Die ZEIT: Professor Samuelson, die Weltkonjunktur steuert in eine schwere Krise. Was wurde im Westen falsch angefasst?

Paul A. Samuelson: In Wirklichkeit geschehen gerade zwei sehr unterschiedliche Dinge. An den Finanzmärkten ist ein Tumult entstanden, der Banken in aller Welt in Mitleidenschaft gezogen hat, und der ist letztlich auf exzessive Kreditvergabe zurückzuführen. Das spielt sich in der Welt der Finanzen ab, also nicht in der Welt der physischen Waren. In dieser realen Welt geschieht aber noch etwas anderes: Die Öl- und Gasförderung durch die Opec-Länder ist knapp geworden, ebenso die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten. Diese Knappheit führt zu Höchstpreisen.

ZEIT: Ist die Weltwirtschaft so schnell gewachsen, dass wir Ölförderanlagen, Agrarproduktion und die Infrastruktur einfach überlastet haben?

Samuelson: So ist es. Das Wörtchen "wir" sollte man präzisieren. Es geht nicht mehr nur um Länder wie Deutschland oder die USA, sondern das "wir" hat sich ausgedehnt. Milliarden Menschen in China und Indien gehören mit dazu. Das sind schnell wachsende Volkswirtschaften, die ständig mehr Metalle, Energie und anderes verbrauchen. Das verengt die Versorgungslage ungemein.

ZEIT: Ist das ein Problem, das sich mit der Zeit lösen lässt, oder sprechen wir jetzt über eine absolute Grenze für das Wachstum?

Samuelson: Seit 200 Jahren kämpfen die Menschen gegen die Begrenztheit der Rohstoffe an – und gegen das Gesetz der sinkenden Erträge…

ZEIT: …welches besagt, dass der Einsatz von immer mehr Rohstoffen und anderen Mitteln immer weniger zusätzlichen Ertrag abwirft.