Menschheitsgeschichte Mord an der UrfamilieSeite 4/4

Wo sind die Teenager? Wie im Krimi sorgt das für Spannung, was fehlt

Doch die Gräber von Eulau sind mehr als ein erstes Puzzlestück. Dazu ist der Mordfall viel zu packend. Wie in einem guten Krimi sorgt gerade das für Spannung, was nicht da ist. Die Toten von Eulau sind kein repräsentativer Schnitt durch die Gesellschaft – es fehlen die Teenager. Wo sind sie? Wurden sie, jung, hübsch und arbeitsstark, von jenen geraubt, die das Dorf überfielen und den Rest massakrierten?

Meller entwirft ein anderes Szenario: »Es blieben die zurück, die nicht so mobil waren, Frauen und Kinder.« Zwei Männer sollten sie wohl beschützen. »Man sieht den Skeletten an, dass die groß und wahnsinnig kräftig waren.« Der Rest zog zu einer Unternehmung aus. Vielleicht wanderten sie zu einem entlegenen Steinbruch, um Steine für ihre Äxte zu holen. Vielleicht überfielen auch sie gerade eine fremde Siedlung. Als sie fort waren, kam es zur Attacke. Die Männer wehrten sich, das zeigen die frischen Parierbrüche an ihren Unterarmen. Die Angreifer aber gaben kein Pardon.

Schließlich sind jene, die unterwegs waren, an den Ort des Schreckens zurückgekehrt. »Die Toten wurden von den eigenen Angehörigen begraben«, sagt Meller. Das zeige die sorgsame Bestattung. »Wir kennen auch Massengräber, in denen die Leichen nach einem Überfall einfach übereinandergeschmissen worden sind.« Die Totengräber von Eulau wussten genau, wer zu wem gehört. »Und ihnen, das ist auch nach 4600 Jahren zu sehen, war diese eine Familie sehr, sehr wichtig.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Hochinteressanter und spannender Artikel, meinen dank an Kai Michel.Eine Kleinigkeit hat mich trotzdem gestört und da wäre eine kleine Verbesserung angebracht beim nächsten Mal.Sie treffen ein paar Aussagen, die ein bestimmtes 'Genesis-Bild' verraten, aber die man nicht so treffen darf ohne unwissenschaftlich zu werden.Sie schrieben:"Die ist nicht untypisch für die Jungsteinzeit, als die Menschen
    sesshaft geworden waren, Besitz anhäuften, Begehrlichkeiten
    entwickelten
    .
    "Besitzanhäufung aufgrund von Sesshaftigkeit ist noch logisch - denn (ganzjährige ?) Sesshaftigkeit  bedeutet auch Nahrungsspreicherung bis zu einem wie auch immer gelagerten Grad.'Begehrlichkeiten entwickelten" impliziert, dass die Menschen vorher keine hatten. Also Nomaden haben keine >begehrlichkeiten - und zwar z. b. gegenüber anderen Nomaden was z. b. beute, Frauen, Werkzeuge oder Jagdgründe anbelangt?^^ Begehrlichkeiten entwickleten sich kaum erst als die Menschen sesshaft wurden --> das ist ziemlich hahnebüchender Unsinn und mag ja einem romantisierten Urmenschenbild - so a lá: "Sie waren quasi besitzlos und haben sich nichts gegenseitig geneidet - und erst als sie seesshaft wurden und Besitz anhäuften, da kam der Neid,  der Missgunst  und der Krieg unter die Menschen etc..." - nette sache, sehr beliebt im 18. & 19. Jh. gewesen - aber weis icht, ob man dem heutzutage wirklich noch fröhnen muss.Das klingt auch schöner, als es ist:"Bei den Menschenaffen etwa verlassen auch die Weibchen die Gruppe, um
    nicht von Vater oder Bruder begattet zu werden, was in einer Population
    zur »Inzestdepression« führen würde
    ."Korrekt ist: bei einem Teil der Menschenaffen verlassen die Weibchen vor der ersten Schwangerschaft die Gruppe (z. B. Bonobos und den echten Schimpansen) - aber nicht bei allen, Gorillas leben z. B. in Haremsgruppen zusammen und alle Jungtiere verlassen die Gruppe idR.Mit Inzestdepression hat aber das Verhalten nicht zwingend etwas zu tun - wenn es auch den Gen-Fluss aufrecht erhält so - und genetischen Schäden so wirklich vorbeugt. Aber die Weibchen verlassen aus diesen Gründen nicht die Gruppe, sondern sie verlassen die gruppe, weil sich genetisch dieses Verhalten durchgesetzt hat  - der unterschied liegt einfach darin, dass im ersten fall eine anthropomorphisierung stattgefunden hat indem man den Affenweibchen ein bestimmtes Verhalten zuschreibt aufgrund einer Willensabsicht, von der wir einfach nichts wissen.

