Jugend 2008 Eine Klasse für sichSeite 5/5

Während Laura und Sara sich am Strand unterhalten, sprechen Tobias und Yannik auf ihrer Terrasse über ihre Väter. Es ist der Tag der großen Frage "Wer bin ich?". "Mein Vater hat kein Glück", sagt Yannik. "Er hat zwei Häuser und eine Familie, aber er hat nichts davon, er arbeitet nur." Der Vater versuche immer, Kontakt zu ihm finden, aber sie fänden einfach keinen Draht zueinander. Früher hatte Yanniks Vater lange Haare und ein Motorrad und wollte Designer werden, er hat sogar die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule bestanden, aber dann hat er sich für den sicheren Weg entschieden und Wirtschaft studiert – aus Angst, glaubt Yannik. Und er glaubt auch, dass sein Vater heute nicht wirklich glücklich sei. So wolle er nie enden, sagt Yannik.

Das klingt hart, aber vielleicht ist es nur die Kompromisslosigkeit der Jugend. Wenn schon 17-Jährige nicht mehr radikal dächten, die Welt wäre ein langweiliger Ort. Yannik will, anders als sein Vater, einen Beruf, der ihn ausfüllt, seine Musik eben. Aber ganz geheuer ist ihm das auch nicht mehr. Was, wenn es nicht klappt? Lehramt ist sein Notfallplan. Das interessiert ihn nicht besonders. "Aber dann kann ich immer noch in meiner Freizeit Musik machen." Vielleicht ist er seinem Vater schon ähnlicher, als er es glauben will. Vielleicht fängt er gerade an, Kompromisse zu machen. Jedenfalls ist die Frage "Risiko oder Sicherheit?" ein großes Thema für ihn. Er sagt, er versuche anzukämpfen gegen dieses "rationale" Denken, das einem in der Schule und von den Eltern beigebracht werde. Aber er wisse nicht, ob er stark genug sei, diesen Kampf zu gewinnen.

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"Ich fühl mich manchmal ganz ausgebrannt von der Schule und den ganzen anderen Verpflichtungen." Yannik kann sich nicht erinnern, wann er sich zuletzt spontan mit einem Freund getroffen hat. "Nach dem Abitur will ich einfach nur mal ein Jahr leben." Tobias lacht und sagt: "Genau, wir nehmen das Jahr, das wir durch G8 verloren haben, dem Staat einfach wieder weg."

Die Hälfte der Schüler gehört zu dem ersten Jahrgang ihrer Schule, der das Gymnasium in nur acht Jahren absolvieren muss. Die zweite Hälfte macht das Abitur zwar im selben Jahr wie die erste, hat dann aber neun Jahre Gymnasium hinter sich. Die Schulzeit der "G8er" ist noch mehr als die der früheren Jahrgänge vom Gedanken der Effizienz geprägt: Wir lernen schneller, damit wir niemandem zur Last fallen, wir lernen schneller, damit wir schneller Geld verdienen. Die Jahre der Jugend, das hat auch Yannik verinnerlicht, sind wertvolle Jahre, eine Art Startkapital fürs Leben. Wer sie wegwirft, ist selber schuld. Jugend ist kein Freibrief mehr, einfach auch mal gar nichts zu tun, die Zeit lang werden zu lassen. Ihr Unterricht endet nicht wie der ihrer Eltern zur Mittagszeit, sie haben eher den Tag eines Angestellten, Schluss ist erst um 15 Uhr – wenn danach nicht noch der freiwillige Technikunterricht besucht wird.

Am Ende des Gesprächs haben Yannik und Tobias eine Flasche Rotwein geleert. Die beiden sind sehr nachdenklich geworden, aber es scheint, als sei in Yannik während dieser Unterhaltung ein Entschluss gereift, als könne er seine Zukunft plötzlich klarer vor sich sehen. Vier, fünf Jahre will er seinem Traum, Musiker zu werden, geben, hart daran arbeiten, alles auf diese Karte setzen. "Wenn ich das nicht versuche, werde ich mir das immer vorwerfen. Letztens hat jemand zu mir gesagt, er sei überhaupt nicht kreativ. Ich habe zurückgefragt: Warum lebst du dann?"

Um zehn Uhr macht der Wachschutz dem Gespräch ein Ende. Entweder an den Strand oder auf die Zimmer, auf der Terrasse soll jetzt Ruhe sein. Yannik, Katharina, Tobi und ein paar andere gehen an den Strand. Zwei junge Franzosen stoßen dazu, unterhalten sich begeistert mit Yannik, der ihnen von seiner Band erzählt.Der Franzose: "Vielleicht bist du der nächste Kurt Cobain."
Yannik: "Die Chance ist sehr gering."
Der Franzose: "Man weiß nie."
Das Meer schlägt gegen die Uferbefestigung, der Wind weht, Katharina ist verstummt, verliebt schmiegt sie sich an Yannik. Der Franzose schleudert seine Bierflasche aufs Meer hinaus. Yannik sagt auf Französisch: "Das ist nicht gut für die Natur."

Am nächsten Morgen finden sich alle um halb zehn am Bus ein, wie immer pünktlich, obwohl es für viele eine kurze Nacht war. Während auf dem Bildschirm vorne Terminator mit Arnold Schwarzenegger läuft, macht sich Tobi Notizen in seinem Tagebuch. Annika, mit der er auf der Hinfahrt noch so vertraut war, sitzt nicht mehr neben ihm, ihr Platz ist jetzt neben einem anderen Jungen, auch sie hat sich auf der Fahrt verliebt. Und Katharina sitzt nicht mehr neben Sara, Katharina sitzt jetzt neben Yannik. Es ist die Zeit des Lebens, in der sich alles neu sortiert.

