Gesundheitspolitik Völlig krankVöllig krank
Die Berliner Gesundheitsreform droht im Chaos zu enden. Schon jetzt spaltet sie die Große Koalition.

© Sean Gallup/Getty Images
Protest gegen eine verkorkste Gesundheitsreform
Uwe Seibold würde am liebsten nicht mal telefonieren. Eigentlich gibt er keine Interviews; er schreibt auch keine Presseerklärungen, das würde seine Kundschaft schließlich nur verschrecken. Dabei hätte er Grund, sich zu beschweren. Er führt ein Unternehmen mit 256.000 Kunden, das von 2009 an schuldlos eine seiner Erfolgsgrundlagen verliert.
Seibold ist Vorstandsvorsitzender der Betriebskrankenkasse von Audi, die bisher mit einem Beitragssatz von 13,1 Prozent ausgesprochen günstig ist. Sie bietet Wellnesswochen für ihre Mitglieder an, rühmt sich ihrer ausführlichen Vorsorge-und Beratungsangebote. Ihre Chefs fühlen sich für den niedrigen Krankenstand bei Audi mitverantwortlich. Aber Anfang kommenden Jahres müssen Seibolds Versicherte im bayerischen Ingolstadt und Neckarsulm wohl auf einen Schlag bis zu 350 Euro mehr im Jahr zahlen – »ohne dass der Versicherte vor Ort irgendeinen Nutzen davon erkennt«, sagt der Vorstandsvorsitzende.
Wegen Angela Merkels Gesundheitsreform soll dann für alle 71 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ein einheitlicher Beitragssatz gelten, der Anfang Oktober endgültig festgelegt wird, aber deutlich über 15 Prozent liegen dürfte. Das nützt den teuren und schadet den preiswerten Versicherungen. Uwe Seibolds bitteres Fazit lautet: »Unsere Kunden zahlen eine Menge Geld für eine Reform, die außer ein paar Politikern in Berlin niemand will.«
In München protestierten fast 20.000 Ärzte und Pflegekräfte
Fast hätte man sie schon vergessen: Die umstrittenste Reform der Großen Koalition tritt demnächst in Kraft – und droht für das Land und die Große Koalition zum Desaster zu werden. Von Anfang 2009 an werden 151 Milliarden Euro nach neuen Regeln verteilt (siehe Kasten links). Es ist eine der weitreichendsten Sozialreformen der Nachkriegszeit, die weit mehr Menschen betrifft als die Einführung von Mindestlöhnen oder die geplante Rentenerhöhung. Und es ist fast zu spät, sie noch zu stoppen: Der neue Gesundheitsfonds, die zentrale Geldsammelstelle für sämtliche Kassenbeiträge, hat in Berlin bereits mit 95 Mitarbeitern seine Arbeit aufgenommen. Seine Chefin Doris Pfeiffer ist seit Anfang Juli im Amt und gibt nun ihre ersten Interviews.
Doch offenbar scheint erst jetzt, in letzter Minute, vielen Politikern klar zu werden, was ihnen droht – zumal die Beschäftigten im Gesundheitswesen sie lautstark daran erinnern. Fast 20.000 Ärzte und Pflegekräfte versammelten sich Anfang Juni im Münchner Olympiastadion. Die Beschäftigten im bayerischen Gesundheitssystem gehören zu denen, die wegen der Reform weniger Geld bekommen. Der Chef des Hausärzteverbandes rief in seinen Veranstaltungen sogar dazu auf, bei der Landtagswahl Ende September nicht die CSU zu wählen.
Das gab es in Bayern noch nie. Folglich strich die CSU-Führung den Start der Gesundheitsreform kürzlich aus einer gemeinsamen Erklärung mit der CDU. Auch auf dem Parteitag am Wochenende will die Partei die Gesundheitsreform nicht debattieren. »Wenn man im Bierzelt zwanzig Minuten über Gesundheitspolitik redet, wird es plötzlich mucksmäuschenstill im Saal«, berichtet Peter Ramsauer, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Gefährlich still.
Einige Politiker wollen noch umsteuern: Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens etwa hat »klare Sympathien« für Vorschläge der Krankenkassen, mit dem neuen Einheitsbeitrag zu warten. Und Ramsauer denkt laut darüber nach, wie sich die Reform noch herauszögern ließe: Im September muss der Bundestag noch über ein letztes Detail entscheiden, den Insolvenzschutz für die Krankenkassen nämlich. »Das ist unser Faustpfand«, sagt Ramsauer. Bei diesen Verhandlungen könne das Parlament das Projekt noch aufhalten.
