Finanzkrise

Die Global Zocker

Die Global Zocker

Manager von Hedgefonds sammeln Milliarden, nicht zuletzt aus Europa. Mit ihren Wetten – zum Beispiel auf den Niedergang des Immobilienmarktes – haben sie Crashs noch befördert. Wer sind diese Leute? Was wollen sie?

Es ist ganz still hier oben. Nur die Klimaanlage summt. Der Blick aus dem Panoramafenster im 29. Stock reicht über die Dächer von New York bis zum Central Park. Die weißen Pferdekutschen, die zwischen den Bäumen am Eingang auf Kunden warten, sehen von hier oben aus wie Spielzeug. Tritt man dicht ans Fenster, kann man fast senkrecht in die tiefe Häuserschlucht hinabschauen. Hier oben, im Büro von John Paulson, beschleicht den Besucher das Gefühl, dem Himmel weitaus näher zu sein als der Welt dort unten.

Und das Gefühl ist vielleicht gar nicht so falsch. John Paulson, 52 Jahre alt, ist einer von denen, die man die neuen Herrscher der Finanzmärkte nennt, einer jener Master of the Universe, die mittlerweile so viel Geld wie eine Bank bewegen. Paulson ist ein Hedgefonds-Manager. Er verwaltet seit Ende des vergangenen Jahres 30 Milliarden Dollar. Mehr Geld hat kaum ein anderer Fonds auf der Welt, mehr Macht auch nicht.

Welchen Einfluss dieses Geld haben kann, verdeutlichen derzeit die Preise für Öl, Getreide oder Soja. Dass sie steigen, hat viele Gründe. Die wachsende Bevölkerung sorgt dafür, auch der Boom des Biosprits. Aber diese Ursachen wirken eher langsam und stetig. Hedgefonds dagegen setzen mit geballter Macht auf solche Trends, sie verwandeln einen ruhig anschwellenden Fluss in einen reißenden Strom. Sind Hedgefonds Teufelswerk? Wem nutzen sie? Handeln ihre Manager nach der Devise Nach uns die Sintflut«? Und wie viel Macht hat eigentlich dieser John Paulson?

Durch die dicken Glasscheiben seines Büros sieht man zwei Männer in schwarzen Anzügen vorbeihuschen. Die meisten der 55 Mitarbeiter von Paulson & Co sitzen in der Mitte der Büroetage vor jeweils mindestens zwei bis drei Computerbildschirmen und verfolgen ruhig die Börsenkurse. Sie tragen Anzüge und erinnern eher an Studenten einer Eliteuniversität als an hemdsärmelige Geldjongleure. An den Wänden hängen Bilder des amerikanischen Künstlers Alexander Calder, auf einem Rahmen klebt noch die Versteigerungsnummer des Auktionshauses Sotheby’s. Paulson, heißt es, komme gleich. In wenigen Minuten ist Börsenschluss an der Wall Street.

Paulson trägt einen blauen Nadelstreifenanzug, der nirgendwo auch nur eine Falte wirft, ein weißes Hemd, Einstecktuch und goldene Manschettenknöpfe mit seinen Initialen: JP. Gemeinsam mit seinem Pressesprecher betritt er den Raum und setzt sich auf einen der schweren Lederstühle. Er ist der neue König der Hedgefonds-Manager, im vergangenen Jahr, zu Beginn einer der größten Wirtschaftskrisen, hat er den höchsten Gewinn gemacht, der in der Geschichte der Hedgefonds je erzielt wurde – 15 Milliarden Dollar, 3,7 Milliarden davon gingen an ihn.

Paulson hatte nicht an das amerikanische Märchen stetig steigender Immobilienpreise geglaubt. Die Abertausend Hypotheken, die im blinden Vertrauen darauf sogar an Menschen ohne regelmäßiges Einkommen vergeben wurden, machten ihn stutzig. Er setzte auf den Crash des Hypothekenmarktes – und behielt recht. Während immer mehr Amerikaner nun ihre Häuser verlieren, macht Paulson den Gewinn seines Lebens.

Der neue König ist leicht gebräunt und frisch rasiert, die Augenringe sieht man nur, wenn er seine schwarze schmale Brille absetzt. Hinter ihm liegt ein langes Wochenende – eines, an dem das amerikanische Finanzsystem bedrohlich wackelte, weil die Investmentbank Bear Stearns Bankrott angemeldet hat. Auch Paulson hat seine Gelder dort, über Bear Stearns wickelte er die Käufe und Verkäufe für seinen Fonds ab. Das ganze Wochenende hat er in Meetings verbracht, Besprechungen am Telefon geführt. Bis klar war, sein Geld ist sicher: JP Morgan übernimmt Bear Stearns, und die amerikanische Notenbank hilft beim Kauf.

Dass Paulson den ehemaligen amerikanischen Notenbankchef Alan Greenspan vor Kurzem als Berater eingestellt hat, hat an jenem Wochenende wahrscheinlich nicht geschadet. Nicht ohne Grund nennt man ihn an der Wall Street schon »den anderen Paulson«. Denn mancher hat das Gefühl, dass der Hedgefonds-Paulson fast so viel Macht wie der US-Finanzminister Henry Paulson hat.

Als John Paulson einem Interview zustimmte, waren seine Bedingungen seitenlang. So wenig wie möglich sollte über seine Privatsphäre und seinen Immobilienbesitz gesprochen werden. Nun sitzt er da, ein Glas Wasser vor sich, und sagt gar nichts. Das Aufnahmegerät zeigt später an, dass er nach der ersten Frage quälende 30 Sekunden lang schwieg. Erst als sein Pressesprecher die Frage wiederholt, räuspert er sich. Mehr nicht. Ein Banker erklärt hinterher, solches Verhalten sei bei Bear Stearns Methode gewesen, um Kandidaten bei Vorstellungsgesprächen zu irritieren. Manchmal seien die Banker aus dem Raum gegangen und hätten den Bewerber gebeten, die Fenster zu öffnen, weil es so warm sei, wohl wissend, dass die Fenster nicht zu öffnen waren. Auch Paulson liebt diese Spiele. Als er endlich zu sprechen beginnt, steht einem der Schweiß auf der Stirn.

Wie viel Risiko er für seine Spekulation auf den Hypothekencrash eingegangen sei? Die Antwort formuliert Paulson wie jede der folgenden langsam, sehr langsam. Dabei korrigiert er sich nicht oder sucht nach einem Wort. Er spricht so, wie ein Chirurg arbeitet, jeder Schnitt muss sitzen.

