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Gut ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Personal Computers steht seine Zukunft infrage: Die Programme wandern ins Netz – wer braucht da noch einen teuren Rechner? von 

Im Herbst 1882 schickten Oskar von Miller und Marcel Depréz zum ersten Mal elektrischen Strom über eine fast 60 Kilometer lange Telegrafenleitung von Miesbach nach München. Erst diese Idee ermöglichte moderne Elektrizitätsnetze mit Kraftwerken, Überlandleitungen und Steckdosen. Und sie beendete das Zeitalter der Generatoren, die damals noch in den Kellern vieler Fabriken standen und allenfalls ein paar Glühbirnen und Maschinen in ihrer Nähe betrieben.

Brunnen in den Hinterhöfen wurden überflüssig, nachdem im 19. Jahrhundert weitverzweigte Rohrnetze in Städten wie London, Hamburg und Wien entstanden waren und das Wasser zuverlässig in die Häuser strömte.

Zweimal beendete eine neue Netzstruktur eine Ära der Selbstversorger: weil die Menschen Wasser wollten, aber keinen Brunnen. Weil sie Strom wollten, aber keinen Generator im Keller.

Demnächst könnte sich die Geschichte wiederholen – in der Welt der Computer. Denn längst ist aus der rudimentären Leitung, über die Wissenschaftler der Universität in Los Angeles 1969 zum ersten Mal Daten ins Hunderte Kilometer entfernte Stanford Research Institute schickten, ein weitverzweigtes Netz geworden. Die Zahl der schnellen, sogenannten Breitbandanschlüsse ist in den vergangenen fünf Jahren auf 350 Millionen gestiegen und hat sich somit mehr als verdreifacht. Und das Wachstum geht weiter.

An diesen Anschlüssen hängen heute meist leistungsstarke Personal Computer. Insgesamt rechnen weltweit rund eine Milliarde dieser Maschinen vor sich hin. Ob sie Textverarbeitungsprogramme ausführen oder Tabellen erstellen, nach Viren scannen, Fotos, Videos oder Musikstücke verwalten – letztlich verarbeiten sie oft bloß digitale Informationen, die auf ihren Festplatten gespeichert sind.

Noch werden jedes Jahr mehr Personal Computer verkauft. Doch es ist durchaus wahrscheinlich, dass der PC bald das Schicksal von Brunnen und Generator teilt. Jetzt, da das Netz steht, muss eine alte Frage neu gestellt werden: Wer braucht eigentlich noch einen kompletten Rechner, wenn er doch nur Rechenleistung benötigt?

»Die Ära des Personal Computers geht vorüber«, glaubt Rüdiger Spies von der auf Informationstechnik spezialisierten Beratungsfirma IDC aus München. Gut ein Vierteljahrhundert, nachdem IBM Anfang der Achtziger mit dem PC 5150 die erste graue Rechenkiste für jedermann auf den Markt brachte, steht die Zukunft eines Alltagsgegenstandes infrage. Ein radikaler Wandel deutet sich an, wie ihn die digitale Branche schon einmal erlebte. Erst rechneten wenige – Mainframe genannte und schrankgroße – Apparate vor sich hin, zu denen gehen musste, wer etwas von ihnen wissen wollte. Als die Computer schneller, billiger und vor allem kleiner wurden, eroberten sie die Schreibtische und Aktentaschen. Und jetzt krempelt das Netz die Welt der Hard- und Software erneut um.

Wenn Menschen vor ihrem Computer sitzen, schreiben sie hauptsächlich Briefe – oder surfen im Internet. Dafür jedoch sind hochgerüstete Schreibtischmonster mit potenten Grafikkarten und riesigen Festplatten eigentlich überdimensioniert. Kleinere, leichtere und billigere Geräte genügen. Denn beliebte Internetseiten von Google, Amazon, Yahoo, eBay und Co belasten den heimischen PC sowieso nicht. Ihre Software läuft im Innern des Netzes: auf den Server genannten Großcomputern in den Rechenzentren der Betreiber von Suchmaschinen, Onlineshops, Reisebüros und Sozialen Netzwerken.