  2. "Sie waren quasi besitzlos und haben sich nichts gegenseitig geneidet - und erst als sie seesshaft wurden und Besitz anhäuften, da kam der Neid,  der Missgunst  und der Krieg unter die Menschen etc..." - nette sache, sehr beliebt im 18. & 19. Jh. gewesen - aber weis icht, ob man dem heutzutage wirklich noch fröhnen muss."
    Ich weiß dies natürlich auch nicht, halte es aber schon für möglich, dass die Konflikte hernach zunahmen, wie man ja überhaupt, ganz allgemein, ja wohl sagen muss, das mit zunehmender Entwicklung der Menschheit Konflikte und das Gewaltpotential soweit wir das überschauen könne, ebenso zunahmen - warum sollte dies ganz am Anfang anders gewesen sein...? (Eigentlich sollte uns hierzu auch die sog. Friedensforschung etwas sagen können...!) 
    Bei den frühen "Jägern und Sammlern" zumindest könnten die Konflikte wohl doch etwas weniger gewesen sein, weil sie vielleicht weniger Überschüsse erzielten - zu Angriffen auf andere Menschengruppen braucht man ja auch Mittel, Kraft und Zeit. Die Zeit wiederum könnte deshalb geringer gewesen sein, weil man ja meist den Herden hinterher ziehen musste. Solange es noch genug Tiere gab und genug noch nicht besetzte Jagdgründe, da dürfte es halbwegs friedlich zugegangen sein, weil man so halt nur weiterwandern musste oder eben andere Gruppen nur verdrängen musste. Als alle dann aber Gebiete besetzt waren und überbesetzt wurden, die Tiere also knapp wurden, da dürfte oder könnte die innerartliche Gewalt dann auch größer geworden sein, da vor allem dürften oder könnten dann kriegerische Morde passiert sein - die sicher nicht der Besitzanhäufung, sondern der Ausschaltung von Konkurrenten dienen sollten. Das gilt dann jeweils auch für den Wechsel in andere, höhere, Kulturen. Klar, wenn welche jagen und sammeln wollen, andere auf einmal sagen, dass dies ihr Land sei, wo sie jetzt Ackerbau und Viehzucht betreiben wollen - dass das ein Konfliktstoff war - und in Teilen Afrikas vereinzelt ja sogar immer noch ist! Die Revolutionen der Neuzeit, waren ja auch immer mit revolutionärer Gewalt verbunden. (Die friedliche Revolution d. DDR, die Wende, war eigentlich ja keine, sondern nur der Anschluss eines Verlierers - die Waffen waren da, wurden aber nicht eingesetzt, da dies zu gefährlich war, der andere wurde deshalb quasi tot- bzw. in den Konkurs gerüstet - der Revolutionär, war hier sozusagen der Westen...). 
    Die Geschichten der Bibel könnten mit dem Paradies, welches man verlor, die ja wohl auch (noch) älteren Ursprungs sind, könnten(!) hierfür vielleicht auch ein Hinweis sein.(Sicher müssen gerade dies natürlich Experten bewerten).      
    Auch mir gefällt dieser Zeit-Beitrag außerordentlich. 

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 21.07.2008 um 13:26 Uhr

    Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
    Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
    Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
    Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
    Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
     
    Berthold Grabe

    • Anonym
    • 21.07.2008 um 13:26 Uhr

    Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
    Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
    Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
    Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
    Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
     
    Berthold Grabe

  3. wenn man herausfinden könnte, ob es noch Verwandte der Familie in der Gegend gibt. So wie bei der Bronzezeit-Gruppe, die in einer Höhle im Harz gefunden worden war. Der Gentest von 300 Leuten aus der Gegend ergab, dass zwei Männer verwandt waren.

