Krieg

Das schmutzige Geschäft

Der Krieg ist eine mordende Bestie und ein Verführer der Menschen. Im Sommer 2006 kam er in das Dorf Al Bazourieh im Süden des Libanons. Die israelische Armee ließ Millionen Streubomben auf das Land fallen. Noch Jahre nach dem Angriff zerstören sie Ernten und töten Mensch und Tier

Der österreichische Schriftsteller Peter Menasse wird der Nachwelt weniger wegen seiner literarischen Leistungen in Erinnerung bleiben als wegen seiner pornografisch zur Schau gestellten Lust am Krieg. Im August 2006 schrieb er in der Süddeutschen Zeitung: »Jetzt sitze ich vor dem Fernseher, will Bomben sehen, noch mehr Bomben, so viele Bomben, bis die Hisbollah ausradiert ist und alle Vernichter vernichtet sind.« Als Menasse das schrieb, ging der Krieg der israelischen Armee gegen den Libanon in die dritte Woche. Bomben, darüber hätte sich Menasse nicht beklagen müssen, sind auf den Libanon schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Artikels zur Genüge gefallen. Als der Krieg nach 33 Tagen zu Ende ging, waren es mehrere Millionen Stück. Millionen? Millionen.

Der bombenvernarrte Schreiber aus Österreich hat vor dem Fernseher durchaus ein wenig mitzählen können. Immer wenn eine Rakete aus einem Multiple Launch Rocket System (MLRS) in Richtung Libanon abgefeuert wurde, fielen wenige Sekunden später 644 Streubomben auf die Erde nieder – so viele enthält eine Rakete. Ein Offizier der israelischen Armee verriet, dass insgesamt 1800 Raketen abgefeuert worden seien. Das macht 1.159.200 Streubomben. Zusätzlich flogen Tausende Artilleriegranaten und Fliegerbomben auf den Libanon – eine Artilleriegranate trägt in der Regel 88 Streubomben in ihrem stählernen Mantel, eine Fliegerbombe 650 Stück. Ein todbringender Regen ging auf den Süden des Libanons nieder.

Streubomben sind klein und unscheinbar, manche sind etwas größer als ein Tennisball, andere haben Form und Größe einer Getränkedose. Wie für Waffen üblich, tragen sie Abkürzungen und Zahlenreihen als Namen, BLU63, BLU26, BLU61, M85, MZD2. Diese Dinger mit anonymen Namen dringen bis in die privaten Bereiche des Menschen ein. Fotos, die libanesische Behörden aufgenommen haben, zeigen die Streubomben in Wohnzimmern, in Schlafzimmerbetten, in Badezimmern, in Mülleimern, auf Dächern, in Olivenbäumen hängend, in Bananenstauden verkeilt – stählerne Früchte, vom Himmel gefallen.

Die Möglichkeit, eines Tages im Bett des eigenen Kindes ein hoch gefährliches Ding namens M85 zu finden oder im Waschbecken eine BLU63, symbolisiert den modernen Krieg. Er macht nicht nur keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Soldaten, vielmehr will er sogar die Bevölkerung terrorisieren.

Der Krieg ist eine Bestie, die ihre Gestalt im Lauf der Geschichte häufig gewandelt hat. Es gibt die Kabinettskriege des 18. Jahrhunderts, die im Vergleich zu den industriellen Kriegen des 20. Jahrhunderts geradezu harmlos erscheinen; es gibt Guerillakriege, Interventionskriege, Befreiungskriege, ja sogar Fußballkriege. In Zukunft gibt es vielleicht Kriege, die sich per Computer führen lassen und in denen menschliche Opfer nur mehr als Statistiken erscheinen. So viele Spielarten des Krieges existieren, so vielfältig sind auch die Versuche, ihn einzudämmen. Die Geschichte des Völkerrechts lässt sich lesen als ein einziger großer Versuch, Kriege zu verhindern, sie gar obsolet zu machen. Doch die Grundeigenschaft der Bestie hat sich nie geändert. Sie hält sich an keine Regeln, folgt nur ihrer Gier nach Vernichtung. Sie will jedes Gesetz brechen und die Zäune niederreißen, die man errichtet hat, um sie einzusperren.

»Der erste Japaner, auf den ich schoss, war ein kleiner, mondgesichtiger Mann«

Wenn ein Krieg ausbricht, begleitet ihn unvermeidlich die Brutalisierung. Welch schmutziges Geschäft das Töten eines Menschen ist, hat William Manchester in seinen Memoiren über den Zweiten Weltkrieg im Pazifik aufgeschrieben. »Der erste Japaner, auf den ich schoss, war ein kleiner, mondgesichtiger, dicklicher Mann. (…) Er hatte mich kommen hören. Als er sich umdrehte, verfing sich sein Gewehrriemen in einem Strauch. Er konnte sich nicht mehr verteidigen. Seine Augen begannen in Panik hin und her zu rollen. Er bewegte sich seitwärts, wie ein Krebs. Mein erster Schuss verfehlte ihn, mein zweiter aber traf ihn ins Bein. Sein linker Oberschenkel begann sich rot zu färben und wurde zu einer Art Brei. Dann kam eine Welle Blut aus der Wunde. (…) Stumm schaute er nach unten. Er berührte die Wunde mit der Hand und schmierte sich dann Blut über die Wange. Seine Schultern zuckten, als hätte ihm jemand auf den Rücken geschlagen; und dann kam aus ihm ein unglaublicher, krächzender Furz, er knickte ein und starb. Ich schoss weiter auf ihn und verschwendete damit Eigentum der Regierung.«