»Das Risiko war sehr limitiert. Im schlimmsten Fall hätten wir ein Prozent unseres Investments verlieren können. Für den Fall, dass unsere Vorhersage stimmte, war der Gewinn jedoch nach oben offen.« Paulson erläutert, wie er seine Investition abgesichert hat, und so, wie er das erklärt, klingt es wie eine todsichere Sache. Wie solche Sachen hinterher eben immer klingen. Natürlich musste die Internetblase platzen, natürlich waren die Hypotheken überteuert. Natürlich musste sich der Markt so und so verhalten. Und doch verhält sich der Markt immer wieder anders als angenommen. Paulson hatte wohl auch Glück.

Sind also Hedgefonds-Manager die Glücksritter der neuen Zeit? Draufgänger, die die Stabilität der Weltwirtschaft aufs Spiel setzen? Paulson würde das weit von sich weisen. Stattdessen sagt er so unterkühlt, wie ein Michael Schumacher früher über das Risiko beim Formel-1-Fahren sprach: »Der Schlüssel zu einem guten Portfolio ist, dass die Wetten auf einen fallenden Kurs mit denen auf einen steigenden gut ausbalanciert sind.«

John Paulson ist gebürtiger New Yorker, und bis Mitte vergangenen Jahres war sein Fonds relativ unbekannt. Er ist in bescheidenen Verhältnissen in Queens aufgewachsen, hat an der New York University studiert und als Bester seiner Klasse abgeschlossen, in Harvard später mit summa cum laude. Paulson arbeitete bei Boston Consulting, dem New Yorker Investmentgenie Leon Levy, er war Managing Director bei Bear Stearns und Partner bei den Geld-Managern Gruss Partners, bevor er 1994 seinen eigenen Fonds mit zwei Millionen Dollar und drei Angestellten gründete.

Mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern lebt er in einem fünfstöckigen Townhouse, die Sommer verbringt er, wie alle vermögenden New Yorker, im eigenen Anwesen in den Hamptons auf Long Island. Wenn er Zeit hat, joggt er im Central Park, er segelt gern, fährt Ski und mag Roman Polanski. Ab und zu sieht man ihn bei Veranstaltungen, zuletzt im Ballsaal des mondänen, privaten Yale Club in Manhattan. Paulson ist gekommen, um über seinen Jahrhundertgewinn zu sprechen. Sein Kollege Eric Rosenfeld hat gerade spontan seine Hedgefonds-Version von My Fair Lady zum Besten gegeben. »Get me to the meeting (statt: to the church) on time…« Paulson dagegen präsentiert seinen Vortrag ernst wie ein Professor am Computer und mit elektronischem Zeigestock.

Hedgefonds kontrollieren heute weltweit knapp zwei Billionen Dollar

Deutsche Investoren haben 26 Milliarden Euro in ausländische Hedgefonds investiert, und auch Paulsons Investoren kommen fast durchweg aus Europa. »Europa ist älter und hat mehr Kapital«, sagt er. »Dort haben Familien ihren Reichtum über Generationen angesammelt, sie sind es gewohnt, ihr Kapital zu investieren, um es zu bewahren.«

In der Regel spekulieren Geldmanager auf steigende Kurse. Hedgefonds-Manager wie John Paulson suchen hingegen nach überteuerten Werten und wetten darauf, dass sie sinken. Hedgefonds können also davon profitieren, dass es der Wirtschaft schlecht geht, das macht sie für viele Investoren so attraktiv: So kann man auch in einer Flaute Geld verdienen. Für die Wirtschaft ist das von Vorteil, weil Hedgefonds zu Zeiten Geld in ihren Kreislauf pumpen, in denen sich andere Anleger ängstlich zurückziehen. Vor allem der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan hat das immer als Argument benutzt, um Hedgefonds völlig unreguliert agieren zu lassen.

Der erste Hedgefonds wurde von dem amerikanischen Soziologen und Wirtschaftsjournalisten Alfred Winslow Jones 1949 gegründet. Gedacht war er ursprünglich als Anlage für Reiche und Superreiche, die man nicht wie Kleinanleger vor sich selbst und zu viel Risiko schützen muss. Wer mindestens eine Million auf dem Konto habe oder 200.000 Dollar im Jahr verdiene, so die Überlegung, der wisse, wie man mit Geld umgehe, der könne es verkraften, etwas davon zu verlieren. So entfiel die Kontrolle, und es entstand eine unerhört bewegliche Anlageform.

Das Geld fließt frei dahin, wo die größten Gewinnchancen locken; auf Kaufobergrenzen ist nicht zu achten und nicht darauf, wie viel Fremdkapital eingesetzt werden darf. So begannen Hedgefonds in sehr viel größerem Umfang als normale Investmentfonds in komplizierte Anlagen wie Derivate – also Wertpapiere, die vom Preis anderer Produkte, etwa Hypotheken, abhängen – oder Futures – Wetten auf den Öl- und Weizenpreis – zu investieren. Dass Hedgefonds zu einer der am stärksten wachsenden Anlageformen werden und heute alles in allem knapp zwei Billionen Dollar kontrollieren würden, ahnte damals niemand.

Paulson sah seine Chance 2005 am Hypothekenmarkt. Damals gab es einen Ansturm auf Hypothekenkredite, die die Banken zu Bündeln gepackt als Wertpapiere verkauften. Die Immobilienpreise in den USA stiegen und stiegen. Häuser, die man heute kaufte, hatten morgen schon im Wert gewonnen. Hypotheken zurückzuzahlen war ein Kinderspiel. Paulson setzte auf das Ende des Spiels und das Sinken der Hypothekenpapiere.

Er begann, große Mengen der Papiere zu leihen und zu verkaufen. Im Januar 2006 ging dann ein großer Hypothekenmakler pleite – Paulson erhöhte den Einsatz. Wie viel er zu dieser Zeit besaß, war keinem bekannt. Denn die Derivate, die er sich lieh, werden nicht an der Börse gehandelt. Sie werden von den Banken geschaffen und ohne jegliche Aufsicht gehandelt. Es ist im Grunde wie ein geheimes Onlinekasino. Auch dort notiert keiner, wie hoch die Einsätze sind, wer eigentlich spielt und wer sich das Spiel wirklich leisten kann. Nur dass das Hedge-Spiel völlig legal ist.