    • Anonym
    • 21.07.2008 um 13:26 Uhr

    Vielleicht denken wir einfach hinsichtlich der Gewalt zu kompliziert.
    Logisch finde ich es, dass gewalttätige Übergriffe aus Konkurrenz um Nahrungsreserven entstehen.
    Da Jäger und Sammler eher selten über Vorräte verfügten, die einen Überfall lohnten, ging es bei denen wohl eher um "Revierkämpfe"
    Bei sesshaften Bauern lohnte sich ein direkter Überfall schon eher. Wobei man die Motive noch weniger bei der Gier, als beim schlichten Überleben suchen sollte. Wer weniger tüchtig war, weniger Glück hatte, schlechteren Boden oder Kenntnisse hatte, eine Mißernte einfuhr, der konnte nun im Winter sein Überleben und das seiner Familie sichern, in dem er anderen die Vorräte streitig machte.
    Möglicherweise erklärt das die Häufung von festgestellter angewendeter Gewalt aus den archäologischen Stätten jener Zeit.
     
    Berthold Grabe

  4. Das mag schon so sein bzw. gewesen sein.  Ich denke ja auch, sowohl von mir ausgehend, was ja natürlich ein sehr gewichtiger Grund ist, aber auch von der Beobachtung der meisten anderen Menschen, dass man einen anderen Menschen nicht gern tötet. Es heißt ja auch, dass es hier natürliche Hemmungen gibt, die erst, z.B. durch militärischen Drill, überwunden werden müssen. <?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
    Neben der Art Notwehr-Tötung (wo diese halt natürlich überwunden werden, die es sicher auch gibt - aber  auch hier hat eben der mit den besten Waffen gesiegt) scheint es aber schon auch die Tötung im Sinne von mehr Lebensraum bzw. besseren Lebensmöglichkeiten zu geben und gegeben zu haben, wie man dies ja wohl sehr gut auch an der NS-Zeit sehen konnte - Deutschland hatte hier nicht so eine existentielle Not, das war vor allem ja ein hochaggressiver ein Angriffskrieg! Da wurde und wird eben um die eigene Zukunft gekämpft, um die Zukunft eigener gezeugter oder auch noch zu zeugender Kinder - dem Sieger bzw. den siegenden Männern laufen die Frauen ja eben nach - und nicht den Verlieren...!  Gleichwohl denke ich, dass man bei Kämpfen den Gegner, die Konkurrenten sozusagen, eigentlich nicht töten wollte und will, sondern dass man dies in der Regel nur in Kauf nahm und nimmt.  Wichtig war, dass die Besiegten dann möglichst lange und sicher in Ruhe gelassen worden sind. Bei einer erfolgreichen Verdrängung in gut bewohnbare leere Gebiete hat das in der Frühzeit also bestimmt funktioniert (wobei es hier halt auch schlechtere neue Lagen gab, in die dann die schwächere Gruppe ziehen musste). Bei einer Separierung der eigenen Bereiche durch Grenzen, die man aber eben ziehen und ggf. auch verteidigen können muss, hatte man in diesen Grenzen dann ja auch seine Ruhe - nur vermehrte man sich dann halt immer stärker, als der Lebensraum mit der jeweiligen Technik hergab, sodass hier ein Übermaß an Menschen resultierte - es war dies der Friede vor dem nächsten Krieg. Man weiß dann, in diesem Stadium, ja aber eben nie, ob andere diese Grenzen akzeptieren, auch gab und gibt es ja keine gegenseitigen Absprachen über die Höhe der Vermehrung. Nur wenn hinter der Grenze keiner mehr ist, weiß man halt ganz genau, dass einem die eigene Grenze keiner mehr streitig machen kann, ja dass man diese dann auch nicht mehr braucht und zu bewachen braucht, dann hat man auch die Gewissheit, dass Konkurrenten aus den eigenen Reihen, wegen der übermäßigen Vermehrung hier ja auch, (sei es also selbst der eigene groß gewordene Nachwuchs), in einen freien Lebensbereich halbwegs friedlich auswandern können - und dass sich diese Menschen dort auch entwickeln können. Auch weiß man ansonsten, heute, ja eben nie, wie weit der andere entwickelt ist, ob er nicht vielleicht die besseren Mittel also Waffen hat - und eben, ob sonst nicht doch der andere einen angreift: Hätte "Stalin", wesentlich stärker geworden, dann etwas später nicht doch die Deutschen angegriffen? (Ggf. täuscht ja auch allein die Propaganda eine Notfallsituation dar (Überfall auf Sender Gleiwitz...).  Deshalb kann man den prophylaktischen Angriff bzw. Krieg schon auch als Vorbeugung vor einem evtl. Überfall anderer ansehen - die sind doch in genau der- selben Versuchung und den selben Zwängen unterworfen wie wir auch...? Deshalb hat dies halt seine Reize - die aber eben nur scheinbar sind.
    Wenn aber eben alle hinter ihren Grenzen gut verschanzt sind, sei es, mit Keulen bewaffnet, oder, wie heute, mit A-Waffen, weil bzw. und die Welt voller hochzivilisierter Menschen und auch voller Zivilisationsgüter ist, oder wenn man diese Grenzen abbaut, ein jeder letztlich aber doch des Nächsten Feind ist, man immer nur aufpassen muss, dass man vom anderen nicht betrogen wird, dann merkt man, dass es früher, wo man all dies nicht brauchte und hatte, all diese teuflischen Waffen z.B. auch, schöner war, dass man sich damals wohler fühlte. Und es gibt ja die Theorie, dass die Religion, mit dem kollektiven Eingeständnis von existenziellen Ängsten und den diversen Bedrohungen, die wir alle selbst auch erzeugen, denen wir aber auch ausgesetzt sind, der Spiegel dieser Existenz-Situation ist: Man trauert hier auch den längst vergangenen guten Zeiten nach, dem Paradies, wo man noch so sein konnte, wie man eigentlich ist und lebt und eben angelegt ist - wie aber eben nicht mehr sein kann, wo man sich eben nicht existentiell bedrohen musste - sich aber dennoch quasi unbegrenzt (d. h. solange es die umgebende und die eigene Natur erlaubte)  vermehren konnte. (Ich komme halt immer wieder in diese Ecke.) Man flüchtet sich dann in quasi virtuelle Räume, wie den Himmel - wo das, zumindest im Geiste, alles wieder so ist. Man müsste mal in Erfahrung bringen, seit wann wir vom verlorenen Paradies und dgl. reden - sicher erst, vielleicht eben schon kurz nachdem wir aus dem Zustand des natürlichen Gleichgewichts getreten sind.  
    Danke jedenfalls für diese Antwort und Anregungen.               
     

