Musikindustrie Wo spielt die Musik?

Bertelsmann steigt aus dem Geschäft mit Stars und ihren Hits aus. Die alten Einnahmequellen der Plattenfirmen versiegen – und im Internet kennen sich andere besser aus

Zwölf Verträge brauchte es am Ende, um Abschied zu nehmen. Es ging um Bares, Pensionsverpflichtungen, Steuervorteile: Alles wollte bedacht sein, bevor der Medienkonzern Bertelsmann aus dem Musikgeschäft ausstieg. Anfang der Woche war es dann so weit. Das Unternehmen hat seinen 50-Prozent-Anteil am zweitgrößten Musikkonzern der Welt, SonyBMG, für 770 Millionen Euro und weitere Vorteile an seinen bisherigen Partner abgegeben.

»Auf die Eckpunkte hatten wir uns vor acht bis zehn Wochen geeinigt«, erzählt Thomas Rabe, der Finanzvorstand von Bertelsmann. Damals traf er sich mit Robert Wiesenthal, dem Finanzchef von Sony in den USA, in dessen New Yorker Büro. Doch im Anschluss an das Treffen zogen sich die Verhandlungen hin. Man telefonierte und mailte, Arbeitsgruppen tagten. »Beide Seiten haben sich mit der Bewertung schwergetan«, sagt Rabe. »Wir wollten nicht diejenigen sein, die zum falschen Zeitpunkt zu billig verkaufen – und umgekehrt.«

Genau das ist die Frage: Ist es der richtige Zeitpunkt, aus dem traditionellen Musikgeschäft auszusteigen – oder genau der falsche?

Seit der Konzern in den siebziger und achtziger Jahren die Plattenfirmen Arista und RCA in den Vereinigten Staaten kaufte, gehörte die Bertelsmann Music Group zu den Großen im Geschäft. Bruce Springsteen ist unter Vertrag, Alicia Keys, Britney Spears und Annett Louisan. Doch auch solche Stars verhinderten nicht, dass die Umsätze im Zeitalter milliardenfacher Raubkopien im Internet tiefer sanken, als selbst Pessimisten erwartet hatten.

Seit zehn Jahren folgt der Musikmarkt nicht mehr den einfachen Gesetzen von legalem Angebot und legaler Nachfrage. Die Menschen hören zwar mehr Musik. 1995 waren es täglich im Durchschnitt 14 Minuten, zehn Jahre später laufen Hi-Fi-Anlage, Computer und tragbare Musikspieler mehr als 45 Minuten täglich. Dazu kommt das Radio. Trotzdem zahlen sie für Musik weniger als früher, holen sie sich oft kostenlos und illegal aus dem Internet. Der Tonträgermarkt war vor zehn Jahren in Deutschland noch 2,7 Milliarden Euro groß, im vergangenen Jahr 1,65 Milliarden, was den deutschen Bundesverband Musikindustrie genügsam gemacht hat. »Nur noch 3,2 Prozent Minus« meldete der im Frühjahr.

Was haben die Plattenfirmen nicht alles versucht, um den Niedergang aufzuhalten. Sie wollten ihre Kunden bis zum heimischen Computer überwachen. Sie haben CDs mit immer wirkungsvollerem Kopierschutz versehen – bis man sie oft gar nicht mehr anhören konnte. Und sie haben Raubkopierer verklagt. Der Erfolg blieb aus.

Gleichzeitig hat sich, hinter Pulverdampf und Schlachtgetümmel, eine neue Ordnung in der Musikindustrie herausgebildet. In der spielen traditionelle Musikkonzerne eine viel kleinere Rolle als früher. Mögen sie in der Talentsuche und im Marketing weiterhin erfolgreich sein – die Kontrolle über das spätere Produkt haben sie oft eingebüßt. Und damit sinken ihr Umsatz und ihr Anteil an den Erlösströmen.

Bekannte Künstler verdienen viel Geld mit Konzerten. Die Veranstalter nehmen in Deutschland inzwischen fast doppelt so viel ein wie die Musikkonzerne mit Tonträgern. Die Sängerin Madonna, der Rapper Jay-Z und die Band U2 verzichten sogar ganz auf einen Plattenvertrag und haben sich exklusiv an den Konzertveranstalter Live Nation gebunden.

