Wie ticken die Linken? Die rote Seele
Sie fühlen mit den kleinen Leuten und hängen an Brecht, sie wollen den Mindestlohn einführen oder das System stürzen. Gespräche mit bekennenden Linken
Gibt es das, ein linkes Gefühl? Der Schauspieler Josef Bierbichler hat eine Ahnung davon einmal beschrieben. Bierbichler war in jungen Jahren kurze Zeit sehr links gewesen, auch im linken Lager der Grünen hatte er einst nach einer politischen Heimat gesucht. Es war einer seiner ersten Jobs als Schauspieler, er sollte in einem Studio des Bayerischen Rundfunks ein paar Sätze auf Band sprechen. Alles dauerte höchstens zwei Stunden, er bekam ein paar Hundert Mark dafür. Danach verließ Bierbichler das Rundfunkgebäude, ging die Straße hinunter und kam an einer Baustelle vorbei, auf der ein paar Männer hart arbeiteten. Bierbichler sagte, er musste in diesem Moment daran denken, dass er für seine paar Worte mehr Geld bekomme als diese Arbeiter für mehrere Tage Knochenjob. Und dann war es da, dieses Gefühl: Das ist ungerecht, das gehört sich nicht, da stimmt was nicht. Ein Gefühl von tiefem Unbehagen. Und ein Gefühl ohne Folgen, welche sollten das auch sein?
Das soll links sein? Kann ein Konservativer, ein Rechter, nicht genau so fühlen? Erhöhen wir ein bisschen die Temperatur und sagen, nein, ein Konservativer fühlt anders. Natürlich ist er ebenso zu Mitgefühl fähig, auch zur Hilfsbereitschaft. Aber dies wird gern mit dem Zusatz verbunden, man helfe vor allem Leuten, die unverschuldet in Not geraten sind, die es wirklich benötigen. Die Linken sind es, die sich grundsätzlich über dramatische Gehaltsunterschiede aufregen, die Rechten finden das im Prinzip in Ordnung und sogar wünschenswert. Gegensätze in einer Gesellschaft, auch tiefe, gehören dazu. Wie Linke und Rechte ticken, das lässt sich übrigens am Beispiel der Diskussion über den Mindestlohn derzeit ganz gut studieren.
Es gehört inzwischen zu den Allgemeinplätzen des politischen Diskurses, festzustellen, dass die alten Koordinaten Links und Rechts an Bedeutung verlieren, gerade in den modernen Zeiten der Globalisierung. Wie sollte man Probleme wie Klimawandel und Terrorismus auch in dieses Schema einordnen? Zur gleichen Zeit wird beklagt, dass die Konturen in der politischen Landschaft immer unschärfer werden, dass Parteien und Politiker sich immer ähnlicher werden, dass alles von einem Nebel der gleichförmigen Floskelhaftigkeit eingelullt wird. Merkwürdig also, erst will man die Unterschiede nicht mehr wahrnehmen, und dann beklagt man, dass sie angeblich nicht mehr existieren. Das ist besonders merkwürdig deshalb, weil natürlich die alten Links-rechts-Koordinaten die politische Landschaft, und nicht nur die, immer noch tief teilen. Der politische Geruch ist nämlich auch eine Frage von Weltanschauung und Lebenshaltung.
Das Suchen und Finden der roten Seele. Auf dieser Recherche wird ein älterer Herr anhand von zwei prominenten Männern erklären, warum Links eine wichtige Kategorie ist und was es für das Land bedeutet, wenn man sie verrät. Der Herr nimmt als Beispiel zwei Arbeitsminister in Berlin. Beide SPD-Politiker, der eine war er selbst, der andere sein Nachfolger. Walter Riester sitzt in seinem Abgeordnetenbüro und erzählt vom Mitgenossen Wolfgang Clement. Anders ausgedrückt: Der eine Linke schildert, warum der andere Linke nicht links war.
Die linke Politikerin Katja Kipping erzählt, was links zu sein mit ihrer Kindheit im Osten zu tun hat. Bei einem Redaktionsbesuch der jungen linken Wochenzeitung Jungle World wird festzustellen sein, dass die dortigen Macher derzeit vor allem diejenigen hassen, die sich in diesem Land gerade links nennen. Und es ist von einem Triumph zu berichten, den zwei linke Veteranen vor erstaunlich jungen und zahlreichen Zuschauern feiern. Sie heißen Thomas Ebermann und Rainer Trampert und waren mal als Politiker sehr linke Bosse bei den Grünen, zu deren Gründungszeiten. Heute ziehen sie als Kabarettisten durchs Land.
