Ganz Afrika bestellt heute in Europa »Lenkflugkörper«

Derweil beginnen andere afrikanische Despoten, ihre Armeen ganz ohne eigene Entwicklungsanstrengungen mit deutscher Raketentechnik aufzurüsten. Sie bestellen Panzer- und Flugabwehrraketen wie die Roland, Hot oder Milan einfach bei den französischen Partnern der deutschen Hersteller. Denn ungeachtet aller den Deutschen nach dem Weltkrieg auferlegten Beschränkungen haben Firmen wie MBB in München oder die LFK GmbH (für »Lenkflugkörpersysteme«) die Entwicklung von Raketen im Rahmen der westlichen Rüstungszusammenarbeit fortgesetzt.

Gemeinsam verkaufen die Europäer ihre »Lenkflugkörper« in alle Welt, unter anderem nach Ägypten, Algerien, Angola, Gabun, Kamerun, Kenia, Marokko, Nigeria, Somalia und Senegal. 2001 formen die Raketenbauer die europäische Waffenschmiede MBDA. Das nach eigenen Angaben »weltweit führende Lenkflugkörpersystemhaus« hat, »obwohl für seine bemerkenswerte Vergangenheit geschätzt«, den Blick »klar in die Zukunft gerichtet«. Die »vielfach kampferprobte« Milan-Rakete gibt es nun in der weiterentwickelten Version ADT-ER, die sich durch »erhöhte Letalität« auszeichnet und in der Lage ist, zwei Meter dicke Betonmauern zu durchschlagen. Libyen ist einer der ersten Kunden auf dem afrikanischen Kontinent.

Inzwischen fliegt sogar der Marschflugkörper, den Penthouse schon 1978 als afrikanisches Cruise Missile am Himmel über Zaire wähnte. Vor zwei Jahren, am 8. November 2005, traf der von Deutschen und Schweden gemeinsam gebaute Taurus KEPD 350 im südafrikanischen Arniston mit hoher Präzision sein Testziel.

Der Gründer und ehemalige Chef der Otrag, deren Raketen nie einen Satelliten ins All befördert haben, lebt heute auf den Marshall-Inseln im Südpazifik, wo einst die Amerikaner ihre Atombomben testeten. Lutz Kaysers neue Firma heißt »Von Braun, Debus, Kayser Raketenforschung« und ist an der Planung für die erste komplett privat finanzierte Mondmission beteiligt. Zwei Tickets für den ersten privaten Raumflug hat sein Partner, die kalifornische Firma Interorbital, bereits verkauft. Einzelpreis: 2,5Millionen Dollar. Geplanter Start: Anfang 2010.

Der Autor ist Journalist und Filmemacher und lebt in Berlin

Mitarbeit: Andrea Böhm