Schulbeginn "Die beste Zeit des Lebens"»Die beste Zeit...«

In keinem Alter sind Kinder aufnahmefähiger und lernbegieriger als zwischen sechs und zehn Jahren. Dennoch sehen viele Eltern der Einschulung mit Bangen entgegen. Zu Unrecht. Keine andere Schulform ist moderner und kinderfreundlicher als die Grundschule

Der Satz kam beiläufig, als ob sie ihn schon mehrmals gesagt hätte. Gleichzeitig schwang etwas Schweres und Schicksalhaftes in den Worten der Mutter: »Im Herbst werden wir eingeschult.« Die Einschulung, der erste Schritt in die Eigenständigkeit, war schon immer ein Abenteuer – für Kinder wie für ihre Eltern. An wenige andere Ereignisse hat man so lebhafte Erinnerungen wie an seinen ersten Schultag oder den seiner Kinder. Selten jedoch war der Schulbeginn so aufgeladen mit Unsicherheit und Zweifeln wie heute (siehe ZEITmagazin LEBEN).

Ist die Grundschule meines Sohnes die richtige? Lernt meine Tochter auch nach dem Unterricht im Hort noch dazu? Und: Wie kommt mein kleiner Fünfjähriger mit Mitschülern zurecht, die bereits sieben Jahre und einen Kopf größer sind? Frühere Elterngenerationen brauchten sich diese Fragen nicht zu stellen. Sie hatten keine Wahl, auf welche Schule sie ihr Kind schicken sollten. Ohnehin nahm man die ersten Schuljahre nicht allzu ernst. Lesen und Rechnen lernt ja irgendwie jeder – was können die Lehrer da groß falsch machen?

Heute weiß man, dass es auf den Anfang sehr wohl ankommt. »Intellektuell zählt die Grundschule zur besten Zeit des Lebens«, sagt der Berliner Bildungsforscher Olaf Köller. In keinem anderen Lebensalter sind die Kinder so aufnahmefähig wie in den Jahren bis zehn, lassen sich herkunftsbedingte Unterschiede so gut ausgleichen wie in den ersten vier Klassen. Hier werden die Einstellungen zu Lernen und Leistung geprägt und die Weichen gestellt für die weitere Bildungskarriere. Völlig zu Recht prüfen Eltern deshalb, wem sie ihr Kind anvertrauen, und fragen nach der Qualität der Grundschule.

Eltern erkennen die Grundschule ihrer Kindheit heute kaum noch wieder

Die Antwort kann beruhigen: Bildungsforscher stellen der Grundschule ein gutes Zeugnis aus. Unter den verschiedenen Schulformen gilt sie sogar als der Klassenprimus, und zwar unabhängig davon, welchen Maßstab man anlegt:

•Im internationalen Leistungsvergleich liegen deutsche Grundschulen im obersten Viertel. Laut der jüngsten Iglu-Studie können Viertklässler in keinem EU-Land besser lesen als hierzulande. Dabei fiel das Ergebnis noch einmal besser aus als bei der Erhebung drei Jahre zuvor – und zwar bei schwachen wie bei starken Schülern. Das Gerede von der Kuschelpädagogik ist seitdem verstummt. Das gute Abschneiden der Grundschule ist auch deshalb bemerkenswert, weil Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen relativ wenig Geld in die ersten Jahre investiert.

•In der Grundschule hängen die Lernfortschritte der Kinder weniger als in weiterführenden Schulen davon ab, ob sie aus einer Akademikerfamilie oder aus einem Arbeiterhaushalt stammen, türkische oder deutsche Eltern haben. Damit erfüllt die Grundschule relativ gut eine ihrer Hauptaufgaben. Als Lernstätte für alle Kinder hält sie die Schichten und Kulturen einigermaßen zusammen – auch wenn die Wissensunterschiede bereits bei den Erstklässlern enorm sind.

Egal, ob man Kinder in der ersten oder der vierten Klasse fragt: Die meisten von ihnen fühlen sich wohl in der Schule, haben Freude am Lernen und vertrauen auf ihre Fähigkeiten. Psychologen sehen in dieser bejahenden Haltung eine wichtige Ressource (siehe Interview folgende Seite). Je höher das sogenannte Selbstkonzept, desto besser die Leistung. Schulangst und Lernunlust stellen sich erst später ein.