Und jetzt steht Claus Peymann, ganz in Schwarz gekleidet, am Grab von Bertolt Brecht auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof. Peymann ist seit 1999 Intendant des Berliner Ensembles, des Theaters also, an dem Brecht lange Jahre gearbeitet hat. Brechts grün zugewachsenes Grab, ein Ehrengrab der Stadt Berlin, liegt nur ein paar Hundert Meter entfernt von seinem alten Theater. Peymann erzählt, dass er vor allem in seiner ersten Berliner Zeit häufig auf diesem Friedhof war, um Trost zu finden, »weil viele so trostlos böse zu mir waren«, Trost bei den vielen großartigen Menschen, die hier begraben liegen. Und, hat’s funktioniert? Ach, sagt Peymann, letztlich funktioniere ja nichts, aber immerhin habe er schon sein Grab auf diesem Friedhof bestellt und bezahlt, »ich will da hin«.
Was ist links? Linke, sagt er, seien Träumer, die etwas träumen, was sie dann nicht hinkriegen. Rechte seien Pragmatiker, die etwas hinkriegen, was aber letztlich dann trotzdem schiefgeht. Und dann gebe es noch die große Mitte, »die Mittelmäßigen, das sind die Allerschlimmsten. Diese Menschen interessieren sich nur für eine einzige Sache, für sich selbst, schrecklich.« Was ist links? Peymann wiederholt diese Frage ein paar Mal auf diesem Rundgang über den Friedhof. Das Bühnenbild, sagt er, sei hervorragend gewählt für dieses Thema, angesichts all der linken Toten, die hier begraben liegen. Peymann zählt auf: Leute wie Hegel und Fichte, »mit denen alles Glück oder Unglück angefangen hat«, oder die Stalinisten, die den Sozialismus in der DDR hingerichtet haben, wie zum Beispiel Johannes R. Becher, der als Kulturminister am Ende seine eigenen Bücher verboten hat. Heiner Müller, Thomas Brasch, George Tabori, Arnold Bronnen, Günter Gaus, Herbert Marcuse, alles höchst komplizierte, zerrissene Lebensläufe deutscher Linker. »Diese Toten müssten aufstehen und erzählen von ihrer linken Gesinnung«, sagt Claus Peymann, »sie müssten berichten von ihren Irrtümern, Gefährdungen und ihren Idealen. Das wäre großartig.« Er selbst sei der falsche Mann, »ich bin zu doof für diese großen Fragen. Nein, nein, das ist keine Koketterie, das ist so.« Er sei ein Träumer, ein Narr, ja, ein linker Narr, immer geblieben, »vielleicht konnte ich es mir auch einfach leisten in meinem Beruf. Träume wie Albträume sind mein Job. Ich musste nie beweisen, ob sie auch für die Wirklichkeit taugen.«
Peymann redet von den Wandlungen der anderen, von Otto Schilys Reise von ganz links nach ganz rechts, von Joschka Fischer und dann von seinen Theaterkollegen, zum Beispiel Peter Stein, »der war mal Kommunist, ich bin damals von der Schaubühne weggegangen, weil ich das linke Gequatsche nicht ertragen habe«. Heute sei Stein beinahe ein Monarchist und Herr über 10000 Olivenbäume in Italien. Oder Peter Zadek, auch mal ein ganz Linker und Theaterprovokateur, versenke sich heute in die Tiefen der Psychologie. Vielleicht existiere eine Formel: Je mehr das Ego zunimmt, desto mehr nehmen die linken Ideale ab. Noch eine Bemerkung zu seinen Theaterfreunden, sagt Peymann: Sowohl Stein als auch Zadek mögen Thomas Bernhard nicht, »vielleicht auch deshalb, weil sie tief in sich drinnen ahnen, dass sie im wirklichen Leben längst zu Bernhardschen Figuren geworden sind«.