Als wollte er zeigen, dass der Krieg nicht aufhört, selbst wenn man sein Ende herbeiwünscht, kann auch William Manchester mit seiner Schilderung nicht mehr innehalten: »Seine Augen waren weit aufgerissen. Eine Fliege setzte sich auf seinen linken Augapfel. Bald kam eine zweite dazu. Ich weiß nicht, wie lange ich so stehen blieb, auf ihn starrend. Ich wusste von vorhergehenden Kämpfen, was den Körper erwartete. Er würde anschwellen, sich dann aufblähen, und die Uniform platzte auf. Das Gesicht würde sich zuerst rot, purpurrot, grün und schließlich schwarz verfärben. (…) Ich begann zu zittern, am ganzen Körper schüttelte es mich. Ich schluchzte mit einer Stimme, die von der Angst ganz körnig war: ›Es tut mir leid!‹ Dann übergab ich mich, ich war über und über mit meinem eigenen Erbrochenen beschmutzt. (…) Neben dem Geruch nach Erbrochenem nahm ich gleichzeitig noch einen anderen Geruch wahr: Ich hatte in die Hosen gepisst. (…) Ein Kamerad kam auf mich zu und trat dann mit einem Ausdruck des Abscheus zurück. Er sagte: ›Slim, du stinkst!‹ Ich sagte nichts. Ich wusste, dass ich ein zuckendes Ding geworden war, gemacht aus Tränen und schmutzigen Hosen.«

So ist der Krieg, und da dies unerträglich ist, muss in der Regel ein sehr großer Aufwand betrieben werden, um den Menschen zu erklären, warum sie ihn führen sollten. Politikwissenschaftler würden sagen: Krieg hat ein sehr hohes Legitimationsbedürfnis. Darum wird Krieg auch immer im Namen hehrer Werte geführt, meist geschieht es im Namen der Freiheit. Kein Politiker könnte sagen: »Wir überfallen dieses Land, rauben seine Bodenschätze und bereichern uns!«, oder: »Wir werfen Bomben über diesem Land ab, damit die Leute zu Hause wissen, dass wir keine Weicheier sind!« Nein, das ginge nicht. Krieg wird immer verbrämt, und seine wirklichen Ursachen müssen meist im Verborgenen bleiben. Es geht dabei um den Zugang zu Ressourcen, um Hegemoniestreben, um die Durchsetzung religiöser Vorstellungen, um die Öffnung von Märkten, um die Eliminierung eines Konkurrenten – um all diese Trivialitäten geht es bei Kriegen, doch darf es nicht ausgesprochen werden, weil der Mythos des Krieges zerbrechen, weil sonst der Blick frei werden könnte auf das, was er ist: organisiertes, massenhaftes Töten.

Gleichzeitig ist er ein Sinnstifter und damit ein großer Verführer der Menschen. Darauf hat der langjährige Kriegskorrespondent Chris Hedges hingewiesen: »Trotz der Vernichtung und des Schlachtens gibt der Krieg uns, wonach wir uns am meisten in unserem Leben sehnen. Er kann uns eine Aufgabe geben, einen Sinn, einen Grund zum Leben. Nur inmitten des Kampfes werden wir uns der Oberflächlichkeit und Fadheit unseres Lebens bewusst. (…) Krieg ist ein verlockendes Elixier. Er gibt uns Entschlossenheit, eine Mission. Er erlaubt uns, edel zu sein. Das erklärt die andauernde Attraktivität des Krieges.«

Jeder ist in Gefahr, verführt zu werden, hingerissen von dem vermeintlich reinigenden Gewitter des Krieges. Dahinter steckt auch die Sehnsucht nach einer höheren Gewalt, die Ordnung schafft in dieser Welt und uns einen Platz zuweist. Krieg ist die selbst gewollte Entmündigung des Menschen. Er erfüllt seinen brennenden Wunsch, in etwas aufzugehen, was größer ist als er selbst, in der Nation, der Religion, dem Volk. Krieg, das ist die Kapitulation des Menschen als Individuum.

Während Streubomben auf den Süden des Libanons fielen, feuerte die libanesische Hisbollah Raketen auf Städte im Norden Israels. Da es ihr nicht möglich ist, den Gegner Israel militärisch zu besiegen, war das Ziel der Raketen, Schrecken unter den Zivilisten zu verbreiten. Beide Parteien taten dies im Namen der Selbstverteidigung. Dabei ging es um Terror, auf beiden Seiten der Front. Streubomben verbreiten unter den Zivilisten einen besonderen Schrecken, denn sie können nicht nur überall sein, sondern sie wirken auch noch Jahre weiter.

Wollte man Waffen menschliche Charaktereigenschaften zuschreiben, müsste man die Streubombe wohl »gemein« nennen. Das ist auch der Grund dafür, dass es jetzt gelungen ist, diese Bomben zu bannen. Mehr als 100 Staaten haben sich vor Kurzem darauf geeinigt, die Anwendung von Streumunition ebenso zu unterlassen wie deren Entwicklung, Weitergabe, Lagerung oder sonstige Verwendung. Innerhalb von acht Jahren sollen diese gefährlichen Waffen weltweit aus den Arsenalen der Streitkräfte, auch der Bundeswehr, verschwinden. Allerdings haben wichtige Staaten, die gleichzeitig zu den größten Produzenten gehören, nicht unterschrieben, darunter die USA, Russland, China, Israel, Indien, Pakistan. Sie wollen weiter auf diese »gemeine« Waffe setzen.

Frank Masche widerspricht solcher Vermenschlichung einer Waffe: »Was heißt schon gemein?!« Waffen erfüllten gewisse, ihnen zugeschriebene Funktionen. Menschen erfinden sie, um bestimmte Ziele damit zu erreichen.« Masche gibt sich betont nüchtern, Sentimentalitäten kann er sich als Kampfmittelräumer nicht leisten. Er kann Waffen in ihre Einzelteile zerlegen, Bomben entschärfen, Munition unschädlich machen. Dafür braucht er Erfahrung, Sachverstand und ein Höchstmaß an Konzentration. Präzision ist gefragt, nicht Sentimentalität. Das hört sich bei Masche so an: »Die Streubombe ist eine Mehrzweckmunition. Sie enthält rund 30 Gramm Sprengstoff, der in einem Kegel steckt. Sie gibt einen gezielten Strahl ab, der 70 bis 100 Millimeter Stahl durchschlagen kann. Gleichzeitig zerlegt sich die Bombe in Splitter, in einem Umkreis von drei bis sieben Metern ist sie für Menschen tödlich.«

