Menschheitsgeschichte Mord an der Urfamilie
In Sachsen-Anhalt haben Archäologen liebevoll beigesetzte Skelette gefunden. DNA-Tests zeigen: Es ist die vielleicht älteste Familie der Welt
Es ist ein rührender Anblick, der sich dem Archäologen Robert Ganslmeier bietet, als er das Grab im sachsen-anhaltinischen Eulau öffnet. Da liegt ein kleiner Junge, dicht an eine Frau geschmiegt. Und ein zweiter, größerer Junge wird von einem Mann in den Armen gehalten. Fast sieht es aus, als würden sie sich über den Tod hinaus küssen. Es ist eine Familie. Sie wurde ermordet.
Und nicht sie allein: In einem anderen Grab liegt eine Frau, ein Baby in den Armen. Die Steinaxt ist mehrere Zentimeter tief in ihren Schädel eingedrungen. Bei einer dritten Frau sieht man noch die Pfeilspitze, die im Lendenwirbel steckt. Es ist ein trapezförmiger Querschneider, der besonders große Wunden reißt. Der Pfeil traf sie von vorn in den Bauch und wird die Aorta zerfetzt haben. Innerhalb weniger Minuten verblutete sie. Insgesamt fielen drei Frauen, zwei Männer und acht Kinder dem Massaker zum Opfer.
Die Archäologen haben die Gräber mit den Skeletten im Block geborgen. Jetzt hängen sie wie Bilder an der Wand des Landesmuseums Halle. »Sie sehen genau so aus, wie wir sie ausgegraben haben«, sagt ihr Entdecker Ganslmeier. Museumsdirektor Harald Meller nennt sie die »Momentaufnahme eines Nachmittags vor 4600 Jahren«. Es muss ein grauenhafter Nachmittag gewesen sein.
Was die Gräber so außergewöhnlich macht, ist nicht die Gewalt. Die ist nicht untypisch für die Jungsteinzeit, als die Menschen sesshaft geworden waren, Besitz anhäuften, Begehrlichkeiten entwickelten. In der Schulter der Gletschermumie Ötzi steckt eine Pfeilspitze, an seinen Sachen klebt das Blut von mehreren Menschen. Immer wieder stoßen Archäologen auf neolithische Massengräber. Auch in Eulau haben die Männer neben den neuen Verletzungen verheilte Frakturen an den Unterarmen, sogenannte Parierbrüche. Sie waren kampferprobt.
Sensationell ist, dass jetzt an den bereits 2005 gefundenen Toten der früheste Nachweis einer Familie gelungen ist, und zwar nicht nur aufgrund archäologischer Indizien, sondern mittels DNA-Analyse. Mehr noch: Hier konnte mit modernen naturwissenschaftlichen Methoden wie der Strontium-Isotopen-Analyse der Zähne ein Einblick darein gewonnen werden, wie Männer und Frauen vor rund 5000 Jahren zusammenlebten.
»Wir wissen sehr viel darüber, wie die Menschen gewirtschaftet haben, wir kennen die Gegenstände, mit denen sie hantierten, ja, können sogar Aussagen über ihr Abfallverhalten machen«, sagt die Baseler Archäologieprofessorin Brigitte Röder, »aber wir wissen fast nichts darüber, wie sie täglich zusammenlebten.« Da es keine schriftlichen Quellen gibt, konnte bisher nur spekuliert werden, ob sich Mann und Frau damals schon dauerhaft als trautes Paar banden, ob sie Polygamie oder vielleicht etwas ganz anderes betrieben. »Wir wissen ja noch nicht einmal, ob eine wie auch immer geartete Familie tatsächlich gemeinsam in einem Haus wohnte«, sagt Röder, deren Baseler Arbeitsgruppe sich besonders um die prähistorische Sozialgeschichte bemüht. »Der ethnologische Kulturvergleich zeigt: Es gibt da viele Möglichkeiten.«
Nur nach einem Unglück wurden Eltern und Kinder gemeinsam bestattet
Das Unglück von damals entpuppte sich als Riesenglück für die Forscher von heute. »In der Regel wurden Familien nicht gemeinsam bestattet«, erklärt Kurt W. Alt, Professor für Anthropologie an der Uni Mainz, der gemeinsam mit Kollegen der University of Bristol und der University of Adelaide die naturwissenschaftlichen Untersuchungen durchführte. Einzelgräber waren die Regel. Normalerweise starben die Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten und wurden an unterschiedlichen Orten begraben. Es brauchte also ein Unglück – Seuche, Brand, Pilzvergiftung –, bei dem eine »Kernfamilie«, das heißt Vater, Mutter und mindestens ein Kind, ums Leben kam und gemeinsam bestattet wurde.
