Sind wir Journalisten nicht eine Pest? Erschleichen uns das Vertrauen von Interviewpartnern, entlocken ihnen mit harmlosem Lächeln vertrauliche Informationen – und pusten diese genüsslich zum Skandälchen auf. Und äußert gar einer am Rande eines Kongresses Despektierliches über Konkurrenten – so wie der Stammzellforscher Hans Schöler, der vergangene Woche die Ergebnisse von Göttinger Kollegen kritisch hinterfragte –, darf er darauf zählen, dass wir das dankbar publik machen. Wer will mit einer solch heimtückischen Spezies wie uns noch zu tun haben?

Offenbar erstaunlich viele. Das Verhältnis der Wissenschaftler zu Journalisten, das lange Zeit als stark zerrüttet galt, ist besser als gedacht. Das zeigt die Befragung von 1354 Forschern in fünf Ländern, die soeben im Fachblatt Science veröffentlicht wurde – mit bemerkenswert positivem Ergebnis. Als "überwiegend gut" bezeichnen 77 Prozent der Wissenschaftler ihre Erfahrungen mit den Medien in den vergangenen drei Jahren, nur 3 Prozent haben "überwiegend schlechte" Eindrücke gesammelt. 46 Prozent bewerteten die Medienkontakte gar als karrierefördernd, gegenüber gerade mal 3 Prozent, die sie für karriereschädlich halten.

"Überrascht von der Klarheit dieses Urteils" zeigt sich selbst der Leiter der Studie, Hans Peter Peters vom Forschungszentrum Jülich. Das positive Votum ist umso verblüffender, als speziell Epidemiologen und Stammzellforscher befragt wurden; vor allem Letztere stehen oft im medialen Kreuzfeuer und hätten mitunter durchaus Grund zur Klage. Doch die Verärgerung des Stammzellforschers Schöler, der nun über die Publikation von Interna in der FAZ klagt, scheint die Ausnahme von der Regel. Generell sehen seine Kollegen, auch in Deutschland, eher den positiven, karrieredienlichen Effekt der Berichterstattung. Peters hat sogar Hinweise darauf gefunden, dass Wissenschaftler einzelne Aspekte ihrer Forschung gezielt auf eine spätere journalistische Vermarktung ausrichten.

In einem Punkt aber hinken deutsche Wissenschaftler ihren ausländischen Kollegen hinterher: Diese sind im Umgang mit Journalisten deutlich professioneller und haben häufiger ein spezielles Medientraining absolviert. Eine solche Schulung täte manchem Forscher auch hierzulande gut. Und sei es nur, um zu lernen, dass Journalisten nicht aus Heimtücke handeln, sondern dass die Verbreitung von Neuigkeiten zu ihrem Beruf gehört.