Den Verkauf von digitaler Musik wollte einst Bertelsmann organisieren – und scheiterte. Erst der Computerkonzern Apple machte daraus ein profitables Geschäft – und profitiert davon selbst am meisten. Er entwickelte den tragbaren Musikspieler namens iPod und verband ihn mit einem dazu passenden Internetportal für Musik namens iTunes. Obwohl es inzwischen viele Konkurrenten gibt, hat Apple etwa 70 Prozent Marktanteil. Immerhin: Von den Einnahmen des Liederverkaufs erhalten Plattenfirmen rund zwei Drittel.

Das populäre Internetangebot Last.fm funktioniert wie eine Mischung aus Radio und Musiktruhe. Mehr als 20 Millionen Nutzer hören dort ihre Lieblingsmusik – legal und kostenlos. Dabei merkt sich eine Software ihren Geschmack und wählt neue Vorschläge danach aus. Das ist attraktiv, doch die Plattenfirmen bekommen vielfach nur 0,0005 Cent für das Abspielen eines Liedes. Last.fm will seine Ausgaben durch Werbung und mit Provisionen finanzieren, die es erhält, wenn es Hörer zu legalen Musikhändlern im Internet leitet. »Diese Einzelverkäufe haben massiv zugenommen«, sagt Gründer Martin Stiksel.

Eine große Geldquelle könnte Ende September im Mobilfunk entstehen. Der Handyhersteller Nokia wird eine Flatrate anbieten. Wer ein comes-with-music-Handy kauft, soll ein Jahr lang so viele Lieder herunterladen können, wie er will. Drei der vier großen Musikkonzerne machen mit. Offenbar hat sich Nokia im Gegenzug verpflichtet, in zwölf Monaten etwa 20 Millionen Musikhandys zu verkaufen. Der Preis ist noch offen. Klar scheint nur: Das Kuchenstück für die Plattenkonzerne wird auch in diesem Fall klein ausfallen, was den Ambitionen von Nokia entspricht. »Wir glauben, dass wir die Möglichkeit haben, langfristig einer der größten Akteure in der digitalen Musik zu werden«, sagt Elizabeth Schimel, die Musikchefin des Handyherstellers.

Vor gut einem halben Jahr hat der Vorstandschef von Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, über die wachstumsschwachen Geschäfte im eigenen Konzern gesagt: »In den meisten Fällen kann man ein Lamm nicht in einen Löwen verwandeln.« Und wenn dem so sei, hat er hinzugefügt, müsse man »harte Entscheidungen fällen«. Im Konzern war allen klar, Ostrowski meinte das Musikgeschäft, und nachdem es noch einmal geprüft und gewogen worden ist, hat sich im Vorstand die Meinung durchgesetzt, es gehöre zu den Lämmern und also geschlachtet – solange der Ertrag noch einigermaßen hoch ausfällt. Denn der Vorstand will unbedingt die leere Konzernkasse füllen, um ins Geschäft mit Bildung zu investieren. Das ist der zweite wichtige Grund für den Verkauf von SonyBMG.

Aus dieser Sicht war es ein guter Zeitpunkt zu gehen. Der Musikkonzern hat im vergangenen Jahr trotz Branchenkrise eine Vorsteuerrendite von 9,4 Prozent erreicht, was auch daran liegt, dass Rolf Schmidt-Holtz, der Chef des Unternehmens, auf dem Weg ins digitale Zeitalter recht weit gekommen ist. Aus einem Album des Sängers Justin Timberlake, zu dem früher ein gutes Dutzend Lieder gehörte, macht SonyBMG heute fast 100 Produkte – vom Klingelton fürs Handy bis zum Bildschirmschoner. Bereits ein Drittel des Umsatzes soll 2009 aus dem Verkauf von Musik als Bits und Bytes kommen, und ebenfalls im kommenden Jahr will SonyBMG mit einem Drittel seiner Künstler sogenannte 360-Grad-Verträge geschlossen haben. Das heißt, der Konzern will bei Konzerten, Merchandising und allem Drumherum mitverdienen.

SonyBMG schlägt sich also vergleichsweise gut, doch das Umfeld schafft Sorgen: Experten der Investmentbank Goldman Sachs schrieben erst Anfang der Woche wieder, die Umsätze im wichtigen US-Markt gingen mit zweistelligen Raten zurück, und es sei keine Besserung in Sicht.