Wo nur Mann und Frau zusammenlägen, wie bei den 2007 gefundenen, über 5000 Jahre alten Skeletten der sogenannten Liebenden von Valdaro, lasse sich genetisch nichts über die Familienbeziehung sagen, sagt Alt: Im Regelfall seien sie nicht verwandt und falls doch, wisse man immer noch nicht, ob dort zwei Geschwister lägen oder ob es sich um eine Ehe von Cousin und Cousine handele.
»Der nächste Glücksfall ist«, sagt Alt, »dass die vier Individuen so gut erhalten sind, dass wir bei allen Kern-DNA fanden.« Denn mit der robusteren mitochondrialen DNA lässt sich nur mutterschaftliche Verwandtschaft klären. Tatsächlich ergaben die DNA-Analysen, wie bei einem Vaterschaftsgutachten, dass der Mann der Vater der beiden Jungen war. Und die Frau, auch das zeigte sich, ihre Mutter. Eine ältere Kernfamilie wurde noch nie nachgewiesen, weder bei den Neandertalern noch bei ägyptischen Mumien. In zärtlicher Umarmung hält sie sich schon seit fast fünf Jahrtausenden fest.
Und das ist spannend, denn diese Bestattungsform bricht den Ritus. In der jungsteinzeitlichen Schnurkeramik-Kultur herrschten strenge Bestattungssitten. Frauen liegen mit dem Kopf nach Osten im Grab, Männer mit dem Kopf nach Westen, beide Geschlechter blicken dabei nach Süden. Das gilt auch für Kinder. Im Familiengrab von Eulau aber nicht: Da gucken die Söhne ihren Eltern ins Gesicht, nicht zur Sonne. »Biologische Verwandtschaft wird höher angesehen als die zu der Zeit gepflegte Bestattungssitte«, meint der Anthropologe Alt.
Familienbande brechen also den religiösen Kult. Im Nachbargrab nämlich liegt eine Frau mit drei Kindern. In ihrem Arm hält sie ein Baby, das ebenfalls entgegen dem Ritus niedergelegt wurde. Es sieht sie an. »Leider konnten wir bei dem Baby keine DNA nachweisen«, sagt Alt. »Aber es ist sehr wahrscheinlich ihr Kind.« Hinter ihrem Rücken liegen, das konnte nachgewiesen werden, zwei Geschwister. »Die DNA-Analyse ergab aber, dass sie biologisch nicht mit der Frau verwandt sind.« Die könnte ihre Stiefmutter sein oder die Nachbarsfrau. Tatsächlich blicken die Geschwister dem Kult entsprechend nach Süden, weil, so die Vermutung, keine biologischen Familienbande vorliegen.
Vielleicht gehörten zu der Frau im Grab auch mehrere Männer
Die Archäologen sind vorsichtig, vom Eulauer Befund auf die Familienstruktur der Zeit zu schließen. »Es ist ein Einzelfall«, sagt Harald Meller, der nicht nur dem Hallenser Museum vorsteht, sondern auch Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt ist. »Deshalb zu sagen, wir haben in Mitteleuropa im Neolithikum ein Kernfamilien-System, wäre zu weit gegriffen.« Auch Brigitte Röder meint: »Es handelt sich lediglich um eine Momentaufnahme.«
Schon wegen der hohen Sterblichkeit ist davon auszugehen, dass die Beziehungen relativ flexibel waren. Frauen starben oft bei der Geburt ihrer Kinder. Da wurden schnell neue Beziehungen eingegangen, Patchworkfamilien waren an der Tagesordnung. »Die Frau mit den drei Kindern, von denen zwei nicht die ihren sind, könnte eine solche sein«, sagt die Archäologin. »Das ›…bis der Tod euch scheidet‹, das wir mit so einem Befund assoziieren, war damals nicht angesagt.« Man dürfe nicht den Fehler machen, das bürgerliche Kleinfamilienideal in die Vorgeschichte hinein zu verewigen.