Auch unter Müttern und Vätern ist die Zufriedenheit groß. Den Satz »Zu den meisten Lehrern meines Kindes habe ich großes Vertrauen« können 41 Prozent der Grundschuleltern voll und immerhin 53 Prozent teilweise unterschreiben. Und in wissenschaftlichen Studien oder bei Befragungen schneidet keine andere Lehrergruppe besser ab als die der Grundschulpädagogen (siehe Grafik).

Das größte Verdienst der Grundschule ist jedoch ihre Offenheit für Veränderungen. Keine andere Schulform hat sich in den vergangenen 25 Jahren so erneuert wie sie. Zugleich ist keine so vielen aktuellen Reformen unterworfen, ob Englisch ab Klasse drei oder die frühere Einschulung, das Unterrichten über mehrere Altersjahrgänge hinweg oder die Aufhebung der Schulbezirke (siehe folgende Seite). Für den Leiter der Iglu-Studie, Wilfried Bos, ist die Grundschule deshalb die »modernste Schulform« in Deutschland.

In den Klassen eins bis vier ist der Unterricht am abwechslungsreichsten

Den meisten Eltern fällt dies schnell auf. Während der Besuch eines Gymnasiums vielerorts an eine Reise in die eigene Vergangenheit erinnert, erkennen sie in der Grundschule den Unterricht ihrer Kindheit kaum wieder. Die Türen stehen offen, die Erstklässler laufen im Unterricht herum. Früher lernten die Kinder im Gleichschritt und kämpften sich von der ersten bis zur letzten Seite durch die Fibel. Heute achten die Lehrer viel stärker darauf, was der einzelne Schüler bereits kann und welches Lerntempo ihm zuzumuten ist. Während der eine sich beim Rechnen noch mit Aufgaben von eins bis zehn abmüht, experimentiert sein Klassenkamerad bereits mit Knobeleien im Hunderterraum.

Dabei nutzen die Grundschulpädagogen eine Vielzahl von Lernhilfen und Unterrichtsmethoden, von denen ihre Berufsgenossen in Realschule oder Gymnasium kaum etwas wissen. Grundschüler führen Lesetagebücher oder teilen sich ihr Pensum selbstständig in Wochenplänen ein. Mal büffeln sie in Gruppen, mal für sich allein, Stationenlernen und Werkstattunterricht wechseln sich ab mit dem traditionellen Lehrervortrag.

Zwar beherrscht nur eine Minderheit der Grundschulpädagogen das erforderliche didaktisch-methodische Repertoire. In manchem Klassenraum wurde die alte pädagogische Monokultur des Frontalunterrichts auch einfach abgelöst durch die »Zettelwirtschaft der Arbeitsblätter«, kritisiert der Siegener Pädagogikprofessor Hans Brügelmann. Dennoch, das zeigten Studien, sei der Reichtum an Unterrichtsformen nirgendwo größer als in den Klassen eins bis vier.

Den Pädagogen bleibt auch nicht viel anderes übrig. Denn die Grundschule ist die einzige wahre Gesamtschule Deutschlands, die mehr als 95 Prozent aller Schüler vereint. Damit ist ihr Personal gezwungen, sich unterschiedlich leistungsstarken Kindern zuzuwenden. Andere Lehrer mögen abschieben oder »abschulen«, in der Grundschule geht das nicht. Hier muss man den Unterricht so gestalten, dass die einen Schüler nicht abgehängt werden und die anderen sich nicht langweilen.

Dass dies einigermaßen gut gelingt, belegt der »Schul-TÜV«, mit dem mittlerweile fast alle Bundesländer die Stärken und Schwächen ihrer Schulen testen. Zwei bis drei Tage lang ziehen sogenannte Inspektoren durch Lehrerzimmer und Klassenräume, reden mit Schulleitung, Lehrern und Eltern. In Niedersachsen, das bislang über die meisten Erfahrungen mit dem Instrument verfügt, erhielten die Grundschulen überdurchschnittlich gute Noten. Besonders punkteten sie, wenn es darum ging, einen anregenden Unterricht zu bieten, Schüler zu unterstützen oder mit Eltern zusammenzuarbeiten. Auch in Brandenburg bestätigen Experten diese Tendenz – im Durchschnitt.