In Greenwich/Connecticut kann man der Vermehrung des Reichtums zusehen

Damit auch wirklich keiner mitbekam, was er da tat, installierte Paulson eine Software auf seinen Computern, die es unmöglich machte, seine EMails weiterzuleiten. Er hatte Sorge, jemand könnte seine Strategie kopieren und seinen Profit schmälern. Richtig aktiv wurde er, als er erfuhr, dass die Bank Bear Stearns zwei ihrer wackelnden Hedgefonds, die anders als er auf das Steigen der Hypotheken gesetzt hatten, retten wollte, indem sie versuchte, verschuldete Hausbesitzer aus ihren überteuerten Hypotheken herauszukaufen.

Das hätte zwar den Hausbesitzern geholfen, aber den Hypothekencrash verzögert. Paulson drohte, die Bank auf Marktmanipulation zu verklagen, und stellte einen Lobbyisten an, damit auch jeder diese Drohung hörte. Er war zum Raubtier geworden, das seine Beute verteidigt und jeden angreift, der ihm auch nur einen Fetzen davon abjagen will. Kurz darauf kollabierten jene beiden Bear-Stearns-Fonds und vernichteten 1,6 Milliarden Dollar. Ende 2007 platzte dann die Immobilienblase, und Paulson und seine Europäer wurden reich.

Hat Paulson geholfen, den Crash herbeizuführen, oder wäre der auch ohne ihn eingetreten? Ganz sicher wäre er das. Hätte Bear Stearns ohne Paulsons Intervention seine Fonds retten können? Die Manager haben es versucht. Wie sich herausstellte, auf illegale Weise. Sie haben ihre Investoren über den massiv sinkenden Wert der Fonds über Monate belogen, damit die ihre Gelder nicht abzogen. Am 19. Juni dieses Jahres wurden die beiden festgenommen. Aber ermittelt wird nach der Pleite der Bank auch in die andere Richtung im Hedgefonds-Milieu. Kontrolleure der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) vermuten, dass Hedgefonds, die auf das Fallen des Börsenkurses von Bear Stearns setzten, mit gezielten Gerüchten nachgeholfen haben, damit der Kurs fiel. Dass Hedgefonds also die Macht hatten, eine der größten Investmentbanken in den Bankrott zu treiben.

Die Besuchszeit ist vorbei. Paulson verabschiedet sich. Als die Reporterin ein paar Minuten später das gläserne Büro im 29. Stock verlässt, sieht sie ihn, dem Commander eines Raumschiffes ähnlich, weit zurückgelehnt auf einem etwas erhöhten Ledersitz zwischen seinen Mitarbeitern, diverse Monitore vor sich. Den rechten Fuß auf dem linken Knie, hört er einem Analysten zu, der für ihn offenbar die nächste große Chance sucht.

Noch 1990 gab es nur 610 Hedgefonds auf der Welt, heute sind es 10.000, allein in den letzten vier Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. Die meisten davon haben ihre Büros in New York und Umgebung. Nirgendwo jedoch kann man die Auswirkungen dieser rasanten Vermehrung besser verstehen als im Örtchen Greenwich in Connecticut. Hier, 37 Zugminuten nördlich von Manhattan, haben sich über 100 Hedgefonds niedergelassen, die etwa ein Zehntel des weltweiten Hedgefonds-Geldes verwalten.

Fährt man zwischen sanften, leicht bewaldeten Hügeln die gewundene North Street entlang, endlose Steinmauern auf der einen und hohe Hecken auf der anderen Seite, sieht man sie ab und zu an ungeschützten Stellen aufblitzen, die Tudor-Anwesen und Schlösser der Manager. Das 1160-Quadratmeter-Haus des AQR-Capital-Managers Clifford Asness, das englische Herrenhaus des Level-Global-Managers David Ganek. Der Durchschnittspreis für ein Haus in Greenwich lag 2006 bei 1,7 Millionen Dollar, 140 wurden für fünf Millionen und mehr verkauft. In dem Dörfchen stehen oder fahren laut Steuerstatistik 931 Porsche, 94 Ferrari, 90 Bentley, 65 Aston Martin, 40 Maserati, 39 Rolls-Royce, vier Maybach – aber nur ein Lamborghini. Die meisten Manager sind dann eben doch schon an die 50.

Dieser Luxus ist möglich, weil niemand in der Finanzwelt besser bezahlt wird als Hedgefonds-Manager. Sie bekommen zwei Prozent des Geldes, das Investoren in ihren Fonds stecken, als Gebühr. Allein für seine Präsenz in seiner Firma bekäme Paulson im nächsten Jahr also 560 Millionen Dollar. Zusätzlich erhält er 20 Prozent des jährlichen Gewinns. Manche wie Steven Cohen behalten sogar 50 Prozent des Profits. Und während die Gehälter in den USA und in Europa stagnieren, steigen die der Hedgefonds-Manager von Jahr zu Jahr. 2007 verdienten die 25 erfolgreichsten unter ihnen 18-mal so viel wie fünf Jahre zuvor: 360 Millionen Dollar – eine amerikanische Familie dagegen 60500 Dollar.

Auf dass es ihnen auch weiterhin gut gehe, zahlen sie nicht wie jeder Angestellte oder Arbeiter 35 Prozent Einkommensteuer auf ihre Gewinne, sondern nur 15 Prozent Kapitalertragsteuer. Das macht Hedgefonds-Manager in Zeiten, in denen viele Amerikaner Häuser und Jobs verlieren, nicht besonders beliebt.

Hans Storr sitzt an einem kleinen künstlichen See im tropischen Garten des Hyatt-Hotels in Greenwich und bestellt einen Meeresfrüchtesalat. Storr ist 76 Jahre alt, groß und vom Golfspielen gut in Form, seit 32 Jahren lebt er in Greenwich. Bis 1996 war Storr Finanzchef von Philip Morris, er hat den Ankauf von General Foods mit Hilfe von 44 Bankkrediten orchestriert und den 14-Milliarden-Dollar-Erwerb von Kraft-Food abgewickelt.