»Hartz V« wurde die Gesundheitsreform schon vor zwei Jahren genannt – in Anlehnung an die wahlpolitisch fatalen Arbeitsmarktreformen der Regierung Gerhard Schröders. Damals wurde der neue Gesundheitsfonds erfunden. Die SPD wollte ihn einrichten, um die privaten Krankenversicherungen zu Überweisungen an ärmere Kassen zu verpflichten. Die Union wollte mit dem Fonds Prämien einführen – zusätzliche Versicherungsbeiträge, die nicht vom Einkommen der Versicherten abhängen und auch nicht vom Arbeitgeber mitfinanziert werden.
Es kam anders, weil keine der Volksparteien der anderen einen Durchbruch gönnte. Die Union verhinderte die Solidarabgabe der Privaten. Die SPD sorgte dafür, dass die gesetzlichen Kassen vermutlich nur Miniprämien von etwa acht Euro erheben können. Übrig blieben nur ein großes Durcheinander, steigende Gesundheitskosten und ein Fonds, für den sich heute niemand mehr begeistern kann.
Außerdem blieb der Wunsch vieler Politiker, zu verdrängen und zu vergessen. Ziemlich still war es seitdem in der Gesundheitspolitik. Doch das Wegducken funktioniert nicht mehr. Dafür sorgen schon die Betroffenen. Die Kassen. Die Ärzte und Pflegekräfte. Die Wähler, die spätestens im Herbst viele Schlagzeilen über steigende Sozialbeiträge lesen werden – und noch mehr über das große Chaos bei ihren Kassen.
Die Regierung scheint das große Reformwerk nämlich nicht einmal organisatorisch im Griff zu haben. »Von den Hartz-Gesetzen waren ungefähr vier Millionen Menschen betroffen, beim Gesundheitsfonds sind es 71 Millionen«, rechnet der FDP-Bundestagsabgeordnete und Sozialexperte Daniel Bahr vor. Er schließt momentan viele Wetten darauf ab, dass die Regierung den Start des Fonds in letzter Minute doch noch wird verschieben müssen. »Was die Regierung plant, ist hasardös«, sagt Norbert Klusen, Chef der Techniker Krankenkasse. Einen »haushalterischen Blindflug« nennt Rolf Steinbronn, AOK-Chef in Sachsen und Thüringen, die geplante Reform. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Rolf Koschorrek klagt: »Kein seriöser Wissenschaftler kann momentan sagen, ob das alles funktioniert.«
Genau genommen sollen Anfang des Jahres 2009 nämlich gleich mehrere Großreformen in Kraft treten. Die Ärztehonorare werden dann nach anderen Regeln als bisher berechnet und verteilt. Eine neue elektronische Gesundheitskarte soll Abrechnungen erleichtern. Und das Geld innerhalb des Versicherungssystems wird nach anderen Kriterien vergeben als bisher.
Diese Regeln allerdings werden vom Bundesversicherungsamt bis Mitte August erst noch endgültig definiert. Wer in der Branche von Anfang des Jahres an mehr Geld haben wird und wer weniger, ist momentan nicht einmal den Fachleuten klar.
Schon jetzt ist aber deutlich, dass das Einziehen der Versicherungsbeiträge künftig ganz anders organisiert werden muss und die Kassen logistische Wunder vollbringen müssen. Bisher ziehen die Arbeitgeber die Beiträge ein und leiten sie an die Kassen weiter. Weil die Kassen künftig Zusatzprämien erheben können – und bisher kann keine Kasse garantieren, dass sie ohne solche Einnahmequellen auskommt –, müssen sie deren Einzug vorbereiten und Millionen von Einzelkonten für die Versicherten einrichten. Das klingt banal und ist doch ein Kraftakt, der möglichst auch noch ohne viel Aufhebens vollzogen werden soll. »Wir dürfen nicht darüber reden, um unsere Mitglieder nicht zu verschrecken«, verrät ein Kassenmanager. »Aber natürlich müssen wir trotzdem alle Vorkehrungen dafür treffen, weil niemand die finanzielle Lage im Jahr 2009 kennt.«
Vierzig Millionen Euro gibt allein die Techniker Krankenkasse (TKK) für die Einrichtung neuer Konten aus. Besonders schwierig ist die Frage, wann die Kassen Inkassounternehmen auf säumige Schuldner ansetzen sollen. Schließlich wird solcher Aufwand meist höher als die ausstehenden Prämien sein. TKK-Chef Norbert Klusen klagt: »Das alles tut besonders weh, weil es einer Reform dient, die keines der wirklichen Probleme im Gesundheitswesen löst.« Hinzu kommt der Beratungsaufwand. Schon bisher gehen bei der TKK jährlich 180 Millionen Kundenanfragen ein. In der Hamburger TKK-Zentrale zeigen Großmonitore an, wie ausgelastet die Telefonberatung gerade ist, notfalls werden Anfragen auf Sachbearbeiter anderer Abteilungen umgeleitet, damit niemand lange warten muss. Für Ende 2008 rechnet die TKK zeitweise mit einer Verdoppelung der Anrufe – und plant schon jetzt das Personal dafür ein.
