Migration Abwehr und Arroganz Einwanderer

Zuwanderung: Auch die neuen Pläne der Regierung taugen nicht viel. Es bleibt dabei – Deutschland schottet sich ab

Neulich, im Zug von Hamburg nach Dortmund. Im Speisewagen sitzen zwei Manager aus dem Transportgewerbe und unterhalten sich über Frachtkapazitäten und Dieselpreise. Dann über die deutsche Fußballnationalmannschaft. Kurányi, Gómez, Podolski? Seien ja eigentlich keine Deutschen, sagt der eine Manager zum anderen, »jedenfalls keine richtigen Deutschen«.

Das ganze Elend schien auf in diesen beiden kurzen Sätzen – die Abwehr und Arroganz, die den Umgang von Teilen der deutschen Gesellschaft mit Integration und Einwanderung bestimmen. Manche verweigern selbst jenen Migranten ihr Deutschsein, die es nach oben geschafft und höchste nationale Weihen gewonnen haben. Und die Politik lässt solche Stimmungen zu, duckt vor ihnen und ist zum großen und vorwärtsweisenden Entwurf in Sachen Migration nicht fähig.

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Vergangene Woche zeigte sich die Misere aufs Neue. Das Bundeskabinett verabschiedete eine vollmundig »Aktionsprogramm« genannte Vorla- ge, mit der die deutschen Zuwanderungsregelungen wieder einmal »attraktiver gestaltet« werden sollen – die aber in wesentlichen Punkten alles beim Alten lässt. Akademiker können danach künftig etwas leichter nach Deutschland kommen, ausländische Studenten im Anschluss an ihr Studium etwas häufiger bleiben. Die Mindestverdienstgrenze für sogenannte hoch qualifizierte Einwanderer soll von über 86000 auf 63600 Euro im Jahr gesenkt werden. Zusammen mit ein paar weiteren Regeländerungen soll all dies dazu führen, dass die Republik im Wettbewerb um kluge Köpfe aus dem Ausland künftig besser dasteht als bisher. Das erklärte Ziel: Fachkräfte nach Deutschland holen, um damit dem drohenden Mangel an qualifiziertem Personal in vielen inländischen Branchen zu begegnen.

Zur Erinnerung: Diesem Ziel verschrieb sich die Regierung schon mit der großen Reform des Zuwanderungsgesetzes im Jahr 2005. Gemessen daran ist Deutschland allerdings bislang grandios gescheitert: 2007 kamen gerade einmal 466 »hoch qualifizierte« Fachleute aus Drittländern außerhalb der EU nach Deutschland, um hier dauerhaft zu leben und zu arbeiten. Nur noch 22700 Menschen mit mittleren Qualifikationen – vom Ingenieur bis zum Spezialitätenkoch – beantragten eine befristete Arbeitserlaubnis, ein knappes Drittel weniger als 2006.

Auch die neuesten Regeländerungen werden diesen traurigen Trend nicht umkehren. Wieder sind sie halbherzig. Einerseits bietet die Kabinettsvorlage einige minimale Verbesserungen, etwa durch die Senkung der absurd hohen Mindestverdienstgrenzen, die es Unternehmen künftig etwas leichter machen wird, Fachleute aus dem Ausland einzustellen. Andererseits aber bleibt es bei der grundsätzlichen Botschaft, dass sich Deutschland abschottet und einigelt. Komplizierte Sonderregelungen und zahllose Restriktionen machen den Aufenthaltsstatus für einwanderungswillige Ausländer wahlweise von »Vorrangprüfungen« oder einem künftig zu erstellenden »Arbeitskräftebedarfsindex« abhängig. Ob ein bisher in Deutschland nur »Geduldeter« auf Dauer bleiben darf, wird sich danach entscheiden, ob er auch »gut integriert« ist. Und für normale Arbeiter aus inzwischen gar nicht mehr so neuen EU-Staaten wie Polen, Tschechien oder Rumänien bleibt der deutsche Arbeitsmarkt bis 2011 gar gänzlich verschlossen. Einzig Österreich steht innerhalb der »alten« EU mit diesem restriktiven Kurs noch an Deutschlands Seite.