Das einzig Gute, das er über Hedgefonds zu sagen habe, sei, dass ihre Anwesenheit im Ort den Wert seines Hauses in faszinierende Höhen getrieben habe. Früher hatte er Lehrer als Nachbarn, nun sind es Banker. Niemand sonst kann es sich mehr leisten, hier zu leben. »Wenn ich jetzt verkaufte, stände ich sehr, sehr gut da.« Ansonsten hält er sich von Hedgefonds fern. »Vielleicht bin ich da altmodisch – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Aber für mich ist Investieren in einen Hedgefonds, als führe man nach Las Vegas. Und John Paulson hat durch Glück den Jackpot gewonnen.«

»Selbstmord ist schmerzlos« – auf die schmutzige Windschutzscheibe gemalt

Storr wurde in Kirschweiler bei Idar-Oberstein geboren, und man hört ihm seinen deutschen Akzent immer noch ein wenig an. Wenn es ums Geschäft geht, spricht er lieber englisch. »Ich bin sehr für freien Handel«, sagt er, »aber man kann diese enorme Konzentration von Geld nicht einfach so unreguliert agieren lassen.« Er wünscht sich, was die deutsche Bundesregierung seit Jahren auf internationaler Ebene zu erreichen versucht – eine weltweite Kontrolle der Fonds. Was Storr vor allem sorgt, sind das Risiko, das Hedgefonds mit geliehenem Geld eingehen, und die Gefahr, die das für das gesamte Finanzsystem darstellt.

Als Storr für Philip Morris in den achtziger Jahren Firmen kaufte, waren Bankkredite noch relativ teuer. Seitdem sind sie immer billiger geworden, und Hedgefonds haben davon reichlich Gebrauch gemacht. Und weil die Fonds so gute Kunden waren, haben die Banken bei den Sicherheiten für die Kredite die Augen immer fester zugedrückt. Wenn Marktwetten mit diesem Geld jedoch schiefgehen, dann wackelt schnell das ganze System.

Der Hedgefonds Amaranth verlor mit einer schlechten Wette 2006 sechs geliehene Milliarden, der Hedgefonds Sowood verlor 2007 eine Milliarde, DB Zwirn 2008 vier Milliarden und der Carlyle-Fonds 16 Milliarden. Von der Pleite des Hedgefonds Long Term Capital, der berühmtesten aller Pleiten, hatte Storr erst mitbekommen, als schon alles vorüber war, obwohl auch der in Greenwich saß. So verschwiegen waren die Manager.

Dieser Fonds, der von zwei Nobelpreisträgern verwaltet wurde, verursachte Ende der Neunziger beinahe eine Finanzkrise, als eine seiner Wetten nicht aufging. Er hatte sich dafür 124,5 Milliarden Dollar von Banken geliehen und konnte sie nicht zurückzahlen. Um die drohende Bankenkrise zu verhindern, schritt die US-Notenbank ein, um den Fonds auszulösen. »Kein Land der Erde kann sich ein solches Risiko auf Dauer erlauben«, sagt Storr, steigt in einen Mercedes, einen von 3474 dieses Typs, den es in Greenwich natürlich auch gibt, und fährt davon.

Randy Shain lebt von diesem Risiko bisher sehr gut. In Jeans, Turnschuhen, Wollpulli sitzt er vor dem Computer in seinem großen, hellen Loft in Manhattan und lächelt freundlich. Auf dem Tisch liegen das Buch eines Hedgefonds-Managers, die Fachzeitschriften Derivatives Week, Hedge Fund Review und Alternative Investment News. Shain ist Hedgefonds-Detektiv.

Er arbeitet für reiche Leute, Pensionskassen und Banken, die ihr Geld in Hedgefonds anlegen und mehr über die Leute erfahren wollen, denen sie es anvertrauen. Sie wissen zwar, welche Strategie der Fonds verfolgt, nicht aber, welcher Typ der Manager ist, wie risikobereit er ist. Ein Blick in die Biographie des Mannes ist oft das einzige Mittel, um etwas Klarheit zu bekommen. »Ich kann zwar keinen Bankrott oder Betrug voraussagen«, sagt Shain, »aber ich kann etwas über den Charakter eines Managers herausfinden. Ich versuche, Verhaltensmuster zu erkennen, die etwas darüber aussagen, wie risikofreudig oder vertrauenswürdig er ist. Und da kann man oft relativ deutliche Warnzeichen finden.«

Wie zum Beispiel bei Samuel Israel III.

Als die Richterin Colleen McMahon am 14. April 2008 in Manhattan den 48-jährigen Hedgefonds-Manager zu 20 Jahren Gefängnis und 300 Millionen Dollar Strafe verurteilte, weil er seine Investoren um ebenjene Summe betrogen hatte, saß Shain in seinem Haus in Long Island und war zufrieden. Er hatte Israel 2001 und 2003 für zwei Kunden durchleuchtet. Schon damals kam ihm der Mann komisch vor, obwohl sogar JP Morgan Israels Fonds verkaufte. Vor allem dessen Autofahrten im betrunkenen Zustand hatten Randy Shain stutzig gemacht.

Shain lehnt sich in seinem Stuhl zurück und streicht sich übers schütter werdende Haar. Für seine Arbeit muss er diesen Platz fast nie verlassen. So gut wie alles, was er wissen will, finden er und seine mittlerweile 75 Mitarbeiter im Internet oder in abonnierten Datenbanken.

Er lädt einige der damals über Samuel Israel gesammelten Unterlagen auf den Computer. Langsam baut sich eine Anklageschrift von 1999 auf, wonach die Polizei ihn betrunken am Steuer seines Autos angehalten und festgenommen hatte. Im Wagen fand man eine verschreibungspflichtige Substanz, für die Israel kein Rezept hatte. Dann tauchen Gerichtsakten über nicht bezahlte Mieten auf, die Anklage eines Exmitarbeiters, der Israel beschuldigt, gegen Börsenregulierungen verstoßen zu haben, endlich das Interview eines Mitarbeiters von Shain mit einem ehemaligen Chef Israels, in dem klar wird, dass dieser seine Biografie geschönt hat.

»Samuel Israel kommt aus einer erfolgreichen Händlerfamilie aus New Orleans, die sehr bekannt an der Wall Street ist«, sagt Shain. »Die meisten haben sich auf seinen Namen verlassen.« Samuel Israel III. Keiner hat ihn je nach seinem Uni-Abschluss gefragt. Er hat keinen.

Der erste Bericht über ihn war zehn Seiten lang, zwei Jahre später war er auf 22 Seiten angewachsen – Israel hat in den beiden Jahren eine Menge Gerichtsverfahren angesammelt. Wie die Kunden solche Warnhinweise bewerten, ist eine andere Sache. Nachdem Shain seinen Auftraggebern die Rechercheergebnisse zugeschickt hatte, fuhr er in den Urlaub nach Maine. Die lasen Shains Bericht über Israel, am nächsten Tag investierte einer von ihnen in Israels Fonds. Ohne Risiko kein Gewinn. Und Israel hatte einfach zu gute Gewinne vorzuweisen.