Das Problem, das viele Eltern umtreibt, entzündet sich allerdings genau an diesem Wort: Durchschnitt. Der gute Allgemeinbefund sagt nichts aus über die Qualität der Schule um die Ecke. Wie überall in der Bildungslandschaft gilt auch für Grundschulen: Die Unterschiede sind gewaltig. »Von der Schule der Zukunft bis zur Schule der Steinzeit haben wir alles«, sagt der Vorsitzende des Grundschulverbandes, Horst Bartnitzky. Was die Sache noch komplizierter macht: Selbst innerhalb mancher Vorzeigeeinrichtung unterrichten pädagogische Neandertaler.

Das Gefälle zwischen einzelnen Pädagogen offenbarte unter anderem die Hamburger Kess-Untersuchung. Sie zeigte, dass sich in Parallelklassen mit einer ähnlichen Schülerschaft das Leseniveau um gut ein Schuljahr unterscheiden konnte. Und die Iglu-Studie offenbarte, dass manche Kinder selbst am Ende ihrer Grundschulzeit keinen einzigen Satz so lesen konnten, dass sie ihn inhaltlich verstanden. »Fragen Sie mich nicht, wie das nach vier Jahren Unterricht möglich ist«, entsetzt sich der Bildungsforscher Bos.

Es kommt also – wie in allen Schulformen – stark auf den einzelnen Lehrer an. In der Primarstufe jedoch kann diese Schulweisheit zur Drohung werden. Denn in den ersten vier Jahren gibt es für die meisten Kinder nur einen oder zwei Pädagogen. Versagen diese, ist der Anfang verpatzt. Um Leistungsabstürze zu verhindern und Lehrer auf Mindeststandards zu verpflichten, braucht eine Schule also eine starke Führung mit Managementqualitäten. Die meisten Grundschulrektoren verstehen sich jedoch in erster Linie als Lehrer und nicht als Manager, mehr als Kollege denn als Vorgesetzter. Personalplanung oder Profilentwicklung sind – auch das zeigen die Inspektionen – in den meisten Grundschulen noch ein Fremdwort.

Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn die niedrigen Geburtenraten treiben die Grundschulen in einen Kampf um die Schüler. Außerdem sind einige Landesregierungen, allen voran Nordrhein-Westfalen, dabei, die Schulbezirke zu lockern oder ganz aufzuheben. Bislang galt fast überall in Deutschland das Sprengelprinzip, das vorschreibt, dass alle Abc-Schützen die nächstgelegene Schule besuchen müssen. Man will sie vor langen Fahrtzeiten schützen und vermeiden, dass sich Elitegrundschulen bilden. Bildungsbewusste Eltern in Großstädten haben es schon immer vermocht, den Einberufungsbescheid zu ignorieren und den Nachwuchs an einer anderen Schule anzumelden. Mit der Abschaffung des Sprengelprinzips möchten die Behörden nun einen offenen Wettstreit zwischen den Schulen entfachen. Denn wenig bringt Lehrerkollegien so in Bewegung wie ausbleibende Schüler.

Angeregt wird der Wettbewerb auch dadurch, dass Eltern heute mehr Informationen zur Verfügung stehen als früher, um die Qualität eines Lehrerkollegiums einzuschätzen. Jede Schule hat eine Internetseite und veranstaltet einen Tag der offenen Tür. In vielen Bundesländern stellen sie in einem Schulprogramm ihre pädagogischen Schwerpunkte dar. Nicht öffentlich zugänglich, aber mit etwas Mühe erhältlich sind die Resultate von schulübergreifenden Vergleichsarbeiten oder die Berichte des Schul-TÜVs.