»Wir wissen ja nicht einmal, ob da die komplette Familie lag«, sagt Röders Mitarbeiterin, die Anthropologin Sandra Pichler. »Wir wissen weder, ob zu der Frau noch mehrere Männer oder zu dem Mann mehrere Frauen gehörten.« Unbegründet ist der Zweifel nicht: Folgt man den Familien-Soziologen Paul B. Hill und Johannes Kopp, ist Monogamie zwar in den Industriegesellschaften das gängige Muster, »vergleicht man aber alle in der Anthropologie bekannten Gesellschaften, so ist diese Form eher selten«. Während auch Polyandrie (Vielmännerei) spärlich vorkomme, sei Polygynie (Vielweiberei) vor allem in agrarischen Gesellschaften weit verbreitet – und damit für die Jungsteinzeit wahrscheinlich. »Aber selbst in solchen Gesellschaften sind schon aus demografischen Gründen die meisten Ehen monogam«, sagt der Chemnitzer Professor Johannes Kopp. »Es muss ja zahlenmäßig irgendwie aufgehen.« Nur reiche, mächtige Männer demonstrierten mit mehreren Frauen ihren Status.
Mittels der Strontium-Isotopen-Analyse der Zähne konnten die Anthropologen rekonstruieren, wo die Toten von Eulau ihr Leben verbracht haben. Dabei zeigte sich, dass die Männer und die Kinder aus der Region stammten, die Frauen aber von auswärts kamen. Es herrschten also Exogamie und Patrilokalität. Erstere ist das Verbot, innerhalb der eigenen Gruppe zu heiraten, und gilt als ein Mittel, um Inzest zu vermeiden. Bei den Menschenaffen etwa verlassen auch die Weibchen die Gruppe, um nicht von Vater oder Bruder begattet zu werden, was in einer Population zur »Inzestdepression« führen würde. Zugleich gilt Exogamie als Mittel, um Koalitionen zu schmieden. »Gegen die Sippe des Schwagers zieht man nicht in den Krieg«, erklärt Soziologe Kopp. Bisher ließ sich Exogamie in der Vorgeschichte nur vermuten, etwa wenn die Frauen Grabbeigaben von fernher dabei hatten.
Patrilokal heißt: Die Männer blieben am Ort. Wie aber funktionierte dann das Heiraten? Wurden die Frauen geraubt? Gab es einen Heiratsmarkt? »In der Archäologie ist ja das Klischee verbreitet, dass die Frauen immer geraubt, gekauft, getauscht wurden«, winkt Röder ab. »Immer gelten sie als bloße Manövriermasse.« Man weiß es nicht.
Ähnlich ist es um die Kinder bestellt. »Bis vor fünf Jahren waren Kinder in der prähistorischen Archäologie überhaupt kein Thema«, sagt Röder. »Dabei zeigt der ethnologische Kulturvergleich, dass in bäuerlichen Gesellschaften die Arbeitskraft ein so wichtiger Faktor ist, dass man es sich überhaupt nicht leisten konnte, Kinder von den landwirtschaftlichen Tätigkeiten auszunehmen.« Mit drei Jahren kann man schon Kleinvieh hüten. »Ich habe mir neolithische Kinderskelette genauer angeschaut«, erzählt die Anthropologin Pichler, »und die ausgebildeten Muskelmarken, die Stellen, wo die Muskeln am Knochen ansetzen, zeigen, dass die Kinder zwischen sechs und acht Jahren schon körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten absolvierten.« Tatsächlich hat der vielleicht neun Jahre alte Junge in dem Grab mit der Frau und den drei Kindern eine Axt als Beigabe. »Genauso wie die erwachsenen Männer«, sagt Archäologe Ganslmeier. »Der Junge galt damit als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft.«
»Wir gehen wie Kriminalisten an den Tatort«, beschreibt Landesarchäologe Harald Meller seine Arbeit, »und suchen nach der kleinsten Spur.« In den vergangenen Jahren hat die Archäologie ihr Ermittlungsarsenal beträchtlich aufgerüstet. »Die neuen naturwissenschaftlichen Methoden, wie DNA- oder Isotopen-Analyse der Zähne, sind eine ungemeine Innovation für das Fach.« Die Gräber von Eulau zeigen, welche Erkenntnisse zukünftig zu gewinnen sind. »Nun können wir an die großen Fragen gehen«, freut sich Meller. »Wie fängt das mit der Familie an? Wie strukturierten sich Gruppen? Existierte ein Matriarchat? Welche Migrationsbewegungen gab es? Ging Kulturwandel auch mit einem Bevölkerungswechsel einher?« Je mehr Funde in Zukunft den naturwissenschaftlichen Anforderungen entsprechend geborgen und analysiert werden, umso mehr Licht fällt in die bisher recht finstre Steinzeit.