Leser-Kommentare
  1. Sehr positiv finde ich hier das Plädoyer für ein einheitliches Punktesystem.Es wäre a) sehr transparent sowohl für Deutsche als auch Ausländer (allerdings sollte es auch das gleiche Niveau wie das amerikansiche haben)b) Es würde uns qualifiziertere Einwanderer bescherenc) Ich wage sogar zu behaupten, dass es den Rassismus reduzieren würde.Wie ich zu der letzten Folgerung, die sich ganz und gar vom Artikel unterscheidet, komme?Ganz einfach, das momentane Ausländerrecht versteht, wenn wir einmal sehr ehrlich sind, so gut wie niemand. Dies ebnet Demagogen à la NPD und teilweise auch den Linken den Weg. ("Fremdarbeiter" "asoziales Pack"....sie kennen ja die einschlägigen Slogans).Aber ein simples Punktesystem ist für jeden transparent, man erkennt, dass der indische Ingenieur einem keinesfalls den Job am Fließband wegnehmen will und im besten Fall erkennt man sogar an, dass dieser Mann die Hälfte seines Lohnes in das soziale staatliche Netz investiert.Das Anfangsbeispiel fand ich nicht sehr geglückt, es zeigt nur einen sehr geringen Momentausschnitt aus der deutschen Wirklichkeit und leider wird die Ausgewogenheit an keiner Stelle wiederhergestellt.Ich persönlich könnte als Studentin ohne lange zu überlegen viele Gegenbeispiele finden.Die chinesische Austauschstudentin, die die bayerische Gastfreundschaft und die deutsche Meinungsfreiheit schätzt, ein türkisch-deutscher Freund, der nach jedem Verwandschaftsbesuch in Anatolien die Liberalität der Deutschen preist etc.Auch das sind nur Momentaufnahmen zugegebenermaßen und ich weis, dass es durchaus rassistische Tendenzen in D gibt. Aber es ist auch wichtig sich nicht nur darauf zu versteifen.Wenn sich beispielsweise 57% der Deutschen nach einer starken Führungsperson sehen, muss das noch kein Wunsch nach einer Diktatur sein, sonder kann auch die Sehnsucht nach einer Lichtfigur à la Obama sein.

    • df
    • 29.07.2008 um 15:30 Uhr

    Und wer gegen diese gebetsmühlenartig wiederholte Unternehmerpropaganda Stellung bezieht ist natürlich fremdenfeindlich und provinziell. Dabei konnte man eben noch lesen, dass die Konjunktur sich wieder am Rande des Abschwungs befindet, und dass die Neueinstellungen drastisch rückläufig sind. Und das bei einer unverändert hohen Arbeitslosigkeit bei Ingenieuren von 25.000, bei einer realen Gesamtarbeitslosigkeit von ca. 4.000000 (ohne die üblichen Statistiktricks). Der Grund für das Unternehmermärchen  vom Fachkräftemangel ist simpel: Mit einem Überangebot von Arbeitskräften kann man Löhne drücken und Gewerkschaften klein halten. Zum Schluss noch das Allerletzte! Die Zahl der Altbewerber die noch keine Lehrstelle hatten lag am 30.09.07 bei 385.000. Wer da von einem Lehrlingsmangel redet diskreditiert sich selbst!

  2. Leider hat die Zuwanderung nicht nur seine positiven Seiten.
    Und wer glaubt, dass eine gute Ausbildung alleine ein Garant für eine für eine problemlose
    Integration ist, übersieht die Komplexität der Thematik.  Ein Facharbeiter aus Tschechien wir sich in der
    Regel leichter in die deutsche Gesellschaft integrieren, als ein Ingenieur aus Marokko.
     Gerade der kulturelle und religiöse Aspekt
    wird nämlich hierbei noch immer gerne unterschätz. Vor wir uns also über mögliche Spätfolgen der Zuwanderung noch
    nicht im Klaren sind, sollte die Bildung der hiesigen Bevölkerung erst mal oberste
    Priorität haben.

  3. ...und zwar vor von der Bevölkerungsmehrheit ungewollten Immigration.Stichwort : Demokratie.Wann kommt endlich eine Volksbefragung, die diesem unsäglichen Dauerplädoyer der Multikultis ein für alle Mal ein Ende bereitet ?