Im Wahljahr 2009 werden viele Versicherte ärgerliche Dinge erleben
Selbst wenn das Organisatorische am Ende glattläuft: Ausgerechnet im Wahljahr 2009 werden Millionen von Krankenversicherten ärgerliche Neuheiten erleben.
Die Logik der Verteilung zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungen wird sich nämlich grundlegend ändern. Umverteilt haben die Kassen schon immer: zwischen Gesunden und Kranken, Armen und Reichen, Männern und Frauen, Beschäftigten und Arbeitslosen, Singles und Familien. Nach diesen Kriterien wurden bisher zwischen den Kassen ungefähr 15 Milliarden Euro pro Jahr im sogenannten Risikostrukturausgleich hin und her geschoben. Künftig sind die Krankheiten der Versicherten wichtiger. All das interessiert bisher nur die Kassen untereinander. Ihre Mitglieder werden vor allem dann einen großen Unterschied bemerken, wenn sie in einer Krankenkasse mit bisher sehr günstigen Kostenstrukturen sind: In Sachsen und Thüringen etwa werden 2,8 Millionen AOK-Versicherte mehr zahlen müssen. Bisher liegt ihr Beitragssatz bei 12,9 Prozent. Sie waren die großen Profiteure des alten Systems. Wer allerdings bei einer teuren Kasse war, zahlt weniger. Aber auch das gilt nur für die ersten Wochen nach dem Start der Reform. Für die Zeit danach ist wiederum alles unklar. Dann werden die Verlierer der Reform möglicherweise von Sonderprämien profitieren, die Kassen freiwillig zahlen dürfen, um ihre Mitglieder zu halten. Und die Gewinner aus ehemals teuren, also schwachen Kassen müssen mit neuen Zusatzbeiträgen rechnen. Eine Prognose über das Ergebnis traut sich momentan kein Experte zu.
Außerdem trifft die Neuordnung viele Arbeitgeber. Solche wie Audi zum Beispiel, die eigene Betriebskrankenkassen mit niedrigen Beitragssätzen haben. »Der Region Ingolstadt werden allein durch die Einführung des Fonds drei Millionen Euro Kaufkraft entzogen«, rechnet Kassenchef Seibold vor. Audi beschäftigt in Ingolstadt 30.000 Mitarbeiter – auf jeden kommen also im Schnitt 100 Euro mehr pro Jahr.
Die Unternehmen in Sachsen und Thüringen würden wegen der Gesundheitsreform auf einen Schlag sogar 300 Millionen Euro mehr zahlen, wenn der neue Einheitsbeitrag bei 15,2 Prozent liegen sollte. So rechnet es die AOK der beiden Länder vor. Vermutlich ist das noch zu konservativ geschätzt: Thomas Ballast, Chef der Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, erwartet einen künftigen Einheitssatz von 15,8 Prozent.
Ein Kostenschock. Beim Start der Großen Koalition lag der durchschnittliche Kassenbeitrag noch bei 14,2 Prozent. »Das ist die erste Gesundheitsreform, mit der die Kosten nicht sinken, sondern steigen«, sagt der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach.
Die zweite Überraschung werde im Lauf des Jahres folgen, glaubt der CDU-Abgeordnete Koschorrek. »Im ersten Vierteljahr wird es ruhig bleiben«, sagt er voraus, aber dann »wird irgendwo Geld fehlen, wo es nötig ist – bei den niedergelassenen Ärzten, in den Krankenhäusern. Und dann haben die Kassen kein Instrument, mit dem sie sich schnell Geld verschaffen können. Sie dürfen ihren Beitrag ja nicht mehr bestimmen.«
Doch da ist ja noch der zweite Bestandteil der Reform, die Möglichkeit, Zusatzbeiträge einzufordern. Dafür müssen die Kassen ihre Versicherten anschreiben und ihnen mitteilen, dass sie einen Extra-Obolus entrichten sollen. Vermutlich wird er in den meisten Fällen acht Euro betragen. Viel weniger lohnt sich nicht – den Verwaltungsaufwand schätzen Experten auf 1,50 bis zwei Euro. Mit solchen Nachrichten würden die Kassen ihre Mitglieder unmittelbar vor der Bundestagswahl erfreuen.
