So richtig passt es nie: Ob das Kind nun vor oder nach dem Studium kommt, irgendwie stört es immer. Zuerst verhindert es, das Studium in der Regelzeit zu schaffen. Dann zögert es die Promotion über Jahre hinaus, und später kann es passieren, dass es die Professur vermasselt, weil die männlich dominierte Berufungskommission einer inzwischen vielleicht zweifachen Mutter nicht zutraut, ganz im Dienste von Lehre und Forschung zu stehen.

Fast nirgends sind Frauen so unterrepräsentiert wie in der Wissenschaft. Während im Durchschnitt 50 Prozent aller Hochschulabsolventen in Deutschland weiblich sind, sinkt die Zahl der Frauen an den Unis mit jeder weiteren Karrierestufe deutlich. Nur noch 40 Prozent von ihnen schaffen eine Promotion, rund 23 Prozent habilitieren sich. Nur zehn Prozent der vollen Professuren in Deutschland sind weiblich besetzt.

"Ohne Familie ist kein Staat und erst recht keine Hochschule zu machen", sagt Detlef Müller-Böling vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). In einem vom CHE und der Robert-Bosch-Stiftung ausgeschriebenen Wettbewerb wurden vor Kurzem acht Hochschulen für ihre familienfreundlichen Konzepte ausgezeichnet und mit jeweils 100 000 Euro belohnt, darunter die FU Berlin, die Unis Jena und Marburg und die FH Potsdam.

Ein Uni-Kindergarten allein macht aber eine Hochschule noch nicht frauenfreundlich. Wenn Frauen in höhere wissenschaftliche Positionen gelangen wollen, haben sie oft immer noch schlechtere Karten, ob mit oder ohne Kind. Eine aktuelle Studie über Berufungsverfahren zeigt, dass Männer von informellen Netzwerken profitieren, in denen Frauen oft nicht verkehren. Die Wunschkandidaten stehen oft schon vor dem Verfahren fest.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordert nun, den Frauenanteil in Vollprofessuren in den nächsten fünf Jahren auf 15 Prozent anzuheben. Selbstverpflichtende Gleichstellungsstandards sollen dabei helfen. Fern jeder Quote. Ob das die unterschwellige Diskriminierung von Frauen in Berufungsverfahren verhindert, bleibt unwahrscheinlich.

Aber die gute Nachricht ist, dass sich die Frauen ihre Kinder trotzdem nicht ausreden lassen, wie die folgenden Porträts von Studentinnen und Wissenschaftlerinnen zeigen:

Fehlstart - Warum eine Frau wegen ihrer beiden Kinder die Hochschule wechselt. Sandy Schneider, 26, erzählt