Es ist nicht angenehm, über Menschen zu sprechen wie über Turnschuhe. Aber die Globalisierung endet eben nicht bei Waren. Ganze Völkerscharen von Ärzten und Pflegepersonal sind weltweit unterwegs. Philippinische Krankenschwestern reisen nach Schleswig-Holstein, malawische nach Großbritannien. Inzwischen soll es dort mehr malawische Schwestern geben als in Malawi selbst. Die Schweden und Engländer werben dagegen ihrerseits deutsche Ärzte ab. Die zieht es auch in die Schweiz, nach Österreich oder in die USA. Im Jahr 2007 sind 2439 Ärzte aus Deutschland ausgewandert.

Man sollte einen Wohlfühlindex auf der Basis von Ärztefluchttendenzen ermitteln. Denn nur dort, wo die Ausbildung für die Kinder gut, das kulturelle Angebot abwechslungsreich und die Bezahlung in Ordnung ist, bleiben die Ärzte dauerhaft. So werden in den Grenzgebieten von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen deutsche Ärzte rar. Dafür rücken Ausländer nach. In Sachsen arbeiten inzwischen Mediziner aus 83 Nationen. Aus Polen kommen so viele, dass in ihrem Heimatland inzwischen Ärztenotstand herrscht.

Mediziner sind eben leicht flüchtig. Gebildet, begehrt und bereit, den besten Bedingungen hinterherzureisen – besonders dann, wenn zu Hause die Lage knifflig ist. Einige polnische Mediziner finden es lohnend, am Wochenende kurz nach Irland zu jetten, um dort einen gut bezahlten Bereitschaftsdienst zu übernehmen. Hamburger Schönheitschirurgen bessern ihr Taschengeld in England auf und ein paar Urologen ihres in Dubai. Sorgenvoll fragt sich die OECD, wie man das Medizinpersonal dort hält, wo man es braucht – das wäre auch aus Gründen des Klimaschutzes geboten. In den Flugzeugen sitzen die ärztlichen Überflieger nämlich nicht nur auf dem Weg zum Job. Medizinische Jetsetter besuchen auch zahlreich die internationalen Kongresse. Das British Medical Journal ließ die Klimabilanz der internationalen Ärztebewegung kalkulieren: Mindestens 600000 Tonnen Kohlendioxid würden jährlich wegen Fachkonferenzen freigesetzt. Das entspricht den Emissionen, die von einer halben Million Menschen in Indien verursacht werden.

Angesichts der aktuellen Nahrungsmittelkrise in Asien schlug Thailand im Mai vor, dass die Reis exportierenden Länder mit einem Kartell die Exportbedingungen für die lebensnotwendige Ware regeln. Eine interessante Idee. Aber irgendwie verbietet es sich ja, über Ärzte wie über Waren zu sprechen.