»Wollen wir uns das alles wirklich zumuten?«, fragt der CDU-Abgeordnete Koschorrek. Er ist im Hauptberuf Zahnarzt. Seine Praxis liegt im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt. Seit er sie 1971 eröffnete, hat er eine ganze Serie von Gesundheitsreformen miterlebt, allerdings noch nie eine, deren Wirkungen ihm so schwer kalkulierbar schienen. »Warum testen wir das neue System nicht erst mal für ein Jahr?«.
Weil es dann kein Halten gäbe und die Reform immer weiter verändert würde, warnt Horst Seehofer, der heutige Landwirtschafts- und ehemalige Gesundheitsminister, der maßgeblich an allem mitgewirkt hat. Ihn schreckt der bevorstehende Ärger nicht – obwohl ihm selber viel Ärger bei den bevorstehenden Wahlen droht, denn Audi mit seinen Tausenden BKK-Versicherten liegt ausgerechnet in Seehofers Wahlkreis in Ingolstadt. »Es gibt zwei Sorten von Sozialreformen«, sagt Minister Seehofer. »Die eine Sorte wird gelobt, bleibt aber letztlich wirkungslos. Die andere Sorte sorgt kurzfristig für großen Ärger, hat aber im Kern auch nach einem Regierungswechsel Bestand, weil gegen Widerstände Richtiges erreicht wird.«
Auch die Kanzlerin Angela Merkel hält offiziell am Zeitplan fest – obwohl sie offensichtlich begriffen hat, wie bedrohlich die Lage ist. Gemeinsam mit der SPD hat sie hohe zusätzliche Ausgaben für Ärzte und Krankenhäuser beschlossen. 2,5 Milliarden Euro sollen allein die Ärzte bekommen. Das entspricht etwa einem Viertel des Etats für Bildung und Forschung. Es ist ungefähr so viel, wie die Regierung 2009 für die Erhöhung des Kindergeldes ausgeben will. Ein hoher Preis für den Start einer so umstrittenen Reform.
So werden einige der härtesten Fonds-Kritiker zufriedengestellt – auch wenn dadurch die Kosten und damit die Beiträge steigen. Im Oktober 2009, unmittelbar nach der Bundestagswahl, wird die Regierung Merkel dann erneut einen einheitlichen Kassenbeitrag festsetzen müssen. Falls es ganz schlecht läuft mit dem neuen Gesundheitssystem, lästert ein Kassenmanager, dann könne das die letzte Amtshandlung des vielleicht abgewählten, aber dann noch amtierenden Kabinetts der Großen Koalition sein. »Dann verabschiedet sich die Kanzlerin Merkel so, wie sie begonnen hat – mit einer verkorksten Gesundheitsreform«, sagt er.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 21.07.2008 - 17:10 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 17.07.2008 Nr. 30
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Weshalb redet hier die ZEIT eine Reform schlecht, eine Zeitung, die sonst in schöner Regelmäßigkeit alles, was das Etikett „Reform“ trägt für gut hält? Früher wie heute!Auch bei der Gesundheitsreform geht es doch um eine „Reform“. Und als solche ist sie per se gut.Optimismus ist daher auch im Hinblick auf diese Reform angesagt!Ihr Leute von heute habt eines offenbar noch nicht begriffen, was wir alten Römer längst wußten: Demokratie ist dann nicht gut, wenn die Repräsentanten ihre privaten Lobbyinteressen höher bewerten als die Interessen des Volkes (deswegen ist „Populist“ ja heute auch ein Schimpfwort!).Aber trotzdem keine Angst! Lemuren werden sich nicht wehren! Diese Gesundheitsreform wird keine Auswirkungen auf die Wahlergebnisse haben. Journalisten der Leitmedien werden sie in der Mehrheit für gut halten. Meinungsforscher werden herausfinden, daß auch die Mehrheit der Bevölkerung diese Reform will. Angela Merkel wird nach wie vor die bei weitem beliebteste Politikerin diese Landes sein. Auch wenn sie hinter dieser Reform steht. Ihre Partei wird bei der nächsten Bundestagswahl eine ungefährdete Mehrheit einfahren. Da mögen jetzt ein paar Politiker, die der Reform zugestimmt haben, heute noch so laut schreien. (Haben die vor lauter Gier nach den Lobbyistenhonoraren vielleicht jene Texte gar nicht gelesen, denen sie zugestimmt haben?) Die paar tausend Leute, die den Artikel von Frau Niejahr lesen, werden an alledem nichts ändern. (Zumal die ZEIT sicher bald einen Gegenartikel veröffentlichen wird, bei dem Reformeifer, der ihr eigen ist.)Wer kümmert sich schon um das, was der Schriftsteller Gerd Berghofer jüngst in einer Buchbesprechung zum Thema Gesundheitsreform schrieb: „Wir sind nicht eine Spezies, denen man Ringe durch die Nasen zieht um sie nach Wunsch mal dahin mal dorthin zu treiben. Wir sind das Volk!“Sind wir das wirklich? Ich glaube, wir sind Lemuren. Daher ist hinsichtlich auch dieser Reform nicht Kritik, sondern Optimismus angesagt. Die Reform wird kommen! Sie wird keine Auswirkung auf das Wahlergebnis haben. Die Lemuren lassen sich doch ihren Spaß nicht verderben!