Dass seine Zahlen nicht stimmten, ahnte damals kaum jemand. Nachdem der Fonds im zweiten Jahr große Verluste gemacht hatte, saß Sam Israel in seinem Anwesen in Mount Kisko nördlich von New York, das er für 32.000 pro Monat von Donald Trump gemietet hatte, und sah nur einen Ausweg: die Zahlen schönen, neue Investoren sammeln und hoffen, dass es im nächsten Jahr besser würde. Mit dem frischen Geld zahlte Israel die fiktiven Gewinne an die alten Investoren aus. Anstatt eines erfolgreichen Hedgefonds entwickelte er ein erfolgreiches Schneeballsystem, das neun Jahre unentdeckt blieb.

Am 9. Juni dieses Jahres sollte Israel seine Strafe antreten. Eine Stunde bevor er im Gefängnis erwartet wurde, stellte er seinen Geländewagen an einer Brücke über den Hudson ab und schrieb »Selbstmord ist schmerzlos« mit dem Finger auf die Windschutzscheibe – der Titelsong aus der Kriegskomödie MASH. Das FBI teilte mit, man glaube nicht an Selbstmord. Tagelang blieb Israel verschwunden, dann stieg er auf seinen Motorroller, fuhr zu einer Polizeiwache und stellte sich. Shain schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. »Wie kann man so einen Mann vor Haftantritt auf Kaution rauslassen?«

Aus Angst vor Desastern springt der Staat ein – auch in den USA

Shain ist 42. Als er seine Firma Back Track Reports 1993 gründete, hatte er es auf Investoren abgesehen, die eine Firma kaufen und mehr über deren Manager wissen wollten. Als dann das Internet die Investoren anzog, suchte Shain dort Kundschaft. Er fuhr ins Silicon Valley, »aber die wollten Ergebnisse von einem Tag auf den anderen. So schnell entschieden die, ob sie ein paar Millionen investieren wollten. Das war verrückt.« Man kam nicht ins Geschäft. Shain braucht mindestens zwei Wochen, um jemanden zu durchleuchten. Dann platzte die Internetblase 2001, und wie nach jedem Crash verloren viele Banker ihren Job. Zugleich forschten viele Investoren nach neuen Anlagemöglichkeiten.

Das Geld suchte neue Kanäle, und die arbeitslosen Banker gruben sie. »Jeder zweite Banker«, sagt Shain, »hat damals einen Hedgefonds aufgemacht. Ob sie Ahnung davon hatten oder nicht. Irgendwo musste das Geld ja hin, und wo gab es eine bessere Verdienststruktur als bei Hedgefonds?« Es folgten Zahnärzte, Anwälte, Angestellte, jeder wollte beim neuen großen Ding dabei sein. Denn so wie die Hypothekenvergabe in den USA völlig unreguliert war, war es auch das Eröffnen eines Hedgefonds. Jeder konnte mitmachen, solange er irgendwoher Geld bekam.

5000 Hedgefonds-Manager kennt Shain mittlerweile bis in ihre Schulnoten, und so langsam hat er einen Katalog von Merkmalen entwickelt, auf die es sich zu achten lohnt. Zum Beispiel, ob der Manager immer die Wahrheit über seine Biografie gesagt hat oder ob er dazu tendiert, Dinge zu beschönigen. Ist er häufig geschieden und wird immer wieder durch kostspielige Scheidungen abgelenkt? Ist er wiederholt mit Alkohol am Steuer erwischt worden, hat sich also schlecht unter Kontrolle? Hat er seine Steuern mal nicht bezahlt – nimmt also entweder Papierkram nicht so ernst oder hat Geldprobleme?

Es ist ein unangenehm anmutender Charaktertest, den Shain da in die Kontrolllosigkeit hinein entwickelt hat. Und doch interessiert sich mittlerweile auch die Börsenaufsichtsbehörde SEC (Security Exchange Commission) dafür. Neulich bat sie Shain zum Gespräch. Auch die Aufsichtsbehörde versucht einen Weg zu finden, das Risiko zu begrenzen. Zumal den ersten Versuch, die Hedgefonds zu mehr Transparenz zu zwingen, ein älterer Herr aus New York zunichte gemacht hat.

In der Wartehalle des kleinen Flughafens von White Plains, einem hübschen, waldigen Vorort im Norden von New York, öffnen sich die Türen, und ebenjener ältere Herr tritt ein. Es ist der 63-jährige Hedgefonds-Manager Phillip Goldstein. In einer Hand hält er eine Reisetasche und das Flugticket, mit der anderen versucht er sein Handy ans Ohr zu halten, obwohl ihm ein Kleidersack mit Anzug immerzu aus der Armbeuge rutscht.

In seinem grauen Blouson, den weiten, hellen Jeans, den weißen Turnschuhen und dem schütteren Haarkranz geht Goldstein unter inmitten all der anderen Senioren, die auch darauf warten, gleich nach Florida zu fliegen. Viele sitzen in motorisierten Rollstühlen, einige mit ihren Golftaschen über der Schulter.

Von Goldstein nimmt niemand Notiz. Dabei hat dieser Mann auf das Glück oder Unglück dieser Pensionäre mehr Einfluss, als ihnen lieb sein kann. Phillip Goldstein hat dafür gesorgt, dass sich die Welt der Hedgefonds staatlicher Kontrolle auch weiterhin erfolgreich entzieht. Und damit ebenso das Geld, das vor allem große amerikanische Pensionskassen immer massiver in sie hineinstecken. Heute fliegt Goldstein zu einem Vortrag vor einer Schar seiner Bewunderer nach Miami.

2004 beschloss die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde, dass Hedgefonds bis zum Februar 2006 bei ihr zu registrieren seien. Die Zahl der Betrugsfälle hatte seit 2000 so sehr zugenommen, dass sich die Behörde zum Handeln gezwungen sah. Zum einen wünschten sich die Kontrolleure einen besseren Überblick darüber, wie viele Fonds es eigentlich genau gab und wie viel Geld sie jeweils verwalteten. Zum anderen wollten sie Einblick in die Bücher der Hedgefonds, um Investoren, vor allem aber den amerikanischen Aktienmarkt vor allzu riskanten Spekulationen besser schützen zu können.