Wo sind die Teenager? Wie im Krimi sorgt das für Spannung, was fehlt
Doch die Gräber von Eulau sind mehr als ein erstes Puzzlestück. Dazu ist der Mordfall viel zu packend. Wie in einem guten Krimi sorgt gerade das für Spannung, was nicht da ist. Die Toten von Eulau sind kein repräsentativer Schnitt durch die Gesellschaft – es fehlen die Teenager. Wo sind sie? Wurden sie, jung, hübsch und arbeitsstark, von jenen geraubt, die das Dorf überfielen und den Rest massakrierten?
Meller entwirft ein anderes Szenario: »Es blieben die zurück, die nicht so mobil waren, Frauen und Kinder.« Zwei Männer sollten sie wohl beschützen. »Man sieht den Skeletten an, dass die groß und wahnsinnig kräftig waren.« Der Rest zog zu einer Unternehmung aus. Vielleicht wanderten sie zu einem entlegenen Steinbruch, um Steine für ihre Äxte zu holen. Vielleicht überfielen auch sie gerade eine fremde Siedlung. Als sie fort waren, kam es zur Attacke. Die Männer wehrten sich, das zeigen die frischen Parierbrüche an ihren Unterarmen. Die Angreifer aber gaben kein Pardon.
Schließlich sind jene, die unterwegs waren, an den Ort des Schreckens zurückgekehrt. »Die Toten wurden von den eigenen Angehörigen begraben«, sagt Meller. Das zeige die sorgsame Bestattung. »Wir kennen auch Massengräber, in denen die Leichen nach einem Überfall einfach übereinandergeschmissen worden sind.« Die Totengräber von Eulau wussten genau, wer zu wem gehört. »Und ihnen, das ist auch nach 4600 Jahren zu sehen, war diese eine Familie sehr, sehr wichtig.«
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- Datum 13.10.2008 - 16:41 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.07.2008 Nr. 30
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Hochinteressanter und spannender Artikel, meinen dank an Kai Michel.Eine Kleinigkeit hat mich trotzdem gestört und da wäre eine kleine Verbesserung angebracht beim nächsten Mal.Sie treffen ein paar Aussagen, die ein bestimmtes 'Genesis-Bild' verraten, aber die man nicht so treffen darf ohne unwissenschaftlich zu werden.Sie schrieben:"Die ist nicht untypisch für die Jungsteinzeit, als die Menschen
sesshaft geworden waren, Besitz anhäuften, Begehrlichkeiten
entwickelten."Besitzanhäufung aufgrund von Sesshaftigkeit ist noch logisch - denn (ganzjährige ?) Sesshaftigkeit bedeutet auch Nahrungsspreicherung bis zu einem wie auch immer gelagerten Grad.'Begehrlichkeiten entwickelten" impliziert, dass die Menschen vorher keine hatten. Also Nomaden haben keine >begehrlichkeiten - und zwar z. b. gegenüber anderen Nomaden was z. b. beute, Frauen, Werkzeuge oder Jagdgründe anbelangt?^^ Begehrlichkeiten entwickleten sich kaum erst als die Menschen sesshaft wurden --> das ist ziemlich hahnebüchender Unsinn und mag ja einem romantisierten Urmenschenbild - so a lá: "Sie waren quasi besitzlos und haben sich nichts gegenseitig geneidet - und erst als sie seesshaft wurden und Besitz anhäuften, da kam der Neid, der Missgunst und der Krieg unter die Menschen etc..." - nette sache, sehr beliebt im 18. & 19. Jh. gewesen - aber weis icht, ob man dem heutzutage wirklich noch fröhnen muss.Das klingt auch schöner, als es ist:"Bei den Menschenaffen etwa verlassen auch die Weibchen die Gruppe, um
nicht von Vater oder Bruder begattet zu werden, was in einer Population