Als Jamil Gaffal eine Stange hervorzog, kullerte eine Streubombe zu Boden

Masche sitzt in einem Café der südlibanesischen Hafenstadt Tyrus. Der Blick geht auf das Meer, das in schäumenden Wellen auf die Küste zurollt. Es regnet. Wind fegt über die Küstenstraße. Masche schaut in den verhangenen Tag und leistet sich nun doch ein paar Gedanken, die über das rein Technische der Waffen hinausgeht. Er spricht von den Menschen, die er darüber aufklärt, was eine Streubombe ist und was sie alles anrichten kann. »Wir hatten den Fall eines Jungen, der eine Streubombe im Rucksack mit in die Schule genommen hatte. ›Mein Onkel hat gesagt, das sei ungefährlich‹, meinte der Junge!« Masche schüttelt den Kopf, doch nur sehr kurz. Es liegt ihm nicht, sich über die zu erheben, die seit 20, 30 Jahren im Krieg leben.

Masche arbeitet seit eineinhalb Jahren im Libanon für die Mine Advisory Group (MAG) einer Organisation, die nach Kriegen das Gröbste wegräumt, um den Menschen ein halbwegs normales und einigermaßen gefahrloses Leben zu ermöglichen. Die MAG beginnt mit der unmittelbarsten Umgebung des Menschen: Wohnung, Haus, Garten, Geschäfte, Straßen, Krankenhäuser. Wenn diese Bereiche einmal frei sind, geht es zur nächsten Phase, den Aufräumarbeiten in den intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen, und schließlich geht es an das Weideland, doch es kann Jahre dauern, bis es dazu kommt. Manche Weideflächen werden nie vollständig geräumt werden, und immer wieder wird eine Detonation zu hören sein. Ein Hirte, ein Feldarbeiter, ein Wanderer, ein Kind oder ein Schaf wird dann auf eine Streubombe getreten sein. Die Menschen werden darüber reden, und der Schrecken des Krieges wird ihnen beängstigend auf den Leib rücken, ihnen Angstträume bescheren, Schweißausbrüche und Krämpfe im Herzen. Streubomben schränken, wenn sie einmal gefallen sind, das Leben der Betroffenen ein, indem sie ihnen buchstäblich Raum zum Leben wegnehmen. Der Feind ist zwar abgezogen, aber er hält das Territorium mit diesen kleinen, bösen Dingern weiter besetzt.

Mehr als eineinhalb Jahre nach den Kriegen ist es der MAG und einer Reihe anderer ähnlicher Organisationen gelungen, den engsten Lebensraum der Menschen so weit wiederherzustellen, dass er bewohnt werden kann. Masche arbeitet jetzt vor allem in den Feldern rund um Tyrus. Nach dem Beschuss des Südlibanons ist es zu großen Ernteausfällen gekommen, weil die Arbeiter nicht auf die Felder gehen konnten. 40 Prozent der Oliven konnten nicht eingebracht werden, 35 Prozent der Zitrusfrüchte, 15 Prozent des Weizens und 15 Prozent des Tabaks. Insgesamt schätzt die Regierung nach dem Ende des Krieges den Verlust durch Ernteausfall auf 350 Millionen Dollar.

Am heutigen Tag fährt Masche zu seinem Team, das in einem Zitronenhain, nicht weit von der Stadt entfernt, mit Räumen beschäftigt ist. Auf Knien kriechend, arbeiten sich Masches Männer Zentimeter für Zentimeter voran. Nichts darf übersehen werden. Ein kleiner Fehler kann einen Menschen das Leben kosten. Die Aufgabe ist schwer, weil sie sich immer anders stellt. Wenn es stark regnet, wenn die Felder unter Wasser stehen oder es gar zu Überschwemmungen kommt, wandern die Streubomben mit dem Wasser mit. Dann müssen die Minenräumer ihre Arbeitsgeräte neu justieren, immer auf der Spur des metallischen Teufelszeugs.

Den Erfindern von Streubomben ging es darum, mit wenig Aufwand möglichst viel Raum unter zerstörerisches Feuer zu nehmen. Eine Rakete, die mit Streubomben gefüllt ist, kann die Fläche in der Größe eines Fußballfeldes eindecken. Streubomben sind keine Minen, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Streubomben sollen nämlich explodieren, wenn sie auf dem Boden aufschlagen. Sie sind als sehr effiziente Waffe gegen feindliche Truppenkonzentrationen gedacht sowie gegen Panzer und gepanzerte Einheiten. Das Problem ist, dass die Fehlerquote relativ hoch ist, zwischen 10 und 35 Prozent explodieren nicht.

Warum die israelische Armee so viele Streubomben abgeworfen hat, bleibt vielen ein Rätsel. Die Tatsache, dass sie die große Mehrheit der Bomben drei Tage vor Ende des Krieges abfeuerte, zu einem Zeitpunkt, als der Waffenstillstand schon vereinbart war, ist aus militärischen Gründen nicht zu erklären. Viele Experten im Libanon vermuten, dass die israelische Armee den schon zu Ende gehenden Krieg nutzte, um ihre alten, in den siebziger Jahren hergestellten Bestände günstig loszuwerden – der Süden des Libanons als Müllhalde für explosives Material. Beweise für diese These gibt es nicht, denn die israelische Armee gibt keinerlei Erklärungen für ihr Verhalten ab. »Wir haben die Israelis immer wieder um Informationen gebeten«, sagt Dalya Farran von der UN-Mission Libanon, »aber sie kooperieren nicht!« Sie geben auch keinerlei Auskünfte darüber ab, wo sie die Streubomben abgeworfen haben. »Das würde uns die Arbeit ganz wesentlich erleichtern«, sagt Farran. So aber müssen die Minenräumer erst durch ihre Funde vor Ort rekonstruieren, wie die Streubomben auf dem Gelände verteilt sind. Und das erhöht möglicherweise die Fehlerquote bei der Suche.