Kurz nach acht Uhr abends erreicht der Bus Saarbrücken. Als er auf den Parkplatz einfährt, sucht Tobias das Begrüßungskomitee nach Annette ab. Seine Augen füllen sich mit Tränen. Sie ist da.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Super

    Diese Zeit ist bei mir 4 Jahre her, beim Lesen sind so unendlich viele Erinnerungen an meine Abschlussfahrt hochgekommen.Sie haben sensibel die Themen der Jugend getroffen, ohne anzuklagen, zu loben. Sehr schöner Artikel.

  2. Ich habe nur ca. 10% dieses Artikels quergelesen.Tut es wirklich Not, bits, bytes und Papier für so eine öde Bestandsaufnahme der Jungend zu vergeuden. Pupertäre Sinnkrisen und Klein-Mädchen-Probleme sind für mich so aufregend wie Schlagermusik.Mein Trost: die waren/sind genauso langweilig wie wir damals.Warum sagt denen keiner, dasss es jetzt est interessant wird, dass jetzt erst das wahre Leben beginnt? Oder stand das in den restlichen 90%?[Link gelöscht, bitte respektieren Sie, dass wir keine Werbeplattform für Blogs sein möchten. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • crizzz
    • 20.07.2008 um 19:56 Uhr

    Hmm - jemand von der Katagorie: "Das Leben fängt morgen an."
    Pech, wenn einem dann heute noch ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.

    "Mein Trost: die waren/sind genauso langweilig wie wir damals." - sieht nicht so aus, aus ob Herr Faustjucken da heute viel weiter gekommen ist...

    Nur ca. 10% dieses Artikels quergelesen aber dumm daherreden?

    Mein Tip:
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die * halten.

    • crizzz
    • 20.07.2008 um 19:56 Uhr

    Hmm - jemand von der Katagorie: "Das Leben fängt morgen an."
    Pech, wenn einem dann heute noch ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.

    "Mein Trost: die waren/sind genauso langweilig wie wir damals." - sieht nicht so aus, aus ob Herr Faustjucken da heute viel weiter gekommen ist...

    Nur ca. 10% dieses Artikels quergelesen aber dumm daherreden?

    Mein Tip:
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die * halten.

  3. Wie können es sie sich anmaßen zu definieren was das wahre Leben ist?

    • crizzz
    • 20.07.2008 um 19:56 Uhr

    Hmm - jemand von der Katagorie: "Das Leben fängt morgen an."
    Pech, wenn einem dann heute noch ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.

    "Mein Trost: die waren/sind genauso langweilig wie wir damals." - sieht nicht so aus, aus ob Herr Faustjucken da heute viel weiter gekommen ist...

    Nur ca. 10% dieses Artikels quergelesen aber dumm daherreden?

    Mein Tip:
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die * halten.

    Antwort auf "Oh, Gott, wie öde"
  4. Jugend ist super ZeitMan hat die Freiheit sich finden zu können,ohne durch Pflichten (fester Bindungen) gebunden zu sein.OK.Gilt auch nicht für jeden.Somit hat eine erfüllte Jugend viele Aspekte. 

    • k13
    • 21.07.2008 um 1:23 Uhr

    Nein, es ist nicht das Dicke des Königs, sondern das Brackwasser des Königs:Le terme « grau » signifie estuaire ou chenal en occitan, il vient du latingradus qui signifie passage. Il marque une communication entre les eaux de la mer et les eaux intérieures. Noch deutlicher: Der Ort heißt "Grau-du-Roi". Nicht "Gros du Roi".

  5. Netter Bericht, sicherlich.Aber etwas weniger Oberflächlichkeit hätte nicht geschadet. Natürlich ist es schwer, sich in so kurzer Zeit ein korrektes und nicht von den eigenen Erwartungen verzerrtes Bild einer solchen Vielzahl von Personen zu machen, das gebe ich zu. Aber an so mancher Stelle drücken sich eher die US-Teen-Film-Klischees durch, als die Realität.Zufälligerweise sind die Teilnehmer der Kursfahrt Mitschüler von mir, um genauer zu sein, sie sind in derselben Stufe und mit nicht wenigen habe ich gemeinsame Kurse.Daher kann ich das Ganze etwas beurteilen, auf eine wie auch immer geartete Anonymisierung wurde hier ja auch gänzlich verzichtet. Soviel zum Thema "Datenschutz ist für die Jugend im Jahr 2008 das, was für die Jugend im Jahr 1988 der Umweltschutz war.". Das diese Aussage barer Unsinn ist, wissen die Autoren des Artikels wohl selbst; eine Handvoll Aufkleber, die man geschenkt bekommt und dann verklebt, das ist garnichts. Wenn sie was zum Thema Datenschutz und Jugend wissen wollen, besuchen sie Gesichterparty, StudiVZ oder SchülerVZ.Aber trotzdem, ganz passable Leistung.

    • k13
    • 25.07.2008 um 13:20 Uhr

    Hallo Zeit, schafft diese Kommentarfunktion doch einfach ab. Macht es so wie früher - Leserbriefe die Kritik üben kommen einfach in den Papierkorb: Ihr schreibt einen Ortsnamen so dämlich falsch, daß es weht tut - Reaktion: Keine. Das ist schon peinlich. Oder auch nicht. Paßt aber zu der in den anderen Kommentaren geübten Kritik am Artikel.

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