Kritiker warnen, dass nur bildungsbürgerliche Familien die neuen Möglichkeiten nutzen würden. Insbesondere die Abschaffung der Schulbezirke werde die »ethnische und soziale Entmischung« der Schülerschaft weiter vorantreiben. Bisher jedoch haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet. Die große Mehrheit der Eltern verzichtet auf die Wahlfreiheit und gibt weiterhin der Schule im eigenen Viertel den Vorzug. Sie schickt ihr Kind dorthin, wo auch seine Freunde in die erste Klasse gehen – und wo das Lernniveau in der Regel, wie alle Studien zeigen, ausreichend hoch ist.

 
Leser-Kommentare
  1. "Eingeschult" - das Wort sagt doch schon alles! Kein Mensch wird "eingelebt" oder "einfamiliert" aber alle müssen sich bei uns "einschulen" lassen. Sind Dummheiten aber erst allgemein üblich und  jede Vergleichsmöglichkeit dazu wegperfektioniert, dann fehlt auch die bewusste Vorstellung von dem, was man tut. Jeder Tag ist eine Wiederholung dieser "Einschulung": reingehen müssen, sich einfügen müssen, mitmachen müssen, sich (dem Unterricht) unterziehen und unterwerfen müssen, willig sein, .... es ist doch eh schon erstaunlich, wenn sich der Mensch vier Jahre lang dafür mit bunten Bildchen, Sternchen-Stempeln u.dgl.m. bestechen und mit Strafaufgaben an der Kandarre halten lässt. Und das soll "die beste Zeit des Lebens" sein und die Krise zu Beginn der Pubertät soll so überhaupt nichts mit der vier Jahre lang verübten Pädagogik zu tun haben???
    Da ist Sabrina, 7 Jahre alt, Anfang 2.Klasse. Sie möchte nicht mehr leben, weil ihre Lehrerin sie fast täglich vor der Klasse blamiert: "Du bist zu dumm für alles!" - Da ist Otti, 1.Klasse, den seine Lehrerin unbedingt in die Sonderschule schieben will. Die Mutter geht zur Heilpraktikerin und die erkennt die Fehlsichtigkeit des Kindes und sorgt dafür, dass der Bub die richtige Brille bekommt. Jetzt kann er lesen, was an der Tafel steht, und er löst zu Hause, wo er nicht niedergemacht wird, alle Aufgaben; nur die Lehrerin arbeitet stur weiter auf die Sonderschuleinweisung hin. - Es gibt tausende solcher Fälle. Und wenn Eltern mit Bangen der Einschulung ihres Kindes entgegensehen, dann kennen sie oft sogar mehrere. Man kann Schule aus der Perspektive der Konstrukteure sehen, aber auch aus der Perspektive der Betroffenen. Und da Schule fast immer zu 100% auf Risiko und zu Lasten der Betroffenen betrieben wird, müssen sich viele geradezu verhöhnt vorkommen, wenn man ihnen - ihrer konkreten Erfahrung zum Trotz - unter die Nase reiben will, dass sie auch noch Unrecht haben, wenn sie es so sehen, wie sie es erlebt haben. Mit freundlichen Grüßen
    Franz Josef Neffe, DCI

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    • MCBuhl
    • 08.08.2008 um 10:25 Uhr

    Herr Neffe,
    wenn sie uns jetzt noch wissen lassen könnten, was das Wort den sagt? Weil "sagt doch alles" ist nicht gerade die Aussage, mit der ich was anfangen kann.
    Aber Sie vergleichen hier doch tatsächlich Äpfel mit Birnen und stellen fsest, dass Äpfel keine Birnen sind. Bravo! "Eingefamiliet" oder wie auch immer muss eigentlichnniemand werden, da i.d.R. das mit der Familie von sich aus kommt; das merkt man auch daran, dass es das Wort nicht gibt, mithin auch wohl nicht den Fakt, den zu bennenen es bedürft hätte.
    Anders das Wort einleben. Es gibt es und sehr wohl muss man sich immer wieder - und zwar jeder - auf's neue irgendwo einleben. z.B. in der Schule. Und da dies einer der Meilensteine in unseren Leben ist, gibt es dafür ein eigenes Wort. Was böses ist damit nicht gemeint.
    Zu guter letzt ist mir auch nicht klar, worauf Sie mit Ihrer Ansammlung von Einzelbeispielen hinaus wollen. Dass Menschen Situation falsch einschätzen und stur auf ihrer Meinung beharren wollen kann ja nun nicht sonderlich überraschend sein - Lehrer sind übrigens Menschen. Ob man aber zu einer Heilpraktikerin gehen muss, um zu erkennen, dass ein Kind schlecht sieht? Ein Schularzt oder Schulpsychologe hätte das evtl. auch festgestellt (und bevor ein Kind auf eine Sonderschule kommt, bedarf es m.W. einiger "Gutachten")? Hätte das die Mutter nicht auch selbst feststellen können? (Und bitte: ich sage nicht müssen!). Zu jedem dieser "tausender" Beispiele finden sich hunderttausende Gegenbeispiele, denn die Mehrheit kommt doch erstaunlich gut gebildet aus der Grundschule raus.
    Eine Lehre könnte sein, die Gesamtschulzeit zu verlängern (wie andernorts) - z.B. auf insgesamt 7 jahre.