Inzwischen ist es so weit, dass die Musik selbst Schaden genommen hat: Manfred Gillig-Degrave, seit 1993 Chefredakteur des Magazins Musikwoche, hat in den vergangenen Jahren eine regelrechte »Deprofessionalisierung« beobachtet, wie er sagt. »Das war einmal eine heile Weilt, ein funktionierender Wirtschaftszweig, jetzt verwischen die Grenzen zwischen Profi und Amateur in allen Teilen der Verwertungskette.« Als die Tauschbörsen am Ende der neunziger Jahre im Internet populär wurden, gab es viele, die sagten, endlich werde die Macht der Musikkonzerne gebrochen. Die Kritiker hofften, dass dies der Beginn einer neuen Kulturbewegung sei. Dass die Konzerne ganz im Geist des altlinken Intellektuellen Theodor W. Adorno siechen würden, damit die Musik sich frei entfalten kann. Doch statt die große Freiheit zu bringen, zwingt die Krise der traditionellen Konzerne viele Musiker dazu, ein semiprofessionelles Dasein zu führen. Und dem entkämen künftig die wenigsten, glaubt Gillig-Degrave.

Wohl auch nicht Anton und Jonas, beide 18, und Basti, 17. Einer ihrer rotzig dahingebrüllten Texte stammt aus einer Kinderoper des 19. Jahrhunderts – und kommt an. Sie hocken nach einem Konzert im gammeligen Backstageraum eines Hamburger Clubs. Sänger Anton, in engen Röhrenjeans, setzt betont beiläufig die Rotweinflasche an und zerquetscht einen Zigarettenstummel mit den spitz zulaufenden Schuhen auf dem Boden. An der Tür warten ein paar kühle blonde Mädchen. Sex und Drogen, altes Spiel.

Als die Plattenfirma Tapete Records die drei Jungs mit dem Bandnamen 1000 Robota vergangenen Herbst unter Vertrag nahm und mit ihnen die erste Platte aufnehmen wollte, waren sie skeptisch. CD? Werde doch eh keiner kaufen. Und sie produzierten dann doch eine Miniplatte mit fünf Liedern. Aber wichtig ist die nicht.

Wichtig ist MySpace. Auf dieser Plattform im Internet buhlen inzwischen ein paar Millionen Musiker und Bands um die Gunst des Computerpublikums. Empfehlungen sind in dieser Welt alles. Nur wer geschickt Netzwerke flicht, wird gesehen und gehört. 1000 Robota haben mehr als 2000 »Freunde« in der Community. Mehr als 130.000 Aufrufe hat ihre Seite mittlerweile verzeichnet. Einer davon machte wahr, wovon viele Hundert Rock- und Indiebands in Deutschland nur träumen: Eine freie Mitarbeiterin des renommierten New Musical Express in London sah das Profil der Band, fand die Jungs toll und adelte sie mit einer halben Seite in ihrem Blatt. Wären die drei in den siebziger Jahren geboren, könnten sie, so viele Fans, wie sie schon haben, von ihrer Musik vermutlich leben. Aber das sei für sie ein Traum wie aus einer anderen Zeit, sagt Sänger Anton. Wenn es um ihre Zukunft gehe, sei »was ›Anständiges‹ lernen schon wichtig«, sagen die Jungstars unisono.

Niemand, nicht einmal ein Pionier des Internets wie Friedel Muders, könnte den Jungen eine Zukunft als Berufsmusiker versprechen. Muders bekam schon vor Jahren zahlreiche Preise für seine Vermarktung von Bands im Internet. Inzwischen hat er seinen eigenen Plattenverlag aufgebaut, der so handlich ist, dass er ihn in die Tasche stecken kann. Die Festplatte, auf der rund 6000 Lieder von 158 Künstlern gespeichert sind, steht in einem Einfamilienhaus in der Bremer Innenstadt. Aber eigentlich existiert Muders’ Firma Fuego im Internet. Auf ihrer Seite präsentiert sie die Musiker und ihre Alben. Wer Songs kaufen will, klickt auf einen Knopf und landet bei iTunes und Co. So verdient der Künstler durchschnittlich zwischen einem halben und dreißig Cent pro verkauftem Lied, Muders ähnlich viel. »Für mich bleiben nach vier Jahren Aufbauarbeit jetzt im Monat insgesamt 1000 Euro hängen«, sagt er. Bei den digitalen Umsätzen liegt er damit unter den ersten 40 Plattenfirmen in Deutschland.