  5. im grunde hat sich im laufe der jahrtausende garnichts geändert:wir streiten uns nun, wem die arktis und der mond gehört ;-).Revierkämpfe gibt und gab es auch in der tierwelt - nur mit diesem unterschied gegenüber unserer speziesman ist nicht so raffgierig - da geht es um das nackte überleben, um urinstinkt und dieser ging der menschheit schon recht früh abhanden.Ich wette, die ersten schädel wurden ab dem zeitpunkt eingeschlagen, als festgelegt werden sollte, wer das feuer haben darf und wer nicht.runafee

  6. ich fürchte es ist sehr schwer solche dinge im nachhinein zu beurteilen. natürlich sind theorien wichtig und das thema sehr sehr spannend, aber davon auszugehen, dass diese menschen eine innerartliche tötungshemmung hatten, nur weil das heutzutage weit verbreitet ist halte ich für unangemessen. wir haben keine vorstellung davon, wie diese leute sozialisiert wurden und bei vielen naturvölkern (amazonasindianer, borneo,...) wurden andere menschengruppen oft nicht eigentlich als menschen betrachtet, was es deutlich leichter machen sollte jemanden zu töten.
    etwas anderes:
    ich bin schon länger auf der suche nach guter literatur zum thema frühgeschichte des menschen, aber bislang mit wenig erfolg. hauptsächlich findet man wenig wissenschaftliche populärliteratur. wenn mir da jemand weiterhelfen könnte wäre ich sehr dankbar.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service