Rechenzentren sind für das Informationszeitalter, was Talsperren und Kraftwerke für Wasser und Strom sind: Speicher und Quelle. Bisweilen sind Rechenzentren so groß wie Lagerhallen. Weltweit gibt es derzeit etwa drei Millionen davon. Ihr Siegeszug stellt das gängige Dogma infrage, dass auf jedem Schreibtisch ein Personal Computer mit fest installierter Software stehen muss. Unternehmen wie Google symbolisieren dieses neue Verständnis von vernetzter Informationstechnik und setzen die älteren Konzerne unter Druck, allen voran die beherrschende Firma auf dem Markt für Computersoftware, Microsoft. Dieser Druck entlädt sich derzeit in Übernahmeschlachten wie derjenigen um Yahoo. Microsoft will die Internetfirma kaufen, um den Rückstand zu seinem Konkurrenten Google aufzuholen, der Gratisprogramme mit Onlinewerbung finanziert, statt die Software selbst zu verkaufen. Doch bei einigen Firmenkäufen wird es nicht bleiben – zu grundsätzlich sind die bevorstehenden Veränderungen. Das ahnte wohl auch Bill Gates, als er an einem späten Sonntagabend im Oktober 2005 eine E-Mail an den engsten Führungskreis von Microsoft schickte. Darin warnte der Gründer vor einer kommenden Welle, die »sehr zerstörerisch« sein werde.

Jetzt ist sie da.

Das Internet wäre ohne Arbeitsteilung kaum denkbar: Viel Rechenleistung wird schon heute nicht mehr im Gerät des Surfers erbracht, sondern an unbekannten, oftmals fernen und zudem auch noch wechselnden Orten. Wer eine Frage an eine Suchmaschine schickt, kann die Antwort mal aus Deutschland, mal aus Indien und mal aus den Vereinigten Staaten erhalten – ohne dass er es merkt. Der Standort der Rechenzentren interessiert die meisten Nutzer ohnehin bestenfalls so viel wie die Frage, von welchem Windrad der Ökostrom stammt. Solange gleichbleibende Qualität zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar ist, können also auch Informationen so gut wie überall auf dem Planeten verarbeitet werden. Oder, etwas poetischer formuliert: somewhere in the clouds. Irgendwo in den Wolken.

Die Internetgemeinde hat zwar immer wieder ihre frenetisch bejubelten Modewörter, und »Cloud Computing« ist eines davon. Doch es lässt sich schon heute mit Inhalt füllen – und erzeugt eine Menge Nervosität.

Um das Phänomen erforschen zu lassen, hat die Europäische Union im Februar 17 Millionen Euro spendiert. Und mit Amazon hat inzwischen sogar ein Pionier des Internets begonnen, sein Geschäftsmodell auf die große Rechenwolke auszurichten. Das Unternehmen ist seit einiger Zeit dabei, sich vom Versandhändler zum Dienstleister für Rechenjobs zu wandeln. Rund 370000 Kunden hat Amazon damit bereits gewonnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jeff Bezos seine Firma umbaut. Schnell machte er aus dem einstigen Buchhändler ein ganzes Warenhaus, das vom Fön bis zum Plüschtier praktisch alles verkauft. Dann öffnete er es professionellen Händlern, die ihre Ware unter dem Dach von Amazon, aber auf eigene Rechnung anbieten. Und seit Kurzem bedient Bezos eine dritte, schnell wachsende Kundengruppe, die vor allem Rechenleistung verlangt. Diese hat Amazon reichlich zu bieten. Die Rechenzentren der Firma nehmen Bestellungen an, vergleichen Preise und erstellen Nutzerprofile. Sie sind eine gigantische Ressource, die aber längst nicht immer voll ausgelastet ist. Warum also sollte man sie nicht mit anderen teilen?

Moderne Server, wie sie zu Hunderten in den Rechenzentren stehen, gibt es teilweise schon ab etwa 1000 Euro. Plus Installation, plus Wartung, plus jede Menge Nerven. Bei Amazon kann man einen fertigen Server für sich rechnen lassen – eine Stunde für nicht mal sieben Cent. Und wer nur große Datenmengen archivieren will, kann beliebig viel Platz auf den riesigen Amazon-Festplatten mieten, für elf Cent monatlich pro Gigabyte. Bezahlt wird nur, was tatsächlich genutzt wird. Ohne Grundgebühren, ohne Abo. Vor vier Jahren sei ihm klar geworden, »dass dieses Modell das Potenzial hat, ein bedeutendes Geschäftsfeld zu werden«, sagte Bezos kürzlich am Rande einer Konferenz in Kalifornien. Wenig später wurde aus der Idee ein Angebot – und inzwischen beansprucht der Wolkendienst mehr von Amazons Datenverkehr als der globale Versandhandel.

Zu den neuen Kunden gehören kleine Entwicklerfirmen wie Animoto aus New York, deren Software aus Bildern und Liedern seiner Kunden selbstständig Musikvideos erstellt – und die zumindest teilweise auf den Rechnern von Amazon läuft. Auch die ehrwürdige New York Times lieh sich schon Rechenpower des Onlinehändlers aus Seattle, um Artikel aus den Jahren 1851 bis 1922 für das Internet digital aufzubereiten.

