Es ist eine Tragödie." So drastisch beschrieb EU-Kommissar Peter Mandelson am Dienstagabend das Scheitern der Welthandelsrunde. Der sonst so nüchterne Brite hat nicht übertrieben. Dass die 152 Regierungsvertreter sich auch sieben Jahre nach der Eröffnung der nach der Stadt Doha benannten Runde nicht auf neue Regeln für den Handel einigen können, ist tatsächlich sehr bitter. Blamiert haben sich dabei erneut die Industrieländer. Denn ihr Versprechen, den Welthandel vor allem für die armen Länder fairer zu gestalten, hat sich einmal mehr als Propaganda erwiesen. Offensichtlich sind sie nicht in der Lage, im Konsens mit dem Süden zu sinnvollen neuen Absprachen zu kommen.

Das Scheitern der Doha-Runde wird seine fatale Wirkung auch weit jenseits der Handelspolitik entfalten. Denn mit diesem Projekt missglückt nicht nur ein neues Regime für Importe und Exporte. Zugleich versagt die Politik auch bei ihrem derzeit einzigen ernsthaften Versuch, der Globalisierung neue Regeln zu geben. Dabei könnten die Zeiten für so ein Versagen kaum schlechter sein: Die Finanzmärkte kriseln. Die Weltkonjunktur lahmt. Die Energie- und Nahrungsmittelressourcen sind hart umkämpft. Vielerorts werden Protektionisten mächtiger. Da wäre ein Zeichen, dass Politik kooperieren kann und globale Lösungen findet, gerade recht.

Doch offensichtlich fehlt es am Ende vor allem den USA an dieser Einsicht – oder am Willen. Schon am Montagabend begann deren Handelsbeauftragte Susan Schwab mit dem berühmten blame game und machte Indien und China für das baldige Scheitern verantwortlich. Schließlich hatte der indische Handelsminister Kamal Nath für etwa 100 Entwicklungsländer das Recht gefordert, ihre Landwirtschaft auch nach der Liberalisierung gegen massiv anwachsende Nahrungsmittelimporte durch Zölle schützen zu dürfen. Das ging dem Agrarexporteur USA zu weit, schließlich hofft dessen hoch subventionierte Landwirtschaft durch die Liberalisierungsrunde auf neue Exportchancen.

Der Konflikt überdeckte fast: Diese Welthandelsrunde hat einst mit einem Versprechen begonnen. Nun will der Norden dem Süden einfach nicht weit genug entgegenkommen, weil es politisch zu teuer ist. Genf zeigt zudem: Offensichtlich können die amtierenden Politiker noch nicht mit der Vielfalt einer multilateralen Welt umgehen, in der die USA, die EU, Indien, China und noch einige andere Regierungen miteinander von Gleich zu Gleich verhandeln müssen.

Auf der Strecke bleiben nicht die USA, nicht China oder Indien, sondern die ganz Armen. Sie erhalten die versprochenen Exportchancen nicht. Und der Norden muss seine schädliche Agrarpolitik nun erst einmal nicht ändern. Die Folgen aber tragen vor allem die Menschen im Süden.

Für die Zukunft lässt das wenig hoffen, auch die Klimaverhandlungen im nächsten Jahr könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Zwar gibt es kein direktes Junktim zwischen den beiden Themen. Doch wenn schon Doha nicht zustande kommt, wieso sollte ein noch viel kostspieligeres Klimaregime ein Erfolg werden? Es ist eine Tragödie.