Revolution hat sich als Allerweltsvokabel in unseren Sprachgebrauch eingebürgert. Was neu ist oder als neu erscheinen soll in der Welt der Moden und Waren, wird gern mit diesem Begriff belegt. Gegenüber dieser inflationären Verwendung insistieren Historiker und Politologen auf der ursprünglichen politischen Bedeutung des Begriffs. Danach werden unter Revolutionen in der Regel tief greifende und nachhaltige Veränderungen in der Struktur eines politischen und gesellschaftlichen Systems verstanden, die häufig abrupt erfolgen: Die alten Eliten werden entmachtet und die politischen Institutionen umgewandelt. Diese Veränderungen können, müssen aber nicht notwendigerweise von Gewalt begleitet und mit Gewalt durchgesetzt werden.

Revolutionstheorien bemühen sich vor allem, auf drei Fragen eine Antwort zu geben:

Unter welchen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen entstehen Revolutionen?

Welcher Verlauf ist für Revolutionen typisch?

Welche Auswirkungen, kurzfristige und langfristige, haben Revolutionen?

Evolution bürgerte sich nach 1789 als Gegenbegriff zu Revolution ein: Damit ist kein radikaler Wandel gemeint, sondern ein Prozess, der sich schrittweise durch Reformen vollzieht. Diese sollen eine revolutionäre Zuspitzung der Verhältnisse gerade überflüssig machen.

Karl Marx sah in Revolutionen »die Lokomotiven der Geschichte«. Er vertrat die Ansicht, dass auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung die Produktivkräfte zwangsläufig in Widerspruch zu den Produktionsverhältnissen geraten würden und dann »eine Epoche sozialer Revolution« eintrete. »Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsam und rascher um« (Zur Kritik der politischen Ökonomie, 1859). Lew Trotzkij erweiterte dieses Verständnis um die Vorstellung einer »permanenten Revolution«, wonach der Übergang zum Sozialismus nur global und gleichzeitig erfolgen könne.