Wieder am Grab von Brecht. Drei große Stücke des alten Kommunisten hat Peymann in den letzten Jahren inszeniert, darunter die linken Lehrstücke Mutter Courage und Die Heilige Johanna der Schlachthöfe. Er habe schon früh nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geahnt, dass man das Ideal einer gerechteren Welt ohne den sozialistischen Traum nicht träumen kann. Für ihn sei der Sozialismus bis heute die Fortsetzung des Christentums ohne Gott. Er habe Brecht wieder inszeniert, nach 30-jähriger Pause, weil die Zeit danach geschrien habe, weil es eben keine besseren Stücke über den Schrecken und die Mechanik des Kapitalismus gebe, über die neuen Weltmonopole, die man beschönigend als Globalisierungsfolgen bezeichnet. Niemand habe diese eisigen Strukturen besser beschreiben können. Klar stimme der Vorwurf, richtig modern sei Brecht nicht gerade, »doch ich habe keinen besseren Spiegel gefunden, den ich dem Zeitgeist entgegenhalten kann«. Peymann hat den Friedhof schon in Richtung Theater verlassen, als er vom Zustand der Welt redet, wie er ihn sieht. Düster, sehr düster. Er redet von den Hungertoten, von den Kriegstoten, Flüchtlingen, von den Wirtschaftslobbys, von all den Handlangern der Industrie, von dieser »durch und durch verfaulten Gesellschaft«. Auf den letzten Metern weiß er eine Abkürzung, man muss nur über einen kleinen Zaun steigen. Als Theatermann, sagt er dann, hätte er gegen diese Welt auch gern einen anderen Dolch als den guten alten Brecht-Dolch, »aber ich sehe ihn nirgends«.
Wenn Claus Peymanns Thema die große Linke ist, dann spricht Walter Riester eher über das kleine Linke. Der ehemalige Arbeitsminister in der ersten Regierung Schröder sitzt in seinem ziemlich kleinen Abgeordnetenbüro vor Wasser und Kaffee und definiert sehr rasch, was linke Politik für ihn ausmache. Es sei eine Politik, die Gegenwart und Zukunft derjenigen Menschen positiv gestalte, die angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse Gefahr laufen, Verlierer zu werden. Es sei eine moderne Politik, mit neuen Methoden und Antworten, weil nur so auf neue Zeiten reagiert werden könne. Deshalb seien Leute wie Lafontaine und dessen Truppe keine echten Linken, sagt Riester, weil sie nur ihre Uraltideen präsentieren, die zu nichts führen.
Der Mensch, der einfache Arbeiter, der kleine Mann, das müsse immer der Ausgangspunkt für die Linken sein, sagt Riester. Alles andere sei Verrat. Und er kommt auf seinen Nachfolger im Amt des Arbeitsministers in der zweiten Regierung Schröder zu sprechen, auf Wolfgang Clement. Der habe genau dieses Dogma verletzt, der habe mit seiner Politik eben nicht die Kleinen im Auge gehabt, »der hat das Spiel für die anderen gespielt«. Die schlechte Lage der SPD habe natürlich damit zu tun. Was ihm aber noch viel größere Sorgen mache, sei eine Entwicklung, die letztlich geradezu lebensbedrohend für die Linken sei. Respekt und Stolz, sagt Riester. Respekt vor der Arbeit von einfachen Leuten, in den Fabriken, in den Backstuben, in den Behörden. Und der Stolz genau dieser Leute auf genau diese Arbeiten und Leistungen. Geradezu weggeschmolzen sind diese Gefühle in der Gesellschaft, sagt Riester, sie sind fast völlig verschwunden. »Das macht mir grenzenlose Sorge. Das wiederzubeleben ist die vielleicht wichtigste Aufgabe der Linken.« Sagt Riester, der einstige Fliesenleger. Und dann erzählt er noch von seinem größten Scheitern als linker Politiker. Es sei nicht die nach ihm benannte Riester-Rente, die könne er stundenlang verteidigen, vor allem in der Form, die er mal vorgeschlagen hatte. Nein, es war seine Zeit als zweiter Mann in der IG Metall, als er große Reformen wollte, um die Gewerkschaft fit zu machen für neue Zeiten, für neue Antworten. Ging nicht, wollte keiner, sagt Riester. War nicht zu vermitteln, »das ärgert mich bis heute«.