zur »Inzestdepression« führen würde."Korrekt ist: bei einem Teil der Menschenaffen verlassen die Weibchen vor der ersten Schwangerschaft die Gruppe (z. B. Bonobos und den echten Schimpansen) - aber nicht bei allen, Gorillas leben z. B. in Haremsgruppen zusammen und alle Jungtiere verlassen die Gruppe idR.Mit Inzestdepression hat aber das Verhalten nicht zwingend etwas zu tun - wenn es auch den Gen-Fluss aufrecht erhält so - und genetischen Schäden so wirklich vorbeugt. Aber die Weibchen verlassen aus diesen Gründen nicht die Gruppe, sondern sie verlassen die gruppe, weil sich genetisch dieses Verhalten durchgesetzt hat - der unterschied liegt einfach darin, dass im ersten fall eine anthropomorphisierung stattgefunden hat indem man den Affenweibchen ein bestimmtes Verhalten zuschreibt aufgrund einer Willensabsicht, von der wir einfach nichts wissen.
"Sie waren quasi besitzlos und haben sich nichts gegenseitig geneidet - und erst als sie seesshaft wurden und Besitz anhäuften, da kam der Neid, der Missgunst und der Krieg unter die Menschen etc..." - nette sache, sehr beliebt im 18. & 19. Jh. gewesen - aber weis icht, ob man dem heutzutage wirklich noch fröhnen muss."
Ich weiß dies natürlich auch nicht, halte es aber schon für möglich, dass die Konflikte hernach zunahmen, wie man ja überhaupt, ganz allgemein, ja wohl sagen muss, das mit zunehmender Entwicklung der Menschheit Konflikte und das Gewaltpotential soweit wir das überschauen könne, ebenso zunahmen - warum sollte dies ganz am Anfang anders gewesen sein...? (Eigentlich sollte uns hierzu auch die sog. Friedensforschung etwas sagen können...!)
Bei den frühen "Jägern und Sammlern" zumindest könnten die Konflikte wohl doch etwas weniger gewesen sein, weil sie vielleicht weniger Überschüsse erzielten - zu Angriffen auf andere Menschengruppen braucht man ja auch Mittel, Kraft und Zeit. Die Zeit wiederum könnte deshalb geringer gewesen sein, weil man ja meist den Herden hinterher ziehen musste. Solange es noch genug Tiere gab und genug noch nicht besetzte Jagdgründe, da dürfte es halbwegs friedlich zugegangen sein, weil man so halt nur weiterwandern musste oder eben andere Gruppen nur verdrängen musste. Als alle dann aber Gebiete besetzt waren und überbesetzt wurden, die Tiere also knapp wurden, da dürfte oder könnte die innerartliche Gewalt dann auch größer geworden sein, da vor allem dürften oder könnten dann kriegerische Morde passiert sein - die sicher nicht der Besitzanhäufung, sondern der Ausschaltung von Konkurrenten dienen sollten. Das gilt dann jeweils auch für den Wechsel in andere, höhere, Kulturen. Klar, wenn welche jagen und sammeln wollen, andere auf einmal sagen, dass dies ihr Land sei, wo sie jetzt Ackerbau und Viehzucht betreiben wollen - dass das ein Konfliktstoff war - und in Teilen Afrikas vereinzelt ja sogar immer noch ist! Die Revolutionen der Neuzeit, waren ja auch immer mit revolutionärer Gewalt verbunden. (Die friedliche Revolution d. DDR, die Wende, war eigentlich ja keine, sondern nur der Anschluss eines Verlierers - die Waffen waren da, wurden aber nicht eingesetzt, da dies zu gefährlich war, der andere wurde deshalb quasi tot- bzw. in den Konkurs gerüstet - der Revolutionär, war hier sozusagen der Westen...).