Noch wird die Idee, sich digitale Ressourcen zu teilen, vor allem von Unternehmen genutzt. Ähnliche Angebote für Privatleute gibt es zwar auch. Man nimmt sie aber nicht als Teil des Cloud Computings wahr: Fotos, Videos, E-Mails – Millionen Menschen speichern sie schon im Netz, bei Flickr, YouTube, Hotmail. Sie nutzen MobileMe von Apple oder einen der Google-Dienste. Die Suchmaschinenfirma bietet einen E-Mail-Dienst ohne E-Mail-Programm an, den Routenplaner namens Maps, für den man keine eigene Kartensoftware braucht. Und sogar eine Textverarbeitung, die man nicht mehr – wie das populäre Microsoft Word – auf einem Computer installieren muss, um einen Brief schreiben zu können. Adobes Textverarbeitung namens Buzzword funktioniert ganz ähnlich. Und letztlich basieren auch Soziale Netzwerke wie das globale Freundschafts-Kaffeekränzchen Facebook auf dem Cloud-Gedanken. Einen voll ausgerüsteten Personal Computer braucht dafür niemand mehr.

Wie schnell die Menschen eine noch vor wenigen Jahren etablierte Alltagstechnik vergessen, zeigt der Anrufbeantworter. Vor gar nicht mal so langer Zeit hing an fast jedem heimischen Telefon noch eine klobige Kiste, in der eine Leerkassette vor sich hin spulte. Dann kam die digitale Variante, die teilweise sogar ins Telefon eingebaut wurde. Es war jedoch stets bloß die zweitbeste Lösung für alle, die nur an einer Nachricht, nicht aber an einer Maschine zur Speicherung von Nachrichten interessiert waren. Die Folge: »Die Geräte lösten sich im Netzwerk der Wolke auf«, schreibt der amerikanische Autor Nicholas Carr. Wer heute vom Handy oder von vielen Festnetzanschlüssen aus seine Mitteilungen abhört, telefoniert längst mit einem virtuellen Anrufbeantworter, irgendwo in einem fernen Rechenzentrum.

Die Umsetzung der Wolken-Idee hängt entscheidend davon ab, wie schnell große Mengen an Daten hin- und hergeschickt werden können. Einer Studie des Netzwerkausrüsters Cisco zufolge wird sich der globale Datenverkehr bis 2012 vervierfachen. Und ebenso wie Wasserwerke und Wasserhähne zwecklos sind, wenn die Leitungen zwischen ihnen zu klein sind oder nicht gewartet werden, muss auch die Datenautobahn noch weiter ausgebaut werden. In Japan etwa ist das Netz mitunter bis zu zehnmal so schnell wie in Deutschland – gleichzeitig kostet Surfen dort in der günstigsten Variante teilweise nur ein Zehntel der hiesigen Summe.

Unternehmen wie Sun, HP und IBM, die Server für Rechenzentren herstellen, propagieren den technischen Wandel. Dennoch dürfte es einige Zeit dauern, bis die Datenwolke dem PC den Garaus macht. »Cloud Computing stellt einen weiteren Evolutionsschritt in der Informationstechnik dar. Dennoch sind die dahinterliegenden technischen Fragestellungen äußerst komplex«, sagt Heinz-Hubert Weusthof, Bereichsleiter im deutschen Entwicklungszentrum von IBM. »Der vollständige Durchbruch wird bestimmt noch einige Jahre auf sich warten lassen.« Langfristig, so ist er überzeugt, werde die Wolke die Beziehung des Menschen zum Computer allerdings so stark verändern wie einst jene zum Automobil. Als es vor 120 Jahren erfunden wurde, konnten es sich nur wenige leisten. Dann war es lange Zeit so unzuverlässig, dass man es ständig reparieren musste. »In den sechziger Jahren mussten Sie noch etwas von Technik verstehen, um ein Auto zu bedienen«, sagt Weusthof. »Heute müssen Sie nur noch die Verkehrsregeln beherrschen, um fahren zu können.«

Die Parallele zum Personal Computer ist augenfällig. Anfangs ein aufwendiges Hobby für Technikfreaks mit einer überschaubaren Zahl an Sozialkontakten, haben PCs das Arbeits- und Privatleben erobert. Geblieben ist der Aufwand, den sie verursachen: Programme müssen installiert, Virenscanner ständig aktualisiert, private Drahtlosnetzwerke eingerichtet und gesichert werden. Jeder weiß, wie viel Zeit das kostet und dass Plug and play vor allem Wunschdenken ist. Kauft man einen neuen Rechner, geht alles von vorn los – wie sonst bitte kommen all die Fotos, Briefe und Videodateien auf das neue Gerät? Adressdatenbanken müssen permanent synchronisiert werden, damit die jeweils in Desktop, Laptop und Handy gespeicherten Kontaktlisten stets auf dem gleichen Stand sind. Welch eine Zeitverschwendung! Die ganze Anstrengung wäre überflüssig, verlagerte man sämtliche Speicher- und Rechenarbeit gleich an einen zentralen Ort, wo sie bei Bedarf lediglich abgerufen wird. Wie einen einzigen gigantischen Computer kann man sich die Rechenwolke vorstellen.

