Das allererste Standbild, das einem deutschsprachigen Dichter öffentlich errichtet wurde – es steht nicht in Weimar, Berlin, Zürich oder Wien. Es steht in Halberstadt am Harz. Auch ehrt es keinen Poeten, sondern eine Poetin: Anna Louisa Karsch (1722 bis 1791), die in ihrer Kindheit das Vieh hüten musste und als Dichterin im Berlin Friedrichs II. Triumphe feierte. Um 1783 gab ein wohlhabender Adeliger das Denkmal in Auftrag, angeregt durch Karschs Halberstädter Dichterfreund Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der die "deutsche Sappho" sehr schätzte. Die (etwas überlebensgroße) Sandsteinskulptur des örtlichen Meisters J.C. Stubinitzky zeigt die Karschin in antikem Gewand mit Leyer und Manuskript. Aufgestellt in einem Park, überlebte sie die Unbilden des Wetters und des Vandalismus nur knapp. Der Kopf ging verloren, um 1900 erhielt sie einen neuen, doch auch dieser verfiel. Schließlich fand die Plastik Asyl in Gleims Haus am Domplatz, das so viele kostbare Dichterbildnisse beherbergt. 2003 baten wir unsere Leser um Spenden für die Restaurierung. Jetzt endlich ist das Werk vollendet, und einen neuen Kopf hat die Dichterin auch, geschaffen von dem Bildhauer Daniel Priese. Halberstadts Gleimhaus und die ZEIT danken allen Lesern, die so großzügig geholfen haben. B.E.

Foto: © Das Gleimhaus, Halberstadt