Aids-Konferenz Fatal einseitig
Das Aids-Problem lässt sich nicht allein mit Medikamenten lösen
Ein medizinischer Großkongress ohne pharmazeutische Unternehmen wäre wie eine Ölkonferenz ohne Scheichs. Auch die 17. internationale Aids-Konferenz, zu der diese Woche 22000 Teilnehmer nach Mexico City strömten, ist ohne zahlreiche Pharmakonzerne unvorstellbar. In gewisser Weise ist das globale Treffen ihre Party. Denn die Medikamentenhersteller haben umgedacht. Mit den kritischen Aids-Aktivisten, ihren ehemals unversöhnlichen Feinden, haben sie sogar zarte Bande geknüpft. Alles prima also an der Aids-Front?
Auf den ersten Blick könnte es so aussehen. Lange haben sich die Pharmakonzerne gesträubt, antivirale Medikamente günstig in Afrika anzubieten. Das brachte ihnen den Vorwurf ein, nur am eigenen Gewinn interessiert zu sein und Millionen Aids-Kranker zu vernachlässigen. Dann aber besannen sie sich; zugleich stellten internationale Geldgeber wie der President’s Emergency Plan for Aids ReliefMilliarden Dollar für die Behandlung Aids-Kranker zur Verfügung. So entstand ein subventionierter Massenmarkt, der reichlich Geld in die Kassen der Pharmaunternehmen spülte.
Doch die ausgeweitete Versorgung mit günstigen HIV-Medikamenten ist nur ein halber Sieg. Einmal abgesehen davon, dass noch immer 70 Prozent der Aids-Patienten in Afrika keine antiviralen Medikamente bekommen: Die derzeitigen Produkte sind nur Übergangslösungen, bis ein echtes Heilmittel oder ein Impfstoff zur Verfügung stehen.
Bei den Alternativen aber sieht es finster aus. Vergangenes Jahr scheiterte in Südafrika ein Großversuch von Merck & Comit dem derzeit aussichtsreichsten Impfstoffkandidaten. Auch virentötende Vaginalgels, schon als Patentlösung gefeiert, schützten nicht in gewünschter Weise. Und die Beschneidung von Männern, mit deren Hilfe sich die Übertragung des Aids-Virus bremsen ließe, ist in Afrika nicht massenhaft durchsetzbar (auch wenn der neue chinesische Beschneidungsapparat ShangRing den chirurgischen Eingriff angeblich auf fünf Minuten verkürzt).
Wenn nun auch noch einzelne Organisationen wie die Aids Health Care Foundation fordern, die Impfstoff-Forschung einzustellen und alle Mittel in die Prävention und in Medikamente zu investieren, dann ist dies ein fataler Schritt. Denn nur ein effektiver Impfstoff kann (zusammen mit ausgeweiteten Präventionskampagnen) das Aids-Problem auf Dauer lösen. In die Impfstoff-Forschung muss daher nicht weniger, sondern mehr investiert werden.
Unter diesem Blickwinkel aber erscheint die starke Pharmapräsenz auf der Großkonferenz eher argwohnerregend. Ein wirksamer Impfstoff würde nämlich ihre Umsätze gefährden.
- Datum 06.08.2008 - 12:54 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.08.2008 Nr. 33
- Kommentare 19
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ich bin kein pharmazeut aber hies es nicht immer HIV wäre ein Virus das ständig mutiert ?
Inwiefern ist ein Impfstoff da sinnvoll?
...mutieren ständig, manche mehr, manche weniger. Trotzdem kann man dagegen impfen (siehe Grippeviren) nur muss man die Impfung ständig anpassen. Damit man das kann, braucht man aber vermutlich erstmal einen Basisimpfstoff oder sowas. Das HIV mutiert imho auch nicht so extrem wie das Grippevirus, man kann immer noch und schon über Jahre hinweg verschiedene Subtypen ausmachen. Wenn eine Impfung sogar direkt den viruspezifischen Wirkmechanismus angreifen kann (der allen Subtypen zu eigen ist), dann kann das Virus u.U. sogar ausgerottet werden, da jede Mutation beim Wirkmechanismus es entweder harmlos macht oder zu einem anderen Krankheitsbild führen würde.