    • Melone
    • 29.07.2008 um 20:06 Uhr

    Als seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland lebende Ausländerin kann ich die Behauptungen des Autors über die angebliche Fremdenfeindlichkeit und gar "Provinzialität" der Deutsche in keiner Weise bestätigen. Mein Eindruck ist ganz gegenteilig. Die Deutschen sind mehrheitlich fremdenfreundlich bis zur Selbstverleugnung -  mehr Selbstbewusstsein (und Selbstbehauptung!) täte not. Angesichts der vielfachen Bemühungen um internationale kulturelle Aktivitäten kann von Provinzialität keine Rede sein: jeder, der wie ich in so wunderbaren Ländern wie Frankreich und Italien viel gereist ist, wird bestätigen, dass dort (allenfalls mit Ausnahme der mega-city Paris) Mentalitäten, die sich als "provinziell" bezeichnen lassen, viel häufiger anzutreffen sind als bei den stets bemühten Deutschen. Dasselbe gilt für die USA, wo ich an einer kleinen, aber renommierten Universität unterrichtet habe: Die Amerikaner interessieren sich überwiegend für ihre nationalen, ja regionalen Angelegenheiten. Die Rückkehr nach Deutschland hat für mich auch die Rückkehr in ein aufgeschlosseneres Klima bedeutet. Das einzige, was in diesem Klima gelegentlich nervt und als provinziell empfunden werden kann, ist der unter den gebildeteren Schichten verbreitete Hang zur totalisierenden Selbstkritik, wie ihn dieser Artikel dokumentiert. Er ist ein historischer Überhang und könnte endlich mal abgebaut werden  - das erleichtert Aus- und Inländern dann sicherlich das Leben. - Recht gebe ich dem Autor hingegen darin, dass die Einwanderungsregeln an der Praxis Kanadas, der USA oder Australiens orientiert werden sollten. Auch Deutschland sollte nämlich die Einwanderung ganz pragmatisch an seinem Bedarf orientierten und nicht, wie derzeit, an moralischen Kriterien, die in diesem Bereich, in dem es um Selbsterhaltung des Landes geht, fehlplaciert sind. Moralische Fragen werden vom Asylrecht berührt, wo es aber um reguläre Einwanderung geht, geht es um legitime (!) Interessen der jeweiligen Nation. Leider wird das in Deutschland allzu häufig aus ideologischen Gründen durcheinandergeworfen.  Die aus der gänzlich verfehlten Einwanderungspolitik resultierenden Spannungen moralisierend der Bevölkerung zur Last zu legen, statt der Politik, die sie erzeugt hat, ist leider eine beliebte Praxis der Medien. Sie trägt zum Abbau dieser Spannungen nicht das geringste bei.  
     
    ponschek

  4. Die Regierungen, die alle aus moralischen Gründen eine 'Auffrischung' der Deutschen mit Zuwanderern gewünscht bzw. gutgeheißen haben, waren sich zu wenig im Klaren darüber, dass es immer auch eine Grenze des Möglichen gibt. Diese Grenze ist aufgrund der teils schlechten Erfahrungen der einfachen Leute mit Zuwanderern überschritten worden. Nur noch mit dem Dauerargument von der Nazi-Schuld Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl lässt sich die Strategie der herrschenden Politiker übertünchen. Die Zuwanderung der letzten 50 Jahre hat Deutschland viele Impulse gebracht, die die allermeisten wohl kaum missen wollten. Die nunmehr täglichen Übergriffe auf Deutsche seitens gewisser Nationalitäten Bitte vermeiden Sie rechtsradikale Pauschalisierungen  hat allerdings zu einer wachsenden Skepsis der angestammten Bevölkerung geführt. Die Politiker hatten viel Zeit, die Zuwanderung in akzeptable Bahnen zu lenken, aber sie haben die Gelegenheit dafür verspielt. Bitte passen Sie Ihr Denken der political correctness an, sonst wird dieser Kommentar gelöscht.

  5. das Wohlfahrt zu Hause beginnt? Gute Ausbildung fuer die in Deutschland lebenden Menschen anstatt immer neue Schemen zu entwickeln um Auslaender ins Land zu bringen.Die existierenden Arbeitslosen,die nicht alle unqualifiziert oder zu alt sind in Jobs zu bringen die ihnen ein gutes Einkommen geben ,das sollte die Prioritaet der Regierung sein.Denn was die unqualifizierte,ungesteuerte Migration uns gebracht hat koennen wir ja taeglich beobachten.
     
     
    Life is complicated, think small.

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