Als kleiner Junge träumte ich immer wieder davon, lebendig begraben zu werden. Es gab keine Trauerfeier. Der Traum begann immer damit, dass ich schon im Grab lag und die Erde auf meinen Sarg herabflog. Angst einflößend daran war eigentlich nicht das Begrabenwerden, sondern dass dies schon das Ende meines Lebens sein sollte. Ich war doch erst fünf Jahre alt. Ich begann mir Gedanken darüber zu machen, was es mit dem Sterben auf sich hat. Schläft man einfach ein, und alles ist vorbei? Wird man danach nie wieder existieren? Weil ich aber immer wieder aufwachte, begriff ich: Auch wenn man stirbt, geht es weiter. Die Seele lebt ewig.

Dieser Traum war meine erste spirituelle Erfahrung. Ich nehme an, es war Gottes Weg, mir zu sagen: Da ist noch mehr. Ich glaube, dadurch habe ich mich auf die Suche gemacht. Sie führte mich zu Jesus Christus. Was hatte ich als Fünfjähriger gehört? Ich hatte niemanden von den Erwachsenen über Leben, Tod oder ein Leben danach sprechen hören. Das war etwas, was von selbst in mir entstand. Meine Eltern hatten mich nicht allzu intensiv an den Glauben herangeführt. Unsere Familie stand zwischen den Religionen, eine Seite jüdisch, die andere christlich. Ich wuchs zwischen beiden Kulturen auf. Niemand sagte mir: Du musst an dieses oder jenes glauben. Durch meinen Glauben an Gott, dadurch, dass ich ihn als meinen Retter annehme, kommt das ewige Leben zu mir. Man kann es nicht kaufen oder durch Willensanstrengung erreichen. Es ist ein Geschenk.

Gott hat uns alles gegeben, was wir brauchen, um zu überleben und zu wachsen. Uns ist ein Geist gegeben, der die Möglichkeit hätte, beinah alles zu tun. Alles, was wir uns vorstellen, können wir auch erreichen.

Ich glaube, Träume sind der Anfang vieler großer Taten. Eine Flamme, die in dir brennt, kann die Welt verändern. Oder deine eigene kleine Welt verändern. Woher auch immer dieses Bedürfnis kommt, dieser Traum – es muss etwas Spirituelles sein. Es muss von Gott kommen. Martin Luther King zum Beispiel brachte eine Idee hervor und sagte: Eines Tages wird es so sein. Ich werde es selbst nicht einmal mehr erleben. Aber ich sehe es. Seine harte Arbeit und Hingabe haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Trotzdem: Gibt es noch Rassismus? Ja. Überall auf der Welt. Egal, welche Hautfarbe du hast. Sogar innerhalb ein und derselben Kultur. Selbst wenn du schwarz bist und in Afrika lebst, dann gibt es diesen Stamm und jenen Stamm, hellschwarz und dunkelschwarz. Aber durch Martin Luther King sind wir heute schon ein großes Stück vorangekommen. Ein Traum ist eine mächtige Sache. Sie haben Martin Luther King umgebracht. Aber sein Traum lebte weiter. Weil er diesen Traum mit anderen Menschen teilte. Das ist das Schöne an einem Traum: Man kann ihn nicht töten.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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