DIE ZEIT: Wieso glaubten viele Menschen nach dem Ende des Kalten Kriegs, dass ein Zeitalter ohne Krieg anbrechen könnte?

Ulrike Borchardt: Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Auflösung der Sowjetunion sprachen insbesondere die UN von der nun zu erwartenden "Friedensdividende", die zur Befriedung der Welt beitragen würde. Dies war eine Illusion, wurde doch bereits 1990 die Weltöffentlichkeit durch Saddam Hussein und seinen Überfall auf Kuwait daran erinnert, dass das Zeitalter der Kriege keineswegs vorüber war. Der Beginn des zweiten Golfkriegs 1991 machte vollends deutlich, dass Kriege weiterhin zum Alltag gehören würden.

ZEIT: Es ist von "neuen Kriegen" die Rede. Taugt der Begriff, um Kriege unserer Zeit zu beschreiben?

Borchardt: Nicht besonders. Er suggeriert, der Charakter der Kriege habe sich vollkommen gewandelt. Das einzig neue Phänomen sehe ich in den asymmetrischen Kriegen, verdeutlicht am "Antiterrorkrieg", da hier der Gegner nicht mehr ein Staat ist, sondern der "internationale Terrorismus". Bezeichnend ist, dass dieser im staatlichen Rahmen weitergeführt wird – siehe Afghanistan und Irak.

ZEIT: Ist Krieg eine geeignetes Mittel, um Nation-Building zu initiieren?

Borchardt: Der Interventionskrieg hat sich jedenfalls nicht als geeignetes Mittel erwiesen, wie erneut Afghanistan und Irak deutlich machen.

ZEIT: Gibt es mit Blick auf das Verhältnis zwischen dem Westen und dem Islam die Gefahr eines Religionskriegs?