Paul Anthony Samuelson, 93, hat die moderne Wirtschaftstheorie mehr geformt als jeder andere. Mit seinen Forschungsarbeiten trieb der Professor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) den "neoklassischen Ansatz" voran, der die Wirtschaft in einem strengen mathematischen Modell darstellt und untersucht. Er schrieb das erfolgreichste Wirtschaftslehrbuch aller Zeiten, Economics, und trug seine Vorstellung in Hörsäle auf der ganzen Welt.

1970 erhielt Samuelson für seine Leistung als zweiter Ökonom überhaupt den Nobelpreis (den er auf dem Bild im Kreise seiner Mitarbeiterinnen feiert). Anders als manche Kollegen schloss sich der Wissenschaftler nie im Elfenbeinturm ein, sondern mischte sich ein – als enger Berater von John F. Kennedy, bevor der Präsident wurde, als Finanzkommentator in der Weltpresse und als weithin vernehmlicher Vertreter der ökonomischen Mitte. Er wehrte sich gegen Milton Friedman und die radikal libertären Forderungen seiner Chicago-Schule ebenso wie gegen sozialistisches Wunschdenken. In der Globalisierungsdebatte verschaffte sich der große, alte Meister kürzlich noch einmal mit dem Hinweis Gehör, dass der weltweite Austausch im Westen durchaus dauerhaft Verlierer schaffen könnte. UJH