Die kleine Geschichte des Herrn Riester: Vielleicht ist das eine der großen Gefahren für die Linken, dass man sehr genau und wohlgesonnen hinhören muss, um die Dimension dieser Geschichte zu erkennen. Dass die Botschaft immer zu verwässern droht. Der Mensch im Mittelpunkt? Das lässt sich wunderbar von allen vereinnahmen, von Predigern, Parteien, Populisten jeglicher Couleur. Die Marke Rot kann sich so schnell in der Beliebigkeit verlieren.
Kleine Leute? Respekt, Stolz? Die entscheidenden linken Kategorien? Die Redakteure der linken Wochenzeitung Jungle World können darüber nur den Kopf schütteln. Überhaupt sei es geradezu lachhaft, wer sich heute alles als Linker bezeichne. Alle, die etwas mehr vom großen Kuchen haben möchten und über Mindestlohn und Reichensteuer streiten. Bitte, das soll ein Linksruck sein? An einem langen Tisch sitzen sie in ihrem loftartigen Redaktionsbüro, nur Männer, von mitteljung bis recht betagt. Sie kommen aus der Hausbesetzerszene, von früheren K-Gruppen. Wählen? Nein, schon lange nicht mehr. Was für sie links ist? Na, der Wunsch nach einer anderen Gesellschaft, die die wirklichen Fragen völlig anders regelt, etwa die Frage nach Eigentum und Machtverhältnissen, die Frage von Krieg oder Frieden. Links sein bedeute, eine Utopie zu haben, eine echte, grundsätzliche Alternative. Einer sagt, der Job von Linken sei es, die bestehenden Verhältnisse zu dekonstruieren, das versuche auch die Jungle World.
Es ist ein freundliches Gespräch mit den Redakteuren. Es geht um Bücher, auch um Musik, einer meint beispielsweise, die einzig wirklich linke Musik seien die Lieder von Bob Dylan. Und doch wird bei diesem Besuch klar, wie destruktiv der Umgang sein kann, den die Linken zuweilen miteinander pflegen – und sei es, wenn sie nur darüber reden, was denn eine gemeinsame linke Linie sein könnte. Das Potenzial, sich gegenseitig zu lähmen, um es freundlich auszudrücken, scheint immer noch stark zu sein.
Noch einmal gefragt, diesmal eine junge Frau mit roten Haaren, geboren in Dresden: Gibt es so etwas wie ein linkes Gefühl? Katja Kipping, 30 Jahre alt, sitzt im Bundestag und ist stellvertretende Vorsitzende der Partei »Die Linke«. Sie war gerade 18, so erzählt sie, als sie beschloss, ein soziales Jahr im tiefen Russland zu machen, in der Stadt Gatschina als Erzieherin in einem katholischen Internat, geführt von italienischen Mönchen. Sie sagt, es sei eine tolle Erfahrung gewesen, und sie sagt auch, sie habe frühzeitig begriffen, dass zwei Dinge in ihrem Leben zusammengehören, die eigene Individualität und das Engagement für die Gemeinschaft, »beides geht für mich nur zusammen«.
Elf war sie, als die Mauer fiel, als die DDR stürzte. Zu jung, um wirklich schlechte Erfahrungen mit dem System gemacht zu haben, sagt sie. Geblieben sind Kindheitserinnerungen, sie erzählt von Lernpatenschaften in den ersten Schuljahren: Stärkere unterstützen Schwächere, »und beide profitieren«. So hat sie es in Erinnerung, und wenn man so will, hat sie bis heute daraus ihr politisches Credo gezogen, dass nämlich alle profitieren, wenn es den Schwachen besser geht. Deshalb fordert sie ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, das sei für sie ein linkes Projekt. Man merkt, dass in ihrem Leben unterschiedliche Pole eine große Rolle spielen, aber darüber will sie nicht reden. Sie kommt aus dem Osten und hält das für ihre linke Überzeugung nicht für bedeutsam, erst nach einiger Zeit räumt sie ein, das stärkere Gemeinschaftsgefühl sei vielleicht doch »etwas Spezifisches für den Osten«. Sie hat in Russland gearbeitet und Slawistik studiert, sie hat in den USA gelebt und Amerikanistik studiert. Welches Land ihr besser gefalle? Literaturmäßig Russland, politisch keines davon, zu schroff seien die Gegensätze, »eher Skandinavien«. Und dann redet sie selbst noch von einem Kontrast, die alte Linke und die neue Linke. Alte Linke heiße für sie: viele alte Schlachten und oft große Freudlosigkeit. Die neue Linke: Neue Wege und ein bisschen Lust, dazu könne ein guter Rotwein gehören, »aber verstehen Sie, ich möchte diesen Rotwein nicht heimlich trinken, ich möchte sozusagen Wein für alle«.
