Die Frage, ob die Strahlung von Handys biologische Auswirkungen auf den Menschen hat, ist auch unter Forschern heiß umstritten. Und so ist eine Meldung, die im Internet kursiert, Wasser auf die Mühlen mancher Mobilfunkkritiker: Man kann ein Ei gar kochen, indem man es zwischen zwei Handys positioniert, die miteinander telefonieren.

Woher kommt die Nachricht? Die älteste Version stammt von einer humoristischen Website namens Wymsey Village, deren Betreiber offen zugibt, dass er die ganze Sache als Witz gemeint hat: »Ich fand die Behauptung, dass Handystrahlung das Gehirn zum Kochen bringen kann, ziemlich dumm und wollte ein bisschen zu dieser Dummheit beitragen.«

Die zweite Quelle ist eine richtige Zeitung: In der Komsomolskaja prawda berichteten im April 2006 zwei Redakteure, sie hätten den Versuch erfolgreich durchgeführt. Die beiden platzierten ein Ei zwischen zwei Handys, stellten eine Gesprächsverbindung her, unterlegten sie mit Musik (damit das Gespräch nicht automatisch beendet würde) und ließen die beiden Geräte miteinander telefonieren, bis bei einem das Gesprächsguthaben aufgebraucht war. Ihr angebliches Resultat: Nach 40 Minuten sei das Ei fühlbar warm geworden, und als sie das Experiment nach 65 Minuten hätten beenden müssen, sei das Eiweiß hart gewesen, das Eigelb dagegen noch ein bisschen flüssig. Kosten der Aktion, so der Artikel: 123 Rubel.

Die Komsomolskaja prawda war früher das Zentralorgan des sowjetischen Jugendverbandes und ist heute ein Boulevardblatt, das es offenbar mit der Wahrheit immer noch nicht so genau nimmt. Jedenfalls entbehrt die Geschichte jeder physikalischen Grundlage. Das Mobile Manufacturers Forum, eine Organisation der Handyhersteller, machte sich offenbar trotzdem Sorgen ums Image und rechnete auf seiner Website vor: Selbst wenn die gesamte Funkenergie der beiden Handys komplett von dem Ei aufgenommen würde – eine unrealistische Annahme –, ließe sich dessen Temperatur um maximal 13 Grad erhöhen. Das ist viel zu wenig, um das Eiweiß gerinnen zu lassen. Offenbar aber scheint die Idee die Menschen zu faszinieren. Seit Juni kursieren im Internet Videos, in denen vier junge Japaner mit ihren Handys Popcorn produzieren. Diese Clips haben sich allerdings als Werbefilmchen entpuppt. Dahinter steckt ein Hersteller von Handy-Headsets, der offenbar die Angst vor der Strahlung schüren will, damit die Leute seine Produkte kaufen.

Um letzte Zweifel zu beseitigen, haben wir das Experiment noch einmal im »Stimmt’s-Labor« für ZEIT online wiederholt – auf der Stimmt’s-Seite im Internet ist nun einwandfrei dokumentiert, dass das Eierkochen per Handy ins Reich der Legenden gehört.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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