Stimmt's Knall über den Wolken

Marion Thyen aus Bonn fragt: Beim Transport von Fahrrädern verlangen die Fluggesellschaften, dass man die Luft aus den Reifen lässt. Ist das wirklich notwendig?

Der Text dieses Artikels wurde gegenüber der ursprünglichen Version geändert, siehe Anmerkung unten.

Der Druck von Reifen wird in Bar gemessen, genauer gesagt: in Bar Überdruck. Denn wenn der Reifen völlig platt ist, dann zeigt das Messgerät 0 Bar an, in Wirklichkeit herrscht aber im Reifen derselbe Luftdruck wie in der Umgebung, nämlich etwa 1 Bar.

Der optimale Druck in einem Fahrradreifen hängt von dessen Breite ab. Da das gesamte Gewicht von Fahrer und Rad auf den beiden Kontaktflächen zwischen Reifen und Straße lastet, steht ein Rennrad mit 18 Millimeter schmalen Reifen auf einer erheblich kleineren Fläche als der Pneu eines Hollandrades, der etwa 55 Millimeter breit ist. Der empfohlene Reifendruck variiert deshalb stark, er liegt zwischen 2,5 Bar für breite und 8 Bar für schmale Reifen.

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Würde der Luftdruck im Laderaum von Flugzeugen nicht ausgeglichen, dann herrschte der Umgebungsdruck, und der beträgt in 10.000 Meter Höhe nur noch etwa 0,3 Bar. In dem Fall stiege der Überdruck des Reifens um 0,7 Bar an, und das könnte den Reifen tatsächlich zum Platzen bringen – die Vorsichtsmaßnahme wäre also sinnvoll.

Nun ist es aber so, dass in modernen Verkehrsflugzeugen der Druck im Laderaum praktisch derselbe ist wie in der Passagierkabine. Es sind sogar Klappen vorgeschrieben, die im Notfall für einen entsprechenden Druckausgleich sorgen. Aus diesem Grund kann man zum Beispiel auch Haustiere im Frachtraum transportieren. Deshalb ist nicht zu befürchten, dass der Luftdruck zu irgendeinem Zeitpunkt der Reise auf einen Wert absinkt, das niedriger ist als auf einem 2000 Meter hohen Berg - und da würde man auch nicht den Reifendruck reduzieren. Die Vorschrift ist also eine überflüssige Sicherheitsmaßnahme. Die Lufthansa verzichtet zum Beispiel schon seit einigen Jahren darauf. Argumentieren am Gate hilft aber wahrscheinlich trotzdem nicht viel. Christoph Drösser

Anmerkung: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass der Luftdruck im Frachtraum nicht ausgeglichen würde. Einige Leser haben uns auf diesen Fehler hingewiesen, wir haben den Artikel daher geändert.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Leser-Kommentare
  1. "Es ist für beide Seiten ratsam, die Luft aus den Reifen zu lassen: für
    den Reisenden, der sein Rad nicht mit einem Platten zurückbekommen will [...]"Wenn der Reisende die Luft aus den Reifen lässt, sind diese doch platt. Oder pumpt die Fluggesellschaft netterweise die Reifen vor der Rückgabe des Fahrrades wieder aus?:-)

    • jop
    • 25.07.2008 um 15:47 Uhr

    Da hofft man, einen der vielen dummen Mythen um's Fahrradfahren endlich mal in einer bekannten Zeitung richtiggestellt zu sehen - und dann das... Die Antwort auf die Frage, ob es notwendig ist, die Luft beim Fliegen aus den reifen zu lassen, ist nein. Nein, nein und nochmals nein. Dabei war der Herr Drösser doch schon auf der richtigen Fährte: der relative Druck innerhalb des Reifens erhöht sich um maximal 1 bar, da Flugzeuge nicht im Vakuum fliegen tatsächlich nur um etwa 0,7bar.
    Wegen dieser 0,7bar platzt kein intakter Reifen. Zum einen halten Reifen problemlos 1-2 bar mehr aus als den angegebenen Maximaldruck - aber wer pumpt seine Reifen schon maximal auf? Die meisten Leute fahren mit ca. 1-2 bar weniger als dem erlaubten Reifenmaximaldruck, so daß die Druckdifferenz im Flugzeug keinerlei Problem darstellt.
    Bin gespannt, was als nächstes kommt. Wahrscheinlich erklärt uns bald irgendjemand, warum Fahrradreifen Profil bräuchten ;-)

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    • c321
    • 25.07.2008 um 16:53 Uhr

    Steht doch eindeutig im Artikel: "Auch wenn eine entsprechende Reduzierung des Drucks genügen würde – die Fluggesellschaften bestehen auf der vollständigen Entleerung."

