Lebensforschung Altern will gelernt sein
Verblühen gibt's nicht mehr: Die Wissenschaft entdeckt das Altwerden als lebenslange Aufgabe

© Matthias Ropel | madochab/photocase.com
Macht ihr es auch alle richtig? Erfolgreich altern als Lebensprinzip
Bei aller Vielfalt des Daseins – eines haben alle Menschen gemeinsam: Sie altern von der Geburt an bis zu ihrem Tod. So gesehen ist Leben nichts anderes als Altern und umgekehrt. Diese schlichte Wahrheit trägt erheblich zu dem Boom bei, den derzeit die Altersforschung erlebt und der beim bislang größten Psychologiekongress der Welt vergangene Woche in Berlin spektakulär deutlich wurde.
Die Zukunft des Alterns, die Qualität des Alterns, der Erfolg des Alterns – darüber wurde vielfältig und eloquent referiert. Die landläufige Vorstellung von Leben, die gewissermaßen saisonal eingeteilt war in Zeiten des Heranwachsens, des Blühens und Verblühens, ist von der modernen Altersforschung widerlegt. Leben, pardon, Altern ist – so lernen wir nun – ein linearer Prozess, der sich steuern lässt. Wer »Altwerden als eine lebenslange Aufgabe« begreift, wie der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse, der bringt am besten schon Kindern bei, dass sie nicht für die Schule, sondern für das Altern lernen. Denn das Krusesche Lernpensum lautet: Zum erfolgreichen Altern gehört die lebenslängliche Pflege körperlicher, geistiger und sozialer Aktivitäten. Anders gesagt: Wer richtig lebt, wird schöner alt.
Doch was ist mit den Lernverweigerern? Mit denen, die zu dumm, zu faul, zu krank, zu arm oder anderweitig nicht in der Lage sind, die Aufgabe des lebenslangen Alterns erfolgreich zu absolvieren? Dazu schweigt die Altersforschung leider bislang. Dabei liegt die Frage auf der Hand: Darf man auch unwissenschaftlich alt werden, sich einfach auf seinen Lebensabend freuen, wie das einstmals hieß? Oder treibt uns der Ehrgeiz der Lebensoptimierung noch bis ins Grab?
- Datum 01.08.2008 - 00:57 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.07.2008 Nr. 32
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Frank Schirrmacher verherrlicht in seinem "Methusalem-Komplott" das Uraltwerden als "Mission", ja fast schon als Heiligen Krieg im Namen der Menschenwürde, und wer da nicht mitmacht (wie z.B. Bettina Schardt), ist ein "Deserteur", sein Freitod "Fahnenflucht" und Roger Kusch wohl ein Wehrkraftzersetzer.
Viel besser gefällt mir Sabine Etzolds Formulierung "Lernverweigerer" - Verweigerer hat so etwas Nonconformes, ja Rebellisches, man denke an Wehrdienstverweigerung. Das sind meine persönlichen Assoziationen, die Frau Etzolds Artikel bei mir ausgelöst hat - Propaganda für aktive Sterbehilfe lässt sich aus ihrem Artikel jedoch nicht herauslesen.
das die Ureinwohner Grönlands bei Walen ab 200 Jahren aktive Sterbehilfe leisten, inklusive anschliessendem Festessen.
Altern kann ein Reifer, Besonnener und Klüger Werden sein. Altern kann eine Bedrohung für diejenigen werden, für die ihr Körper und seine Leistungsfähigkeit mehr bedeutet als die Leistungen des menschlichen Geistes. Ältere Leute können denjenigen helfen, die Schleife sich endlos wiederholender Fehler zu unterbrechen, die ihren Respekt nicht von Äußerlichkeiten abhängig machen, mit denen nicht nur in der Tierwelt um Sexualpartner gebuhlt wird. Jüngere können Älteren ihren Platz und ihre Bedeutung auf menschliche Art bestätigen. Wer die Grenzen selektiven Konkurrenzgebahrens überschreitet, steht am Eingang vor einer großen Welt, wo sich die Vorzüge, die jedem mitgegeben sind, entfalten können.
und warte auf die ergebnisse des kongresses unter dem titel: aktives sterben und lebensoptimierung über den tod hinaus. mer hat ja sonst gornix mehr zu tun, wemmer dod is...
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