Schweizer Studie:
Schweizerin kostet 3700 Franken/a
Schweizer kostet 900 Franken/a
In D natürlich nicht anders.
Je länger man wartet, desto härter wird der Aufprall inbes. für die Frauen.
Da wird es eine neue Großbehörde geben. Die wird kosten. Und die Krankenkassen werden Unmengen Arbeitskraft für zusätzliche Verwaltung abstellen müssen. Das wird auch kosten. Und die Arbeitgeber und Steuerberater werden mehr rechnen müssen. Das wird auch kosten.
Ich glaube nicht, dass diese reform gut ist. Sie ist allenfalls der Ausgangpunkt für weitere Reformen, je nach Wahlausgang: Kopfprämie oder Bürgerversicherung können auf diesem Konstrukt fußen. Da kann dann jeder wieder nach seinem politischen Geschmack wählen.
Hoffen wird, dass nicht alles Geld im Apparat versickert, sondern dass viel davon bei den Kranken ankommt. Da wird es wirklich gebraucht, vor allem für mehr Pflege und Zuwendung.
Die Erfahrung zeigt, wo sich soviel Widerstand formiert, droht Wettbewerb. Nicht umsonst heißt das Gesetz auch „Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung" (kurz: KV-Wettbewerbsstärkungsgesetz oder GKV-WSG).Die Autorin lässt leider nur die vermeintlichen Verlierer der Reform zu Wort kommen ohne die Grundprinzipien der Reform zu erläutern. Für DIE ZEIT ein wenig zu populistisch.Die Audi-Betriebskrankenkasse kann selbstverständlich auch nach der Reform seinen Mitgliedern Beiträge zurückerstatten, so dass unterm Strich wieder 13,6 % Beitragssatz herauskommen. Das größere Problem scheint mir der langsam aufziehende Wettbewerb in einem ehemals festgefahrenen und maroden System. Die Gewinner der Reform sind eindeutig die Politiker. Sie bekommen wieder die Stellschrauben des Systems in die Hand, über die sich ohne großes Geschrei Wettbewerb und Gesamtausgaben regeln lassen. Sie können selbst ohne großes Aufheben zwischen Kopfpauschale und Bügerversicherung hin- und herschalten. Eine wirklich große Reform und ein notwendiger Schritt für weitere Reformen.
Das ist die indirekte Aufforderung, im Wahlkampf - der ja mittlerweile locker 2 Jahre läuft , erst dümpelhaft, dann intensiv - praktisch die Arbeit zu verweigern, weil ja die Wahl beeinflusst werden könnte. Die Medien sollten aber fordern, das unabhängig von der nächsten Wahl dieser teure Apparat seine Arbeit zum Wohle seiner Arbeitgeber (Wir) zu tun hat und eben nicht aus taktischen Gründen die Arbeit für Jahre einstellen darf. Die Reform bringt mehr als sie schadet? Dann her damit und möglichst schnell. Sie ist im Kern kontraproduktiv? Dann weg damit. Die nächste Wahl hat hier keine Rolle zu spielen. Deshalb haben wir ja diesen Reformbedarf. Weil immer Wahl war und ist und sein wird...