    • MCBuhl
    • 08.08.2008 um 10:25 Uhr

    Herr Neffe,
    wenn sie uns jetzt noch wissen lassen könnten, was das Wort den sagt? Weil "sagt doch alles" ist nicht gerade die Aussage, mit der ich was anfangen kann.
    Aber Sie vergleichen hier doch tatsächlich Äpfel mit Birnen und stellen fsest, dass Äpfel keine Birnen sind. Bravo! "Eingefamiliet" oder wie auch immer muss eigentlichnniemand werden, da i.d.R. das mit der Familie von sich aus kommt; das merkt man auch daran, dass es das Wort nicht gibt, mithin auch wohl nicht den Fakt, den zu bennenen es bedürft hätte.
    Anders das Wort einleben. Es gibt es und sehr wohl muss man sich immer wieder - und zwar jeder - auf's neue irgendwo einleben. z.B. in der Schule. Und da dies einer der Meilensteine in unseren Leben ist, gibt es dafür ein eigenes Wort. Was böses ist damit nicht gemeint.
    Zu guter letzt ist mir auch nicht klar, worauf Sie mit Ihrer Ansammlung von Einzelbeispielen hinaus wollen. Dass Menschen Situation falsch einschätzen und stur auf ihrer Meinung beharren wollen kann ja nun nicht sonderlich überraschend sein - Lehrer sind übrigens Menschen. Ob man aber zu einer Heilpraktikerin gehen muss, um zu erkennen, dass ein Kind schlecht sieht? Ein Schularzt oder Schulpsychologe hätte das evtl. auch festgestellt (und bevor ein Kind auf eine Sonderschule kommt, bedarf es m.W. einiger "Gutachten")? Hätte das die Mutter nicht auch selbst feststellen können? (Und bitte: ich sage nicht müssen!). Zu jedem dieser "tausender" Beispiele finden sich hunderttausende Gegenbeispiele, denn die Mehrheit kommt doch erstaunlich gut gebildet aus der Grundschule raus.
    Eine Lehre könnte sein, die Gesamtschulzeit zu verlängern (wie andernorts) - z.B. auf insgesamt 7 jahre.

    • ttob
    • 07.08.2008 um 21:35 Uhr

    "Lehrer auf Mindeststandards zu verpflichten, braucht eine Schule also eine starke Führung mit Managementqualitäten. Die meisten Grundschulrektoren verstehen sich jedoch in erster Linie als Lehrer und nicht als Manager, mehr als Kollege denn als Vorgesetzter. Personalplanung oder Profilentwicklung sind"Ich dachte immer, die Lehrer werden von irgendeinem Amt eingesetzt, ist das nicht mehr so? Die Lehrerauswahl, -unterstützung, -weiterbildung, -motivation und gegebenenfalls auch Kündigung sind imho Dreh- und Angelpunkte, wenn man das Schulsystem modernisieren will. Ansonsten kann ich den Bericht bestätigen, meine Nachhilfeschüler aus der Grundschule sind wesentlich zufriedener und auch die Lernmethoden haben sich stark verändert. Offenbar aber nicht stark genug, dass meine Nachhilfe überflüssig würde...