Goldsteins Firma verwaltet fünf Hedgefonds im Wert von 500 Millionen Dollar. Er hat sechs Angestellte und 100 Investoren, die Einstiegssumme liegt bei 500.000 Dollar. Er ist kein John Paulson und auch kein Warren Buffet. Goldsteins Fonds zählen zu den kleineren. Er fährt zwar gern mit seiner Frau nach Las Vegas, aber bei 100 Dollar Verlust im Kasino ist Schluss. Wenn es um seine Hedgefonds geht, ist er ähnlich sparsam. Dennoch ist er fest davon überzeugt, dass die Aufsichtsbehörde das alles nichts angeht: »Freiheit ist die Norm und nicht Kontrolle.«

Viele Hedgefonds sind damals der Registrierungsaufforderung der Behörde nachgekommen. Vor allem die großen, deren Investoren mächtige Pensionskassen oder Universitätsstiftungen sind. Auch John Paulsons Fonds ist registriert.

»Das haben sie gemacht, um ihre Investoren zu beruhigen«, sagt Goldstein. »Seht her, wir haben ein SEC-Gütesiegel, wir sind registriert.« Er hebt die Hände zur Unschuldsgeste. »Und die Manager der Stiftungsgelder und Pensionskassen können dann bei einem Bankrott des Fonds schön alle Schuld von sich weisen und sagen: ›Wir dachten, die SEC hat da ein Auge drauf.‹ Aber wie sieht diese Kontrolle konkret aus? Welche Kontrolle hätte zum Beispiel Amaranth vor dem Kollaps bewahrt?«

Dieser Hedgefonds hatte auf den steigenden Gaspreis zwischen März und April 2007 spekuliert und damit drei Milliarden Dollar verloren. »Auch wenn einer von der Aufsichtsbehörde jeden Tag im Büro von Amaranth gesessen hätte – hätte er dann irgendwann gesagt, so, du kannst jetzt keine Gasoptionen mehr kaufen?« Nein, Goldstein traut dem Staat nicht, vor allem traut er ihm nicht zu, die Wirtschaft besser zu verstehen als er und seine Kollegen. Der Versuch, das Marktgeschehen zu kontrollieren, koste nur unsinnig viel Geld, glaubt er. Vor allem seines, denn Goldstein müsste beginnen, jede E-Mail, jedes Telefonat, jedes Fax zu archivieren.

Viele Kritiker der Hedgefonds möchten diese gerne regulieren, statt sie nur zu kontrollieren. Sie möchten die Höhe der Kredite begrenzen und die Höhe der Positionen, die sie mit geliehenem Geld aufbauen dürfen. Auch wird darüber nachgedacht, den rasant wachsenden unbeaufsichtigten Derivate-Handel zu regulieren. Die Idee ist, die Geschwindigkeit des Wirtschaftsverkehrs, den Geldfluss, lieber vorher zu drosseln, um einen massiven Crash später zu verhindern.

Die meisten Banker stehen jedoch auf dem Standpunkt, die Wirtschaft in Boomzeiten so viel Geld wie möglich verdienen zu lassen, dafür einen Crash irgendwann in Kauf zu nehmen und danach mit geringerem Tempo von Neuem zu starten. Das Verlogene bei diesem Modell ist, dass durch die gigantischen Geldmengen, die heute zur Verfügung stehen, die Unfälle mittlerweile so groß sind, dass die Wirtschaft sie nicht mehr selbst reparieren kann. Und so hilft den Fonds aus Angst vor einem noch größeren Desaster, wie momentan in der Kreditkrise, der Staat mit all seinen Bürgern, die ihre 35 Prozent Einkommensteuer zahlen.

Goldstein ist ein überraschender Gegner für die Aufsichtsbehörde. Bevor er nämlich Hedgefonds-Manager wurde, war er bis 1993 selbst beim Staat angestellt, im Straßenbauamt von New York. Als Beamter, sagt Goldstein, habe er nie das Gefühl gehabt, auf irgendetwas stolz sein zu können. War er mal krank, lief die Maschine auch ohne ihn weiter. Er grinst. »Als Hedgefonds-Manager ist das anders. Da läuft nichts ohne mich.«

Der Mann will zurück ins Geschäft – das richtig große Geld machen

Sein Vortrag in Miami findet in einem italienisch anmutenden Luxusresort statt. Am Pool liegen Gäste, gerahmt von Palmen, rosa Hibiskus und weißen Orchideen, bei schwülheißen 28 Grad. Für die Manager in ihren dunklen Anzügen hat man den Konferenzraum angenehm heruntergekühlt. Es gibt Antipasti und Wein, ein großer Kronleuchter erhellt den Abend, etwa 50 Herren sind gekommen. Goldstein erzählt von seinem Kampf gegen die Aufsichtsbehörde, danach will ihm jeder dankbar die Hand schütteln. Im Jahre 2006 hat das oberste Berufungsgericht in Washington Goldstein recht gegeben: Die Aufsichtsbehörde habe Hedgefonds unrechtmäßig definiert, um so deren gesetzlich verankertes Recht auf Freiheit zu umgehen. Dieses Recht könne nur der Kongress ändern.

»Sie sind mein Held«, donnert ein Mann im Maßanzug, mit vom Segeln wettergegerbtem Gesicht. Er steht am Tisch mit Phillip Goldstein, blättert durch die neue Ausgabe des Trader-Magazins und erzählt dabei so laut, dass alle es hören können, dass er in den Achtzigern einen der größten Hedgefonds damals verwaltet habe. Jetzt kommt er im Magazin bei der Liste der 100 meistverdienenden Hedgefonds-Manager von 2007 an. »Das Geld der Titanen« steht darüber. Angeführt wird die Liste von John Paulson.

Der Mann schäumt. »Diese Kinder, die sind alle mal zu mir gekommen und haben um einen Job gebettelt. Und jetzt machen die alle so viel mehr Geld als ich damals!« Er will noch mal zurück ins Geschäft. Das richtig große Geld machen. Es freut ihn, dass 2007 das Weiße Haus entschieden hat, Hedgefonds nicht stärker zu regulieren, und dass – obgleich die US-Regierung angesichts der Finanzkrise die Gefahren des völlig deregulierten Marktes deutlicher sieht als noch vor Kurzem – Ben Bernanke, der neue Chef der Notenbank, dennoch lieber auf Selbstverpflichtung der Manager zu mehr Transparenz setzt als auf Kontrollen.

Goldstein und seine Freunde haben diese Entscheidungen an diesem Abend in Miami noch mit einigen Gläsern Wein gefeiert.