15 % von meinem Brutto entsprechen ca. 28% meines Nettogehaltes - und trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Wenn ich über ein Viertel meines Gehaltes ausschließlich für meine Gesundheit opfere sollte das nicht der Fall sein. das problem liegt nicht bei der Geldeinname sonder bei der Ausgabe. Und hier waschen sich zuviele die Hände, bevor das Geld beim Arzt ankommt. Auch daß der Patient einer gesetzlichen Krankenkasse keine Rechnungskopie erhält, die Krankenkasse gar nicht weiß, daß er beim Arzt war, da diese eine pauschale Kopfgebühr für jedes Mitglied monatlich an die Kassenärztliche Vereinigung überweist läßt kein Kostenbewußtsein wie bei einem Privatpatienten entstehen. Und ohne Kostenbewußtsein kein konkrete Verantwortung und schon gar nicht ein Sparwille.Kein Politiker traut sich an dieses heiße Eisen ran, da er bei der Zerschlagung dieses Systems zuvielen Lobbyisten auf die Zehen steigen muß. Daher kann unsere Ulla machen was sie will, solange Sie nur weiterhin das Amt besetzt und lediglich den Betroffenenen auf die Füße trampelt und nicht den Lobbyisten, was der Fall wäre wenn das Kassensystem von Grundauf überholt würde.Oder sie ist wirklich raffiniert und fährt das marode Gesundheitsystem komplett gegen die Wand, da sie hier die einzige Möglichkeit für einen Neuanfang sieht. Und DER wäre nötig.Zetti
Das würde voraussetzen, dass die Ärzte nicht mehr in Punkten honoriert werden, die erst nach 6 Monaten entsprechend ihrem Anteil am Gesamtpunktvolumen multipliziert mit dem Budget (vereinfacht) bezahlt werden. Im konkreten Fall heißt das, dass jetzt ungefähr deutlich wird, was ein Patient am 1.1.08 dem Arzt gebracht hat. Für Nervenärzte in NRW ungefähr 28% nicht bezahlte Leistungen, d. h. aber auch, hätte man Rechnungen ausgestellt, müsste man diese nun um 28% nach unten korrigieren. Was für ein Aufwand und welch Augenwischerei.
Die Umstellung der Bezahlung von Ärzten auf Euros wird natürlich die sofortige Rechnungsstellung ermöglichen, noch während der Patient in der Praxis ist. Nachteil: Dieses System wäre nicht budgettierbar, die Rechnungsgesamtsumme würde rasch davongaloppieren und die gesetzlichen Krankenkassen würden marodiert. Deswegen scheuen Krankenkassen und Politiker diese Umstellung wie der Teufel das Weihwasser.
Trotzdem soll die Umstellung zum 1.1.2009 kommen, allerdings mit Fallpauschalen, vergleichbar den DRGs im Krankenhaus. Das macht die Rechnungsstellung dann sehr einfach: Migräne 32.- Euro, Parkinson 78.- Euro oder irgendwie so...Einzelleistungen würden dann nicht aufgeführt. Nachteil: Gesunde Chroniker würden massiv bevorzugt, wirklich kranke Patienten benachteiligt. Und wie rechnet man den aufwändigen Psychosomatiker ab, der aufgurnd seiner vielgestaltigen Symptome ständig neue Untersuchungen einverlangt, aber pottengesund ist?
Ich weiß da keine Lösung; es kann so aber auch nicht weiter gehen. Sonst rennen hier bald die Ärzte in Scharen weg. Als Beispiel der Kreis Kleve: Man munkelt, dass dort 35 Allgemeinarztsitze nicht besetzt sein, also auch tief im Westen und nicht nur im Osten der Republik bröselt es.
Das würde voraussetzen, dass die Ärzte nicht mehr in Punkten honoriert werden, die erst nach 6 Monaten entsprechend ihrem Anteil am Gesamtpunktvolumen multipliziert mit dem Budget (vereinfacht) bezahlt werden. Im konkreten Fall heißt das, dass jetzt ungefähr deutlich wird, was ein Patient am 1.1.08 dem Arzt gebracht hat. Für Nervenärzte in NRW ungefähr 28% nicht bezahlte Leistungen, d. h. aber auch, hätte man Rechnungen ausgestellt, müsste man diese nun um 28% nach unten korrigieren. Was für ein Aufwand und welch Augenwischerei.
Die Umstellung der Bezahlung von Ärzten auf Euros wird natürlich die sofortige Rechnungsstellung ermöglichen, noch während der Patient in der Praxis ist. Nachteil: Dieses System wäre nicht budgettierbar, die Rechnungsgesamtsumme würde rasch davongaloppieren und die gesetzlichen Krankenkassen würden marodiert. Deswegen scheuen Krankenkassen und Politiker diese Umstellung wie der Teufel das Weihwasser.
Trotzdem soll die Umstellung zum 1.1.2009 kommen, allerdings mit Fallpauschalen, vergleichbar den DRGs im Krankenhaus. Das macht die Rechnungsstellung dann sehr einfach: Migräne 32.- Euro, Parkinson 78.- Euro oder irgendwie so...Einzelleistungen würden dann nicht aufgeführt. Nachteil: Gesunde Chroniker würden massiv bevorzugt, wirklich kranke Patienten benachteiligt. Und wie rechnet man den aufwändigen Psychosomatiker ab, der aufgurnd seiner vielgestaltigen Symptome ständig neue Untersuchungen einverlangt, aber pottengesund ist?