  2. "Dabei nutzen die Grundschulpädagogen eine Vielzahl von Lernhilfen und
    Unterrichtsmethoden, von denen ihre Berufsgenossen in Realschule oder
    Gymnasium kaum etwas wissen. Grundschüler führen Lesetagebücher oder
    teilen sich ihr Pensum selbstständig in Wochenplänen ein. Mal büffeln
    sie in Gruppen, mal für sich allein, Stationenlernen und
    Werkstattunterricht wechseln sich ab mit dem traditionellen
    Lehrervortrag.
    "                                  Der Autor scheint 20 Jahre Entwicklung verpasst oder seit Jahrzehnten keinen Blick in weiterführende Schulen getan zu haben. Alles Methoden, die auch in den Hauptschulen, Realschulen und, man höre und staune, selbst an Gymnasien alltäglich praktiziert werden. Schade, dass solche eigentümlichen Klischees trotzdem immer noch vorherrschen. Vielleicht würde erstmal ein ernsthafter, nicht PISA-, Feuerzangenbowlen- oder Dr.-Specht-verbrämter und vielleicht nur aus der eigenen Schulerfahrung geprägter Blick in die Schulen helfen. Dass weiterführende Schulen ganz andere Voraussetzungen, Ziele und Probleme als Grundschulen haben, ist eigentlich eine Binsenweisheit, muss in diesem Zusammenhang aber wohl auch mal wieder thematisiert werden.

    • MCBuhl
    • 08.08.2008 um 10:25 Uhr

    Herr Neffe,
    wenn sie uns jetzt noch wissen lassen könnten, was das Wort den sagt? Weil "sagt doch alles" ist nicht gerade die Aussage, mit der ich was anfangen kann.
    Aber Sie vergleichen hier doch tatsächlich Äpfel mit Birnen und stellen fsest, dass Äpfel keine Birnen sind. Bravo! "Eingefamiliet" oder wie auch immer muss eigentlichnniemand werden, da i.d.R. das mit der Familie von sich aus kommt; das merkt man auch daran, dass es das Wort nicht gibt, mithin auch wohl nicht den Fakt, den zu bennenen es bedürft hätte.
    Anders das Wort einleben. Es gibt es und sehr wohl muss man sich immer wieder - und zwar jeder - auf's neue irgendwo einleben. z.B. in der Schule. Und da dies einer der Meilensteine in unseren Leben ist, gibt es dafür ein eigenes Wort. Was böses ist damit nicht gemeint.
    Zu guter letzt ist mir auch nicht klar, worauf Sie mit Ihrer Ansammlung von Einzelbeispielen hinaus wollen. Dass Menschen Situation falsch einschätzen und stur auf ihrer Meinung beharren wollen kann ja nun nicht sonderlich überraschend sein - Lehrer sind übrigens Menschen. Ob man aber zu einer Heilpraktikerin gehen muss, um zu erkennen, dass ein Kind schlecht sieht? Ein Schularzt oder Schulpsychologe hätte das evtl. auch festgestellt (und bevor ein Kind auf eine Sonderschule kommt, bedarf es m.W. einiger "Gutachten")? Hätte das die Mutter nicht auch selbst feststellen können? (Und bitte: ich sage nicht müssen!). Zu jedem dieser "tausender" Beispiele finden sich hunderttausende Gegenbeispiele, denn die Mehrheit kommt doch erstaunlich gut gebildet aus der Grundschule raus.
    Eine Lehre könnte sein, die Gesamtschulzeit zu verlängern (wie andernorts) - z.B. auf insgesamt 7 jahre.