Mag sein, dass Sony in der neuen Musikwelt erfolgreich sein wird. Der japanische Konzern verkauft auch Musikanlagen aller Art und betreibt ein Hollywood-Studio – vielleicht ergeben sich im Verbund Gewinnmöglichkeiten. Doch wo der große Gewinn herkommen soll, weiß niemand so genau. Könnte sein, dass die in der Regel recht vorsichtigen Bertelsmänner mit ihren 770 Millionen Euro Verkaufserlös am Ende die großen Gewinner sind.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Es gibt noch ein weiteren, viel wichtigeren Aspekt. Die Bedeutung von Musik. Im Zeitalter von Musikkanälen, Internetradio und digitaler Musik mag viel getauscht werden (wurde im analogen Zeitalter übrigens auch, aber auf Cassette), aber die Menschen sind kritischer geworden weil die Kids nicht mehr für Süßes, Kino und Muke Geld ausgeben, sondern auch noch für Klamotten, Videospiele, Handys etc. Das begrenzt.
    Und die älteren? Ich habe eine CD-Sammlung von über gekaufter 200 CDs und etwa 50 gekauft digital-Songs. Mein letzter Kauf ist aber mehr als ein Jahr her. Von Hand alles digitalisiert höre ich heute ca. 30% der Zeit vom MP3-Player, 30% CD, 40% Radio. Und warum? Ich habe schon mehr als 150h (!) Musik, wenn ich dazu komme am Tag 2 h Musik (CD oder MP3) zu hören, dann höre ich alle 75 Tage das gleiche! Das reicht für mich...
    Und dann auch noch... würde es gute neue Musik geben, würde ich sie sicher auch kaufen ;-)

  2. (entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)

    • ice007
    • 07.08.2008 um 16:47 Uhr

    Wenn Bertelsmann aussteigt kann das eigentlich nur etwas gutes sein. Prinzipiell sehe ich den Wandel im Musikmarkt jedoch, wie Gillig-Degrave, eher mit Sorge. Es besteht die Gefahr, dass echte Talente übersehen werden und - eventuell vielversprechende - Karrieren bereits im Garagen-Konzert-Stadium auf der Standspur enden... Stattdessen gibts es DSDS-Brei aus der Schnabeltasse, weil RTL (= auch Bertelsmann) & Co. für die Quote selbst den letzten talentfreien Verstrahlten auf den Äther lassen, solange nur genug andere Verstrahlte das sehen und hören wollen, während wirklich vielversprechende Musik-Talente schlicht nicht wahrgenommen werden. Welches Niveau erwartet man auch in einer Gesellschaft in der Formate wie DSDS, BB, 9Live & Co. anscheinend recht erfolgreich existieren können. Wenn deren Klientel und ihre Seh- & Hörgewohnheiten zukünftig den Musikmarkt bestimmen, dann gute Nacht für die echten Talente, die einfach nur gute Musik machen wollen und nicht, wie andere selbsternannten "Stars", im Dschungel Würmer fressen -- "Hauptsache ich komm mal wieder in´ Fernsehen"... Sie, die echten Talente, haben jedenfalls ohne Unterstützung eines goßen Label, gute Chancen nie entdeckt zu werden: Nicht laut genug, nicht primitiv genug, zu viel Niveau - sowas kann man ohne professionelle Hilfe, also im Alleingang, nur schwer verkaufen im Privat-Sender-Wunderland und deren Stilblüten-Ikonen Daniel Kübelböck, Slatko & Co. ... Da wünscht man sich, dass die großen Label auch im Digitalen Zeitalter dafür Sorgen, dass die wahren Talente, die es zwar nicht in eine Casting-Show geschafft haben, dafür aber wirklich gute Musik machen, eine Chance erhalten und uns die Hoffnung.