»Statt Personal Computer werden kleinere Geräte künftig das Wachstum auf dem Massenmarkt vorantreiben«, sagt Timothy Bresnahan, Ökonomieprofessor an der Stanford University in Kalifornien, »vom Musikspieler bis zum Handy.« Multimedia-Handys wie das iPhone von Apple beweisen, dass sich auch ohne große Rechenmaschinen ganz passabel im Internet surfen lässt. Wer hauptsächlich E-Mails lesen, den Wetterbericht abrufen oder die jüngsten Schlagzeilen überfliegen will, ist mit dem Surfzwerg bestens bedient. Und wenn das iPhone den ersten Sargnagel für den Personal Computer darstellt, wird der EeePC ein zweiter. Zwar erinnert das Gerät optisch noch an einen etwas zu klein geratenen gewöhnlichen Laptop. Aber Vieles, was einen Personal Computer bislang ausmachte, fehlt ihm: Festplatte, DVD-Laufwerk und ein hoher Preis zum Beispiel. Der EeePC kostet in der Basisversion knapp 300 Euro, ist auf billig getrimmt, eher ein Surfbrett als ein Computer, und kaum noch in der Lage, umfangreiche Programme zu verarbeiten oder riesige Datenberge zu speichern. Die Kunden können darauf aber offenbar verzichten: Bis Ende dieses Jahres will der taiwanesische Hersteller Asus fünf Millionen EeePCs verkaufen. Detaillierte Absatzzahlen verrät Asus zwar nicht, aber aus Angst, einen Trend zu verpassen, haben die meisten anderen Laptop-Produzenten ebenfalls abgespeckte Billigmodelle angekündigt.

So ergeht es typischerweise einem reifen Produkt, das seinen Höhepunkt überschritten hat. Technisch unterscheiden sich die heutigen Modelle oft nur noch minimal, der Preis gerät zum wichtigsten Differenzierungsmerkmal. Manche Analysten glauben, dass IBM auch deswegen vor ein paar Jahren seine PC-Sparte verkaufte und sich heute stark auf Cloud Computing konzentriert. Kommentieren möchte IBM-Manager Weusthof das zwar nicht, wie er sagt, »aber Sie können sicher sein, dass hinter solchen Entscheidungen immer auch strategische Überlegungen stehen«.

Hardwarehersteller sind nicht die Einzigen, die vor einer Zeitenwende stehen. Auch die großen Softwarefirmen haben erkannt, dass ihnen die Cloud eines Tages die Existenzgrundlage entziehen könnte. Denn noch folgt ihr Geschäftsmodell der Idee: ein Rechner, ein Programm. »Jetzt wird am ganz, ganz großen Softwarerad gedreht«, sagt der Berater Spies. »Es geht darum, wie Software künftig erworben, verteilt und refinanziert wird.«

Kurz bevor Bill Gates in den Ruhestand wechselte, mahnte der Microsoft-Gründer noch einmal, die Wolke, ihre technischen und ökonomischen Auswirkungen, nicht zu unterschätzen. »Noch vor zehn Jahren wäre es lächerlich gewesen, darüber zu reden«, sagte er im Frühjahr auf einer Konferenz in Seattle, »die Bandbreiten und Speichermöglichkeiten waren damals einfach nicht vorhanden.«

Heute aber sind sie es, und Microsoft wird gleich von zwei Seiten angegriffen: bei Betriebssystemen und Bürosoftware. Mit Windows und Office (wozu auch die Textverarbeitung Word gehört) ist Microsoft in beiden Bereichen Marktführer. Der Verkauf von Lizenzen für diese Programme sorgt bei Microsoft für rund zwei Drittel des Umsatzes – und den kompletten Gewinn.

Neue Internetmaschinen wie das iPhone oder der EeePC laufen jedoch auch ohne Windows. Und sollten sich Angebote wie Googles internetbasierte und für Privatnutzer auch noch kostenlose Textverarbeitung durchsetzen, dürfte es für Microsoft schwer werden, zu begründen, warum man für eine ähnliche Software weiterhin Geld bezahlen und sie dann noch umständlich auf einzelnen Rechnern installieren soll.