Ich weiß da keine Lösung; es kann so aber auch nicht weiter gehen. Sonst rennen hier bald die Ärzte in Scharen weg. Als Beispiel der Kreis Kleve: Man munkelt, dass dort 35 Allgemeinarztsitze nicht besetzt sein, also auch tief im Westen und nicht nur im Osten der Republik bröselt es.
Das würde voraussetzen, dass die Ärzte nicht mehr in Punkten honoriert werden, die erst nach 6 Monaten entsprechend ihrem Anteil am Gesamtpunktvolumen multipliziert mit dem Budget (vereinfacht) bezahlt werden. Im konkreten Fall heißt das, dass jetzt ungefähr deutlich wird, was ein Patient am 1.1.08 dem Arzt gebracht hat. Für Nervenärzte in NRW ungefähr 28% nicht bezahlte Leistungen, d. h. aber auch, hätte man Rechnungen ausgestellt, müsste man diese nun um 28% nach unten korrigieren. Was für ein Aufwand und welch Augenwischerei.
Die Umstellung der Bezahlung von Ärzten auf Euros wird natürlich die sofortige Rechnungsstellung ermöglichen, noch während der Patient in der Praxis ist. Nachteil: Dieses System wäre nicht budgettierbar, die Rechnungsgesamtsumme würde rasch davongaloppieren und die gesetzlichen Krankenkassen würden marodiert. Deswegen scheuen Krankenkassen und Politiker diese Umstellung wie der Teufel das Weihwasser.
Trotzdem soll die Umstellung zum 1.1.2009 kommen, allerdings mit Fallpauschalen, vergleichbar den DRGs im Krankenhaus. Das macht die Rechnungsstellung dann sehr einfach: Migräne 32.- Euro, Parkinson 78.- Euro oder irgendwie so...Einzelleistungen würden dann nicht aufgeführt. Nachteil: Gesunde Chroniker würden massiv bevorzugt, wirklich kranke Patienten benachteiligt. Und wie rechnet man den aufwändigen Psychosomatiker ab, der aufgurnd seiner vielgestaltigen Symptome ständig neue Untersuchungen einverlangt, aber pottengesund ist?
Ich weiß da keine Lösung; es kann so aber auch nicht weiter gehen. Sonst rennen hier bald die Ärzte in Scharen weg. Als Beispiel der Kreis Kleve: Man munkelt, dass dort 35 Allgemeinarztsitze nicht besetzt sein, also auch tief im Westen und nicht nur im Osten der Republik bröselt es.
Die Bezahlung der Ärzte erfolgt schon heute in Euros, nur auf der Grundlage von Punkten und dazu noch zeitversetzt. Kein Bürger, Patient oder Fachmann kann beurteilen, ob die Punktebewertungen verhältnismäßig oder sinnvoll sind. Das Punktsystem schafft die erforderliche Intransparenz, um sich in guten Zeiten ungehemmt zu bedienen, mit dem Nachteil, dass es in schlechten Zeiten gedeckelt werden muss. Der Patient verliert das Vertrauen in den Arzt, wenn er das Gefühl hat, dass eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme nur gemacht wird, um das Konto des Arztes mit Punkten zu füllen. Wer hat nicht schon dieses Gefühl gehabt. Dass der Arzt vielleicht sogar die falsche Maßnahme abrechnet, bekommt er gar nicht erst zusehen, da er keinen Einblick in die Abrechnung erhält.Die Lösung ist relativ einfach und in allen anderen Dienstleistungsbranchen längst etabliert. Der Arzt rechnet seine Leistungen mit einem festgelegten Stundensatz ab. Der Stundensatz beinhaltet Deckungsbeiträge für das Praxismanagement, den Maschineneinsatz (z.B. Ultraschallgerät), Roh-, Hilfs- und Betriebsstofe (Stetoskop, Spritzen, etc.), die Arzthelferinnen und fehlende Auslastung. Dann kann er maximal so viele Stunden abrechnen, wie der Tag Stunden hat. Erhält der Patient noch eine Rechnung, kann er auch kontrollieren, ob ihm das wertvollste, was der Arzt ihm zu bieten hat, seine abgerechnete Zeit, auch wirklich zugute gekommen ist.Nimmt man z.B. den durchschnittlichen Jahresumsatz einer Zahnarztpraxis in Höhe von 350.000 Euro, teilt ihn durch 1.610 Stunden verrechenbare Leistung (35 Stunden pro Woche, 6 Wochen Urlaub), so kommt man auf einen Stundensatz von ca. Euro 218 für einen Zahnarzt. Der Stundensatz für einen guten Anwalt, Architekten oder SAP-Consultant beträgt heute ca. 180 Euro. Die Stars in der Branche nehmen gern auch mal einen Stundensatz von 500 Euro, nur müssen sie diese Kunden auch „privat“ akquirieren.
