Stefan Klein ist promovierter Biophysiker. Der 42-Jährige hat die Bestseller "Die Glücksformel" und "Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist" geschrieben. Klein führt für das ZEITmagazin regelmäßig Gespräche mit Wissenschaftlern: über die großen Fragen, auf die wir keine letzten Antworten haben. Diesmal spricht er mit Martin Rees, dem letzten europäischen Hofastronom.

Rees gehört er dem Hofstaat des Hauses Windsor an und soll Ihre Majestät, Königin Elisabeth II. von England, in "astronomischen und wissenschaftlichen Fragen" beraten. An einem Teleskop saß Rees während der 40 Jahre seiner Karriere nur in der Freizeit: Er hat sich als Theoretiker und nicht zuletzt mit seinen geistreichen Spekulationen einen Namen gemacht. Als reiche das prestigegeladene Amt des Astronomer Royal nicht aus, steht er seit drei Jahren auch der Royal Society vor, der ältesten Gelehrtengesellschaft der Welt. Und die Queen hat ihn zum Baron Rees of Ludlow erhoben, sodass er nun auch im House of Lords Politik machen kann. Seinen Besucher empfängt Rees im Palais der Royal Society in unmittelbarer Nähe des Buckingham Palace. Über seinem Arbeitstisch hängt ein riesiges Ölgemälde von Sir Isaac Newton, der auch einmal der Gesellschaft vorstand. Es gibt Tee.

Stefan Klein: Professor Rees, was macht ein Hofastronom?

Martin Rees: Ach, das ist nur ein Ehrentitel. Er geht auf das Jahr 1675 zurück, als der königliche Astronom dem Observatorium von Greenwich vorstand. Heute sind die Pflichten dieses Amtes dermaßen spärlich, dass man es eigentlich auch posthum ausüben könnte.

Klein: Ihre Untersuchungen an Quasaren haben entscheidende Hinweise auf den Urknall gegeben. Haben Sie der Queen schon einmal erklärt, was ein Quasar ist?

Rees: Wir haben uns nie darüber unterhalten. Wenn ich die Gelegenheit dazu hätte, würde ich ihr sagen, dass es sich um riesige Schwarze Löcher im Zentrum von Galaxien handelt. Diese saugen Gas ein, das stärker als alles andere im Kosmos leuchtet, bevor es in das Schwarze Loch stürzt – heller als tausend Milliarden Sonnen.

Klein: Und was hat das mit dem Urknall zu tun?