Dänemark Aus bester Randlage
Der Klimawandel macht’s möglich: In Dänemark keltern Liebhaber Wein, der teuer ist, aber erstaunlich gut schmeckt

© Dansk VinCenter
Am Dansk VinCenter in Kopenhagen wird erforscht, welche Rebsorten das nordische Wetter am besten vertragen
Kein Zweifel, es sind Rebstöcke, keine zehn Kilometer vom Rathausplatz Kopenhagens entfernt. Alles würde man hier erwarten, aber nicht diese Reben, die sich etwas verloren an Stahldraht festklammern zwischen funktionalen Wohnblocks und Industrieanlagen der Vorstadt. Es regnet in Strömen, sehr zur Freude von Lars Juhl Olesen, dem Direktor des Dansk VinCenter. In den letzten Wochen war es trocken, »das ist nicht normal für Dänemark«. Aber was ist schon normal für ein Land, dessen Weine selbst Kennern bis jetzt kaum bekannt sind? Das statt Riesling und Spätburgunder Rebsorten mit zweifelhaften Namen wie Rondo oder Bolero kultiviert?
Olesen, Jahrgang 1957, ist erst seit Januar Direktor. Die elf Jahre davor hat er als Weinhändler in Spanien verbracht. Ist es nicht verrückt, eins der besten Weinländer der Welt zu verlassen, um in einem dänischen Gewerbegebiet Trauben zu pflanzen? Olesen zieht das entspannte Lächeln auf, das viele Dänen beherrschen. Gelassenheit – das ist seine Antwort. Jene Gelassenheit, der man im ganzen Land begegnet. Selbst auf den Autobahnen wird meditatives Fahren eingeübt, verbunden mit möglichst wenig Aufregung für alle.
Das Dansk VinCenter gilt als Schrittmacher im dänischen Weinbau. Sieben Jahre lang, von 1992 bis 1999, wurden hier 200 Rebsorten darauf getestet, ob sie dem nordischen Klima standhalten. Inzwischen wachsen auf drei Hektar Rondo, Leon Millot, Castel und Regent, alles Rotweinsorten. »Am Anfang«, erzählt Olesen, »waren sie hier froh, dass überhaupt etwas gewachsen ist. Inzwischen haben wir unseren eigenen Stil gefunden.« Seit August 2000 ist Dänemark von der EU als Weinland anerkannt, mit 99 Hektar Anbaufläche, verteilt auf die Regionen Fünen, Jütland, Seeland und Bornholm. Das Anbaugebiet Bornholm besteht aus einem einzigen Winzer, für den ein eigener Verwaltungsbeamter zuständig ist – einmalig in Europa.
»Jetzt müssen wir endlich probieren.« Olesen kann es kaum erwarten, seinen Nordlund vorzuführen, den Prestigewein des VinCenter. Auf dem Etikett prangt das Wikingersymbol wie ein Hosenknopf, das Design der Flasche wurde auf Grau und Weiß reduziert, »Farben, kalt wie Dänemark«. Olesen zieht die Flasche auf, es ist tatsächlich Wein drin, er riecht nach Waldbeeren und einer Spur Eukalyptus. Der Nordlund ist kein Kraftprotz, er ist von mittlerer Struktur und hat eine leichte Holznote von einigen Monaten Lagerung in ungarischen Eichenfässern. Er erinnert an norditalienischen Wein aus einem mittelmäßigen Jahrgang. Dem international gefragten üppigen Stil entspricht er nicht.
Aber er widerlegt ein ehernes Gesetz der Weinwelt. Der 52. Breitengrad galt stets als die Nordgrenze; dort stehen in Neubrandenburg Deutschlands nördlichste Weinberge. Die Klimaerwärmung aber befördert den Weinbau immer weiter. Der Nordlund ist dem 55. Breitengrad abgerungen. »In den letzten 100 Jahren ist es hier um zwei Grad wärmer geworden«, sagt Olesen, »diese Tendenz hält an.« Noch wäre es einfacher, hier Weißwein anzubauen als rote Rebsorten, die noch mehr Sonne brauchen. »Aber Dänen lieben Rotwein«, sagt Olesen. Trotz seines stolzen Preises von 40 Euro ist der Nordlund begehrt, er wird auch in den feinen Restaurants Kopenhagens ausgeschenkt. Dänemark wird mehr und mehr ein Land von Weintrinkern. Ob es auch ein respektiertes Land von Weinerzeugern wird? Olesen glaubt daran: »Der Wein wird jedes Jahr besser.« Im vergangenen Oktober wurden die Trauben bei 20 Grad gelesen, sie waren so reif wie noch nie.
Lars Hagerman spricht mit seinen Reben, als wären sie seine Kinder
Von Kopenhagen führt die Küstenstraße nach Helsingør in Nordseeland. Nordseeland gilt als die Boomregion des dänischen Weines. In die vielen Schlösser der Öresund-Küste, auch dänische Riviera genannt, zogen sich früher die Könige zurück. In Helsingør erhebt sich die mächtige Festung Kronborg wie ein Schutzwall, hier ließ Shakespeare seinen Hamlet spielen. Direkt gegenüber liegt das schwedische Helsingborg, nur durch den schmalen Öresund von der dänischen Küste getrennt. Die Kanonen von Kronborg sind nicht auf Schweden, sondern auf die Einfahrt der Meeresenge gerichtet, wo die großen Containerschiffe am Horizont erscheinen.
- Datum 29.07.2008 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.07.2008 Nr. 31
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Da liest man sich kreuz und quer durch die Zeit und plötzlich und unerwartet fällt einem ein Artikel vom schmerzlich vermissten Rainer Schäfer in die Hände.
Liebe Redaktion, wo ist meine Weinkolumne geblieben?!
Ich hoffe sehr auch weiterhin in Sachen Wein so fachkundig, aber auch humorvoll von R.Sch. unterrichtet zu werden. Aber bitte auch einmal mit Bildern! Danke!
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