Microsoft testet zurzeit verschiedene Zwischenlösungen: Mal wird die Bürosoftware Office zur Miete über das Internet angeboten. Mal sollen damit erstellte Dokumente nicht mehr ausschließlich auf der heimischen Festplatte, sondern auch in einem der zahlreichen Rechenzentren von Microsoft gespeichert werden – und wären dann von überall auf dem Planeten zugänglich. »Diese Kombination bietet den Kunden mehr Wahlmöglichkeiten«, sagt Tim O’Brien, Direktor für den Bereich Plattformstrategie bei Microsoft. Sie sei flexibler als der herkömmliche Ansatz, aber auch als die Vision der Cloud - Puristen, die ausschließlich auf das Internet setzen. Microsoft glaubt nicht daran, dass der Personal Computer eines Tages verschwindet und mit ihm die Grundlage für das angestammte Geschäftsmodell.

Vielleicht liegt hierin auch der größte Schwachpunkt der Idee des Cloud Computings. Wer auf die Rechenkraft eines Personal Computers verzichtet und folglich sämtliche Programme und Dokumente von seiner heimischen Festplatte ins Internet verlegt, ist ohne Onlineverbindung aufgeschmissen.

Einerseits.

Andererseits beginnen nun auch die Kosten für den mobilen Internetzugang zu sinken. Neue, leistungsfähigere Mobilfunkstandards stehen vor dem Durchbruch und werden es schon in wenigen Jahren gestatten, noch mehr Daten noch schneller durch die Luft zu schicken. Das dürfte Cloud Computing befördern.

Die Welle, über die Bill Gates vor einigen Jahren sprach, hat sich als Wolke entpuppt – doch ihr Zerstörungspotenzial bleibt unverändert. Und wenn die Kunden eines Tages tatsächlich ihre Gewohnheiten ändern sollten, dürfte sich ihre verheerende Wirkung gleich doppelt entfalten: zuerst bei den Programmen. Und dann bei den Computern, auf denen sie laufen.

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Leserkommentare
  1. Schäuble und andere Überwachungsfanatiker haben's dann leicht: nur mal schnell ins Rechenzentrum und einen Scanner über die Daten laufen lassen...
    Da braucht wirklich keiner mehr den Bundestrojaner.

    und wenn CIA, KGB, FSB & Co. Wirtschaftsspionage betreiben wollen - auch kein Thema.

    Schöne neue Welt.

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    • lef
    • 25. Juli 2008 20:21 Uhr

    Dass "Schäuble" soewieso jederzeit durch Ihren PC wandern kann, wenn "er" will?Schalten Sie lieber ganz schnell ab, werfen Ihren PC aus dem Fenster und lesen die "Zeit" auf Papier!(Dann werden auch paranoide Kommentare in Zukunft wesentlich weniger und es darf wieder sachlich diskutiert werden)(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 25. Juli 2008 20:21 Uhr

    Das ist auch das derzeitige Problem von Google Apps. Unternehmen wollen nur ungern Ihre Daten, sei es Dokumente oder Tabellenkalkulationen, auf Google Servern ablegen.Das Problem ist jedoch nicht unlösbar. Die Inhalte könnten verschlüsselt werden. Allerdings wenn es um das Rechnen auf den Servern geht, bräuchte man schon neue Verschlüsselungsverfahren. Ein Server müßte dann z.B. fähig sein zwei Zahlen zu addieren, ohne zu "wissen" welche Zahlen es sind, und was das Ergebnis tatsächlich ist. Erst der Client, der Computer den Nutzers, könnte diese Daten entschlüsseln.Nach meinem Wissen, gibt es solche Verschlüsselungsverfahren noch nicht. Die einzige Lösung ist also der klassische eigene Server, mit verschlüsselten Festplatten.Also, in die Rechenwolken werden Unternehmen noch lange keinen Zugang finden. Es sei denn, daß sie dazu über die Kostenfrage gedrungen werden. Der Druck seitens Konkurrenz müßte aber extrem sein.

    • TyRell
    • 26. Juli 2008 1:25 Uhr

    Ganz im Gegenteil wie die erste Antwort auf Ihren Kommentar, denke ich so ziemlich das Gleiche und finde es wichtig, diesen Aspekt des "Cloud-Computings" näher zu betrachten. Wer hat dann Einblick in sensible Daten und woher weiß man, wie sicher sie sind, wenn sie irgendwo in den "Daten-Wolken" des Cloud-Computing Netzwerks gespeichert werden. Ich halte das für eine wirklich absurde Vorstellung! Wer meint, so mit seinen Daten umzugehen, der soll das tun. Für mich ist das Quatsch. Wiederum finde ich aber die Zusammenlegung der Rechenkapazitäten für anspruchsvolle Rechenaufgaben wirklich sehr interessant. Dadurch erhalten sogar private Nutzer die Möglichkeit, Atomtests und Wetterdaten zu simulieren. Über den Sinn, darf man sich jetzt streiten. Oder auch nicht.