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Leser-Kommentare

  1. Die Frage ist doch nicht "Was wollen sie" ! Die Frage lautet: "Warum dürfen sie das?"
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    In der Tat!   redfox_27
    "Das hätte zwar den Hausbesitzern geholfen, aber den Hypothekencrash verzögert. Paulson drohte, die Bank auf Marktmanipulation zu verklagen, und stellte einen Lobbyisten an, damit auch jeder diese Drohung hörte. Er war zum Raubtier geworden"Ein fürstlich bezahltes Raubtier!"Allein für seine Präsenz in seiner Firma bekäme Paulson im nächsten Jahr also 560 Millionen Dollar. Zusätzlich erhält er 20 Prozent des jährlichen Gewinns."Das passiert wohl überall, wenn man die sogenannte Elite die Dinge alleine regeln lässt!"Die meisten Banker stehen jedoch auf dem Standpunkt, die Wirtschaft in Boomzeiten so viel Geld wie möglich verdienen zu lassen, dafür einen Crash irgendwann in Kauf zu nehmen und danach mit geringerem Tempo von Neuem zu starten. Das Verlogene bei diesem Modell ist, dass durch die gigantischen Geldmengen, die heute zur Verfügung stehen, die Unfälle mittlerweile so groß sind, dass die Wirtschaft sie nicht mehr selbst reparieren kann."Sie fühlen sich nur verantwortlich für die Gewinne und Ihre Verluste soll die Allgemeinheit bezahlen. Das ist doch asoziales Schmarotzertum in Reinform!Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
    • 03.08.2008 um 22:22 Uhr
    • iDog
    ist die arroganz und ignoranz des systems. wuerden nur die superreichen untereinander in vegas um ihr vieles geld zocken, konnte keiner etwas dagegen haben unter dem motto "jedem das seine". die global zocker aber hinterlassen eine dreckige spur des elnends in der welt. mit ihren wetten setzen sie nur zu oft auch leichfertig die existenz sehr vieler unbeteiligter mit aufs spiel - sie selbst verlieren im schlechtesten fall ihr geld oder einen teil , die unbeteiligten allerdings ihre exisistenz. wenn dies gemeint ist mit der billigenden inkaufnahme frequent auftretender "crashes", dann kann man menschen wie greenspann, die regulierungen ablehnen und sich nur fuer den geldrueckfluss in die industrie interessieren, nur verachten, dies vor allem, weil wie im moment den grossen banken angesichts der noch lange nicht ausgestandenen weltwirtschaftflaute als konsequenz eigener maßlosigkeit unter dem attribut "can't fail" eine freifahrkarte in die zukunft erkungelt wird - natuerlich wieder auf kosten vieler unbeteiligter . in wirklichkeit sind die paar riesenbanken dieser welt selbst die regulierer und lassen sich ungern in die parade fahren - nur wenn sie mist gebaut haben kriechen sie zu kreuze ( siehe ackermann) und wollen hilfe vom staat , also der masse der kleinen steuerzahler, von denen , die sie sonst ignorieren und ueber deren leichen sie zur not gehen. wenn es so etwas wie hedgefonds schon gibt, sollten sie nur zur steigerung des allgemeinen wohlstandes auf der welt erlaubt und geduldet werden . dass die investments einer kleiner gruppe von menschen die existenz einer welt voller menschen ins schlingern bringen kann, gehoert sicher abgeschafft - schon allein aus machtpolitischen gruenden , die einer demokratie in keiner weise entsprechen koennen. was wir hier als salonfaehig geglaettetes pseudokritische infotainment angboten bekommen. ist nichts weiter als die beschreibung einer diktatur des geldes, die aufgrund technologischer inovationen mit steigender geschwindigkeit in eine extremsituation zu eskalieren droht, deren eigendynamik keine noch so fundierte vernunft oder ethik mehr gewachsen sein wird.... und allen von diesem system korrumpierten gemeinsam ist der unausgesprochene gruss "hail money", aber sie verkennen eines: nicht "money makes the world going round" sondern der mensch . dieser sollte daher die refferenz aller dinge im leben begruenden und nicht in der kalten eigenschaftslosigkeit des symbols einer nur wahrscheinlichen option. zu oft schon hat die menschheit , zumal die breite masse, unter verschiedensten lebensumstaenden die voellige nutz- und sinn- und wertlosigkeit des geldes erlebt. dies erscheint wieder und wieder als abstrafung eines vertrauens in die macht (des geldes) in form der scheinbaren bestaendigkeit des geldes. wie bestaendig dieses geld fuer die massen allerdings ist haben nur wenige in der hand. ....und who the f*ck cares wieviele soundso autos daundda rumfahren ? sollen wir diesen "lottokoenig" von manager jetzt beneiden gar bewundern oder was ? ein bischen mehr relevante wirtschaftskritik und ein bischen weniger "vom tellerwaescher zum millionaer" waere wuenschenswert in einer zeitung mit anspruch ??
  2. "Das hätte zwar den Hausbesitzern geholfen, aber den Hypothekencrash verzögert. Paulson drohte, die Bank auf Marktmanipulation zu verklagen, und stellte einen Lobbyisten an, damit auch jeder diese Drohung hörte. Er war zum Raubtier geworden"Ein fürstlich bezahltes Raubtier!"Allein für seine Präsenz in seiner Firma bekäme Paulson im nächsten Jahr also 560 Millionen Dollar. Zusätzlich erhält er 20 Prozent des jährlichen Gewinns."Das passiert wohl überall, wenn man die sogenannte Elite die Dinge alleine regeln lässt!"Die meisten Banker stehen jedoch auf dem Standpunkt, die Wirtschaft in Boomzeiten so viel Geld wie möglich verdienen zu lassen, dafür einen Crash irgendwann in Kauf zu nehmen und danach mit geringerem Tempo von Neuem zu starten. Das Verlogene bei diesem Modell ist, dass durch die gigantischen Geldmengen, die heute zur Verfügung stehen, die Unfälle mittlerweile so groß sind, dass die Wirtschaft sie nicht mehr selbst reparieren kann."Sie fühlen sich nur verantwortlich für die Gewinne und Ihre Verluste soll die Allgemeinheit bezahlen. Das ist doch asoziales Schmarotzertum in Reinform!Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!
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    Schlußendlich kommt es auf den Standpunkt an. Es könnte auch der Standort gemeint sein, denn der liegt meist in den USA bzw. in UK und ihren Dependencen. Noch Fragen?debrasseur