In dem Dorf Al Bazourieh blieb mindestens eine Streubombe unbeachtet. Sie lag auf einer Baustelle zwischen Eisenstangen, farblich kaum zu unterscheiden. Als der Arbeiter Jamil Gaffal eine dieser Stangen hervorzog, kullerte eine Streubombe zu Boden und explodierte. Ein Splitter drang in den Kopf des Arbeiters. Seine Kollegen brachten ihn eiligst in das acht Kilometer entfernte Krankenhaus, wo er trotz einer Notoperation ein paar Stunden später starb. Jetzt hängt sein Bild über einem Türrahmen in seinem Haus.

Frische Farbe, glatte Fußböden – alles wirkt wie ein Statement gegen den Krieg

Jamil hinterließ eine Frau, zwei Kinder und eine unverheiratete Schwester, die an ihm hing wie an keinem anderen Menschen. »Wir waren neun Kinder zu Hause. Da unsere Mutter früh gestorben ist, haben wir uns immer gegenseitig gestützt. Wir sind als Kinder zusammengewachsen. Ich und Jamil hatten ein besonders enges Verhältnis.« Dann weint sie, wie sie immer wieder weinen wird an diesem strahlenden, sonnigen Nachmittag in Al Bazourieh.

Jamils Frau Laila hingegen bleibt sehr gefasst. Sie erzählt noch einmal, wie alles geschehen ist, wie sie entfernt den Knall gehört hat, wie sie gar nicht daran dachte, dass ihr Mann vielleicht Opfer einer Streubombe geworden sein könnte. Wie hätte sie auf solch einen Gedanken auch kommen können – hatten sie nicht diesen letzten Krieg überlebt? Die Familie Gaffal floh, wie Hunderttausende andere Libanesen, im Sommer 2006 vor der heranrückenden israelischen Armee. Sie suchten Schutz vor den feuerspeienden Raketenwerfern, dem ohrenbetäubenden Lärm der Kampfbomber, der stahlspuckenden Artillerie. Sie machten sich damals auf in Richtung Küste, nach Tyrus, oder sie schleppten sich bis in die Hauptstadt Beirut. Nur weg von Al Bazourieh, weg von diesem Ort, der den Zorn Israels zu spüren bekam.

Al Bazourieh ist wie die meisten anderen Orte im Süden des Libanons eine Hochburg der Hisbollah, der schiitischen Partei Gottes mit engsten Beziehungen zur Islamischen Republik Iran. Die Straßen sind gesäumt mit Bildern des Hisbollah-Führers Scheich Nasrallah, und an jeder Ecke springt Passanten das düstere Gesicht des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini ins Auge. Wo es noch Lücken gibt, da ist Ali Chameini zu sehen, der gegenwärtige Führer Irans, oder das Bild eines Hisbollah-Milizionärs, der im Kampf gegen Israel heldenhaft gestorben ist.

Für die israelische Armee war Al Bazourieh ein logisches, ein einfaches Ziel. Im Rathaus hängt wandgroß eine ältere Luftaufnahme, die den Ort in allen Details zeigt: Fußballfeld, Moschee, Hauptplatz, Straßen, Felder, Bäume, Felsen. Durch die Fenster hat man einen traumhaften Panoramablick auf die Küste, das Meer und die Berge. Das Rathaus ist nach dem Krieg mit Hilfe einer italienischen Partnergemeinde neu erbaut worden. In den Räumen riecht es nach frischer Farbe, die Fußböden sind glatt, und die Bücher in der Bibliothek warten auf die ersten Leser. Das alles wirkt wie ein Statement gegen den Krieg: Al Bazourieh lebt.

Nach dem Tod des Arbeiters Jamil Gaffal bekam seine Witwe Laila von einer italienischen Hilfsorganisation Geld, damit sie einen Laden eröffnen konnte. Sie räumte im Erdgeschoss ihres Hauses ein Zimmer frei, baute Regale auf und stellte sie mit Waren voll, von denen sie annimmt, dass die Leute sie brauchen: Waschmittel, Seife, Bürsten, Kekse, Schokolade, Bonbons. Viel verkauft Laila nicht, denn die meisten Nachbarn fahren nach Tyros, um einzukaufen, in die großen, billigeren Supermärkte. Manchmal kommt doch ein Kunde aus dem Ort, mehr vom Mitgefühl denn vom Warenangebot getrieben, und kauft Kleinigkeiten. Es sind die Kinder, die am häufigsten in den Laden kommen und sich Bonbons holen. Wenn Laila Gaffal die paar Münzen in die Kasse fallen lässt, ist ein kurzer metallischer Klang zu hören. Dann ist es sehr einsam im Laden. Es ist die Einsamkeit, die der Krieg gebracht hat.

Literatur:

Thukydides: Der Peloponnesische Krieg
Artemis & Winkler 2002; 648 S., 29,90 €

Chris Hedges: War Is a Force That Gives Us Meaning
Anchor 2003; 224 S., 13,95 US-$

John Keegan: Die Kultur des Krieges
Rowohlt 1997; 592 S., 14,95 €

Mark Kurlansky: Nonviolence
The History of a Dangerous Idea; Random House 2008; 224 S., 14 US-$

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Leser-Kommentare

  1. Das ist ein Lehrstück über die Anschaulichkeit des Tötens: kleine menschliche Beispiele für eine große grausame Maschinerie. Brillant geschrieben - trotz des schweren, aber wichtigen Themas eine Freude, endlich wieder einen Artikel von Ulrich Ladurner zu lesen, den man als ZEIT-Leser seit seinem Einsatz in Pakistan schmerzlich vermisst. 