...mutieren ständig, manche mehr, manche weniger. Trotzdem kann man dagegen impfen (siehe Grippeviren) nur muss man die Impfung ständig anpassen. Damit man das kann, braucht man aber vermutlich erstmal einen Basisimpfstoff oder sowas. Das HIV mutiert imho auch nicht so extrem wie das Grippevirus, man kann immer noch und schon über Jahre hinweg verschiedene Subtypen ausmachen. Wenn eine Impfung sogar direkt den viruspezifischen Wirkmechanismus angreifen kann (der allen Subtypen zu eigen ist), dann kann das Virus u.U. sogar ausgerottet werden, da jede Mutation beim Wirkmechanismus es entweder harmlos macht oder zu einem anderen Krankheitsbild führen würde.
diesen oder jenen Markt macht Selbstverständlich mal aus ob da überhaupt Menschen,Tiere oder Pfanzen krank sind... das zweite aber ist, ob da überhaupt genug Geld gemacht werden kann... und das ist leider gerade bei AIDS und Afrika nicht unbedingt der Fall.Die AIDS Patienten die selber via die Krankenversicherung oder staatlich finanzierte Programme an Medikamente herankommen sind nur gerade in den reichen Industrieländern in genügend grosser Anzahl zu finden und dafür wird überhaupt die Entwicklung von AIDS Präparaten berücksichtigt. Nicht aber für Kontinente wie Afrika... der Kontinent darf lediglich für gross angelegete testreihen herhalten...Erinnert man sich aber an die Mio. von Menschen die jedes Jahr an Malaria sterben (die Zahl ist um 10' Faktoren höher als bei AIDS) und nimmt man zur Kenntnis das für Malaria praktisch keine nennenswerten Programme zur Medikamentenentwicklung existieren dann versteht man vieleicht warum an günstigen AIDS Präparaten nur geringes Interesse besteht...Wundern darf man sich da eigentlich nur solange man kein Aktionär aber doch noch Mensch mit sozialem Gewissen ist...---------------------------
"...wenn ich den armen zu Essen geben werde ich zum Heiligen. Wenn ich frage warum sie nicht's zu Essen haben schimpfen sie mich Kommunist...".
Zum einen ist das Misstrauen der Pharmakonzerne berechtigt, werden sie doch permanent für ganz normales Geschäftsgebahren verurteilt. Einen Bauern dafür maßzuregeln, dass er ein Grundnahrungsmittel mit Gewinn verkaufen will ist ebenso unsinnig, wie einen Pharmakonzern dafür zu belangen, dass er die immensen Entwicklungskosten in Gewinn umwandeln möchte. Soweit zum Geschäftlichen. Die Behauptung, alle Pharmakonzerne hätten das Ziel, den Impfstoff zu verhindern ist Humbug. Dabei wird das Prinzip der freien Konkurrenz ausgeblendet: Wer zuerst den Impfstoff hätte, könnte ihn verkaufen und den anderen das Geschäft mit den Präparaten vermiesen. Würde man das Gegenteil annehmen, gäbe es überhaupt keine Impfstoffe. Der Gewinn wäre übrigens weitaus größer, da sich weite Teile der uninfizierten Bevölkerung vor allem in den wohlhabenden Ländern impfen lassen würden - mit Medikamenten wird aber nur ein Bruchteil der "wenigen" Infizierten versorgt. Die Impfstoffforschung ist nun mal sehr komplex und nur in Bezug auf HIV nicht sehr vielversprechend. Es ist durchaus richtig, dass in der Prävention und in der Behandlung mit wenig Geld sehr viel mehr erreicht werden könnte. Dennoch haben alle Seiten ein Interesse an einem Impfstoff und an den vielen nützlichen zufälligen Nebenergebnissen der Forschung über Retroviren. http://myblog.de/nichtide...
...mutieren ständig, manche mehr, manche weniger. Trotzdem kann man dagegen impfen (siehe Grippeviren) nur muss man die Impfung ständig anpassen. Damit man das kann, braucht man aber vermutlich erstmal einen Basisimpfstoff oder sowas. Das HIV mutiert imho auch nicht so extrem wie das Grippevirus, man kann immer noch und schon über Jahre hinweg verschiedene Subtypen ausmachen. Wenn eine Impfung sogar direkt den viruspezifischen Wirkmechanismus angreifen kann (der allen Subtypen zu eigen ist), dann kann das Virus u.U. sogar ausgerottet werden, da jede Mutation beim Wirkmechanismus es entweder harmlos macht oder zu einem anderen Krankheitsbild führen würde.