Die Geschichten der Bibel könnten mit dem Paradies, welches man verlor, die ja wohl auch (noch) älteren Ursprungs sind, könnten(!) hierfür vielleicht auch ein Hinweis sein.(Sicher müssen gerade dies natürlich Experten bewerten).
Auch mir gefällt dieser Zeit-Beitrag außerordentlich.
Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
Berthold Grabe
Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
Berthold Grabe
wenn man herausfinden könnte, ob es noch Verwandte der Familie in der Gegend gibt. So wie bei der Bronzezeit-Gruppe, die in einer Höhle im Harz gefunden worden war. Der Gentest von 300 Leuten aus der Gegend ergab, dass zwei Männer verwandt waren.
Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
Berthold Grabe
Das mag schon so sein bzw. gewesen sein. Ich denke ja auch, sowohl von mir ausgehend, was ja natürlich ein sehr gewichtiger Grund ist, aber auch von der Beobachtung der meisten anderen Menschen, dass man einen anderen Menschen nicht gern tötet. Es heißt ja auch, dass es hier natürliche Hemmungen gibt, die erst, z.B. durch militärischen Drill, überwunden werden müssen. <?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
Neben der Art Notwehr-Tötung (wo diese halt natürlich überwunden werden, die es sicher auch gibt - aber auch hier hat eben der mit den besten Waffen gesiegt) scheint es aber schon auch die Tötung im Sinne von mehr Lebensraum bzw. besseren Lebensmöglichkeiten zu geben und gegeben zu haben, wie man dies ja wohl sehr gut auch an der NS-Zeit sehen konnte - Deutschland hatte hier nicht so eine existentielle Not, das war vor allem ja ein hochaggressiver ein Angriffskrieg! Da wurde und wird eben um die eigene Zukunft gekämpft, um die Zukunft eigener gezeugter oder auch noch zu zeugender Kinder - dem Sieger bzw. den siegenden Männern laufen die Frauen ja eben nach - und nicht den Verlieren...! Gleichwohl denke ich, dass man bei Kämpfen den Gegner, die Konkurrenten sozusagen, eigentlich nicht töten wollte und will, sondern dass man dies in der Regel nur in Kauf nahm und nimmt. Wichtig war, dass die Besiegten dann möglichst lange und sicher in Ruhe gelassen worden sind. Bei einer erfolgreichen Verdrängung in gut bewohnbare leere Gebiete hat das in der Frühzeit also bestimmt funktioniert (wobei es hier halt auch schlechtere neue Lagen gab, in die dann die schwächere Gruppe ziehen musste). Bei einer Separierung der eigenen Bereiche durch Grenzen, die man aber eben ziehen und ggf. auch verteidigen können muss, hatte man in diesen Grenzen dann ja auch seine Ruhe - nur vermehrte man sich dann halt immer stärker, als der Lebensraum mit der jeweiligen Technik hergab, sodass hier ein Übermaß an Menschen resultierte - es war dies der Friede vor dem nächsten Krieg. Man weiß dann, in diesem Stadium, ja aber eben nie, ob andere diese Grenzen akzeptieren, auch gab und gibt es ja keine gegenseitigen Absprachen über die Höhe der Vermehrung. Nur wenn hinter der Grenze keiner mehr ist, weiß man halt ganz genau, dass einem die eigene Grenze keiner mehr streitig machen kann, ja dass man diese dann auch nicht mehr braucht und zu bewachen braucht, dann hat man auch die Gewissheit, dass Konkurrenten aus den eigenen Reihen, wegen der übermäßigen Vermehrung hier ja auch, (sei es also selbst der eigene groß gewordene Nachwuchs), in einen freien Lebensbereich halbwegs friedlich auswandern können - und dass sich diese Menschen dort auch entwickeln können. Auch weiß man ansonsten, heute, ja eben nie, wie weit der andere entwickelt ist, ob er nicht vielleicht die besseren Mittel also Waffen hat - und eben, ob sonst nicht doch der andere einen angreift: Hätte "Stalin", wesentlich stärker geworden, dann etwas später nicht doch die Deutschen angegriffen? (Ggf. täuscht ja auch allein die Propaganda eine Notfallsituation dar (Überfall auf Sender Gleiwitz...). Deshalb kann man den prophylaktischen Angriff bzw. Krieg schon auch als Vorbeugung vor einem evtl. Überfall anderer ansehen - die sind doch in genau der- selben Versuchung und den selben Zwängen unterworfen wie wir auch...? Deshalb hat dies halt seine Reize - die aber eben nur scheinbar sind.