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    würde ich hierzu meinen. Er stellt und bearbeitet die Frage, ob wir Kriege brauchen ja kaum, nur am Rande, das allermeiste ist die Beschreibung der Kriegsfolgen, der Kriegsoberfläche. Der Beitrag hätte genauso gut, ja besser, unter der Überschrift: "Über den Einsatz und die Ächtung von Streubomben", einer Waffengattung ja nur, laufen können. Kein Wort über die Kriegstheorien der Marxisten-Leninisten z.B., über religiöse Bezüge, nicht mal über den Stand oder Theorien der Verhaltensbiologie (z.B. der Theorie von Herrn Prof. Gunnar Heinsohn). Schade, dass man selbst dieses gewichtige Thema hier so lax und oberflächlich angeht. (Was bei dieser Zeitung allerdings und leider ja keine Ausnahme ist). Können Sie mir nach der Lektüre dieses Beitrages etwa mit Gewissheit sagen, ob und warum der Krieg nun auf ewig ein zwangsläufiger Teil der Menschheitsgeschichte ist? (Dass diese ewig sei, schon dies hätte man hier ja wohl mal kritisch reflektieren müssen, angesichts der diesbezüglich negativen Aussagen großer Religionen und den fast unlösbar erscheinenden aktuellen Menschheitsproblemen einschließlich der offenbar unmöglichen großen Abrüstung! Wichtiger noch als die Frage der Streubomben erscheint mir hier die Frage der A-Waffen und ihrer Bedeutung für die internationale Sicherheit und Unsicherheit). Viele Fragen, aber kaum eine der Beitragslänge entsprechende Antwort. Sowas soll Teil eines Wissens(!)-Kanons sein...?! Da hätte man auch gleich bei der Bibel (stehen) bleiben können... Gleichwohl ist Herr Ladurner als Person auch mir sympathisch!

  2. Die Perversion liegt immer in den Seelen derer, die versuchen irgendeinen Krieg zu begründen.Lügen, betrügen, ausbeuten, rauben , Gewalt und der Krieg in seiner Gänze, die Abscheulichkeiten des menschlichen Charakters.Man sieht aber auch wie Menschen sich wandeln, wenn plötzlich die eigene Macht im Spiel ist ( die Grünen sind das beste Beispiel ), da wird der Mensch vom Paulus zu Saulus.Der Artikel gefällt mir sehr gut, weil er mal wieder hilft den Abscheu aus der Seele zu lassen.MfG Orpheus13437FREIER GEIST FÜR EINE FREIE WELT

  3. Krieg ist die Ausgeburt des Ungehorsamen. Krieg entsteht meist schon dann, wenn jemand das Gebotene, was zu erhören geboten ist, nicht gewillt ist, zu erhören. Hier fällt mir das Motiv von Kain und Abel ein. Der ungarische Psychiater Leopold Szondi (Schonti gesprochen) arbeitete während der Kriegwirren des letzten Jahrhunderts an seiner experimentellen Triebdiagnostik. In diesem Zusammenhang entstand etwas später seine Publikation "Kain, Gestalten des Bösen". Dieses Buch zu lesen, möchte ich jedem Menschenfreunde nahe legen. Aber es hat womöglich eine schmerzhafte Nebenwirkung, weil es die falsche Scham entfrent und so zu dem inneren und frei gelegen Teil des Menschen, dem sogenannten "menschlichen Herzen" sprechen kann, vorausgesetzt, man will die Identifikation mit dieser Thematik. Was der Mensch "wirklich" ist, so lange er lebt, versteht letztlich nur Gott, der ihn erschaffen hat, der sein Geschöpf auch wieder heilen und auf seinen festen Grund stellen wird, was soll der "Bund" Gottes mit dem Menschen anderes sein. Kein Krieg wird dann sein in Ewigkeit, sondern Frieden, davon bin ich letztlich überzeugt. Solange diese göttliche Verheißung noch aussteht, solange experimentiert der Mensch an sich herum, welche Früchte daraus für ihn auch immer noch entstehen mögen auf diesem Erdenrund und welche Qualen und welchen Wahnsinn wir über uns ergehen lassen müssen.

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    Dieser Kommentar kommt der Überschrifts-Frage zwar schon etwas näher als der eigentliche Zeit-Beitrag, bleibt aber leider in der Allgemeinheit und der bzw einer engen und also partiell überholten, religiösen Verbrämung stecken. (Wie genau soll sich die "göttliche Verheißung" denn offenbaren?!) Gott gibt es nicht - der Gottesbegriff, ein zentraler Bestandteil davon, ist das kollektive Bewusstsein der Menschheit (der an ihn und damit an sich glaubenden Menschen) - und dieses gibt es schon, und es ist dies eine sehr gewichtige, eine sehr hochstehende Frage. Wenn diese kollektive große und tiefe Selbstreflexion (ja auch) alle Menschen umfasst bzw. befällt, und es gibt dazu ja letztlich keine Alternative, dann ist in der Tat Frieden, der Frieden auf Erden. Der (Bibel-)göttliche Friede ist nun aber kein irdischer, zumindest keiner von Dauer. Auch hier bietet uns die Bibel ja eine stimmige Metapher. Wenn wir alle in innerem Frieden leben, wie Jesus oder Buddha, die großen Religionsmeister, dann haben wir keine Kinder. Der eigentliche ewige Friede ist zuletzt auch etwas Virtuelles. Wenn wir nicht mehr real da sind, nur noch unser Geist, dann gibt es auch keinen Krieg mehr. Mysteriös ist dieses friedlich-wohlorganisierte Aussterben für uns ein wenig dennoch - keiner kann ja genau sagen, oder verstehen, warum wir so sind und so reagieren, selbst wenn wir den Sinn dieses Verhaltens verstehen können und mögen. (Die Bedingungen sind halt nicht so, dass sich der Mensch auf dieser Welt auf ewig wirklich wohl fühlen kann!). Ganz so friedlich ist ja selbst das friedlich-wohlorganisierte Aussterben nicht, da die Herstellung dieser Gewissheit, das Vertreten und damit die Durchsetzung dieses Konzeptes, ja auch als ein Kampf gegen die eigene menschliche Natürlichkeit angesehen werden kann. Der wirkliche Wohlfühl-Friede kann auf dieser Welt, irdisch, eben gar nicht erreicht werden! Gleichwohl müssen und werden wir aber auch nicht im (heißen) Krieg untergehen - weil das unvernüntig und eben "gottesfern" wäre!
    Der himmlische(!), also außerirdische ewige Frieden ist also das Postulat einer geistigen Welt, das Korrelat des gemeinsamen, kollektiven Bewusstseins bzw. Über-Ichs, welches sich in Einklang mit sich selbst befindet - bzw. in Einklang mit seinen tiefsten Wünschen, dem nach Frieden eben, kommt. Kriege wurde zwar mit Begeisterung geführt - im Vordergrund der Motivation stand und steht aber immer der eigene Nutzen, der bessere (eigene) Frieden, das bessere irdische Leben! Wenn wir unseren pazifistischen religiösen Vorbildern Jesus (aber auch Buddha) nacheifern, dann sterben wir zwar aus - aber eben friedlich und in Einklang mit uns selbst, und dies sogar als Kollektiv. Von uns "wissen" dann, selbst wenn irgendwann alle Spuren verglüht sind, nur noch wir selbst - so das Postulat - und das reicht auch aus, das beruhigt uns - wir können, so unser Bewusstsein, halt nicht spurlos verschwinden. (Was sich irgendwo ja sogar mit der Naturwissenschaft zu decken scheint - die anthropogenen Radiowellen z.B., geistern ja doch noch sehr lange durch das Weltall.) Die Religion, allein also die geistige Rückbesinnung- und Verbindung zu all unseren (geistigen) Vorgängern, aber eben auch innerhalb aller Lebenden, kann sehr wohl Frieden stiften, das ist ja sogar deren Hauptzweck - man muss und sollte sie dazu aber modern und richtig, also durchaus atheistisch, interpretieren...!
    Nochmal: Kriege waren ( in der Regel) immer Mittel zum Zweck, zum Zwecke eines besseren Lebens, niemals Selbstzweck. Heute und vor allem zukünftig kann man dies Ziel mit Kriegen aber immer weniger bzw. übehaupt nicht mehr damit erreichen, was immer mehr Menschen bewusst wird, da dies evident, unübersehbar, geworden ist ist.