    • Anonym
    • 08.08.2008 um 11:22 Uhr

    "Die Grundschule ist die modernste und kinderfreundlichste Schulform"Zumindest in NRW trifft das nicht zu! Im Gegenteil ist die Grundschule eher Wurzel allen Übels, weil sie es versäumt festsitzende Grundlagen zu schaffen auf denen weiterführende Schulen aufbauen können.Die weit verbreiteten Mängel hinsichtlich mathematischer und germanistischer Fähigkeiten sind fast ausschließlich den Grundschulen anzulasten.Zumindest in NRW unterlaufen Lehrpläne pädagogischen Erfordernisse in einem solchen Maße, dass man fast Absicht unterstellen könnte.Der Author sollte sich mal mit Schulpsychologen unterhalten, was kindgerechtes lernen ist!Berthold Grabe

    • Isaidy
    • 08.08.2008 um 12:00 Uhr

    mehr oder weniger subjektiv geprägt. Aber auch ich bin der Ansicht, dass die Grundschulen nicht genügend auf die weiterführenden Schulen vorbereiten und den Eltern ein zu großes Maß an "Nachhilfe" abverlangen. Mein Eindruck ist, dass bei gleicher Intelligenz die Schüler auf jeden Fall die weitaus besseren Karten haben, deren Eltern die Möglichkeit haben, zeitlich und qualitativ am Nachmittag voll hinter ihren Kindern zu stehen, ihnen viel abzunehmen, sie anzutreiben und zu kontrollieren. Diese zum Teil zwiespältige Art von Förderung (möchte nicht wissen, wieviele Arbeitshefte mehr von Müttern als von den Kindern geführt werden) erzielt einen hohen Vorteil gegenüber den Kindern, deren Elternhaus dies nicht leisten kann, obwohl das Potential des Kindes das gleiche ist. Es ist eindeutig, dass am Ende der vierten Klasse nicht unbedingt die leistungsstärksten Schüler die Empfehlung für das Gymnasium bekommen, sondern die, deren Elternhaus mehr hergibt in Bezug auf die Hausaufgabenkontrolle und Vorbereitung, deren Mutter hingebungsvoller unterstützt. Die Selektion, die die Grundschule durchführt, geht meines Erachtens immer noch von falschen Voraussetzungen aus, deren Ursachen sie selber nur sehr wenig entgegensetzt. Können die Eltern nicht (aus welchen Gründen auch immer), dann bleibt auch das Kind zurück. Daran hat sich nicht viel geändert und es ist den Kindern gegenüber nicht gerecht, die dann mit 10 Jahren "unten einsortiert" werden, und einer Volkswirtschaft gegenüber ist es eine Verschwendung von Potential.

    • Piepe
    • 08.08.2008 um 15:01 Uhr

    Zweck der Grundschule ist es den sozialen Aufbau der Gesellschaft zu reproduzieren. Keine Grundschullehrerin würde es wagen ein Unternehmer- oder Akademikerkind auf die Hauptschule zu schicken, wo viele von deren Begabung her hingehörten. Oder ist doch nur alles eine Sache des Fleisses und der Förderung?

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    Wissensvermittlung als die Selektion.Es fängt bei der Grundschule an:http://www.taz.de/1/zukun...geht beim Gymnasium, dass die Mitarbeit der Eltern vorraussetzt weiter, bis über die Universitäten, wo Studenten aus einkommensschwachen Elternhäusern mit Hilfe von Studiengebühren und fachfremden "Unter -Vier -Augen Gesprächen"  mit Professoren gezielt herausgemobbt werden.__________________________________________________________________

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    Wissensvermittlung als die Selektion.Es fängt bei der Grundschule an:http://www.taz.de/1/zukun...geht beim Gymnasium, dass die Mitarbeit der Eltern vorraussetzt weiter, bis über die Universitäten, wo Studenten aus einkommensschwachen Elternhäusern mit Hilfe von Studiengebühren und fachfremden "Unter -Vier -Augen Gesprächen"  mit Professoren gezielt herausgemobbt werden.__________________________________________________________________

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

  3. Wissensvermittlung als die Selektion.Es fängt bei der Grundschule an:http://www.taz.de/1/zukun...geht beim Gymnasium, dass die Mitarbeit der Eltern vorraussetzt weiter, bis über die Universitäten, wo Studenten aus einkommensschwachen Elternhäusern mit Hilfe von Studiengebühren und fachfremden "Unter -Vier -Augen Gesprächen"  mit Professoren gezielt herausgemobbt werden.__________________________________________________________________

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
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  • Schlagworte Bildung | Bildungspolitik | Schule | Lernen
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