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    Chancen für Talente gibt es auch weiterhin.Allerdings sollte man die bis auf Weiteres nicht bei den grossen Labels suchen, sondern bei miitelgrossen bis kleineren wie Domino, Sub Pop, Noise-O-Lution, dem Indigo-Vertrieb, City Slang, Bella Union, Beggars Banquet usw.---
    StGB §328, Absatz 2.3:
    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

    Chancen für Talente gibt es auch weiterhin.Allerdings sollte man die bis auf Weiteres nicht bei den grossen Labels suchen, sondern bei miitelgrossen bis kleineren wie Domino, Sub Pop, Noise-O-Lution, dem Indigo-Vertrieb, City Slang, Bella Union, Beggars Banquet usw.---
    StGB §328, Absatz 2.3:
    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

  3. In dem Artikel werden viele zutreffende Beobachtungen und Gedanken zum Stand der Musikindustrie heute und in Zukunft dargelegt. Leider kippt der Beitrag dann zum Ende hin in eine Art Vergangenheitsverklärung ab, wenn behauptet wird, früher wäre es einfacher gewesen, als Band mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Beispiel dient die deutsche Gruppe 1000 Robota, deren Mitglieder trotz Aufmerksamkeit im britischen NME wohl nie von ihrem musikalischen Schaffen leben können werden. Das wäre, anders als der Artikel behauptet, auch vor Beginn des Download-Zeitalters nicht unbedingt anders gewesen. Zahllos die Namen der Künstler, die mit positiven NME-Artikeln bedacht wurden und trotzdem nie von ihrer Musik leben konnten. Auf der anderen Seite wird man heutzutage dank Myspace & Co. weltweit - nicht nur im NME - auf Bands aufmerksam, die früher kaum über das Musizieren in den örtlichen Jugendzentren hinausgekommen wären. Davon haben eigentlich die Hauptbeteiligten sehr viel - Musiker und Publikum. Nur kommen diese beiden Parteien inzwischen zunehmend ohne die früher als Mittler benötigten traditionellen Musikkonzerne aus. Und damit auch ohne den Druck, bestimmte Verkaufszahlen zu erreichen, um überhaupt weitere Lieder aufnehmen und weitere Konzerte spielen zu können. Daran gibt es wenig schade zu finden, zumal es kleineren Labels, die sich mit grösserer Publikums- und Künstlernähe profilieren, nach wie vor verhältnismässig gut geht. Interessant ist dabei, dass eben diese kleineren Plattenverlage sich stets künstler- und hörernah gaben und sich im Gegensatz zu den kriselnden Grosskonzernen nie damit aufgehalten haben, ihre Konsumenten mit Klagen und fehlgeleiteten Kopierschutzsystemen für CDs und Downloads zu verschrecken. Vielleicht spielt das eine genauso grosse Rolle bei ihrem Erfolg wie ihr Gespür für hoffnungsvolle (Myspace-)Bands. Möglich, dass auch deshalb erfolgreiche Künstler wie Radiohead vom Giganten EMI (nach wie vor 5500 Mitarbeiter) zum wesentlich kleineren Verlag XL Records gewechselt sind, auch wenn sie dort vermutlich weniger Geld pro Download bzw. verkaufter Platte erhalten.Es ist also nicht nur so, dass SonyBMG, EMI und Universal es verpasst haben, rechtzeitig junge Künstler zu entdecken und zu fördern. Schlimmer noch - sie sind für junge wie für etablierte Künstler zunehmend unattraktiv. Kleine Labels kümmern sich früher und besser um den Nachwuchs. Viele Bands bleiben diesen Labels danach sehr loyal zugetan, wofür sie durch weitgehende künstlerische Freiheiten belohnt werden. Als wäre das nicht fatal genug, kümmern sich die Grossverlage schon seit Jahren hauptsächlich um sich selbst - um Kopierschutzmassnahmen (die letztlich doch wieder eingestampft werden mussten), Gewinneinbrüche, erhebliche Streichungen im Künstlerkader, Kündigungen usw. Wer würde als junger Künstler bei einem solchen Laden anheuern wollen? Die Entwicklung der Musiklandschaft geht zunehmend an den Grossen vorbei und es war noch nie sonderlich überzeugend, dem Internet daran die Schuld zu geben, wenn eigentlich nur offenbar wurde, dass das Management eine entscheidende Entwicklung erst verschnarcht hat und dann schlicht nicht wahr haben wollte.Man nehme als Beispiel die Band Arctic Monkeys, die zuerst durchs Internet bekannt wurde und letztlich beim Domino Records-Label untergekommen ist. Der Anreiz für diese Gruppe, zu einem Musikkonzern zu wechseln, ist denkbar gering. Zwei Alben und ein Nebenprojekt-Album innerhalb von weniger als zweieinhalb Jahren hätte SonyBMG kaum veröffentlicht (das Produkt soll schliesslich nicht durch ein Überangebot verwässert werden), dafür wäre sehr viel unsicherer, ob man nach mittelmässigen Verkäufen des nächsten Albums weiterhin einen Plattenvertrag hätte.In diese Abseitsposition haben sich die grossen Konzerne selbst begeben, weshalb sich mein Mitleid mit ihnen in Grenzen hält. Vielleicht ist die harte Rosskur schlicht nötig, damit man sich dort wieder auf das konzentriert, worum es gehen sollte. Statt einem Heer von Anwälten mehr Geld und Aufmerksamkeit zu schenken als der A&R-Abteilung und den kreativen Köpfen, die sich Gedanken um neue Vermarktungsmöglichkeiten machen könnten.--- StGB §328, Absatz 2.3: Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