  4. 080711fr2222Sie schreiben: "Der Krieg ist eine Bestie".Wie kann der Krieg eine Bestie sein?Die, die Krieg machen, sind Bestien!! Punkt, Komma, Strich ist der Bestie Mondgesicht.Es ist auch der Sprachgebrauch, der uns diesen Menschen entrückt, der ihnen gestattet sich in die Verantwortungslosigkeit zu flüchten.Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
    Ihr Mit-Leid -äh- Mit-LeutKlaus Wagner
    Dat KlaKoWa
    Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht

  5. Den Hauptgrund für Krieg in unserer (post)modernen Gesellschaft kann ich allerdings nicht mehr in unserer "kriegerischen menschlichen Natur" verorten - das war einmal.
    Heutige Kriegsspiele spielt der Homo Oeconomicus ludens ganz kühl und emotionslos, aus rein rationalen, ökonomischen Motiven heraus - meist natürlich mit irrationalen Argumenten gerechtfertigt.
    Durch demokratische Nationen kann Krieg aber nur geführt werden, wenn die große Mehrheit der Bürger dieser Demokratien dies ohne großen Widerstand zuläßt.
    Es ist sind die Passivität, das Desinteresse, das nicht-Handeln, das Wegschauen, welche einen modernen Krieg erst möglich machen!
    Eine von Wirtschaftsinteressen geleitete unkontrollierte Regierung, in Verbindung mit einem unkritischen, gleichgültigen Volk, würde also auch heutzutage wohl jederzeit wieder Krieg führen - wenn es denn dem Vaterlande dienlich ist...
    Den Zivilisationsfortschritt sehe ich darin, daß sich das Konzept Krieg heutzutage bereits nur noch durch (mehr oder weniger) geschicktes Lügen verkaufen läßt - da ist es mit dem Krieg so ähnlich wie bei der Atomkraft... ;-)

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    Kriegsgründe   Guts -X---

    Ich stimme dir im Prinzip zu. An sich sind wir, als Gesellschaft, zum Teil so weit, dass man uns Krieg nicht mehr nur als etwas gutes Verkaufen kann. Im Grunde ändern sich ja nur die Gestalten an der Spitze, die durch ihre kurzsichtige, eigennützige Art ohnehin keine Vorbilder mehr sind. Tja, wir bräuchten Marc Aurel ;)Zum Teil sage ich deshalb, weil wir als Westler leider einen Fehler gemacht haben. Wir ließen zu, dass Waffentechnologie an Völker verschachert wurden die noch nicht im 21. Jahrhundert, teilweise noch nicht einmal im 19. angekommen sind. Wir haben durch unsere Gesschichte gelernt uns zu beherrschen. Diese Menschen jedoch wurden, wie mit einer Zeitkapsel, in die Zukunft befördert. Aber aus sozialen Forschungen weiß man wie lange sowas ohne Hilfe dauert und mit welchen Kosten und Opfern es erkauft wird.Macht zu erlangen ist eine Herausforderung. Mit Gewalt zu herrschen ist einfach.Ehrlich währt am Längsten.

