Chicago - Zum ersten Mal hat Iraks Premierminister Nouri al-Maliki einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen Truppen aus seinem Land gefordert. Das bedeutet eine außerordentliche Chance. Wir sollten sie ergreifen und damit beginnen, unsere Kampftruppen stufenweise zurückzuziehen. Genau dafür werbe ich schon seit Langem. Ein solcher Schritt ist notwendig, damit wir im Irak langfristig erfolgreich sein und die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten wahren können.

Der Streit über die richtige Strategie im Irak prägt diesen Wahlkampf. Anders als Senator John McCain, der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, habe ich mich bereits gegen den Krieg im Irak ausgesprochen, bevor er begann. Und als Präsident würde ich diesen Krieg zu Ende bringen. Ich war der Meinung, es sei ein schwerer Fehler, uns vom Kampf gegen al-Qaida und die Taliban ablenken zu lassen, indem wir ein Land besetzten, von dem keine unmittelbare Bedrohung ausging und das mit den Angriffen vom 11. September nichts zu tun hatte. Seitdem sind im Irak mehr als 4000 Amerikaner ums Leben gekommen. Wir haben fast eine Billion Dollar ausgegeben. Unsere Streitkräfte sind überlastet. Fast alle Bedrohungen, denen wir – von Afghanistan über al-Qaida bis Iran – ausgesetzt sind, haben sich verschärft.

In den 18 Monaten seit Präsident Bushs Ankündigung einer Aufstockung unserer Truppen im Irak (genannt »the surge«) haben unsere Streitkräfte Heroisches geleistet, um das Maß der Gewalt im Irak zu senken. Mit Hilfe neuer Taktiken wird mittlerweile die Bevölkerung besser geschützt. Die sunnitischen Stämme wiederum haben gegen al-Qaida Partei ergriffen und damit die Durchschlagskraft dieser Terrororganisation enorm geschwächt.

Aber die Faktoren, derentwegen ich die Truppenaufstockung abgelehnt habe, bestehen fort. Die Belastung unserer Streitkräfte ist gewachsen. Die Lage in Afghanistan hat sich verschlechtert. Und im Irak haben wir inzwischen fast 200 Milliarden Dollar mehr ausgegeben, als im Bundeshaushalt vorgesehen war. Die Regierenden im Irak haben Öleinnahmen im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar nicht dazu genutzt, um ihr eigenes Land wiederaufzubauen. Und sie haben keine Einigung über eine politische Neuordnung erzielt, obwohl genau dies ausdrücklich der Zweck der Truppenaufstockung war.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass die irakische Führung nun einen Zeitplan für den Rückzug der US-Streitkräfte aushandeln will. Das zeigt, dass sie bereit ist, Verantwortung für das eigene Land zu übernehmen. Nach Einschätzung von Generalleutnant James Dubik, dem für die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte zuständigen US-Offizier, werden Armee und Polizei des Iraks voraussichtlich im Jahr 2009 in der Lage sein, die Sicherheit zu gewährleisten.

Nur indem wir unsere Streitkräfte abziehen, können wir den nötigen Druck auf die Iraker ausüben, ihr Land umfassend politisch neu zu ordnen. Nur so können wir einen Umbruch erreichen, an dessen Ende die Iraker selbst die Verantwortung für die Sicherheit und Stabilität ihres Landes tragen. Aber statt die Chance zu ergreifen und die Iraker zu eigener Initiative zu ermuntern, weigern sich die Regierung Bush und Senator John McCain, diesen Umbruch voranzutreiben – entgegen ihrem früheren Bekenntnis, den souveränen Willen der Regierung des Iraks zu achten. Jeglichen Zeitplan für den Abzug der US-Streitkräfte nennen sie eine »Kapitulation«, obgleich wir den Irak an eine souveräne irakische Regierung übergeben würden.

Aber das ist keine Strategie mit Aussicht auf Erfolg – es ist eine Strategie des Ausharrens, die weder den Wünschen des irakischen noch des amerikanischen Volkes entspricht und zugleich den Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten entgegensteht. Das ist der Grund, weshalb ich an meinem ersten Amtstag den amerikanischen Streitkräften einen neuen Auftrag erteilen würde: Beendet diesen Krieg!