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    hat ja bereits a fromme sehr richtig geschrieben, dass Musiker seit jeher nur zu einem veschwindend geringen Prozentsatz Ihr Haupteinkommen aus ihrem künstlerischem Schaffen erwirtschaften. Dies ist keine Entwicklung des Internetzeitalters. Schon immer waren die Urheber diejenigen, die am wenigsten wirtschaftlich profitiert haben - mit den berühmten Ausnahmen natürlich.Allerdings betrifft die Deprofessionalisierung auch zunehmend Labels und andere Musikdienstleister. Viele kleine und hörernahe Sparten-Labels werden als von engagierten Musikliebhabern geführt. Sie stehen wirtschaftlich keineswegs auf stabileren Beinen als die Majors. Man nehme sich die Zeit und fahre alljährlich Anfang Mai nach Leipzig zur Independent-Messe "Pop-Up". Hier wird zwar viel getalkt und kontaktet aber insgesamt stellt sich hier eher das Indie-Prekariat aus. Dies ist keineswegs abwertend gemeint. Vollen Respekt für dieses Engagement! Viel eher will ich damit zum Ausdruck bringen, dass es sich die Katze hier in den eigenen Schwanz beisst - wenn Labels wenig verdienen können sie auch nur wenig in ausgesuchte Künstler investieren. Dabei spielt es keine Rolle wie künstlerisch wertvoll deren Inhalt ist. Wer nix verkauft kann halt auch nix ausgeben, eine einfache Rechnung. Der logische Schluß ist daher natürlich in ein Produkt zu investieren, dass eine große Menge an Interessenten verspricht (vgl. DSDS) oder eben bei der Liebhaberei und sich selbst treu zu bleiben. Die Live-Musikmarkt jedoch - und das wurde richtig im Artikel erwähnt - ist für Musiker heutzutage attraktiver denn je. Auch wenn es bei der Menge an bekannten Bands auf den Bühnen für unbekannte Acts schwer ist sich zu etablieren ist die Bühne heute wieder der Ort, wo Musiker Karriere machen können und wo sie auch nach wie vor Tonträger an ein begeistertes Publikum absetzen können. Das macht Hoffnung für die Musiker, die Indie-Labels und echte Musikliebhaber.