Man kann nicht behaupten, dass man auf der Suche nach der roten Seele auf viele strahlende, erfolgreiche Menschen trifft, auf das, was man gern Siegertypen nennt. Die Blässe des ewigen Zweifels ist durchaus dominant. Auch Thomas Ebermann und Rainer Trampert möchte man dazuzählen. Sie sitzen an ihrem Bühnentisch und fragen unter dem Beifall ihrer Zuschauer so nebenbei, wer denn eigentlich immer diesen Quatsch erzähle, Hartz-IV-Empf??nger müssten traurige Gesellen sein. Die beiden langjährigen Weggefährten, die ehemaligen Grünen, haben lange Jahre versucht, politische Alternativen zu präsentieren. Damit sei nun endgültig Schluss, sagt Ebermann heute. Zu hoffnungslos die Lage, zu aussichtslos. Stattdessen eine Halle in Berlin-Kreuzberg, mehr als hundert junge Besucher, fast ausverkauft, stattdessen Zynismus, Spott. Bitteres Vergnügen heißt die CD der beiden. Lustig ist es, wenn sie Joschka Fischer parodieren, wenn sie die moderne Gehirnforschung, den Dax und die Medienlandschaft karikieren. Utopie? Nein, nicht mal das. Für sie ist die Welt derart furchtbar, dass sie nur zu ertragen ist, wenn man sie nicht mehr ernst nimmt.
Die rote Seele: ein bisschen Brecht, ein bisschen Respekt vor den kleinen Leuten, ein bisschen Utopie und dieses vage Gefühl des Unwohlseins angesichts der Verhältnisse. Der Schriftsteller Richard David Precht, mit seinem Philosophieführer
Wer bin ich
derzeit auf Platz eins der Bestsellerliste, hat in seinem früheren Buch
Lenin kam nur bis Lüdenscheid
seine linke Kindheit beschrieben, als Sohn deutscher Nachkriegskommunisten. Und er schildert bei aller Kritik, welche Spuren das bei ihm hinterlassen hat. Zum Beispiel, als er als Erwachsener auf einer Journalistenreise dem amerikanischen Politiker Alexander Haig, einem der Falken der Vietnamzeit, die Hand geben sollte und dies nicht tat, ausdrücklich mit dem Hinweis auf dessen Vergangenheit. Am Ende des Buches resümiert Precht für sich, was für ihn heute links ist. »Der Rest eines Unbehagens daran, sich nur die friedlichen Seiten des Lebens herauszusuchen anstatt der beunruhigenden«, schreibt er. Und: »Links zu sein ist heute das Gefühl, definitiv nicht rechts zu sein.«
Auf dem Friedhof zwischen den Gräbern von Heiner Müller und Günter Gaus hatte Claus Peymann gesagt, früher sei für Leute wie ihn die Entscheidung zwischen links und rechts immer auch eine Frage nach Gut und Böse gewesen. Und heute? Er denkt kurz nach, was Heiner Müller dazu gemeint hätte und über all die Verbrechen, die im linken Namen verübt wurden. Und dann sagt Peymann: »Und heute ist es auch noch so.«
- Datum 22.12.2008 - 14:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 17.07.2008 Nr. 30
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Ja die Linken und ihr Respekt vor den kleinen Leuten.Mein Vater ist arbeitslos und meine Mutter nicht gerade eine Besserverdienerin in ihrem Job als Verkäuferin.Nehmen wir sie als Beispiel für die kleinen Leute..Oder sagen wir, ich bin im Milleu der kleinen Leute aufgewachsen.Und wissen sie was: Die Linken wissen nichts über die kleinen Leute, ihre Träume oder Ideale. Gar nichts.Sie wissen nicht wie es für eine Frau ist nach 10 Stunden Arbeit heimzukommen und sich dann noch die Haus-und Erziehungsarbeit mit dem Mann zu teilen.Sie reden über hochintellektuelle Theorien und verstehen nicht, dass sie und die für die sie vorgeblich kämpfen nichts gemeinsam haben.Dieses Paradoxon hat seltsamerweise noch keiner von ihnen verstanden.