  6. Dieser Kommentar kommt der Überschrifts-Frage zwar schon etwas näher als der eigentliche Zeit-Beitrag, bleibt aber leider in der Allgemeinheit und der bzw einer engen und also partiell überholten, religiösen Verbrämung stecken. (Wie genau soll sich die "göttliche Verheißung" denn offenbaren?!) Gott gibt es nicht - der Gottesbegriff, ein zentraler Bestandteil davon, ist das kollektive Bewusstsein der Menschheit (der an ihn und damit an sich glaubenden Menschen) - und dieses gibt es schon, und es ist dies eine sehr gewichtige, eine sehr hochstehende Frage. Wenn diese kollektive große und tiefe Selbstreflexion (ja auch) alle Menschen umfasst bzw. befällt, und es gibt dazu ja letztlich keine Alternative, dann ist in der Tat Frieden, der Frieden auf Erden. Der (Bibel-)göttliche Friede ist nun aber kein irdischer, zumindest keiner von Dauer. Auch hier bietet uns die Bibel ja eine stimmige Metapher. Wenn wir alle in innerem Frieden leben, wie Jesus oder Buddha, die großen Religionsmeister, dann haben wir keine Kinder. Der eigentliche ewige Friede ist zuletzt auch etwas Virtuelles. Wenn wir nicht mehr real da sind, nur noch unser Geist, dann gibt es auch keinen Krieg mehr. Mysteriös ist dieses friedlich-wohlorganisierte Aussterben für uns ein wenig dennoch - keiner kann ja genau sagen, oder verstehen, warum wir so sind und so reagieren, selbst wenn wir den Sinn dieses Verhaltens verstehen können und mögen. (Die Bedingungen sind halt nicht so, dass sich der Mensch auf dieser Welt auf ewig wirklich wohl fühlen kann!). Ganz so friedlich ist ja selbst das friedlich-wohlorganisierte Aussterben nicht, da die Herstellung dieser Gewissheit, das Vertreten und damit die Durchsetzung dieses Konzeptes, ja auch als ein Kampf gegen die eigene menschliche Natürlichkeit angesehen werden kann. Der wirkliche Wohlfühl-Friede kann auf dieser Welt, irdisch, eben gar nicht erreicht werden! Gleichwohl müssen und werden wir aber auch nicht im (heißen) Krieg untergehen - weil das unvernüntig und eben "gottesfern" wäre!
    Der himmlische(!), also außerirdische ewige Frieden ist also das Postulat einer geistigen Welt, das Korrelat des gemeinsamen, kollektiven Bewusstseins bzw. Über-Ichs, welches sich in Einklang mit sich selbst befindet - bzw. in Einklang mit seinen tiefsten Wünschen, dem nach Frieden eben, kommt. Kriege wurde zwar mit Begeisterung geführt - im Vordergrund der Motivation stand und steht aber immer der eigene Nutzen, der bessere (eigene) Frieden, das bessere irdische Leben! Wenn wir unseren pazifistischen religiösen Vorbildern Jesus (aber auch Buddha) nacheifern, dann sterben wir zwar aus - aber eben friedlich und in Einklang mit uns selbst, und dies sogar als Kollektiv. Von uns "wissen" dann, selbst wenn irgendwann alle Spuren verglüht sind, nur noch wir selbst - so das Postulat - und das reicht auch aus, das beruhigt uns - wir können, so unser Bewusstsein, halt nicht spurlos verschwinden. (Was sich irgendwo ja sogar mit der Naturwissenschaft zu decken scheint - die anthropogenen Radiowellen z.B., geistern ja doch noch sehr lange durch das Weltall.) Die Religion, allein also die geistige Rückbesinnung- und Verbindung zu all unseren (geistigen) Vorgängern, aber eben auch innerhalb aller Lebenden, kann sehr wohl Frieden stiften, das ist ja sogar deren Hauptzweck - man muss und sollte sie dazu aber modern und richtig, also durchaus atheistisch, interpretieren...!
    Nochmal: Kriege waren ( in der Regel) immer Mittel zum Zweck, zum Zwecke eines besseren Lebens, niemals Selbstzweck. Heute und vor allem zukünftig kann man dies Ziel mit Kriegen aber immer weniger bzw. übehaupt nicht mehr damit erreichen, was immer mehr Menschen bewusst wird, da dies evident, unübersehbar, geworden ist ist.

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    Krieg und Frieden   hans-im-glueck

    Kriege sind Ausflüsse eines ungebremsten Machtdenkens. Niederste Instinkte und Charaktereigenschaften bestimmen diesen Bereich - sowohl bei denen, die Kriege anzetteln, als auch dann bei denen, die in diese als Akteure hineingezwungen werden. Viele Menschen, die im Kriege waren, werden mit dieser erzwungenen Niedrigkeit dann auch nicht fertig.Kriege werden erst unwahrscheinlicher werden, wenn wir Menschen es lernen, das Denken in Kategorien der Macht aufzugeben.Der erste Schritt dazu wäre, sich selbst zu Bescheidenheit und Demut anzuhalten, und diese auch offen zu leben (selbst auf die Gefahr hin, von allen als "Depp vom Dienst" mißbraucht zu werden).Frieden ist nicht nur die (meist nur lokale) Abwesenheit von Krieg, sondern auch ein freundlicher, kulturvoller Umgang miteinander, tolerant, offen, vertrauensvoll.Erstaunlicherweise kommen erst jetzt die Wirtschaftsgurus so langsam dahinter, daß genau ein solcher Umgang innerhalb eines Unterenhmen auch ungeahnte Produktivkräte freisetzt - und damit dem Gewinnziel des Unternehmens am meisten nützt. Warum wohl?Krieg und Frieden sind Kategorien unserer materiellen, vierdimensionalen Realität (Raumzeit). Was aber, wenn es weitere Dimensionen der Realität gibt? Mathematiker können heute bis zu 16 (und mehr) Dimensionen berechnen. Sie müssen ja nicht materiell sein.Aber auch unsere materielle Welt gibt es noch viele Fragen, die ungelöst, aber hochwichtig sind. Der erstaunlich geringe Energieverbrauch beim aktiven Fliegen (Vögel) beispielsweise, der nur einen Bruchteil dessen vom passiven Fliegen (Flugzeug) beträgt. Könnte zur Lösung des Energieproblems der Zukunft einen großen Beitrag leisten.Oder die Frage nach dem Teslaschen leitungslosen Energietransfer per elektromagnetischer Transversalwelle mit einem Wirkungsgrad von nahezu 100%: was vor 100 Jahren funktioniert hat, soll heute nicht mehr gehen?Oder ist es tatsächlich so, daß alle diese Lösungen längst erforscht und einsatzbereit sind, und "nur" solange "in der Schublade" bleiben, wie unsere jetztigen höchst ineffizienten Technologien noch funktionieren, bzw. sich mit ihnen noch GELD machen läßt?Wann lernen auch die Mächtigen, daß weder Geld/Reichtum noch Macht dauerhaft sind?"Das letzte Hemd hat keine Taschen."GOTT sind wir alle, jeder einzelne und alle zusammen. Jede/r ist seines/ihres Schicksals (und dessen aller anderen Menschen) Schmied/in bzw. Mitgestalter.Angst ist nie konstruktiv. Immer wenn in uns Angst erzeugt wird, sind destruktive Mächte am Werk. Angst ist das Lebenselixier des Machtdenkens. Ohne Angst keine Unterdrückung, also keine Macht.Lösen wir uns von der Angst, und wir haben einen weiteren Schritt zu einer wahrlich friedvollen Welt getan.