    • 03.08.2008 um 22:27 Uhr
    • xyto
    Das mittlerweile allseits bekannte Diktum der postmodernen Finanzwelt tritt auch hier deutlich hervor:"Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!"Wenn jeder dieser Manager, oder wer auch immer die Verantwortung trägt, auch den Misserfolg voll zu verantworten hätte, könnte man zwar noch immer viele Argumente dagegen anführen, etwa dass durch Kopplungseffekte wegen der immensen Größenordnung auch andere unverhältnismäßig in Mitleidenschaft gezogen würden, aber das ganze wäre dann zumindest noch irgendwie vertretbar. Sobald es aber dazu kommt, dass der Staat, also nicht die Regierung natürlich, sondern der Steuerzahler, für die Verluste aufkommen muss, sollte eigentlich jegliche Diskussion überflüssig werden und sofort entsprechende Regulationsmechanismen eingeführt werden. Da geht es dann weder um Neid, noch darum, dass irgend jemand enorm überdurchschnittliche Einkommenszuwächse verzeichnet, sondern schlicht um einfach um ein Verbrechen und Ungerechtigkeit. Aber dagegen richtet sich der Zorn der Massen natürlich nicht, belehrt von Fernsehen und Zeitungen empört man sich dann lieber über die 10 Euro, um die die Sozialhilfe alle paar Jahre angehoben wird.
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    Verantwortung tragen wohl (zum Teil) die Manager, aber wohl zu einem aehnlich grossen Teil auch die Anleger. Die machen das Kapital ja erst verfuegbar und moechten ebenfalls Gewinne einstreichen. Wie im Beitrag angedeutet, hilft die Bewegung (Investition) ihres Kapitals dabei, den Besitz zu behalten. Ansonsten haetten sie ja nur die Wahl, es auszugeben, was wiederum dazu fuehren wuerde, dass es in andere Haende kaeme.Den einzelnen Manager koennte man wahrscheinlich nur schwer den Misserfolg voll verantworten lassen. Das Geld (der "Wert") ist weg und soll wieder her. Wenn man Samuel Israel III baete, allein Arbeit im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar zu leisten, wuerde er vielleicht nur etwas unglaeubig gucken.
    • 03.08.2008 um 22:57 Uhr
    • debrasseur
    Schlußendlich kommt es auf den Standpunkt an. Es könnte auch der Standort gemeint sein, denn der liegt meist in den USA bzw. in UK und ihren Dependencen. Noch Fragen?debrasseur
    Antwort auf "In der Tat!"
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    Und genau wie an der Bushaltestelle sollte man sich mit diesen nicht zum gemeinsamen Spiel verführen lassen. Denn die gewinnen am Ende immer alles, weil sie ein falsches Spiel treiben. Sollen die Angelsachsen sich doch gegenseitig ausnehmen. Aber einer muss ja erst einmal irgendwelche Werte mitbringen, die dann den Besitzer wechseln sollen. Deshalb sind wir in diesem miesen Spiel immer wieder die gern gesehenen Zaungäste. Einfach, weil wir so schrecklich dämlich sind.
  3. Die Gier ist Triebfeder vieler Machtmenschen. Für hohen Profit geht man über Leichen, man denkt nur noch in Quartals.Unglaublich ist, dass Volkes Seele noch nicht aufbegehrt, es noch so ruhig ist. Noch unglaublicher ist, dass die CDU als Volksfeind Nummer eins Umfragewerte erhält, die einem Angst machen. Es besteht kein bis wenig Interesse irgend etwas am bestehenden System der omnipotenten Macht des Kapitals zu ändern, die politische Klasse wird grosszügig von ebendieser gefüttert. Lange Zeit schon wird Politik nicht mehr in Berlin gemacht, die Politik erfährt Diktion aus Hinterzimmern. Verkäufer sind sie geworden die Politiker, sie verkaufen uns die Doktrin der Kapitalelite als dringend notwendige Massnahme zur Erhaltung unseres Wohlstands und unserer Sicherheit. Wer riesige Vermögen anhäuft und letztlich auf der Strecke bleibt ist bekannt.
  4. Was wollen sie? - Schmarotzen.Wie sollte man mit ihnen umgehen? - Nach der Art des Francois Villon:Man schlage diesem Lumpenpack/ Das Maul mit einem Hammer kurz und klein/ Was uebrig bleibt, das waescht der Regen mir vom Frack/ Ich bin Villon, das braucht mir keiner zu verzeihn...[Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]
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    Gedichte von Villon: Liebe Zeit - Redaktion, sind Sie sicher, dass Sie komptent sind, über Zensur in China zu schreiben? Ich zweifele daran allmählich...Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden - Ludwig Wittgenstein
    Albert_Wittine-Mancunian zitiert einen Menschen, der im 15.Jh reichlich Erfahrung mit Korruption, Durchstechereien und bigotter Selbstgerechtigkeit machte, mit der Kirche allemal. Mit Politik eben, mit Macht und Herrschaftsideologie.Seine kraftvolle Sprache diente, unter vielen anderen, Brecht und Biermann als Steinbruch. Wer hinhört, findet Anklänge bei Dutzenden deutscher Autoren, die in Ermangelung eigener Sprachlichkeit seit Ewigkeiten auf die Sprachgewalt dieses französischen Poeten und Menschen zurückgriffen, um es vorsichtig zu formulieren.Heute wie damals ruft er postwendend die Zensur auf den Plan. Viel hat sich nicht geändert, die Herrschenden sind sakrosankt.Wer sich ein Bild machen möchte, wie Monsieur Villon, der beeindruckendste Dichter des frz. Hochmittelalters, seine Verachtung für die heutige Presse und ihre liebesdienerische Zensur möglicherweise in vernichtende Verse und Balladen gegossen hätte:"Kinsky spricht Villon" Ansonsten: Fragen Sie in Ihrer Buchhandlung, es gibt ihn immer noch
    • 04.08.2008 um 2:11 Uhr
    • self22
    Und genau wie an der Bushaltestelle sollte man sich mit diesen nicht zum gemeinsamen Spiel verführen lassen. Denn die gewinnen am Ende immer alles, weil sie ein falsches Spiel treiben. Sollen die Angelsachsen sich doch gegenseitig ausnehmen. Aber einer muss ja erst einmal irgendwelche Werte mitbringen, die dann den Besitzer wechseln sollen. Deshalb sind wir in diesem miesen Spiel immer wieder die gern gesehenen Zaungäste. Einfach, weil wir so schrecklich dämlich sind.
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    doch ein sei passender. Danke.debrasseur
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