@amelia_s:Ihr Beitrag richtet sich gegen die falschen Akteure und ist eine Gemeinheit gegen diejenigen, die aufrichtig für wirtschaftliche Gerechtigkeit eintreten.Sie können scheinbar für Ihre Interessen selbst nicht einteten, schimpfen aber auf diejenigen, die es versuchen:Es steht Ihnen immerhin frei, sich in jeder denkbaren Partei für Ihre Interessen zu engagieren; ein fatales politisches Phänomen wird in Ihrem Anspruchsverhalten deutlich.So - das möchte ich Ihnen deutlich sagen - wird es nichts mit der Gerechtigkeit.Ihr Beitrag ist Kleinbürgerlichkeit im engsten Sinne - wobei sich für Idealisten die Frage ergibt, für wen man da eigentlich kämpft.Nebenbei bin ich selber Dienstleisterin, die um die Niederungen schlecht bewerteter Arbeiten weiß - umso mehr befremdet mich Ihr Gebaren.Wenn Sie meinen, Linke würden nicht für Ihre Interessen einstehen, dann wählen Sie doch eine andere Partei.
Die wirklichen Linken, also die linksintellektuelle Front, hat die kleinen Leute noch nie verstanden, nicht nur das, sondern sie im Grunde stets verachtet. Das konnte übrigens Marx - Gott hab ihn selig- auch schon ganz gut. Als er sein Londoner Dienstmädchen ganz nach kapitalistischer Manier ausgebeutet hatte, indem er sie schwängerte, setzte er sie danach kurzerhand auf die Straße. Oder nehmen wir die Meinungsführer der 68er, insbesondere die nur geistigen Unterstützer der RAF, denn ganz wollten sie sich die Hände ja nicht schmutzig machen: Wieviele von denen stammten aus "gutem Hause", noch nie eine Fabrik von innen gesehen, aber fanatisch bei der Sache, wenn es darum ging, das "Volk" zu befreien, gerne mit der Bibel von Mao in der Hand, dem GröHuaZ (Größter Humanist aller Zeiten).Gib einem Linken nur Geld, und alles wird gut, wenigstens darin hatte Marx recht, das Sein bestimmt eben auch bei den Linken immer noch das Bewusstsein, nicht wahr, Herr Schröder?
@amelia_s:Ihr Beitrag richtet sich gegen die falschen Akteure und ist eine Gemeinheit gegen diejenigen, die aufrichtig für wirtschaftliche Gerechtigkeit eintreten.Sie können scheinbar für Ihre Interessen selbst nicht einteten, schimpfen aber auf diejenigen, die es versuchen:Es steht Ihnen immerhin frei, sich in jeder denkbaren Partei für Ihre Interessen zu engagieren; ein fatales politisches Phänomen wird in Ihrem Anspruchsverhalten deutlich.So - das möchte ich Ihnen deutlich sagen - wird es nichts mit der Gerechtigkeit.Ihr Beitrag ist Kleinbürgerlichkeit im engsten Sinne - wobei sich für Idealisten die Frage ergibt, für wen man da eigentlich kämpft.Nebenbei bin ich selber Dienstleisterin, die um die Niederungen schlecht bewerteter Arbeiten weiß - umso mehr befremdet mich Ihr Gebaren.Wenn Sie meinen, Linke würden nicht für Ihre Interessen einstehen, dann wählen Sie doch eine andere Partei.