Die Bezahlung der Ärzte erfolgt schon heute in Euros, nur auf der Grundlage von Punkten und dazu noch zeitversetzt. Kein Bürger, Patient oder Fachmann kann beurteilen, ob die Punktebewertungen verhältnismäßig oder sinnvoll sind. Das Punktsystem schafft die erforderliche Intransparenz, um sich in guten Zeiten ungehemmt zu bedienen, mit dem Nachteil, dass es in schlechten Zeiten gedeckelt werden muss. Der Patient verliert das Vertrauen in den Arzt, wenn er das Gefühl hat, dass eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme nur gemacht wird, um das Konto des Arztes mit Punkten zu füllen. Wer hat nicht schon dieses Gefühl gehabt. Dass der Arzt vielleicht sogar die falsche Maßnahme abrechnet, bekommt er gar nicht erst zusehen, da er keinen Einblick in die Abrechnung erhält.Die Lösung ist relativ einfach und in allen anderen Dienstleistungsbranchen längst etabliert. Der Arzt rechnet seine Leistungen mit einem festgelegten Stundensatz ab. Der Stundensatz beinhaltet Deckungsbeiträge für das Praxismanagement, den Maschineneinsatz (z.B. Ultraschallgerät), Roh-, Hilfs- und Betriebsstofe (Stetoskop, Spritzen, etc.), die Arzthelferinnen und fehlende Auslastung. Dann kann er maximal so viele Stunden abrechnen, wie der Tag Stunden hat. Erhält der Patient noch eine Rechnung, kann er auch kontrollieren, ob ihm das wertvollste, was der Arzt ihm zu bieten hat, seine abgerechnete Zeit, auch wirklich zugute gekommen ist.Nimmt man z.B. den durchschnittlichen Jahresumsatz einer Zahnarztpraxis in Höhe von 350.000 Euro, teilt ihn durch 1.610 Stunden verrechenbare Leistung (35 Stunden pro Woche, 6 Wochen Urlaub), so kommt man auf einen Stundensatz von ca. Euro 218 für einen Zahnarzt. Der Stundensatz für einen guten Anwalt, Architekten oder SAP-Consultant beträgt heute ca. 180 Euro. Die Stars in der Branche nehmen gern auch mal einen Stundensatz von 500 Euro, nur müssen sie diese Kunden auch „privat“ akquirieren.
Die Bezahlung der Ärzte erfolgt schon heute in Euros, nur auf der Grundlage von Punkten und dazu noch zeitversetzt. Kein Bürger, Patient oder Fachmann kann beurteilen, ob die Punktebewertungen verhältnismäßig oder sinnvoll sind. Das Punktsystem schafft die erforderliche Intransparenz, um sich in guten Zeiten ungehemmt zu bedienen, mit dem Nachteil, dass es in schlechten Zeiten gedeckelt werden muss. Der Patient verliert das Vertrauen in den Arzt, wenn er das Gefühl hat, dass eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme nur gemacht wird, um das Konto des Arztes mit Punkten zu füllen. Wer hat nicht schon dieses Gefühl gehabt. Dass der Arzt vielleicht sogar die falsche Maßnahme abrechnet, bekommt er gar nicht erst zusehen, da er keinen Einblick in die Abrechnung erhält.Die Lösung ist relativ einfach und in allen anderen Dienstleistungsbranchen längst etabliert. Der Arzt rechnet seine Leistungen mit einem festgelegten Stundensatz ab. Der Stundensatz beinhaltet Deckungsbeiträge für das Praxismanagement, den Maschineneinsatz (z.B. Ultraschallgerät), Roh-, Hilfs- und Betriebsstofe (Stetoskop, Spritzen, etc.), die Arzthelferinnen und fehlende Auslastung. Dann kann er maximal so viele Stunden abrechnen, wie der Tag Stunden hat. Erhält der Patient noch eine Rechnung, kann er auch kontrollieren, ob ihm das wertvollste, was der Arzt ihm zu bieten hat, seine abgerechnete Zeit, auch wirklich zugute gekommen ist.Nimmt man z.B. den durchschnittlichen Jahresumsatz einer Zahnarztpraxis in Höhe von 350.000 Euro, teilt ihn durch 1.610 Stunden verrechenbare Leistung (35 Stunden pro Woche, 6 Wochen Urlaub), so kommt man auf einen Stundensatz von ca. Euro 218 für einen Zahnarzt. Der Stundensatz für einen guten Anwalt, Architekten oder SAP-Consultant beträgt heute ca. 180 Euro. Die Stars in der Branche nehmen gern auch mal einen Stundensatz von 500 Euro, nur müssen sie diese Kunden auch „privat“ akquirieren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren