Im Jahr 2003 ging die bekannte Künstlerin Andrea Fraser mit einem unbekannten Kunstsammler ins Bett. Die beiden hatten, wie die New York Times schrieb, Sex in »jeder erdenklichen Position«. Warum weiß das die Zeitung? Weil Andrea Fraser den Akt mit der Videokamera aufgezeichnet und öffentlich gezeigt hat; und der unbekannte Kunstsammler hat 20000 Dollar dafür bezahlt, in Frasers Bett und in Frasers Kunst hineingelassen worden zu sein.

In dieser Szene, die in einem New Yorker Hotelzimmer stattfand, zeigte sich in aller Intimität, was ansonsten unübersichtlich und neurotisch geworden ist. Das Rollengewimmel, das entsteht, wenn Kunst verkauft wird, reduzierte sich auf zwei Teilnehmer. Die Künstlerin umschlang den Zuschauer, das Werk verschmolz mit der Werbung.

Der Akt, der sich außerhalb ausgesuchter Hotels in größerem Rahmen vollzieht, nennt sich Kulturbetrieb, und üblicherweise haben daran teil: ein Star, ein Markt, die Kunst, die Werbung, etliche Berater und Manager, die Medien, die Zuschauer.

Eine der rätselhaftesten Funktionen in diesem Spiel ist die der Public Relations. Kaum einer, der PR macht, wird einem so genau sagen, was er denn eigentlich tut. Die PR, wäre sie eine Person, würde vermutlich sagen: Was ich mache? Ich generiere .

Das Wort wird von Leuten verwendet, die nichts herstellen. PR-Agenten generieren Aufmerksamkeit, Werbeagenturen generieren Kauflust, Stars generieren Identifikation, Journalisten generieren Aufregung. Ist der Ruf erst generiert, tun sich die Märkte auf.

PR-Agenturen beschreiben ihre Arbeit auf ihren Internet-Begrüßungsseiten so: »Durch Analyse, Strategieentwicklung und Vernetzung begleiten wir die erfolgreiche Umsetzung von Kundenprojekten. Mittels zielgruppenorientierter Konzeption und Kommunikation verschaffen wir unseren Kunden langfristige Image-Steigerung und Prestigegewinn und positionieren sie erfolgreich in der Öffentlichkeit, im Wettbewerbsumfeld und auf dem Markt.«

Rezeption schiebt sich vor Identität, das ist die Weltformel der PR