Die wirklichen Linken, also die linksintellektuelle Front, hat die kleinen Leute noch nie verstanden, nicht nur das, sondern sie im Grunde stets verachtet. Das konnte übrigens Marx - Gott hab ihn selig- auch schon ganz gut. Als er sein Londoner Dienstmädchen ganz nach kapitalistischer Manier ausgebeutet hatte, indem er sie schwängerte, setzte er sie danach kurzerhand auf die Straße. Oder nehmen wir die Meinungsführer der 68er, insbesondere die nur geistigen Unterstützer der RAF, denn ganz wollten sie sich die Hände ja nicht schmutzig machen: Wieviele von denen stammten aus "gutem Hause", noch nie eine Fabrik von innen gesehen, aber fanatisch bei der Sache, wenn es darum ging, das "Volk" zu befreien, gerne mit der Bibel von Mao in der Hand, dem GröHuaZ (Größter Humanist aller Zeiten).Gib einem Linken nur Geld, und alles wird gut, wenigstens darin hatte Marx recht, das Sein bestimmt eben auch bei den Linken immer noch das Bewusstsein, nicht wahr, Herr Schröder?
Gnädige Frau, wie lange hält der Zustand bei Ihnen schon an? Haben die sogenannten "etablierten" Parteien eine Änderung überhaupt vor? Wenn ja, dann wählen Sie diese wieder. Denen wird bis nächstes Jahr bei der Bundestagswahl noch genügend einfallen. Ändern wollen die eh nix. Also jammern Sie ruhig weiter, wenn es geht, auf dem bekannten Niveau.debrasseur
Da sind ja gar keine nichtssagenden, das Wort "Zeit" enthaltenden Signaturen mehr unterihren Kommentaren (nichts gegen die oft ziemlich durchdachten Kommentare).
Da sind ja gar keine nichtssagenden, das Wort "Zeit" enthaltenden Signaturen mehr unterihren Kommentaren (nichts gegen die oft ziemlich durchdachten Kommentare).
Wenn Sie damit aufhört, sind letztlich alle die Leidtragenden. Jene, die keine Möglichkeit zum ausweichen haben, müssen das Leid dann auch tatsächlich ertragen.Viele Bereiche in unserer Gesellschaft sind inzwischen disfunktional und es werden immer mehr. Bei den Löhnen geht es doch längst nicht mehr um Gerechtigkeit, die Mechanismen zur Festsetzung der Entlohnung, sind inzwischen disfunktional.Deshalb sind Mindestlöhne auch keine Sache der Weltanschauung, sondern pure Notwendigkeit.
Seit Jahr und Tag werden permanent erniedrigendere Fakten geschaffen, die dem Menschen das NEIN-Sagen förmlich erschweren. Mut, den haben viele Menschen, zu ihrem eigenen Nachteil viel zu oft verloren. Öfters NEIN-Sagen beflügelt ungemein.debrasseur
Seit Jahr und Tag werden permanent erniedrigendere Fakten geschaffen, die dem Menschen das NEIN-Sagen förmlich erschweren. Mut, den haben viele Menschen, zu ihrem eigenen Nachteil viel zu oft verloren. Öfters NEIN-Sagen beflügelt ungemein.debrasseur
Seit Jahr und Tag werden permanent erniedrigendere Fakten geschaffen, die dem Menschen das NEIN-Sagen förmlich erschweren. Mut, den haben viele Menschen, zu ihrem eigenen Nachteil viel zu oft verloren. Öfters NEIN-Sagen beflügelt ungemein.debrasseur
trat ein. Die Bürger fangen an sich zu wehren. In der Tat, die Reduzierung der Löhne und Gehälter werden gleichmäßig nach unten reduziert, damit mehr Spielraum oben bleibt.Fettaugen schwimmen meist oben, wenn nicht sogar immer.debrasseur
Fügen Sie einfach jedesmal vor das Wort "link*" ein "deutsch*" ein. Dann wird der Geltungsbereich und die Tragweite dieses "Artikels" deutlicher.Dann kann man sich als Nichtdeutscher die Lektüre auch einfach sparen.
wieviel Zeit und Aufmerksamkeit darauf verschwendet wird darüber zu diskutieren wer denn nun "links" oder "rechts" ist. Wo doch ein einziges Wort, wenn es um ganze Weltanschauungen geht, nur pauschalisieren kann und zu Missverständnissen führt.Wenn diese Zeit doch nur zur konstruktiven Diskussion KONKRETER Themen genutzt würde...
