Im Herbst 1882 schickten Oskar von Miller und Marcel Depréz zum ersten Mal elektrischen Strom über eine fast 60 Kilometer lange Telegrafenleitung von Miesbach nach München. Erst diese Idee ermöglichte moderne Elektrizitätsnetze mit Kraftwerken, Überlandleitungen und Steckdosen. Und sie beendete das Zeitalter der Generatoren, die damals noch in den Kellern vieler Fabriken standen und allenfalls ein paar Glühbirnen und Maschinen in ihrer Nähe betrieben.

Brunnen in den Hinterhöfen wurden überflüssig, nachdem im 19. Jahrhundert weitverzweigte Rohrnetze in Städten wie London, Hamburg und Wien entstanden waren und das Wasser zuverlässig in die Häuser strömte.

Zweimal beendete eine neue Netzstruktur eine Ära der Selbstversorger: weil die Menschen Wasser wollten, aber keinen Brunnen. Weil sie Strom wollten, aber keinen Generator im Keller.

Demnächst könnte sich die Geschichte wiederholen – in der Welt der Computer. Denn längst ist aus der rudimentären Leitung, über die Wissenschaftler der Universität in Los Angeles 1969 zum ersten Mal Daten ins Hunderte Kilometer entfernte Stanford Research Institute schickten, ein weitverzweigtes Netz geworden. Die Zahl der schnellen, sogenannten Breitbandanschlüsse ist in den vergangenen fünf Jahren auf 350 Millionen gestiegen und hat sich somit mehr als verdreifacht. Und das Wachstum geht weiter.

Viele Computernutzer schreiben bloß Briefe und surfen im Internet

An diesen Anschlüssen hängen heute meist leistungsstarke Personal Computer. Insgesamt rechnen weltweit rund eine Milliarde dieser Maschinen vor sich hin. Ob sie Textverarbeitungsprogramme ausführen oder Tabellen erstellen, nach Viren scannen, Fotos, Videos oder Musikstücke verwalten – letztlich verarbeiten sie oft bloß digitale Informationen, die auf ihren Festplatten gespeichert sind.

Noch werden jedes Jahr mehr Personal Computer verkauft. Doch es ist durchaus wahrscheinlich, dass der PC bald das Schicksal von Brunnen und Generator teilt. Jetzt, da das Netz steht, muss eine alte Frage neu gestellt werden: Wer braucht eigentlich noch einen kompletten Rechner, wenn er doch nur Rechenleistung benötigt?