Die ZEIT: Herr Jonas, Sie sind seit dreißig Jahren Kabarettist und leben davon, sich über Politik lustig zu machen. Ist das schwieriger geworden?

Bruno Jonas : Eigentlich nicht. Voraussetzung für eine Kabarettnummer ist der Ärger über das öffentliche Verhalten einer Person, die Verantwortung trägt. Im politischen Kabarett geht es meistens um Politiker. Früher hießen sie Brandt oder Strauß, heute Merkel oder Schröder.

ZEIT: Politiker stehen ohnehin nicht hoch im Ansehen. Ist ein Witz über, sagen wir, Erwin Huber nicht einfach billig?

Jonas: Sie sorgen sich, ob Sie unter Ihrem, auf Ihrem oder über Ihrem Niveau gelacht haben. Mit Verlaub: Das ist ziemlich großbürgerlich-spießig.

ZEIT: Wieso? Wir wollen wissen, wie Sie als Kabarettist mit Politikverdrossenheit umgehen – oder sind Sie selbst verdrossen?

Jonas: Aber ja! Das ist die Voraussetzung für meine Arbeit! Wenn ich nicht verdrossen wäre, wie sollte ich Kabarett machen? Politik versetzt mich in einen Zustand des Missvergnügens. Da ist der Unterhaltungsaspekt drin – Vergnügen –, vor allem aber Kritik.

ZEIT: Besonders heldenhaft ist es nicht, über einen angeschlagenen Politiker wie Huber zu spotten.

Jonas: Ach so. Was ist Kabarett? Es ist Unterhaltung in Form der Satire. Ein guter Kabaretttext will den angegriffenen Sachverhalt anprangern und der Lächerlichkeit preisgeben. Dahinter steht eine strafende Absicht. Ich halte gar nichts vom pädagogischen Ansatz. Manche Leute gehen sicher auch ins Theater, um sich dort mal so richtig die Welt erklären zu lassen. Aber es gibt auch den vernichtenden Satiriker, der vor nichts haltmacht. Ich denke da an Karl Kraus. "Alles, was ich in die Hand nehme, wird zu Blech", hat Kraus gesagt. Kurt Tucholsky gehörte eher zur Schule des weltverbessernden Kabaretts.

ZEIT: Und Sie?

Jonas: Na, eher Karl Kraus. Aber Weltverbesserung kann auch sehr komisch sein. Im Übrigen bin ich gerade sehr beeindruckt von einem Buch des verstorbenen amerikanischen Philosophen Richard Rorty: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Das liest sich wie eine Anleitung fürs Kabarett: Kontingenz bedeutet, dass das Tatsächliche immer auch ganz anders sein kann. Und zu dieser Weltsicht passt die sprachliche Haltung der Ironie – wo Sie ja auch mit voller Absicht etwas anderes sagen, als Sie meinen. Ironie ist die Grundbedingung des Kabaretts. Anders als Sie mache ich mir dabei wirklich nicht auch noch die Sorgen der Politik.