Kein schwereres Thema als der Versuch, eine Analyse linker Positionen und Befindlichkeiten zu wagen.Von daher gebührt dem Autor Anerkennung, aber auch dafür, dass er tatsächlich ein paar sensible Punkte linker Politik aufgestöbert und interessant dargestellt hat.Dass Riester als angeblicher Paradelinker zitiert wird, hat allerdings ein Geschmäckle, denn irgendwie ist das auch Werbung für seine sehr fragwürdige Rentenkonstruktion, der ja nichts ist als das Rentenpendant zum Kombilohn und noch dazu mit allerlei wesentlichen Mängeln behaftet ist.Auf eine sehr, sehr gute Idee wurde allerdings aufmerksam gemacht: Die Idee der Lernpatenschaften.Diese Idee ist so hervorragend, so progressiv, weil folgerichtig, dass schlagartig klar wird, wie zielstrebig die aktuelle Politik an vernünftigen, naheliegenden Ideen vorbeigeht.Insgesamt ist dieser Artikel ein Anreiz, sich mit dem Thema Linke Politik zu beschäftigen - er kommt löblicherweise ohne die Stasi- und Stalinismuskeule aus- für die linke Seele ist diese Unterlassung schon eine Wohltat.Wir dürfen nicht zulassen, dass die gute, friedliche, gerechte Absicht des universellen sozialistischen Gedankens mit dem menschenverachtenden Nationalsozialismus als "Extremismus" gleichgesetzt wird, wie es der niedersächsische Innenminister Schünemann dieser Tage versucht.Er will die Linkspartei unter verstärkte Beobachtung stellen lassen und sogar im staatsbürgerkundlichem Schulunterricht gegen linke Positionen vorgehen, per "Multiplikatorenausbildung" von Lehrern.Es soll ja auch das Schulfach "Wirtschaft" eingeführt werden, eine klassische Forderung von Banken, Versicherungen und Wirtschaftsverbänden.Die Schule als Institution verordneter wirtschaftlicher und politischer Indoktrinierung tritt immer mehr anstelle des humanistischen Bildungsprinzips.Ach, zu diesem Thema könnte ich stundenlang schreiben.Nur noch soviel:-Links ist, wer wirklich erkannt hat, DASS der Kapitalismus als Wirtschaftssystem abgeschafft werden muss, weil er VIEL mehr schadet als nützt;-Links ist, wer weiß, WARUM der Kapitalismus mehr schadet als nützt:-Links ist, wer eine deutliche Vorstellung hat davon, WIE eine Alternative zum Kapitalismus aussehen kann und das auch vernünftig darzustellen weiß.Links ist alles drei zusammen.
@Zeitenwende_08: Hat Ihnen schon mal jemand von den Gräueltaten Ihres sogenannten "universellen sozialistischen Gedankens" erzählt? Fragen Sie mal Stasi-Opfer oder Menschen aus Nordkorea. Linkesextremes Gedankengut ist genauso extrem und gefährlich wie rechtes - beides ist mit Menschenrechten und Grundgesetz unvereinbar! Zudem sind viele Probleme unserer heutigen Gesellschaft nicht zuletzt eine Folge des sogenannten "universellen sozialistischen Gedankens". Die Milliarden die wir jährlich in den Aufbau des von den Sozialisten über 40 Jahre hinweg vor die Wand gefahrenen Ostteils unseres Landes stecken müssen, könnten vielen in Not geratenen Menschen helfen. [...][Gekürzt, bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Danke. /Die Redaktion pt.]
Tröste dich! Das verträgt der Rechte wirklich nicht, die Arbeit am Begriff.
@Zeitenwende_08: Hat Ihnen schon mal jemand von den Gräueltaten Ihres sogenannten "universellen sozialistischen Gedankens" erzählt? Fragen Sie mal Stasi-Opfer oder Menschen aus Nordkorea. Linkesextremes Gedankengut ist genauso extrem und gefährlich wie rechtes - beides ist mit Menschenrechten und Grundgesetz unvereinbar! Zudem sind viele Probleme unserer heutigen Gesellschaft nicht zuletzt eine Folge des sogenannten "universellen sozialistischen Gedankens". Die Milliarden die wir jährlich in den Aufbau des von den Sozialisten über 40 Jahre hinweg vor die Wand gefahrenen Ostteils unseres Landes stecken müssen, könnten vielen in Not geratenen Menschen helfen. [...][Gekürzt, bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Danke. /Die Redaktion pt.]
Tröste dich! Das verträgt der Rechte wirklich nicht, die Arbeit am Begriff.
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