    • lef
    • 25. Juli 2008 20:21 Uhr

    Dass "Schäuble" soewieso jederzeit durch Ihren PC wandern kann, wenn "er" will?Schalten Sie lieber ganz schnell ab, werfen Ihren PC aus dem Fenster und lesen die "Zeit" auf Papier!(Dann werden auch paranoide Kommentare in Zukunft wesentlich weniger und es darf wieder sachlich diskutiert werden)(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. Die Redaktion/jk)

    Antwort auf "Gruselige Vorstellung"
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    • Anonym
    • 26. Juli 2008 0:31 Uhr

    dass es zu dem artikel dumme kommentare geben würde lag ja auf der hand. dass ihrer der erste dieser art ist, darf sie ruhig unglücklich machen.[Anmerkung: Bitte versuchen Sie, auf Provokationen zu verzichten./ Die Redaktion; ew]

    meinem kann er gewiss nicht herumstöbern. Wechseln sie mal das Betriebssystem!

    • Anonym
    • 25. Juli 2008 20:21 Uhr

    Das ist auch das derzeitige Problem von Google Apps. Unternehmen wollen nur ungern Ihre Daten, sei es Dokumente oder Tabellenkalkulationen, auf Google Servern ablegen.Das Problem ist jedoch nicht unlösbar. Die Inhalte könnten verschlüsselt werden. Allerdings wenn es um das Rechnen auf den Servern geht, bräuchte man schon neue Verschlüsselungsverfahren. Ein Server müßte dann z.B. fähig sein zwei Zahlen zu addieren, ohne zu "wissen" welche Zahlen es sind, und was das Ergebnis tatsächlich ist. Erst der Client, der Computer den Nutzers, könnte diese Daten entschlüsseln.Nach meinem Wissen, gibt es solche Verschlüsselungsverfahren noch nicht. Die einzige Lösung ist also der klassische eigene Server, mit verschlüsselten Festplatten.Also, in die Rechenwolken werden Unternehmen noch lange keinen Zugang finden. Es sei denn, daß sie dazu über die Kostenfrage gedrungen werden. Der Druck seitens Konkurrenz müßte aber extrem sein.

    Antwort auf "Gruselige Vorstellung"
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    Bei groesseren Unternehmen sehe ich die Notwendigkeit, Daten direkt ins Internet auszulagern aber gar nicht. Was frueher immer richtig viel Platz weggenommen hat, war der Monitor eines Rechners, der Tower liess sich schon immer gut unterm Tisch oder unterm Monitor verrstauen. Seit es Flachbildschirme gibt, hat sich das erledigt. Das Platzproblem ist also quasi nicht vorhanden.Allenfalls in einer 8 qm Studentenbude wuerde man gerne auch diesen Platz sparen - doch Studenten kaufen sich (wie so viele andere) ohnehin lieber Laptops, wenn sie es sich leisten koennen oder arbeiten im Computerraum der Uni. Auch teile ich die Erfahrung nicht, dass es Probleme macht, die Daten umzukopieren. Wenn ich mir einen neuen Rechner kaufe, wird mittels einer externen Festplatte im Computerladen doch alles in weniger als 10 Minuten auf den neuen Rechner uebertragen. Zudem:wenn ich die Dateien im Internet haette wuerde ich sich auch an verschiedenen Stellen ablegen wollen. Zu oft ist es schon vorgekommen, dass ich auf Seiten wie gmx oder myspace nicht zugreifen konnte (oder dass gar die komplette Internetverbindung zusammengebrochen ist).Ich denke schon, dass eine Sparversion des Laptop  ohne eigene Rechenleistung sich recht gut verkaufen wird - aber eben als ein "Spielgeraet" fuer Jugendliche oder ein Zusatzgeraet. Wenn man z.B.verreist und auf einer Konferenz einen Vortrag haelt, ist es angenehmer ihn sich vorher als mail attachment zu schicken und ihn noch ein wenig zu bearbeiten, ohne permanent einen dann doch entweder sehr schweren oder aber sehr teuren (oder beides) Laptop mit sich herumzutragen. Komplett ersetzen wird er den Rechner aber nicht.

    • Anonym
    • 25. Juli 2008 20:55 Uhr

    Ein höchst aufschlussreicher Abriss zum Thema PC, vielen Dank.