Wenn aber eben alle hinter ihren Grenzen gut verschanzt sind, sei es, mit Keulen bewaffnet, oder, wie heute, mit A-Waffen, weil bzw. und die Welt voller hochzivilisierter Menschen und auch voller Zivilisationsgüter ist, oder wenn man diese Grenzen abbaut, ein jeder letztlich aber doch des Nächsten Feind ist, man immer nur aufpassen muss, dass man vom anderen nicht betrogen wird, dann merkt man, dass es früher, wo man all dies nicht brauchte und hatte, all diese teuflischen Waffen z.B. auch, schöner war, dass man sich damals wohler fühlte. Und es gibt ja die Theorie, dass die Religion, mit dem kollektiven Eingeständnis von existenziellen Ängsten und den diversen Bedrohungen, die wir alle selbst auch erzeugen, denen wir aber auch ausgesetzt sind, der Spiegel dieser Existenz-Situation ist: Man trauert hier auch den längst vergangenen guten Zeiten nach, dem Paradies, wo man noch so sein konnte, wie man eigentlich ist und lebt und eben angelegt ist - wie aber eben nicht mehr sein kann, wo man sich eben nicht existentiell bedrohen musste - sich aber dennoch quasi unbegrenzt (d. h. solange es die umgebende und die eigene Natur erlaubte) vermehren konnte. (Ich komme halt immer wieder in diese Ecke.) Man flüchtet sich dann in quasi virtuelle Räume, wie den Himmel - wo das, zumindest im Geiste, alles wieder so ist. Man müsste mal in Erfahrung bringen, seit wann wir vom verlorenen Paradies und dgl. reden - sicher erst, vielleicht eben schon kurz nachdem wir aus dem Zustand des natürlichen Gleichgewichts getreten sind.
Danke jedenfalls für diese Antwort und Anregungen.
im grunde hat sich im laufe der jahrtausende garnichts geändert:wir streiten uns nun, wem die arktis und der mond gehört ;-).Revierkämpfe gibt und gab es auch in der tierwelt - nur mit diesem unterschied gegenüber unserer speziesman ist nicht so raffgierig - da geht es um das nackte überleben, um urinstinkt und dieser ging der menschheit schon recht früh abhanden.Ich wette, die ersten schädel wurden ab dem zeitpunkt eingeschlagen, als festgelegt werden sollte, wer das feuer haben darf und wer nicht.runafee
ich fürchte es ist sehr schwer solche dinge im nachhinein zu beurteilen. natürlich sind theorien wichtig und das thema sehr sehr spannend, aber davon auszugehen, dass diese menschen eine innerartliche tötungshemmung hatten, nur weil das heutzutage weit verbreitet ist halte ich für unangemessen. wir haben keine vorstellung davon, wie diese leute sozialisiert wurden und bei vielen naturvölkern (amazonasindianer, borneo,...) wurden andere menschengruppen oft nicht eigentlich als menschen betrachtet, was es deutlich leichter machen sollte jemanden zu töten.
etwas anderes:
ich bin schon länger auf der suche nach guter literatur zum thema frühgeschichte des menschen, aber bislang mit wenig erfolg. hauptsächlich findet man wenig wissenschaftliche populärliteratur. wenn mir da jemand weiterhelfen könnte wäre ich sehr dankbar.
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