Das Wunder von Bremen, so heißt ein beeindruckender Dokumentarfilm über ein Sommercamp, auf dem Kinder aus Bremer Einwandererfamilien ihre Deutschkenntnisse aufbessern – mit einer Mischung aus Theaterspielen, Unterricht, Sport und Spiel.

Das größte Wunder besteht allerdings darin, dass dieses Beispiel nur wenige Nachahmer im Rest der Republik gefunden hat. Obwohl die Lese- und Schreibförderung nach den verheerenden Ergebnissen der Pisa-Studie von allen Forschern und Politikern zur Aufgabe Nummer eins erklärt wurde. Und obwohl die Teilnehmer am Bremer Sommercamp nachweisbare Fortschritte gemacht haben.

Dieser Tage ist wieder ein nachahmenswertes Beispiel zu bewundern. In Schleswig-Holstein nehmen seit dem Jahr 2006 rund 20000 Hauptschüler an knapp 100 Schulen an einem Projekt zur Förderung der Lesekompetenz teil. Wissenschaftler haben das Vorhaben nun unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Leseleistungen der Schüler deutlich zugenommen haben. Besonders profitiert hätten Schüler mit Migrationshintergrund.

Mit relativ wenig Aufwand könnte dieses erwiesenermaßen erfolgreiche Projekt von anderen Bundesländern übernommen werden.

Eine Stärke des Föderalismus liegt darin, dass an vielen Orten gute Ideen entwickelt werden. Aber richtig zum Tragen kommt diese Stärke erst dann, wenn das ganze Land von den guten Ideen profitiert. Thomas Kerstan