  2. In dem Artikel stecken einige Denkfehler. Endgeräte sind im PC- und mobilen Bereich nicht einfacher geworden, wie im Artikel behauptet, sondern technisch immer komplexer und anspruchsvoller. Hat man früher vielleicht mit einem PC unterwegs telefoniert? Es ist doch eher so, dass man heute die Leistung eines PCs im mobilen Endgerät verfügbar hat. Auch die neuen Mini-PCs für 300 Euro spiegeln keinen Trend zur Vereinfachung wider. Sie werden technisch weiterentwickelt werden (höhere Prozessorleistung, mehr Speicherplatz) und dann auch anspruchsvolle Anwendungen ermöglichen. Gerade dort liegt der Markt der Zukunft. Leistungsfähige dezentrale Kapazitäten, die über Breitband miteinander vernetzt sind. Wahrscheinlich ist es sogar bald möglich, dass jeder Home-PC zum Server wird, den man von überall unterwegs erreichen kann. Die Weiterentwicklung der Breitbandtechnik würde auch ein solches Szenario unterstützen.Natürlich benötigt man dann immer noch zentrale Services, z.B. für den Zugriff auf Geodaten oder Börsenkurse oder ähnliches. Der Vorteil wäre aber, dass man dann souverän über die eigene IT-Infrastruktur und die eigenen Daten verfügen kann. Anbieter würden darum konkurrieren, hierfür die besten Programme und die aktuellsten und schnellsten Datenbanken zu liefern. So etwas hätte den Namen "Cloud" tatsächlich verdient und darin liegt der zweite Denkfehler im Artikel.Die sogenannte "Cloud", wie sie hier gegen den Sinn des Wortes vermarktet wird, ist nichts anderes als der Größenwahn einiger Konzerne, die glauben, sie könnten in Zukunft als einziger Anbieter überleben, denn nur dann würde ein solches Konzept der zentralen Haltung von Daten und Applikationen Sinn machen. Bei mehreren Anbietern würde der Kunde nämlich im Dschungel von angebotenen Services, Tarifen  und Passwörtern untergehen. Das existierende Web-Zwo-Null zeigt hier die vorhandenen Probleme schon deutlich. Wer etwas "hundert Prozent" auf ihn zugeschnittenes braucht, muss auf die verschiedenen Anbieter zurückgreifen, zwischen denen aber auch gar nichts kompatibel ist. Und das wird so bleiben. Würden sich am Ende einige wenige Anbieter durchsetzen mit irgendwelchen allumfassenden Services, würde bald der Antrieb für Weiterentwicklungen versiegen, da die Konkurrenz fehlt.Der Begriff "Cloudcomputing" sollte deshalb den Marketingabteilungen von Google und Yahoo und Microsoft wieder abgenommen werden. Man sollte es besser "Big-Brother"-Computing nennen. Für das, was sie vorhaben, ist der Begriff "Cloudcomputing" ein Fehlgriff. Er würde besser passen auf ein Netz hochleistungsfähiger Endgeräte, über die der Anwender selbst verfügt. Auch wenn viele nur Textverarbeitung und Internetsurfing wollen. Zumindest ihre Daten werden sie nicht ohne weiteres aus der Hand geben wollen. Es gibt übrigens noch weitere Szenarien, von denen viele glauben, diese seien die alternativlose Zukunft. Z.B. dass es bald nur noch mobile Endgeräte gibt. Aber wer will seinen Augen eigentlich diese Mäusekinos tatsächlich auf Dauer zumuten? Arbeitswissenschaftler halten solche Geräte sowieso für unproduktive Zeitfresser. Vernünftiger wäre doch das PC-gestützte Heimkino mit dem Riesen-Flat-Bildschirm im Arbeitszimmer und im Wohnzimmer. Zumal aufgrund der hohen Mobilitätskosten (Ölpreis) in Zukunft immer mehr Menschen zu Hause arbeiten werden und mit Hilfe von Video-Konferenzen vom eigenen Sofa aus kommunizieren anstatt sich in den Flieger zu setzen.Das solch alternative Szenarien vielen Marketing-Abteilungen nicht schmeckt, liegt einfach nur daran, dass sie noch viele, viele Handys, Mäusekino-PC's und ähnliches Spielzeug verkaufen möchten. Sollten deren Vorstellungen tatsächlich Realität werden, wäre das die Folge von geballtem Marketing, aber nicht die Konsequenz, welche die Vernunft eigentlich gebietet.