    ein kleiner trugschluss, ist dir unterlaufen, wenn du sagst gott sei aus der kollektiven selbstreflexion der menschen entstanden und existiere nicht unabhängig von dieser. wovon du in wirklichkeit sprichst ist ein von mehr oder weniger menschen geteiltes bild gottes, durch das dieser erst kommunizierbar wird und dadurch intersubjektive bedeutung gewinnt. skeptisch bin ich auch gegenüber deiner meinung, der mensch müsse erst in sich ruhen und damit jegliche egoismen überwinden, bevor der krieg als mittel der kommunikation aussterben kann. unter dieser prämisse sprechen wir tatsächlich vom jenseits, denn nur hier kann der mensch getrennt von seinem egoistischen ich existieren. aber auch der diesseitige mensch ist ja vernunfbegabt und zur liebe, ich behaupte einfach mal nicht nur fähig sondern durch zentripetale kräfte hingezogen. und diesem mensch traue ich es durchaus zu das leben seines gegenübers höher zu stellen als mögliche materielle oder imaterielle werte, die es für ihn durch tötung dieses gegenübers zu gewinnen gäbe.der einzige wert der m. e. zur gewaltanwendung legitimiert, ist die bedrohung des eigenen lebens (familie, freunde, nachbarn, staatsbürger evtl. auch noch eingeschlossen). die bedrohung muss aber immer akut vorliegen, eine präventive gewalt kann nicht gerechtfertigt werden. könnte man sich innerhalb eines staates auf eine solche defensive politik einigen, wären kriege tatsächlich zu überwinden. sollte ein feindlicher staat einfallen, wäre die allgemeine reaktion der zivile widerstand, ein zustand, der eine besatzung auf dauer unattraktiv machte!If you live by the gun, you'll die by the gun!God is love!

  7. würde ich hierzu meinen. Er stellt und bearbeitet die Frage, ob wir Kriege brauchen ja kaum, nur am Rande, das allermeiste ist die Beschreibung der Kriegsfolgen, der Kriegsoberfläche. Der Beitrag hätte genauso gut, ja besser, unter der Überschrift: "Über den Einsatz und die Ächtung von Streubomben", einer Waffengattung ja nur, laufen können. Kein Wort über die Kriegstheorien der Marxisten-Leninisten z.B., über religiöse Bezüge, nicht mal über den Stand oder Theorien der Verhaltensbiologie (z.B. der Theorie von Herrn Prof. Gunnar Heinsohn). Schade, dass man selbst dieses gewichtige Thema hier so lax und oberflächlich angeht. (Was bei dieser Zeitung allerdings und leider ja keine Ausnahme ist). Können Sie mir nach der Lektüre dieses Beitrages etwa mit Gewissheit sagen, ob und warum der Krieg nun auf ewig ein zwangsläufiger Teil der Menschheitsgeschichte ist? (Dass diese ewig sei, schon dies hätte man hier ja wohl mal kritisch reflektieren müssen, angesichts der diesbezüglich negativen Aussagen großer Religionen und den fast unlösbar erscheinenden aktuellen Menschheitsproblemen einschließlich der offenbar unmöglichen großen Abrüstung! Wichtiger noch als die Frage der Streubomben erscheint mir hier die Frage der A-Waffen und ihrer Bedeutung für die internationale Sicherheit und Unsicherheit). Viele Fragen, aber kaum eine der Beitragslänge entsprechende Antwort. Sowas soll Teil eines Wissens(!)-Kanons sein...?! Da hätte man auch gleich bei der Bibel (stehen) bleiben können... Gleichwohl ist Herr Ladurner als Person auch mir sympathisch!

  8. Wir Menschen haben eine große Stärke, unsere Vielfalt. Leider ist es jedoch zugleich auch unsere große Schwäche weil wir zulassen, dass man sie dazu einsetzt uns Gegeneinander aufzuhetzen. Dabei wollen doch alle im Grunde das Gleiche. Ein wenig Stabilität und Sicherheit. Familie, Gesundheit, all die Werte die das Leben für jeden von uns für lebenswert machen.Betrachten doch nur die EU. Wir sind so vielfältig in unseren Kulturen wie nur wenige Gegenden dieser Welt. Und doch schaffen nicht einmal wir es uns wirklich zu vertragen. Anstatt einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu schaffen der als Basis für uns dienen könnte, versucht jeder nur seine Interessen zu verfolgen und schwächt damit doch das Ganze. Auch wenn ich kein Fan der USA bin, denke ich doch, dass sie uns in diesem Punkt voraus sind. Ihre Verfassung ist simpel und beschränkt sich auf die gemeinsamen Punkte, die jeder von uns schätzt. Wir müssen sie ja nicht kopieren, das Waffengesetz und die kürzlich dazugekommenen Überwachungsregeln (wir erinnern uns an einen kleinen Mann mit Schnauzbart) zum Beispiel.Wenn wir erst behirnt haben, dass unsere Vielfalt unsere größte Stärke ist und Akzeptanz und Anpassung die Wege sind sie für uns einzusetzen, dann haben wir die erste Stadt auf dem Mond!Macht zu erlangen ist eine Herausforderung. Mit Gewalt zu herrschen ist einfach.Ehrlich währt am Längsten.

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  • Von Ulrich Ladurner
  • Datum 13.10.2008 - 15:39 Uhr
  • Serie Bildungskanon
  • Quelle DIE ZEIT, 10.07.2008 Nr. 29
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