    hat ja bereits a fromme sehr richtig geschrieben, dass Musiker seit jeher nur zu einem veschwindend geringen Prozentsatz Ihr Haupteinkommen aus ihrem künstlerischem Schaffen erwirtschaften. Dies ist keine Entwicklung des Internetzeitalters. Schon immer waren die Urheber diejenigen, die am wenigsten wirtschaftlich profitiert haben - mit den berühmten Ausnahmen natürlich.Allerdings betrifft die Deprofessionalisierung auch zunehmend Labels und andere Musikdienstleister. Viele kleine und hörernahe Sparten-Labels werden als von engagierten Musikliebhabern geführt. Sie stehen wirtschaftlich keineswegs auf stabileren Beinen als die Majors. Man nehme sich die Zeit und fahre alljährlich Anfang Mai nach Leipzig zur Independent-Messe "Pop-Up". Hier wird zwar viel getalkt und kontaktet aber insgesamt stellt sich hier eher das Indie-Prekariat aus. Dies ist keineswegs abwertend gemeint. Vollen Respekt für dieses Engagement! Viel eher will ich damit zum Ausdruck bringen, dass es sich die Katze hier in den eigenen Schwanz beisst - wenn Labels wenig verdienen können sie auch nur wenig in ausgesuchte Künstler investieren. Dabei spielt es keine Rolle wie künstlerisch wertvoll deren Inhalt ist. Wer nix verkauft kann halt auch nix ausgeben, eine einfache Rechnung. Der logische Schluß ist daher natürlich in ein Produkt zu investieren, dass eine große Menge an Interessenten verspricht (vgl. DSDS) oder eben bei der Liebhaberei und sich selbst treu zu bleiben. Die Live-Musikmarkt jedoch - und das wurde richtig im Artikel erwähnt - ist für Musiker heutzutage attraktiver denn je. Auch wenn es bei der Menge an bekannten Bands auf den Bühnen für unbekannte Acts schwer ist sich zu etablieren ist die Bühne heute wieder der Ort, wo Musiker Karriere machen können und wo sie auch nach wie vor Tonträger an ein begeistertes Publikum absetzen können. Das macht Hoffnung für die Musiker, die Indie-Labels und echte Musikliebhaber.

  4. Chancen für Talente gibt es auch weiterhin.Allerdings sollte man die bis auf Weiteres nicht bei den grossen Labels suchen, sondern bei miitelgrossen bis kleineren wie Domino, Sub Pop, Noise-O-Lution, dem Indigo-Vertrieb, City Slang, Bella Union, Beggars Banquet usw.---
    StGB §328, Absatz 2.3:
    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine nukleare Explosion verursacht.

    Antwort auf "Licht & Schatten"
  5. hat ja bereits a fromme sehr richtig geschrieben, dass Musiker seit jeher nur zu einem veschwindend geringen Prozentsatz Ihr Haupteinkommen aus ihrem künstlerischem Schaffen erwirtschaften. Dies ist keine Entwicklung des Internetzeitalters. Schon immer waren die Urheber diejenigen, die am wenigsten wirtschaftlich profitiert haben - mit den berühmten Ausnahmen natürlich.Allerdings betrifft die Deprofessionalisierung auch zunehmend Labels und andere Musikdienstleister. Viele kleine und hörernahe Sparten-Labels werden als von engagierten Musikliebhabern geführt. Sie stehen wirtschaftlich keineswegs auf stabileren Beinen als die Majors. Man nehme sich die Zeit und fahre alljährlich Anfang Mai nach Leipzig zur Independent-Messe "Pop-Up". Hier wird zwar viel getalkt und kontaktet aber insgesamt stellt sich hier eher das Indie-Prekariat aus. Dies ist keineswegs abwertend gemeint. Vollen Respekt für dieses Engagement! Viel eher will ich damit zum Ausdruck bringen, dass es sich die Katze hier in den eigenen Schwanz beisst - wenn Labels wenig verdienen können sie auch nur wenig in ausgesuchte Künstler investieren. Dabei spielt es keine Rolle wie künstlerisch wertvoll deren Inhalt ist. Wer nix verkauft kann halt auch nix ausgeben, eine einfache Rechnung. Der logische Schluß ist daher natürlich in ein Produkt zu investieren, dass eine große Menge an Interessenten verspricht (vgl. DSDS) oder eben bei der Liebhaberei und sich selbst treu zu bleiben. Die Live-Musikmarkt jedoch - und das wurde richtig im Artikel erwähnt - ist für Musiker heutzutage attraktiver denn je. Auch wenn es bei der Menge an bekannten Bands auf den Bühnen für unbekannte Acts schwer ist sich zu etablieren ist die Bühne heute wieder der Ort, wo Musiker Karriere machen können und wo sie auch nach wie vor Tonträger an ein begeistertes Publikum absetzen können. Das macht Hoffnung für die Musiker, die Indie-Labels und echte Musikliebhaber.

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  • Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
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  • Schlagworte Unternehmen | Musik | Musikindustrie
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