sich darüber auf, "wie cool alle sein wollten, wie kontrolliert". Also überlegten sie, was uncool wäre, und einer sagte "Gemüsegarten". "So kamen wir als uncooles Motiv auf einen grünen Apfel." Der Apfel zierte fortan die CD-Hüllen, Poster und T-Shirts von Gomma, die bei Colette in Paris verkauft wurden. Marc Jacobs und sein Team sind dort Stammkunden. Modica hat sich jedenfalls gefreut, als er in diesem Jahr bei einigen Entwürfen von Jacobs grüne Äpfel entdeckte. "Entweder ist er auf dieselbe Idee gekommen, oder er hat sie bei uns gesehen", sagt Modica, "beides nehmen wir als Kompliment."

Und wie ist der Sommerhit entstanden, Live Fast Die Old? Dazu muss man wissen, dass Modica Halb-Italiener ist. Bei einem Abendessen mit römischen Freunden schwärmte er von Asia Argento, und wie das manchmal so ist im Leben: Einer am Tisch sagte, ich kenne sie. Es stellte sich heraus, dass Argento sich auch nicht gerne beschränken lässt und nebenher als DJ arbeitet – und oft Platten von Gomma auflegt. Man traf sich, mochte sich, nahm den Song auf und drehte das Video gleich in Argentos Wohnung in Rom.