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    Ein weiterer Denkfehler besteht darin anzunehmen, dass alle Benutzer riesige Mengen an Rechenpower benötigen.  Das ist bei den meisten aber nicht der Fall. Deshalb haben die Rechnerfarmen (wie im Artikel erwähnt) auch keine Privatkunden.Ich selbst bin z.B. mit der Rechenleistung meines PCs mehr als zufrieden, und für Emails, Textverarbeitung und zum Videos anschauen ist er mehr als nur ausreichend.  Dazu kommt, dass diese ausreichende Rechenleistung in Zukunft immer billiger werden wird (Moores Law). Im Extremfall wird dann einfach irgendwann mit jedem Bildschirm ein integrierter PC mitgeliefert.Es gibt schlicht keinen Grund z.B. eine Textverarbeitung auf der Rechnerfarm von Amazon oder Google laufen zu lassen und dafür auf jegliche Privatsphäre zu verzichten.  Mit Linux und OpenOffice gibt es auch freie Alternativen zu Google und Microsoft. Der Preis ist also auch kein Argument.Die ständige Verfügbarkeit der Daten (Emails, Texte, Fotos, Videos, Telefonnummern, ...) und automatischer Abgleich und Sicherheitskopien dagegen wären ein echter Vorteil.  Natürlich nur, wenn jeder Benutzer kontrollieren kann, wer genau auf seine Daten zugreifen kann.  Die technischen Voraussetzungen dafür existieren ja bereits (Kryptographie). Ich denke, dass das Cloud Computing eher auf intelligente Mechanismen zum Austausch von Daten hinauslaufen wird, als auf das Ende des PCs.  Alles andere wäre datenschutztechnisch eine Katastrophe.

    • lef
    • 25. Juli 2008 21:17 Uhr

    Da nun mal zur Bedienung einer Tastatur eine gewisse Mindestgrüße erforderlich ist, auch der Bildschirm und damit zwangsläufig auch der Akku nun mal einen Mindestplatzbedarf hat, gegen die inzwischen die Peripherie (Softwarespeicherung) eher winzig ist,wird sich wenig ändern: Für Alltagsaufgaben hat "man" seine Programme und die zugehörigen Blöcke, und für mehr hat man das Internetangebot. - mehr oder weniger schnell oder zuverlässig.und auch umfangreichere (Firmen-)Software wird aus anderen Gründen ausgelagert.Vielleicht wird ja irgendwann der Mensch sich adaptieren (mit Nanofingern und Nanoaugen), aber das dauert etwas länger. Auch japanische Mädchen erreichen mit SMS-Technik nur eine Schallmauer.I-Phone sind Spielzeuge, eventuell gut für unterwegs, sonst für nichts (außer für Rumprotzen, aber das gibt sich bald wieder).

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    • th
    • 08. Juli 2009 16:52 Uhr

    werden nicht kleiner, und die Augen nicht besser :-(

    • discha
    • 25. Juli 2008 21:49 Uhr

    Die gleiche Diskussion gab es schon ein mal vor einigen Jahren.
    Der Net PC war die Zukunft wurde zumindest prophezeit.
    Nix ist draus geworden und ich denke, dass sich das auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird.
    Sicherlich wird es einen Anstieg des mobilen Internet geben aber der PC als solches noch eine ganze weile leben, da Sicherheitsbedenken momentan eher zu- als abnehmen. Und das auch zurecht. Möchte gerne mal z.B. mein Benutzerprofil bei Google einsehen dürfen.
    Eine ordentliche Synchronisation der mobilen Internet Geräte mit dem Heim PC wird eine wichtigere Rolle spielen dürfen.
    Aber auch da einfach mal Tee trinken und abwarten.
    Übrigens bauen Firmen heutzutage immer noch oder auch wieder ihr Intranet ohne direkte Internetanbindung auf.
    Bisher hatte jede bahnbrechende Erfindung auch negative Aspekte, das Internet leider auch.

    • Anonym
    • 25. Juli 2008 22:09 Uhr

    der Größen des allgegenwärtigen PC's und deren Nutzern hat längst im Zeichen der Globalisierung begonnen.Vieles was hier aufgeschrieben, macht zwar einigermaßen Sinn, bleibt für mich jedoch ein Wunschdenken derer, die anderer Leute Sicherheit verwalten wollen. Wer von uns ist denn momentan schon bereit und will dies in der Zukunft sein, seine Persönliche Daten einfach so mir nix dir nix an Dritte abzugeben. Da sind sie doch bei Schäuble so richtig aufgehoben. Die Privatisierung von Daten, alleine der Wille dazu, da bin ich mir sicher, wird das Ende der kurzen Aera der Globalisierung einläuten und das zu Recht.debrasseur

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  • Schlagworte Internet | Microsoft | Bill Gates | Google | Revolution | Amazon
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