    • c321
    • 25.07.2008 um 16:53 Uhr

    Steht doch eindeutig im Artikel: "Auch wenn eine entsprechende Reduzierung des Drucks genügen würde – die Fluggesellschaften bestehen auf der vollständigen Entleerung."

  2. Die Aussage mit dem Rennradreifen kann man so nicht stehen lassen."Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine
    gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in
    die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber
    längere Aufstandsfläche."Zitat von der Schwalbe.de Website.

    • c321
    • 25.07.2008 um 16:53 Uhr

    Steht doch eindeutig im Artikel: "Auch wenn eine entsprechende Reduzierung des Drucks genügen würde – die Fluggesellschaften bestehen auf der vollständigen Entleerung."

    Antwort auf "Um Gottes Willen"
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    • jop
    • 28.07.2008 um 15:50 Uhr

    ...aber ich wollte sagen, daß auch dies schon falsch ist. Auch ohne Druckreduzierung wird der Reifen nicht platzen.
    Das "pistolenartige Geräusch", das die Crew erschrecken könnte, halte ich übrigens auch für falsch. So laut sind Schlauchplatzer nicht, in der Personenkabine hört man vermutlich nicht mehr als ein gedämpftes "Plopp" aus dem Laderaum. Das sollte die Nerven der Stewardessen nicht allzu sehr belasten.

    • jop
    • 28.07.2008 um 15:50 Uhr

    ...aber ich wollte sagen, daß auch dies schon falsch ist. Auch ohne Druckreduzierung wird der Reifen nicht platzen.
    Das "pistolenartige Geräusch", das die Crew erschrecken könnte, halte ich übrigens auch für falsch. So laut sind Schlauchplatzer nicht, in der Personenkabine hört man vermutlich nicht mehr als ein gedämpftes "Plopp" aus dem Laderaum. Das sollte die Nerven der Stewardessen nicht allzu sehr belasten.

    • GUFSZ
    • 25.07.2008 um 17:39 Uhr

    Die erste Sache die nicht stimmt, nicht alle Fluggesellschaften verlangen das Ablassen der Luft. Um genau zu sein, bei mir stand es noch nie in den Beförderungsbedingungen.Ob man die Luft ablassen muss, hängt dann von den Sicherheitsleuten am Flughafen ab.Zur Terminologie, es platzt nicht der Reifen sondern der Schlauch. Wenn er aber bei plus 0,7 bar platzt, war der maximal Druck schon längst erreicht. Die Schläuche haben nämlich eine Sicherheitsreserve von ca. 50-100 Prozent.

  3. ... an alle Leserinnen und Leser, die mich auf meinen Fehler aufmerksam gemacht haben. Der Text ist jetzt geändert, und in der nächsten ZEIT wird es eine Richtigstellung geben!

  4. Zitat: >Im Laderaum von Flugzeugen wird der Druck nicht ausgeglichen, es herrscht der Umgebungsdruck.<Dieses ist falsch, im Frachtraum herrscht der gleiche Luftdruck wie in der Passagierkabine und ebenso wird auch der Frachtraum klimatisiert. Der Druck im Flugzeug wird auf minimal 0,75 bar abgesenkt, was einer Höhe von ca. 2400m entspricht. Der Differenzdruck innen/außen darf aus Stabilitätsgründen 0,6 bar nicht überschreiten. Der Querschnitt des Rumpfes ist aus diesem Grunde rund oder oval. Würden die Laderäume von dem Druckausgleich ausgenommen, gäbe es größte statische Probleme. D.Sellner Flugkapitän i.R.

    • jop
    • 28.07.2008 um 15:50 Uhr

    ...aber ich wollte sagen, daß auch dies schon falsch ist. Auch ohne Druckreduzierung wird der Reifen nicht platzen.
    Das "pistolenartige Geräusch", das die Crew erschrecken könnte, halte ich übrigens auch für falsch. So laut sind Schlauchplatzer nicht, in der Personenkabine hört man vermutlich nicht mehr als ein gedämpftes "Plopp" aus dem Laderaum. Das sollte die Nerven der Stewardessen nicht allzu sehr belasten.

    Antwort auf "Re: Um Gottes Willen"

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