Emanzipation Pflicht und Kür

Warum sich eine Frau noch während des Studiums für ein Kind entscheidet. Christina Schrage, 31, erzählt. Ein Protokoll

Christina Schrage studiert vor allem zu Hause. Aber pünktlich um 15 Uhr muss sie fertig sein, um ihre zweijährige Tochter Romy aus der Kinderkrippe abzuholen. »Mir tut es ausgesprochen gut, dass ich mich so strikt organisieren muss«, sagt sie. »Seit mein Kind da ist, arbeite ich viel effektiver.«

Die 31-Jährige hatte nach dem Abitur zunächst einige Jahre als Medizinische Dokumentationsassistentin gearbeitet und sich erst mit Mitte 20 für die Hochschule entschieden. »Mir war klar, dass ich, wenn ich mit dem Studium fertig bin, schon relativ alt sein werde für das erste Kind«, erzählt sie. Schrage studiert Kommunikationsdesign und Medien und hat sich ganz bewusst für eine Schwangerschaft im Hauptstudium entschieden. Während im Grundstudium noch Anwesenheitspflicht herrscht, können sich die Studenten nach dem Vordiplom ihre Zeit frei einteilen.

Die Hochschule Wismar gilt als besonders familienfreundlich und gehört zu den acht Gewinnern des vom Centrum für Hochschulentwicklung und der Robert-Bosch-Stiftung ausgeschriebenen Wettbewerbs »Familien in der Hochschule«. Wismar überzeugte mit seinen Modellen zu Mobilität und Flexibilisierung. So kommuniziert Christina Schrage meist per Mail und Telefon mit ihren Professoren. Ins 65 Kilometer entfernte Wismar fährt sie von ihrer Heimatstadt Rostock aus nur einmal pro Woche, um Seminare zu besuchen.

Romy war sogar schon in einer mündlichen Prüfung dabei. Während die Studentin ihre Bilder verteidigte, schlief das Baby in seinem Kinderwagen. »Wenn sie geweint hätte, hätte ich eben eine Pause gemacht.«

Gerade war Schrage in Berlin, um einen Preis in Empfang zu nehmen. Sie hatte bei einem deutschlandweiten Plakatwettbewerb des Studentenwerks den zweiten Platz gewonnen. Als Nächstes macht sie sich an ihre Diplomarbeit. Sie möchte eine Corporate Identity für Romys Kindergarten entwerfen – vom Logo bis zur Geschäftsausstattung. »Ich erlebe gerade alles mit meinem Kind mit und möchte deshalb etwas gestalten, was mit ihm zu tun hat.«

Bis ihre Diplomarbeit fertig ist, wird es noch etwa ein Jahr dauern. Gerade hat sie ein Urlaubssemester beantragt, um die Regelstudienzeit nicht zu überschreiten. »Mir ist es wichtig, meine Nachmittage mit meiner Tochter zu verbringen und sie aufwachsen zu sehen«, erzählt sie. »Das wäre so nicht möglich, wenn ich durchstudieren würde oder feste Arbeitszeiten hätte.«

Protokoll: Alexandra Busse.

 
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