Forschen denn keine Universitäten an solchen Sachen? Oder hängen die entsprechenden Fachbereiche bereits derart von Drittmitteln ab, dass gemeinnützige Forschung in dem Bereich faktisch nicht mehr stattfindet?
Das kann ich nur unterstreichen. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, warum wir eine Freiheit der Forschung mit ausreichenden finanziellen Mitteln brauchen. Leider wird die Leistung von Professoren stark an der Höhe der eingeworbenen Drittmittel gemessen und viele Drittmittelquellen lassen sich nur mit Industriepartnern anzapfen. So etwas erhöht nicht gerade die Bereitschaft sich mit Dingen zu beschäftigen, die die Industrie nicht haben möchte. So richtig zynisch ist, dass wir auch noch mit hohen Medikamentenpreisen in Deutschland die Pharmaindustrie subventionieren, weil die ja Forschung für uns alle betreibt.
Das kann ich nur unterstreichen. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, warum wir eine Freiheit der Forschung mit ausreichenden finanziellen Mitteln brauchen. Leider wird die Leistung von Professoren stark an der Höhe der eingeworbenen Drittmittel gemessen und viele Drittmittelquellen lassen sich nur mit Industriepartnern anzapfen. So etwas erhöht nicht gerade die Bereitschaft sich mit Dingen zu beschäftigen, die die Industrie nicht haben möchte. So richtig zynisch ist, dass wir auch noch mit hohen Medikamentenpreisen in Deutschland die Pharmaindustrie subventionieren, weil die ja Forschung für uns alle betreibt.
Sind die forschenden Pharmafirmen Teil der Marktwirtschaft oder Teil der Sozialhilfe? Ich befürchte, das erstere!
Das kann ich nur unterstreichen. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, warum wir eine Freiheit der Forschung mit ausreichenden finanziellen Mitteln brauchen. Leider wird die Leistung von Professoren stark an der Höhe der eingeworbenen Drittmittel gemessen und viele Drittmittelquellen lassen sich nur mit Industriepartnern anzapfen. So etwas erhöht nicht gerade die Bereitschaft sich mit Dingen zu beschäftigen, die die Industrie nicht haben möchte. So richtig zynisch ist, dass wir auch noch mit hohen Medikamentenpreisen in Deutschland die Pharmaindustrie subventionieren, weil die ja Forschung für uns alle betreibt.
der AIDS-Forschung bleibt die Tatsache, daß forschendes Personal in dieser Richtung von der Pharma-Industrie hofiert, dies aber nicht bereit ist, die sehr hohen Anlaufkosten zu übernehmen.Ergo, es wird alles getan, auch im Verbund mit der Politik, den Dingen, die hier zu unternehmen wären, entgegen zu wirken.Ein Trauerfall für die Menschheit.debrasseur
der AIDS-Forschung bleibt die Tatsache, daß forschendes Personal in dieser Richtung von der Pharma-Industrie hofiert, dies aber nicht bereit ist, die sehr hohen Anlaufkosten zu übernehmen.Ergo, es wird alles getan, auch im Verbund mit der Politik, den Dingen, die hier zu unternehmen wären, entgegen zu wirken.Ein Trauerfall für die Menschheit.debrasseur
Glauben Sie mir, das erste Pharmaunternehmen, das einen Impfstoff entwickelte, würde sich nicht scheuen, diesen zu vermarkten. Rücksicht auf die Konkurrenz nehmen auch Pharmahersteller in der Regel nicht und schon gar nicht kommen sie auf die Idee die Profite der Mitbewerber zu schützen.Übrigens: auch nachdem die Aidsmedikamente sehr viel billiger angeboten wurden, kamen diese nicht zum Einsatz. Siehe Südafrika. Der dortige Präsident und seine Gesundheitsministerin verhinderten jahrelang die Verabreichung dieser Medikamente. Mbeki vertrat sogar die Meinung, dass diese Krankheit zum einen nicht durch den Geschlechtsverkehr übertragen würde und zum anderen sich mit Zitronen und Knoblauch heilen ließe. Nicht die Ignoranz der Forschung, sondern der Politik sind eine der Hauptursachen für die extrem hohen Durchseuchungsraten in Afrika.Was könnte helfen? Was sicherlich helfen würde, sind Aufklärungskampagnen und eine Veränderung des Sexualverhaltens. Man hört dies nur nicht gern. Aber die in einigen Ländern grassierende Promiskuität ist einer der Hauptgründe für die Ausbreitung der Seuche.
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